Stilvoll altern

Warum das Leben auch über 35 noch Spass machen kann

Mittwoch, November 04, 2009

Sorry

Unser heimischer Internetzugang will zur Zeit nicht so, wie ich will.
Sprich, ich will, er nicht.
Und bloggen von Arbeit aus ist nicht so prickelnd, ausserdem kann ich hier keine Bilder hochladen.
Ich bitte also um etwas Geduld und melde mich wieder, sobald die Technik mich lässt.

- Madonna -

06.11.2009 - ein Nachtrag
Gestern hab ich mich mit der Service-Hotline von 1&1 herumgeärgert.
Hotline: "Jaha, so wie Sie das Gerät angeschlossen haben, kann das ja auch unmöglich funktionieren!"
Ich:"Wären Sie dann so nett, mir mitzuteilen, warum es genau so, wie ich es angeschlossen habe, in den letzten vier Jahren funktioniert hat?"
Hotline:"Das kann ich Ihnen nicht sagen, aber so funktioniert es auf jeden Fall nicht."
Ich:"Aber es hat funktioniert! Stolze vier Jahre!"
Hotline:"Das kann gar nicht sein!"
An dieser Stelle habe ich frustriert das Gespräch abgebrochen und denke über einen Anbieterwechsel nach.
Kündigung ist leider erst zu Ende 2010 möglich, aber meines Wissens nach kann ich auch jetzt direkt zu einem anderen Anbieter wechseln. 12 Monate zahlen für nix tät mich nämlich schon irgendwie ärgern.
Hat jemand von Euch Erfahrungen (positiv wie negativ) mit anderen DSL-Anbietern gemacht?
Für Berichte wäre ich sehr dankbar.
Bis zum Wechsel werde ich mir einen Surfstick zulegen, damit wir nicht völlig aus der Welt sind. Mal schauen, wie der funktioniert.

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Mittwoch, Oktober 14, 2009

I Want To Conquer The World

In unserem Haushalt sind wir zu 66 Komma Periode 6 der festen Überzeugung, dass mit zwei Katzen und einer gelegentlich durchs Wohnzimmer schlendernden Spinne ausreichend Haustiere vorhanden sind.
Die restlichen 33 Komma Periode 3 Prozent werden vertreten von unserer Tochter, die meint, ein weiteres Lebewesen könne ja wohl kaum schaden, schließlich seien die zwei Katzen ja schon für die Eltern reserviert und eine Spinne keineswegs ihr Wunschhaustier.
Nachdem wir Hund, Hamster, Fische und Erdmännchen vehement abgewehrt haben, hat sich unsere Tochter jetzt aufs Wissenschaftliche verlegt.
Langjährige Leser dieses Blogs (oder solche, die in den Archiven stöbern) werden sich erinnern, dass ich vor etwa 3 1/2 Jahren schon einmal einen famosen Plan zur Eroberung der Welt ausgetüftelt hatte. Unterstützung hatte ich mir seinerzeit von Üpps mit Gimmick erhofft, und zwar in Form einer vielköpfigen Urzeitkrebsarmee, mit der ich zunächst Berlin zu überrollen gedachte und hernach die Weltherrschaft übernehmen wollte.
Das Ganze scheiterte damals daran, dass ich anscheinend ein Päckcken mit faulen Krebseiern erwischt hatte.
In dem stylischen Aquarium wuchs nur ein weißliches Klümpchen heran, das sich dazu auch nicht im Geringstens bewegen wollte. Im Nachhinein vermute ich ja fast, dass dieser scheibare Urzeitkrebs letztlich nur der Tatsache zu verdanken war, dass unsere Katze einmal ins Aquarium geniest hatte.

Unsere Tochter ist da weitaus cleverer. Statt auf den Zeitschriftenmarkt zu bauen, hat sie gleich eine ordentliche Summe ihres Taschengeldes in eine Kosmos-Krebszuchtanlage investiert, den Herrn Vater zur Beschaffung von destilliertem Wasser und echt griechischem Meersalz bewogen und damit das Ganze auf wesentlich solidere Beine gestellt als ich seinerzeit.
Nach dem Einrühren der Eier in das ordentlich gesalzene Wasser begann eine zweitägige Phase zähen Wartens, bis sie jetzt feststellen konnte:

SIE LEBEN!

