Donnerstag, Dezember 28, 2006

What is love

Hach, Weihnachten, das Fest der großen Gefühle.
Ich merk das regelmäßig an den Suchanfragen.
Da findet man Melancholie ("Ruf Teddybär 1-4"), tiefe Trauer ("When I'm dead and gone"), Frohsinn ("klingt doof, ist aba so kindersendung") und immer wieder Liebe ("erdrückende Mutterliebe"), Liebe ("Janine Reinhardt nackt/Janine Reinhardt Titten") und Liebe ("Sexmangas").
Mittendrin ein paar obligatorische Schlafmützen, die am 26.12. anfangen, "bunte Weihnachtsvorlagen" zu suchen.

Ausserdem noch viele weitere schöne Suchanfragen, die eigentlich viel zu schade sind, um in den Tiefen des Blogcounters dahinzuwesen.

Ich denke, ich werde einmal die Schönsten heraussuchen und dann, in Anlehnung an die brilliante Idee der Frau Floh einen fröhlichen Geschichtenwettbewerb unter den literarisch ambitionierten Blogbesuchern ausrufen. Und die beste Geschichte kriegt dann vielleicht sogar einen Preis.

Mal schauen, scheint mir eine ausbaufähige Idee.

- Haddaway -

Mittwoch, Dezember 27, 2006

Sweets for my sweet

Katastrophe ! Panik ! Weltuntergang !

Aus den Geschäften sind alle Weihnachtssüßigkeiten verschwunden!
Was das heisst, kann sich wohl jeder selber ausmalen:
- kein Lindt-Baumbehang in Nougat
- keine Milka Schoko-Nuss Weihnachtsmänner und
- keine Sahnenougatnüsse von Hussl.
Nicht mal mehr Lebkuchen.

Auf meine entsetzte Nachfrage hin meinte die Verkäuferin doch tatsächlich, dass es kein Wunder sein, dass die Weihnachtssüßigkeiten weg seien. Schließlich sei ja auch kein Weihnachten mehr.
Meiner bestechenden Logik, mit der ich dann zu erfahren wünschte, warum man den ganzen Schamott denn schon im September hatte kaufen können, da sei ja schließlich auch noch kein Weihnachten gewesen, wusste sie zwar nicht entgegen zu setzen, aber die heiß ersehnten Nougatnüsschen brachte das leider auch nicht herbei.
Ich gebe natürlich die Hoffnung nicht auf und werde morgen nochmal auf die Suche gehen, aber allzu optimistisch bin ich ja nicht.

Aber ein Hoffnungsschimmer bleibt: In etwa vier Monaten ist Ostern. Und der Einzelhandelslogik zufolge bedeutet das ja dann, dass in spätestens 14 Tagen die ersten Lindt-Osterstrauchgehänge in Nougat, Milka Schoko-Nuss Osterhasen und Sahnenougateier von Hussl auftauchen müssten.

Also, liebe Genussmittelindustrie, dann enttäusch mich mal bitte nicht!

Bis dahin meine postweihnachtlichen Empfehlungen:
Für den PC: "Dark Messiah of Might and Magic" - schließlich ist das jetzt Messias-Hochsaison.
Für den DVD-Player: "Silent Hill" - weil der stille Hügel so schön zur stillen Nacht passt.
Und für Augen und Kopf: "Anarchoshnitzel schrieen sie" - weil das ein Schnitzel ist, an dem auch Vegetarier ihre Freude haben dürften. Ich jedenfalls hatte sie.

- The Searchers -

Tears on my pillow

Meine Herren, ich heul jetzt schon seit vier Tagen ununterbrochen vor mich hin.
Aber wen wundert das noch, bei den ganzen Weihnachtsschnulzen, die das Fernsehprogramm ununterbrochen auf mich einprasseln liess.
Andererseits - wer bei "Ist das Leben nicht schön" keine Tränen zerdrückt, muss ein Herz aus Stein haben. Oder ein tumber Klotz sein. Oder beides.
Etwas seltsam erschien es mir nur, dass ich gestern selbst bei "Stirb langsam III" nicht aufhören konnte, zu weinen. Und auch bei der Grals-Doku auf Phoenix wollte der Tränenstrom nicht versiegen.
Erst als ich heute morgen mein Kopfkissen auswrang, kam mir das Licht der Erkenntnis: Ich bin gar nicht so ein sentimentaler Hund - ich hab einfach nur eine Bindehautentzündung.

Dermaßen beruhigt kann ich mich jetzt also in die Zeit zwischen den Tagen stürzen und in den Geschäften noch all das kaufen, was dank des verstrichenen Weihnachtsfestes ab heute spottbillig zu haben ist, als da wären
- Lindt-Baumbehang in Nougat
- Milka Schoko-Nuss Weihnachtsmänner und
- Sahnenougatnüsse von Hussl.

Wünscht mir Glück.