Man denke sich an dieser Stelle zuckende Blitze im Hintergrund und ein stark verhalltes und ausgesprochen diabolisches Lachen, das selbst Vincent Price vor Neid hätte erblassen lassen.
Ich würde es ja gerne im Bild demonstrieren, aber erstens schafft unser Fotoapparat es nicht, das Gewusel hunderter, kaum einen Milimeter großer weißer Striche hinreichend scharf abzubilden, ausserdem darf ich auf Geheiß unserer Tochter auch den Blitz nicht einsetzen, weil die Kleinen ja verschreckt werden könnten.

Während meine Frau und ich schon über die Genießbarkeit von Urzeitkrebsen diskutieren und im Internet nach Rezepten für Krebssüppchen und Krebsauflauf à la Mesozoikum fahnden, kümmert sich unsere Tochter mit hinreißender Fürsorge um die Kleinen, die laut Bastelanleitung wohl zurzeit nur ein Auge (und das auf dem Rücken!) und einen ausgelagerten Mund haben.
Irgendwann sollen sie dann auch etwas weniger wie Plankton aus Spongebob Schwammkopf aussehen und bis zu einem Zentimeter groß werden.
Bis dahin werden wir uns wohl auch entschieden haben, ob wir sie jetzt essen oder uns lieber mit ihrer Hilfe die Welt untertan machen wollen.

Ich sag dann rechtzeitig vorher bescheid.

- Bad Religion -

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Freitag, Oktober 09, 2009

Give peace a chance

Ich schätz mal, ich bin nicht der erste, der mitbekommen hat, dass der Herr Obama den Friedensnobelpreis bekommen soll.
Kann man natürlich drüber streiten.
Bzw. mehrfach geteilter Meinung sein.
Zum Beispiel darüber, dass er nominiert wurde, als er keine zwei Wochen im Amt war.
Oder darüber, dass er bis jetzt weder in Afghanistan noch im Irak den Krieg beendet hat (was wohl auch für ihn nicht ganz einfach sein dürfte).
Darüber, dass auf Kuba immer noch der ein oder andere Mensch, der zum Beten gen Osten blickt, möglicherweise zu Unrecht das schöne Wetter dort genießen darf.
Kann man drüber diskutieren, klar.
Ich finde es trotzdem gut.
Dass er so früh nominiert wurde, ist für mich ein Zeichen dafür, welche große Hoffnung in ihn gesetzt wurde. Eine Option auf eine zwar noch ungewisse, aber dringend herbeigesehnte Änderung.
Und dass er jetzt den Preis bekommt, sollte zumindest einem Teil der Idioten in seinem eigenen Land, die von der Theorie, dass er ja eigentlich gar kein echter Amerikaner ist, weil er ja in Afrika geboren wurde und dann vermutlich per Anhalter ins Land of hope and glory kam bis hin zur Überzeugung, dass er sowieso mindestens gesteinigt gehört, weil er mit der Einführung einer Pflichtkrankenversicherung für alle Bürger ja statt der Förderung des amerikanischen Gesundheitswesens vielmehr die Ausrottung der Rentner im Sinn habe jeder noch so abstrusen Wahnvorstellung nachhängen, weil es einfach nicht in ihr Weltbild passt, dass ein linksliberaler Schwarzer jetzt die Geschicke von god's own country leiten soll, das Maul stopfen und ihm Rückenwind geben.
Ausserdem ist der Zug politisch recht geschickt, weil er jetzt gar nicht mehr anders kann, als einen Kurs einzuschlagen bzw. fortzusetzen, der die Welt wenigstens wieder ein bisschen friedlicher macht, als sie es zur Zeit ist.
Klar kann man auch drüber streiten, ob der Nobelpreis so aktuell und politisch sein soll.
Auch hier finde ich: Ja, das soll er.
So schön es ist, das Menschen für ihr Lebenswerk geehrt werden, so viel schöner ist es doch, wenn mit einer solchen Ehrung Weichen für ein Lebenswerk gestellt werden, dass allen einmal nutzen könnte.

Nennt mich einen Träumer, aber ich glaube, da bin ich nicht der Einzige.

- The Beatles -

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Mittwoch, Oktober 07, 2009

White Christmas

ICH.
WILL.
WEIHNACHTSMARKT.
UND.
SCHNEE.

JETZT.

Das ist doch furchtbar - draußen ist schwülstes Sommerwetter, mal ist der Himmel blau (wie gerade jetzt), mal ist er grau (wie gerade jetzt), zwischendrin schüttet es mal und über allem ist es auch noch eklig warm.
So kann das ja wohl nicht weitergehen, Herrschaften!
Anderswo darf man um diese Zeit schon den ersten Frost von der Scheibe kratzen und hier muss man noch mal das Netz-Muscleshirt vom Sommer aus dem Schrank kramen.
Ich möchte jetzt Lebkuchen und heissen Pfefferminztee mit Honig und Zitrone, aber unsere Tochter hat meine Frau beauftragt, Zutaten für ein Sommererfrischungsgetränkt einzukaufen.
Anfang Oktober!

Baumkuchen!
Röstkastanien!
Dicke Männer mit weißen Bärten in roten Mänteln, die Dreijährige in Angst und Schrecken versetzen!
Das will ich.
Und zwar ein bisschen plötzlich!

Bis es soweit ist, werden wir übernächste Woche nochmal für ein paar Tage in den Spreewald fahren - nur falls wir uns vorher nicht mehr lesen.
Wahrscheinlich wird genau das die Initialzündung für kaltes, nasses und trübes Herbstwetter sein.
Natürlich nur, bis wir wieder zurück kommen.

- Bing Crosby -

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Montag, Oktober 05, 2009

Bourgeois Shangri-La

Boah, näh, Werbung.
Hört mir auf damit.
Im Moment laufen im Fernsehen wieder einige Werbespots, die, um es einmal etwas direkter auszudrücken, mir nicht nur auf den Sack gehen, sondern gleich einen ganzen Steptanz dort aufführen.
Werbung ist ja fast generell widerlich. Die, die nicht widerlich ist, ist idiotisch.
Da frage ich mich schon manchmal, welche Zielgruppe damit geködert werden soll.
Und ob die Schwachköpfe, die sich die Werbung ausdenken, im Leben auf die Idee kämen, aufgrund ihrer Werbung das zu kaufen, was da beworben wird.
Mindestens genau so dämlich sind natürlich die Verantwortlichen, die hoffen, mit dieser Art von Werbung Käuferschichten anzusprechen.
Und die Dritten im Dämlichkeitsbunde sind eben jene Käufer, die durch solche Spots tatsächlich zum Kauf des Produktes animiert werden.
Genug des Geredes, hier meine aktuellen Top 3 der übelsten Werbespots, die aktuell laufen:

Auf Platz 3:
Die Sackratte, die Packratte.
Der Sachschaden, der Dachschaden.
Mach es zu Deinem Projekt!

Na klar, das ist - Jippijahjahjippijippijeah - der Hornbach-Baumarkt.
Schon aufgrund dieses Spots sollte man nur noch bei Obi kaufen, hätten die nicht die unsägliche "Wie, wo was, weiß OBI"-Werbung am Start.
Alles in allem ein guter Anlass, wieder mehr Arbeiten von echten Handwerkern machen zu lassen und diese Do-it-yourself-Märkte großräumig zu meiden.

Auf Platz 2:
"Haben Sie schon einmal an einer wissenschaftlichen Studie teilgenommen? Ich gerade jetzt erst. Nämlich zum Thema "Ich habe ein dummbatziges Grinsen im Gesicht - wer möchte mir spontan in die Fresse hauen?"

Ich würde mich da durchaus eine halbe Stunde für anstellen.
Schon für den Spruch "Probieren geht über studieren" hätte die Actimel-Grinsebacke eine ordentlich Tracht Prügel verdient. Sollte das tatsächlich ein echter Student sein, kann man nur hoffen, dass ihn seine Kommilitonen Tag für Tag so lange lauthals auslachen, bis er das Studium schmeißt und seinen wohlverdienten Platz unter einer Brücke einnimmt. Sollte er ruhig mal versuchen, wie das so ist - ich sag nur "probieren geht über studieren!".

Auf Platz 1 unangefochten:
Du bist nicht da, um zu schweigen. Informiere Deine Umwelt über Dein Leben, Deine Erfahrungen auf der Sonnenbank, Deinen Stuhlgang. Auch wenn Sie es nicht wissen will. Auch wenn Sie Dir nicht aus dem Weg gehen kann, weil Du lautstark in der U-Bahn in Dein Handy blökst.
Das ist Deine Zeit!