- Little Anthony & the Imperials -

Samstag, Dezember 23, 2006

Merry Christmas

So, heute mal ganz schlicht:
All denen, die sich noch auf oder über Weihnachten freuen, wünsche ich ein schönes, ruhiges und friedliches Fest.
All denen, die mit Weihnachten nichts anfangen können, wünsche ich ein paar schöne, ruhige und friedliche Tage.
Lasst Euch reich beschenken, schenkt ebenso reich zurück oder verzichtet auf die ganze Schenkerei und erholt Euch gut bei Euren Lieben, Eurer Familie oder mit wem auch immer Ihr die nächsten Tage gemeinsam verbringt - und wenn Ihr allein seid: Macht ein ordentliches Fass auf.

Euer Falcon aus Berlin

- Gotthard -

Mittwoch, Dezember 20, 2006

Money, Money, Money

So.
Mit den beiden gestern getätigten Geschäftsabschlüssen habe ich für dieses Jahr mein Möglichstes zur Ankurbelung der deutschen Wirtschaft getan.
Mehr geht nun wirklich nicht.
Ich bitte daher um zahlreiche Freiwillige, die bereit sind, das Begonnene im nächsten Jahr mit Freude und hoher Einsatzbereitschaft fortzusetzen.

Vielen Dank

- Abba -

Ps: Ich möchte mich nochmal bei all denen entschuldigen, die beim Aufruf des letzten Posts ähnlich wie ich beim Anblick des pinken Rechtecks krampfartig von Schmerzen geschüttelt wurden. Aber man stelle sich nur mal vor, wie schlimm es gewesen wäre, hätte ich all die Schattierungen von Pink (und derer gibt es mannigfaltige) abgebildet, die bei der Veranstaltung tatsächlich zu sehen gewesen waren.
Na?
Eben, ist also dann doch gar nicht so schlimm.

Sonntag, Dezember 17, 2006

Pink

Was ist das?

Richtig. Der Anblick einer Rotte kleiner Mädchen auf dem Weg zu Disneys Prinzessinnen on Ice, gesehen durch die Augen eines treusorgenden Vaters.

Und was ist das?

Eben. Das Sehvermögen eben jenes Vaters nach fünf Minuten verzweifelten Hinterhertrottens.

Heute war es also soweit. Nach den Don Kosaken folgte heute ein neuer Höhepunkt des Unterhaltungsgenres.
Nachdem wir uns in unsere Festtagsgewänder gehüllt hatten - die Tochter bestand darauf, ihr Chiffonkleid anzuziehen, das wir noch aus Kasachstan mitgebracht hatten - stürzten wir uns in das Abenteuer "Berliner S-Bahn", das wir recht unbeschadet überstanden, nur um dann beim Velodrom in einer Woge reinsten Pinks fortgeschwemmt zu werden.
Im Sog der begeisterten Jungprinzessinnen, die zum Eingang strömten, begenete ich immer wieder anderen Vaterblicken. Die Belustigung, die man noch beim Verlassen der Bahn in manchem Auge erkennen konnte, wich dabei aber schon bald schierer Verzweiflung ob der rosa Übermacht.
Die neidvollen Blicke, die mir mancher Vater ausserdem zuwarf, waren ebenfalls nicht zu übersehen, beinahe hörbar war das unausgesprochene "Glücklicher! Du hast nur eine!".
Gar nicht nachvollziehen konnte ich allerdings die Eltern, die in Ermangelung einer Tochter ihre Söhne mitschleiften - wahrscheinlich als Alibi für Muttern.
Die darf sich dann aber auch nicht wundern, wenn sie in 3 bis 4 Jahren Sohnemann in ihrem BH posierend vor dem Schlafzimmerspiegel vorfindet.
Beim Eingang durften wir uns zunächst einer Leibesvisitation unterziehen, die jeden FBI-Agenten neidisch gemacht hätte. Das Alles nur, um sicherzustellen, dass keiner drinnen die Videokamera auspackt und ein Andenken für die Verwandschaft produziert.
Nachdem wir das glücklich überstanden hatten, traf mich die nächste Breitseite:
Das Spektakel trug seinen Namen völlig zu Unrecht!
Merchandisney on Ice wäre eine weitaus treffendere Bezeichnung gewesen.
Neben Plastikprinzessinen (20 Euro), Plüschmäusen (24 Euro) und Programmheften (6 Euro) konnte man sich mit einer überlebensgroßen Plastiktasse fotografieren lassen (12 Euro), Popcorn im Plastikeimer (8 Euro) kaufen oder sich mit einer Krone mit anmontierten Mausohren (5 Euro) schmücken.


Ohrenkrone
(Symbolfoto)




Um den mitgebrachten Jungs wenigstens einen letzten Rest Stolzes zu bewahren, konnte man für sie Flammenschwerter aus feinstem gelben Plastik kaufen, wovon die Eltern, offensichtlich getrieben von schweren Schuldgefühlen, dann auch reichlich Gebrauch machten.
Unumstrittener Verkaufsschlager war aber gemahlenes (der Fachmann sagt gecrushtes) Eis, in Kugelform in eine Plastiktasse mit Cinderellaaufdruck gezwängt und mit drei Sorten Sirup übergossen.
Solchermaßen mit einem Materialwert von schätzungsweise 7 bis 15 Cent gesegnet, wurde es hernach für stramme sechs Euro an die Nachwuchsprinzessinen gebracht.
Die saßen dann - so weit das Auge reichte - selig lächelnd da und genossen die Vorstellung, während sie buntes Wasser löffelten.