Ganz gräßlich. Schon die Einblendung von Sascha Lobo, dem hahnenkammbewehrten Internet-Dummschwätzer verursacht starke Übelkeit bei mir, die auch keineswegs dadurch gemildert wird, dass eine grausliche Coverversion von David Bowies "Heroes" im Hintergrund abgenölt wird.
Nein danke, da nehme ich doch lieber Verbindungsabbrüche bei 1&1 in Kauf, bevor ich zum König der Telefonzufriedenheit, Vodafone wechseln würde.

"Mannmannmann, ist der Herr F. aber wieder in grummeliger Stimmung", mag da manch einer murmeln.
"Kann ihn denn nichts aufheitern?"

Doch, kann es. Einen Werbespot gibt es, bei dem krieg ich regelmäßig gute Laune.
Nämlich der für den neuen iPod Nano.
Nicht des Gerätes wegen - ich mein, ein MP3-Player, der Filme drehen kann.
Wow.
Unglaublich.
Sowas wollte ich immer schon haben.

Nein, ist gelogen. Das scheint mir so ziemlich eine der allerunnotwendigsten Funktionen zu sein, die ein MP3-Player an Bord haben müsste.

Aaaaber - die Musik da Hintergrund, die macht einfach gute Laune. Bei mir zumindest.
Und zwar so gut, dass der Fernseher selbst dann heil bliebe, wenn vorher Hornbach, Actimel und Vodafone beworben worden wären.
Das Stück heißt übrigens wie dieser Post, Stammt von einer Dame namens Miss Li und ist gerade im kalt-trüben Herbst wärmstens anzuempfehlen.

Ebenfalls wämstens anempfehlen möchte ich noch eine kleine Comedy-Sendung, die der NDR zwar immer recht geschickt in seinem dritten Programm verbirgt, und zwar sonntags abends kurz vor Mitternacht,
die ich aber trotzdem beireits mehrfach zu sehen geschafft habe und die mir zumindest bislang immer ein amüsantes Viertelstündchen - denn länger ist sie leider nicht - bereitet hat.
"Dennis und Jesko" heißt sie und zu sehen ist sie immer irgendwann am späten Sonntag Abend auf Nord 3.
Lohnt sich.

- Miss Li -

Ps: Noch zwei Dinge anzumerken, mit einem weinenden und einem lachenden Auge: Das weinende steht für den Herrn Trainbuk, der zumindest blogtechnisch von uns gegangen ist. Ich hoffe, dass er sich im echten Leben allerbester Gesundheit und auch aller sonstigen Wonnigkeiten des Lebens erfreut und vielleicht gelegentlich einfach mal so hier vorbei schaut.
Das lachende Auge gilt der Frau Daria, die neu in die Liste gerutscht ist ("Vorsicht, bissig!"). Auch wenn sie keineswegs immer meine Meinung teilt (was mir natürlich völlig unverständlich ist), trägt sie doch viel zu anregenden Diskussionen bei. Ein Besuch bei ihr sei hiermit anempfohlen.

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Montag, September 21, 2009

Smells like teen spirit

Ja, wir haben wieder Lebkuchen im Haus.
26 Grad Aussentemperatur ist zugegebenermaßen nicht die ideale Grundlage dafür, aber es gibt Dinge, zu denen muss man sich einfach überwinden. Immerhin ist bald schon wieder Weihnachten und da muss man ja schließlich in Stimmung kommen.
Leider sind die guten Schoko-Nuss-Nikoläuse von Milka noch nicht erhältlich; zurzeit müsste man sich eher auf Halloween-Süßwaren stürzen, aber die finde ich durch die Bank nicht so prickelnd. Die haben sowas Amerikanisches, denen fehlt jeder besinnliche Touch, wie ihn ein Schokonikolaus nunmal verströmt.
Ich hab immer noch praktisch keine Geschenke, weiß aber immerhin schon, was ich mir so alles wünschen könnte.
Das heißt, genau genommen habe ich im Moment zwei Dinge für meine Liebste und zwei Dinge, die ich auf meinen Wunschzettel schreiben kann. Das Kind hat sich noch gar nicht geäussert.
Das ist nicht gerade viel und es sind nur noch 95 Tage bis Weihnachten. Könnte eng werden.