Ach ja - die Vorstellung.
Die war dann tatsächlich gar nicht schlecht.
Nein, wirklich. Ich mag es ja, wenn offenkundig viele Leute in der Show beschäftigt sind. Da hab ich dann immer das Gefühl, eine angemessene Gegenleistung für das gezahlte Eintrittsgeld zu bekommen. Dagegen damals in Kasachstan, als sie dort Riverdance - aber nein, das ist eine andere Geschichte.
Also, die Show war professionell und gut gemacht, bunt, laut, mit Feuerwerk und schönen Kostümen. Kann man sich angucken.
Vorausgesetzt, man ist seelisch und sittlich so weit gefestigt, dass man nicht den mannigfaltigen Versuchungen am Rande der Show erliegt.

So. Und jetzt zieh ich die Ohrenkrone aus und geh ins Bett.

- Aerosmith -

Dienstag, Dezember 12, 2006

Subtle Invitation

Wo sich die Dame doch gerade mit einer Pornodarstellerin um die Rechte am Namen streitet, dachte ich mir, ich tu ihr mal was Gutes und nehm einen Titel von ihr als Überschrift.
Nach der ernsthaften Diskussion im letzten Post now for something completely different:
Ich bitte, den angezeigten Termin wohlwollend im Adresskalender zu vermerken und der Deutschen Bahn Rekordumsätze durch Reisen zum Jahresende nach Berlin zu bescheren.



Herrschaften, enttäuscht mich also jetzt nicht.

- Mariah Carey -

Ps: Ach ja, es gibt auch für jeden Gast eines dieser coolen Knicklichter. Ihr wißt schon, die Teile, die man knicken muss und die dann acht Stunden in bunten Neonfarben leuchten.
Na, ist das etwa nix?

Sonntag, Dezember 10, 2006

Killer

Nach diesem ganzen Gewäsch bezüglich des Verbots von Computerspielen, in denen man mittes Pixeln, die Waffen darstellen sollen, andere Pixel, die Gegner darstellen sollen unter Zuhilfenahme weiterer Pixel, die Kugeln, Laserstrahlen oder Plasmaentladungen darstellen sollen von einer senkrechten in eine waagerechte Position befördern soll, hatte ich eigentlich beschlossen, an diesem Wochenende in einem Akt zivilen Ungehorsams nichts anderes zu tun, als diese sogenannten "Killerspiele" zu spielen.
Frau und Kind wurden vorsorglich evakuiert (man weiss ja nicht, welche Folgen das Spielen möglicherweise hat) und dann gings los.

Erst einmal Doom 3. Seltsam nur, nach 15 Minuten merkte ich eine leichte Übelkeit und einen beginnenden Kopfschmerz. Na gut, wird wohl an den düsteren Gängen gelegen haben.
Also erst einmal eine kurze Pause eingelegt und währenddessen Simsalagrimm geschaut.
Hat mich irgendwie agressiv gemacht, diesem naseweisen Bücherwurm zuzuschauen. Ein Schlag ins Sofakissen hat geholfen.
Danach ein fröhliches und buntes Spiel ausprobiert.
Far Cry. Komisch, nach 15 Minuten eine leichte Übelkeit und beginnende Kopfschmerzen.
Also eine Pause gemacht. Währenddessen "Wetten, dass?" geschaut.
Gottschalk mit Spitzbart und unglaublich müden Sprüchen. Das haben wir früher im Familienkreis als Pflichtprogramm geschaut? Agressiv geworden. Teddy der Tochter gewürgt. Hat geholfen.
Zum Ausgleich etwas Beschauliches. Ballern in Zeitlupe.
Seltsam, nach 15 Minuten leichte Übelkeit und einen dezenten Schmerz in der Schläfenregion.
Pause gemacht. Neun live aus Versehen eingeschaltet. Sehr agressiv geworden. Katze gewürgt. Hat geholfen.
Zum Ausgleich etwas Nostalgisches. Ballern im zweiten Weltkrieg. Medal of Honor eingelegt, nach 15 Minuten wieder ausgemacht. Übelkeit, Kopfschmerz, blablabla.
Pause gemacht.
PC ausgemacht und ins Kino gegangen. Happy Feet geguckt. Steppende Pinguine. Seeehr agressiv geworden. Pinguin gewürgt und Vordermann mit Popcorn beworfen. Hat geholfen.

Nach Hause gekommen. Killzone eingelegt. Gerade, als Kopfschmerz und Übelkeit anklopften, kam Frau herein. Über den Kopf gestreichelt. Hat geholfen.

Und was lernen wir daraus? Solange es ein intaktes Sozialgefüge gibt, kann einen auch das schlimmste Spiel nicht zum Killer machen.
Aber wehe denen, die nicht Frau, Kind, Freund oder Freundin oder sonst irgend jemanden haben, die ihnen im entscheidenden Moment über den Kopf streicheln.
Das ist das Problem und das löst auch ein Verbot solcher Spiele nicht.

- Adamski -

Mittwoch, Dezember 06, 2006

Santa Claus is coming to town

Schön ist ja schon, wenn man nach mehr als einer Stunde Anfahrt durch Stau, Nieselregen und viel zu warmes Wetter an seinen Arbeitsplatz kommt und einen von der Türklinke aus drei Schokoweihnachtsmänner anstrahlen.
Sowas hebt die Laune beträchtlich und macht den anstehenden Arbeitstag gleich viel erträglicher.
Und ein frischer After-Eight-Weihnachtsmann ist ein völlig neues Geschmackserlebnis.

- Harry Connick, Jr. -

Montag, Dezember 04, 2006

Mother Russia

Dezember. Endlich.
So langsam ist es an der Zeit, die diesjährige Eventsaison ihrem Abschluss und Höhepunkt zuzuführen.
Um nicht gleich völlig mental überfordert zu sein, haben wir es erst einmal ganz langsam angehen lassen.
Indem wir uns gestern die Don Kosaken zu Gemüte führten.
Jahaa, da höre ich doch gleich aufgeregtes und begeistertes Gemurmele und Geraune im Auditorium.
Obwohl die Aufregung bei weitem nicht so groß sein kann, wie sie es gestern in der Schlange der Wartenden war.
Die Dame vom Ticketvorverkauf gab uns den nützlichen Rat, rechtzeitig vor Öffnung des Einlasses anwesend zu sein, um einen guten der nicht reservierbaren Sitzplätze zu bekommen.
Rechtzeitig heißt aber offensichtlich nicht eine Stunde vor Konzertbeginn.
Das ist nämlich schon deutlich zu spät.
Als wir um diese Zeit ankamen, wand sich bereits eine Schlange von anstehenden Konzertbesuchern lindwurmgleich vom Neptunbrunnen bis zur Marienkirche. Bei näherer Betrachtung entpuppten sich die Wartenden als offensichtlich vollzählig angereiste Belegschaft diverser Seniorenresidenzen, was natürlich gleich zwei Pläne in mir heranreifen ließ.

Der erste sah vor, dass unsere Tochter sich mit begeisterten "Oma! Oma!"-Rufen auf eine der nah am Eingang stehenden älteren Damen hätte stürzen sollen. Während diese sich dann noch in einer Melange aus Rührung und Verwirrung ob des neu hinzugewonnenen Enkelkindes befunden hätte, hätten wir uns zu unserer Tochter gesellt und dadurch locker hundert Plätze gut gemacht.

Meine Frau, die gestern ihren Geburtstag beging, war aber ungewöhnlich wenig angetan von dieser Idee, ebenso wie von meinem Vorschlag, auf biologisch bedingte Verkürzung der Schlange zu setzen, was ja in Anbetracht des fortgeschrittenen Alters der meisten Anstehenden nicht so abwegig gewesen wäre. Unsere Anwesenheit senkte übrigens ganz locker den Altersschnitt von gefühlten achtzig auf gefühlte 79,5 Jahre.
Als sich dann aber die Kirchentüren öffneten, ging es erstaunlich diszipliniert voran; man merkte schon, dass der Berliner, insbesondere im Ostteil der Stadt den Umgang mit Warteschlangen durchaus verinnerlicht und perfektioniert hat.

Das Konzert, dessen Besuch ja im Übrigen hauptsächlich dem Ausleben russiophiler (heißt das so?) Gefühle unsererseits geschuldet war, bot ansonsten wenig Überraschendes.

Das russische Volk wird freuen, dass die Kosaken heutzutage nicht mehr zur Verteidigung und Bewahrung der Heimat eingesetzt werden, wären die durchweg am Alter ihres Publikums orientierten Herren damit doch wohl vermutlich auch ein wenig überfordert.
Über den Beinahmen "Bolschoi", der, wie dem geneigten Leser ja bekannt ist, "groß" bedeutet, ließe sich im Zusammenhang mit dem gestrigen Konzert sicherlich auch trefflich streiten, stellt sich einem doch die Frage, ob ein Chor von 10 Leuten bereits als großer Chor durchgeht.
Da können wir mit den Fischer-Chören ja ein ganz anderes Kaliber aufbieten, wenngleich die auch nicht so hübsch bunte Wämser besitzen.
Ich vermute angesichts des Publikums ohnehin mal, dass die Kosakenchöre mit ihren Fans sterben werden; Nachwuchs ist auf beiden Seiten der Bühne praktisch nicht erkennbar. So gesehen war es also schon beinahe eine Farewell-Tournee.

Singen können sie nichtsdestotrotz, die Akustik eines Kirchenbaus ist allerdings nur bedingt für Konzerte jenseits von Sakralmusik geeignet.
Vieles klang einfach zu spitz, anderes zu verwaschen, so dass selbst meine des Russischen überaus mächtige Gemahlin selten mehr als zwei oder drei Worte am Stück verstand.
Erfreulich war allerdings das Engagement des Publikums, wie etwa das unseres außerordentlich feinsinnigen und kulturell gebildeten Hintermannes, der nicht nur zu jedem vorgetragenen Stück eine passende Anekdote zu erzählen wusste (ob nach oder während der Stücke scherte ihn da recht wenig) sondern außerdem noch seine Begleiterin und selbstverständlich uns dadurch zu begeistern verstand, dass er während eines Vortrages aus Lehars "Zarewitsch" das Stück sauber, akkurat und klar vernehmlich mitsummte.