Was gibt es sonst noch?
Die S-Bahn in Berlin fährt praktisch immer noch nicht, dafür sind alle anderen Berliner Nahverkehrsmittel so ziemlich ausgelastet. Es ist recht kuschelig zurzeit in der Bahn, unabhängig von der Aussentemperatur. Die Steh- und Sitznachbarn gestatten mir einen tiefen Einblick in ihren Musikgeschmack und nicht selten auch in ihre Ess- und Hygienegewohnheiten.
Wenn ich wieder einmal feststellen muss, dass die Dame neben mir gestern abend wohl einen Knoblauch-Zwiebel-Auflauf zu sich nahm und der junge Herr schräg gegenüber anscheinend seit mehreren Tagen mit einem Duschendefekt zu kämpfen hat, stelle ich mir doch die Frage, warum die Wissenschaft nicht schon längst einen Walkman für die Nase entwickelt hat.
Die Ohren kann man gegen lästige Geräusche abschotten, warum nicht auch die Nase?
Einfach die Nasenstöpsel einführen und schon wird man während der ganzen Zeit von Wohlgerüchen umschmeichelt.
Lebkuchen, zum Beispiel.
Also, liebe Wissenschaftler, arbeitet mal dran. Ich würde euch dann auch für den Nobelpreis vorschlagen.
Oder mindestens das Bundesverdienstkreuz.

- Nirvana -

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Freitag, September 18, 2009

Ich bau Dir ein Schloss

Manchmal habe ich das Gefühl, dass es Berlin nur deshalb gibt, damit der Menschheit ein Beispiel für glühende Unfähigkeit im öffentlichen Sektor präsentiert werden kann.
Dabei will ich jetzt gar nicht auf den im Rest der Republik weitestgehend unbeachtet gebliebenen Totalausfall der S-Bahn hinaus, der einer grandiosen Kombination aus Gier, Rücksichtslosigkeit und Unfähigkeit zu verdanken ist - nein, ich bin da unlängst auf etwas anderes gestossen.
Ich hol mal ein bisschen aus:
In Berlin gab es bis vor nicht allzu langer Zeit ziemlich mittig gelegen ein Schloss, dass den seinerzeitigen Herrschern als Wohnsitz diente. Nachdem schon der Irrsinn des gut zwölf Jahre dauernden tausendjährigen Reiches dafür gesorgt hatte, dass dieses Schloss nicht'mehr so ganz intakt war, hat dann der darauf folgende Staat gleich Nägel mit Köpfen gemacht, den Rest auch noch eingeebnet und an seiner Stelle einen nicht gerade ansehnlichen Bau errichtet, der von manchen "Palazzo Prozzo", von anderen wiederum "Erichs Lampenladen", von den meisten aber als "Palast der Republik" bezeichnet wurde.
Eben jener Bau war nach dem Ende eben jener Republik zahlreichen Leuten ein Dorn im Auge, weswegen man den Abriss beschloss ("Rückbau" hieß das im Fachjargon). Die Asbestfunde in dem Bau waren ein willkommenes Zusatzargument.
Um aber den riesigen Platz nicht zur Brache verkommen zu lassen, beschloss man ebenfalls, an Stelle des DDR-Palastes das Humboldtforum zu erreichten, auf dass dieses ein kulturelles Zentrum im Zentrum Berlins werden möge.
Und da sich die neue Berliner Republik doch ein wenig gestrig gewandt gibt, verfügte man gleichermaßen, dass eben jener Neubau ein Fassade bekommen möge, die dem ursprünglichen Bau, nämlich dem Berliner Stadtschloss entspräche. Das Geld hierfür, schlappe 80 Millionen, wollte ein privater Verein durch das Anschnorren der Bürgerschaft eintreiben. Immerhin, 11 Millionen hat man seit 2004 beisammen, die restlichen 69 Millionen bis 2010 zu beschaffen kann ja nicht allzu schwer sein.
Was aber jetzt das das Ganze (soweit überhaupt noch möglich) in noch Absurdere dreht, ist die Tatsache, dass man unter dem Gelände, auf dem das Schloss (mit der neuen alten Fassade) gebaut werden soll, Kellerräume des echten alten Schlosses in durchaus gutem Zustand fand.
Statt nun aber zu sagen "Oh, wie fein, echte alte Sachen! Kein Berliner Disneyland, sondern das Original. Das werden wir unbedingt für die Nachwelt erhalten!" geht man hin und erklärt "Ähem, tja, echtes Altes ist ja nun mal gar nicht vorgesehen. Wir haben doch schon das küntliche Alte. Weg mit dem Gerümpel!"
Sprich, die Keller sollen noch archäologisch dokumentiert und dann aber beseitigt werden, obwohl eine Einbeziehung in den Bau durchaus möglich wäre.
Man könnte ja zum Beispiel, wenn es denn ums Geld geht, auf die künstlich alte Fassade verzichten und dafür mit den eingesparten Mitteln denecht alten Keller konservieren. Wäre durchaus denkbar. Wird aber wohl nicht passieren. Ich verstehe es nicht und weiß auch nicht, ob es jemanden gibt, der mir die innere Logik dieses Vorgehens vermitteln kann.