War also recht schön, auch wenn sich sicherlich nicht jeder der zarten und anrührenden Wirkung des "schönsten russischen Liedes" (O-Ton Don-Kosak) "Abendglocken" hingeben mag.
Na ja, der nächste kulturelle Höhepunkt wird dann wieder etwas populärer - da geht’s mit dem Töchterlein zu Disneys "Prinzessinnen on Ice".

Der Erfahrungsbericht eines leidgeprüften Vaters wird folgen.

Und jetzt les ich erstmal den stillen Don.

- Iron Maiden -

Ps.: Bin ich eigentlich wieder mal der Einzige, der findet, dass Jan Delays Stimme keineswegs fantastisch und unglaublich ist (wie vielfach behauptet), sondern klingt wie die von jemandem mit schwer geschädigten Polypen?
Und dass insbesondere die von ihm nachgesungenen Stücke ziemlich scheiße sind?

Mittwoch, November 29, 2006

Brush Away

Die Bürste

Ein Dramolett in drei Aufzügen für Vater, Tochter, Zwei Haarbürsten und großen gemischten Chor

Aufzug 1 "Im Kinderzimmer" bei Sonnenaufgang

Vater: So, noch schnell Haare kämmen, dann geht es ab in die Schule.
Tochter: Sehr wohl, Herr Papa.
Bürste1: Kracks
Tochter: Herr Vater, ihr habt mir meine liebste Bürste zerbochen. Weh mir, wie soll ich nun der Locken Pracht bänd'gen?
Vater: Kein Problem, morgen kauf ich 'ne neue.
- beide ab -

Aufzug 2 "Im Bad", wiederum bei Sonnenaufgang

Vater: So, noch schnell Haare kämmen, dann geht es ab in die Schule. Guck mal, ich hab eine neue Bürste gekauft!
Bürste2: Funkel! Glänz! Strahl
Tochter: Oh Herr Papa! Diese Büste ist so garstig, Sie ziept gar arg mein lockig Haar. Nein, sie will mir so gar nicht gefallen. Die andere war meine Lieblingsbürste. Warum, oh warum nur musstet Ihr sie zerbrechen, Herr Vater?
Vater: Jetzt stell Dich bitte nicht so an. Wir müssen uns beeilen. Schule geht gleich los!
- beide ab -

Aufzug 3 "Im Kinderzimmer", erneut bei aufgehender Sonne

Vater: So, noch schnell Haare kämmen, dann geht es ab in die Schule.
Tochter: Sehr wohl, Herr Papa.
Bürste2: Kracks
Tochter: Herr Vater, ihr habt mir meine liebste Bürste zerbochen. Weh mir, wie soll ich nun der Locken Pracht bänd'gen?
Vater: Wie bitte? Gestern hast Du noch gesagt, dass die Bürste doof ist und ziept. Und heute ist es auf einmal Deine Lieblingsbürste?
Tochter: Gestern war ja auch Gegenteiltag!
- Tochter ab -

Vater: Hier steh ich nun, zerbreche Bürsten mit bloßen Händen, doch nie werde ich die Logik der weiblichen Wesen verstehen können. Nicht einmal, wenn sie erst sieben sind.

- Auftritt Chor -
Tenor & Bass: Das hätten wir Dir auch gleich sagen können!
Sopran & Alt: Nänänänänä!

- Alle ab -

Ende

- Alice In Chains -

Dienstag, November 28, 2006

Puppet on a string

Am Sonntag bin ich durch Raum und Zeit gereist.
Und bevor jetzt wieder jemand denkt, dass das nur durch die Pilze möglich wurde, die ich wegen meiner Herbstdepressionen einzunehmen pflege, erzähl ich es lieber komplett.
Hier Osten von Berlin gibt es eine Einrichtung, die sich FEZ nennt.
Ich glaube, das steht für Freizeit- und Erholungszentrum, Leib und Leben würde ich auf diese Deutung aber nicht verwetten.
Die Wurzeln dieses Fez liegen noch in der DDR, was man an manchen Teilen der Einrichtung unschwer erkennen kann.
Früher war da auch mal die sogenannte Pionierrepublik untergebracht, eine Erklärung dazu, was das genau ist, möge man bitte im Internetz nachschauen (lustige Kommentare von Leuten, die in trauter Nostalgie versinken wollen, findet man hier).
Dieses Wochenende waren aber keine Pioniere da (wahrscheinlich schon, aber mittlerweile in einem Alter, in dem man lieber andere pionieren lässt), dafür aber Puppenspieler aus aller Herren Länder.

Man ahnt schon - es war ein Familienausflug.

Mein persönlicher und erklärter Höhepunkt war ja das Prager Marionettentheater Spejbl und Hurvinek.
Und damit bin ich wieder beim Einleitungssatz angekommen.
Dieses Theater habe ich Mitte der achtziger Jahre schon einmal gesehen, in Prag, während einer Klassenfahrt.
Ich will auch das nicht beschwören, aber ich hatte das Gefühl, dass sich die Show unverändert über die letzten zwanzig Jahre gerettet hat.
Die Bestuhlung im Theatersaal des FEZ, die sich offensichtlich noch im Original-DDR-Zustand befindet, ging eine schier unglaubliche Symbiose mit der Puppenshow ein, die schon damals den Eindruck vermittelte, ein wenig Patina angesetzt zu haben.
Innerhalb weniger Sekunden war ich so zurückgereist ins Prag der achtziger Jahre.
Eine schöne Zeit.
Eine Zeit der klaren Fronten und Feindbilder. Eine Zeit, in der die Lehrer uns beschworen, beim Grenzübertritt bitte nicht gerade "Disco in Moskau" von den Hosen abzuspielen.
Das alles war für eine gute halbe Stunde wieder zum Greifen nah und ich habe jede Minute davon genossen.

Schön wars.

Ach ja, etwas wollte ich noch loswerden.
Wenn sich jemand hinstellt, gerade hier in Berlin, und herumnölt, es würde nicht genügend Programm für Kinder auf die Beine gestellt werden, möge man ihm was auf die Mütze geben. Und zwar mindestens zweimal, einmal von mir mit.
Es gibt mehr als genug Angebote, sie müssten aber auch wahrgenommen werden.
Solange das nicht passiert, aus Bequemlichkeit oder aus anderen Gründen (bitte komme mir jetzt keiner mit finanziellen Gründen - es gibt genügend Angebote, die gar nichts oder so wenig kosten, dass bereits eine nicht gekaufte DVD fünfmal für den Eintritt reicht) sollte man sich mit dem Gemeckere fein zurückhalten.

- Sandy Shaw -

Samstag, November 25, 2006

When I'm Dead And Gone

Das Wort zum Totensonntag:

Wer den Totensonntag braucht, um der Toten zu gedenken, braucht auch den Totensonntag nicht.

Fury in the Slaughterhouse

Freitag, November 24, 2006

It's a Hard Life

- Computer hochfahren
- World of Warcraft starten
- Einloggen
- Im Charakterbildschirm merken, dass man eigentlich gar keine richtige Lust darauf hat
- Programm beenden
- Statt dessen per Onlinebanking Arztrechnungen bezahlen

Ich glaube, heute habe ich einen ersten großen Schritt in Richtung Rente gemacht.

- Queen -

Mittwoch, November 22, 2006

The Undertaker

So langsam wird es ja doch ein bisschen gruselig.
Da sinniere ich noch vor kurzem über Psychopathen, die auf diese Seite aufmerksam geworden sind und die damit für mich verbundene Gefahr für Leib und Leben.
Und was finde ich heute im Briefkasten?
Das hier:

Ein mehrseitiger Hochglanzprospekt, der mir die Wonnen der Vergänglichkeit in schönsten Farben schildert und mich davon überzeugen möchte, alles weitere in die Hände des Bestatters meines Vertrauens zu legen.
Irgendwie doch etwas unheimlich.
Sprechen die sich ab?
Der eine liefert die Ware, der andere verarbeitet sie?
"Ihr Bestatter"
Na, das will ich mal nicht hoffen.
Wenigstens noch nicht so bald.
Obwohl, die Angebote sind recht verlockend.
Zum Beispiel "Stiller Abschied" für nur 597,- Euro.
Das ist ja so günstig, das könnte man glatt mal testen.
Nur - wo finde ich jemanden, der da freiwillig...

KATZE! MISTVIEH! Du hast mir schon wieder meine Hose vollgehaart!
Ich bring dich um!
Oh, Moment. Hm. Tjoh...

Miiiiezekätzchen!
Komm zu Papa!
Miezmiez!

- Prince -

Dienstag, November 21, 2006

Eat It

Ich glaub, ich hab es irgendwo schon einmal erwähnt:
Ich spiele die Keyboards in einer Band, die sich neben diversen Coverstücken (für die Nichtmusiker: Das sind Stücke, die andere schon mal gespielt haben) auch an eigenen Liedern versucht.

Das war aber nicht immer so.

Ich fürchte, die Zeit ist reif, es auszusprechen, bevor die Presse davon erfährt und eine Schmutzkampagne ohne Gleichen startet.
Eine Kampagne, gegen die die Jagd auf Tatjana und Ferfried wie ein Ringelpiez anmuted. Eine Kampagne, die McCarthy als Waisenknabe dastehen lässt.
Also gut.
Ich...ich...ich habe...ich habe einmal als Tanzmucker angefangen.

Puh, jetzt ist es raus. Jetzt kann ich frei darüber sprechen.
Übrigens heisst es unbedingt Tanzmucker. Schon um diese Bevölkerungsschicht von echten Musikern zu unterscheiden.
Tanzmucker sind die Handwerker unter denjenigen, die Umgang mit Instrumenten pflegen.
Und gerade, weil Tanzmucker in ihrem natürlichen Habitat, der Kirmeszeltbühne, so sehr possierlich ausschauen, drängt sich die Frage geradezu auf:
"Wat isst der denn so? Darf man den füttern oder beisst der, wenn man et versucht?"
Plaudern wir also ein wenig aus der Schule der Tanzmuckerernährung.