Ich gestehe, das ist viel Geschreibsel und viel Aufregung, die man in anderen Teilen Deutschlands vielleicht gar nicht so nachvollziehen kann. Aber es ist wieder einmal so symptomatisch für das Handeln in Berlin, bei dem es die oberste Maxime zu sein scheint, das Hirn unbedingt auszuschalten, bevor man sich an die Arbeit macht.
Ach, noch eine kleine Anmerkung für alle die, die nicht in Berlin wohnen:
Der Neubau soll insgesamt 550 Millionen kosten, 440 davon steuert der Bund bei. Wenn Ihr also in Zukunft mal nach Berlin kommt, freut Euch - Ihr seid jetzt Schlossherren und -damen.

Allerdings ohne Keller.

- Neue Heimat -

Ps.: Ich sitze jetzt hier vor meinem Yes-Torty und puste die vier Kerzen aus, die darin stecken. Gestern ist der Blog nämlich vier geworden und ich möchte mich an dieser Stelle bei allen bedanken, die hier (mehr oder minder regelmäßig) hereinschauen und (mehr oder minder regelmäßig) Kommentare hinterlassen, auch wenn ich in den Frühzeiten (dem Blog-Paläozoikum quasi) durchaus aktiver war.
Nun ja, man wird nicht jünger und das Schreiben will auch nicht immer so leicht aus den gichtigen Fingern fließen wie damals noch.
Trotzdem danke für die Treue und bleibt mir weiterhin gelegentlich gewogen.

Euer Falcon

Psps:
Im Kino war ich leider nicht; offensichtlich haben etliche Lichtspielhäuser in meiner Nähe nicht an den Erfolg von Inglourious Basterds geglaubt und diese daher gar nicht erst ins Programm aufgenommen. Schade, aber im Zweifelsfall gibt es ja spätestens zu Weihnachten die DVD.
Dann jetzt also einen anderen Programmhinweis:
Sollte man seine elektronischen Geräte danach aussuchen, wie gut sie sich werfen lassen, wenn sie mal nicht funktionieren? Und falls ja - was macht man dann, wenn der Drucker nicht druckt, aber zu schwer zum Werfen ist?
Welche Gedanken gehen einem durch den Kopf, wenn dieser zwischen den Stäben eines denkmalgeschützten Brückengeländers festklemmt?
Und kann man eine Camcordertasche anziehen, wenn man seine Mütze nicht findet?
Wer sich mit solchen und ähnlichen elementaren Fragen bislang vergeblich auseinandergesetzt hat, findet jetzt die Lösung:
Horst Evers liest!
Und gibt neben den Antworten auf die oben genannten Fragen auch noch Lebenshilfe in Sachen "Was wäre, wenn ich Paris Hilton wäre?", "Wieso empfiehlt es sich, gerade dann Urlaub auf dem Reiterhof zu machen, wenn man selber nicht reitet?" und "Kann man eine Antivirensoftware auf einem Wasserhahn installieren?".
Lebenshilfe pur also.
So der gute Herr Evers zu Gast in einem Mittelzentrum in der Nähe des einen oder anderen Lesers ist, sei der Besuch seiner Veranstaltung hiermit dringend angeraten.
Auch, wenn natürlich nicht jeder soviel Glück hat wie ich und eine Karte zu dieser recht langen, aber äusserst kurzweiligen Veranstaltung von seiner Liebsten zum Geburtstag geschenkt bekommen zu haben.
Lohnt sich aber auch dann, wenn man den Eintritt selber bezahlen muss.

Pspsps.: Worte, die man nicht vergessen sollte: ~ Rädelsführer ~

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