Fangen wir erst einmal ganz unten an. Nämlich beim Kirmesmucker. Der schlägt sich in Vierer- oder Fünfergrüppchen durch die Dorffeste seiner näheren Umgebung und beglückt dort das in der Regel spätestens um elf Uhr sturzbetrunkene Publikum mit den schönsten Liedern, die der deutsche Schlager in den letzten fünfzig Jahren hervorgebracht hat. Schauen wir uns also zuerst einmal den Platz an, wo der Kirmesmucker den Großteil seiner Zeit verbringt:

1. Die Bühne
Definitiv kein Ort zur Nahrungsaufnahme. Zumindest nicht, soweit es feste Nahrung betrifft. Ganz gerne füttert man den Tanzmucker aber da oben schon einmal mit flüssiger Nahrung, bevorzugt in Form von Bier. Dabei gilt die goldene Regel: "Der Tanzmucker sagt nicht nein!"
Die Frage"Wat trinkt ihr denn?" wird oft gestellt, meist dann, wenn der Tanzmucker nicht antworten kann, weil er gerade singen muss.
Die Antwort wird aber ohnehin nicht abgewartet, weil sie völlig unerheblich ist. Statt dessen kommt der edle Spender mit einem voll gestellten Biertablett und prostet den Gestalten auf der Bühne gönnerhaft zu.
Glücklich schätzt sich da in der Regel jeder, der nur auf einer Seite des Glases Reste von Lippenstift findet. Ein guter, ausgesprochen stabiler und dehnbarer Magen ist Grundvoraussetzung, will man eine Kirmesgesellschaft beglücken.
Auf der Bühne ist Essen tabu. Krümel zwischen den Orgeltasten oder Ketchup auf der Bassgitarre sind kein erstrebenswerter Zustand. Wo aber isst dann der Kirmesmucker?
Ganz einfach,

2. An der Frittenbude
Sonstige Vergnügungen mögen auf der Dorfkirmes rar gesät sein, ein Frittenschmiede ist aber immer da. Hier hat der Kirmesmucker grob geschätzt knappe sieben Minuten Zeit, um eine Pommes rot/weiß und einen Schaschlik zu bestellen, die Zubereitung abzuwarten und das Ganze herunterzuschlingen. Schaschlik ist übrigens Pflicht; ein Tanzmucker ist per definitionem ein Fleischesser und nur der Schaschlikspiess suggeriert, dass er tatsächlich Fleisch enthalten könne.
Ein Auge und ein Ohr verbleiben dabei aber immer im Zelt, weil jedes Verlassen der Instrumente von mindestens einem besoffenen Kirmesbesucher als Freibrief gedeutet wird, sich in dieser Zeit auf die Bühne hieven zu dürfen und unter dem Gejohle der restlichen besoffenen Bande eines der verwaisten Instrumente - meistens glücklicherweise das Schlagzeug - zu malträtieren. Das ganze dann selbstverständlich mit dem Verweis darauf, dass man ja schließlich nicht dafür bezahlt werde, herumzustehen und zu essen sondern gefälligst Musik zu machen habe.

Keine kulinarischen Höchstleistungen also, aber dafür eine Essgeschwindigkeit, die locker für einen Eintrag ins Guinnessbuch oder zumindest für einen gewonnenen Wettauftritt bei Thomas Gottschalk reichen sollte ("Ich wette, dass diese vier Kirmesmucker eine doppelte Portion Schaschlik mit Pommes rot/weiß in einer Zeit von weniger als 27 Sekunden verspeisen und danach mit der restlichen Schaschliksauce noch "Weine nicht, kleine Eva" von den Flippers gurgeln können!")

Wenden wir den Blick ab von diesen unappetittlichen Zuständen hin zu einer evolutionär minimal höherstehenden Gruppe, den Hochzeitsmuckern.
Hochzeitsmucker machen musikalisch nichts anderes als Kirmesmucker, haben aber zumindest den Sprung von der Kirmesbühne in die bunte Welt der Familienfeierlichkeiten geschafft.

Die Bühne ist auch hier für die Essensaufnahme Tabu, dafür erschliesst sich neben der Bühne eine ungeahnte kulinarische Vielfalt. Immerhin werden Familienfeste selten via Frittenbude versorgt, meistens hat da schon ein wie auch immer ausgebildeter Koch seine Finger im Spiel. Das schlägt sich allerdings dummerweise nicht immer in der Versorgung der Instrumentenbediener nieder.
Ich hab da immer noch die Hochzeit vor Augen, auf der ich zusammen mit meinem Mitspieler G. (wir waren zu der Zeit auch als Duo unterwegs) geifernden Lefzens zuschaute, wie die Hochzeitsgesellschaft sich an einem zumindest optisch recht ansehnlichen Buffet tummelte.
Gegen halb elf kam dann die nicht minder ansehnliche Braut und führte uns, zu diesem Zeitpunkt bereits stark geschwächt, mit den Worten "Oh, ihr Ärmsten, hat man euch ganz vergessen! Ihr habt sicher Hunger!" in die Küche. Statt der Leckereien vom Buffet warteten dort auf jeden von uns zwei belegte Käsebrote.

Ich kann mich heute nur noch schwach an die damals ausgestossenen Flüche unsererseits erinnern, aber sie schienen ihre Wirkung nicht verfehlt zu haben, denn wie man uns später zutrug, wurde die Ehe bereits nach zwei Jahren wieder geschieden.
Selber schuld, kann ich da nur sagen.

Behold the anger of the mighty dancemucker. Oder so.

In der Regel gab es aber auch für uns das Essen, das die Gesellschaft bekam. Ganz selten hätten wir statt dessen lieber Käsebrötchen gehabt.
Im Großen und Ganzen ist es allerdings erschreckend, wie viele schlechte Köche in deutschen Gaststuben ihrem dunklen Treiben nachgehen und hier eine Suppe versalzen und dort das Schnitzel anbrennen lassen. Und wir mussten es dann mit der Musik wieder rausreissen.

Wenden wir uns jetzt der dritten Stufe auf der evolutionären Skala zu. Mehr geht nicht. Zumindest nicht für Tanzmucker. Gemeint sind natürlich die Galamucker.

Galamucker haben, wie der Name schon sagt, den Auftrag, Galas und Bälle in besseren Häusern musikalisch zu untermalen.
Spielerisch macht das wenig Unterschied, da auch diese Gesellschaften genauso um elf Uhr dicht sind wie die auf dem Dorfschützenfest. Und dann sind auch hier Rosamunde und Herzilen gefragt.
Aber das Essen.
Oh, das Essen!
Wer (damals) 100 Mark pro Nase für einen Abend mit Tanz und Musik abzudrücken bereit war, durfte auch Besseres erwarten. wenn schon nicht von der Musik, dann doch wenigstens vom Buffet. Und das wurde den Anforderungen eigentlich immer gerecht.
Und vor allem: Wir durften daran teilhaben.
Der Haken dabei war nur der, dass einen alles, was man im Überfluss hat, irgendwann langweilt.
Kaviar war auf einmal bäh ("Igitt, tu mal die Brombeermarmelade mit dem Fischgeschmack weg!"), Lachs quoll uns aus den Ohren, Wachteleier ("wer hat denn die Flummis hier liegen gelassen?") mochten wir auch bald nicht mehr anschauen.
Und ganz, ganz langsam wuchs in uns wieder die Lust auf eine anständige fettriefende Pommes rot/weiss mit einem ordentlich sehnigen Schaschlik.

Glücklicherweise ist ja die Muckerwelt evolutionär keineswegs scharf voneinander abgegrenzt.
Wir wussten also ganz genau, dass wir uns bald auch wieder auf einer Dorfkirmes einfinden würden.

Und in diesem Bewusstsen machte es gleich doppelt soviel Freude, einen Hummer - für später - zum Ende der Veranstaltung aus dem Festsaal zu schmuggeln.

- Weird Al Yankovic -

Das sind jetzt meine Überlegungen zum Thema Essen aus der Sicht derer, die hinter den Instrumenten stehen.
Wie das ganze aus Sicht derjenigen aussieht, die vor den Instrumenten stehen und mit hoffentlich großen bewundernden Augen zu denen dahinter hochschauen, kann man bei diesem Herren nachlesen.
Übrigens eine Premiere - ein Crosspost, bei dem lediglich das Thema vorgegeben war.
Ich bitte also um andächtiges Raunen der Audienz.

Und für alle, die bis hier durchgehalten haben, gibts jetzt noch eine kleine Überraschung:
Eine Aufnahme von vier Tanzmuckern in freier Wildbahn.
Damit die possierlichen Gesellen nicht zu sehr verschüchtert sind, habe ich die Aufnahme etwas nachbearbeiten müssen.

Montag, November 20, 2006

Panic

Ja, ich habe Angst.
Als ich jüngts in meinen Blogcouter schaute, musste ich feststellen, dass die letzten Anfragen
"Send to say goodbye", "Kostüm Medusa", "Bombe zum Selberbauen" und "Männer schlachten" lauten.
Wenn ich jetzt noch dran denke, dass im letzten Post zur Zeit fröhlich über Schrot- und Schrottflinten, Kannibalen und psychopathische Kinder gefachsimpelt wird, wird mir erst recht ganz anders.
Falls also jemand nach mir fragen sollte: Timbuktu. Leider keine Telefonverbindung. Internet sowieso nicht. Dafür aber mit Frau und Kind. In Sicherheit.

Hoffentlich

- The Smiths -

Ps: Morgen gibts dafür etwas Fröhlicheres. Zwar auch zum Thema Essen, aber, soviel sei jetzt schon verraten, auch die Musik spielt eine Rolle. Und ein Muppetskoch.
Na, wenn das mal nicht eine Ankündigung ist, die Neugier weckt.

Samstag, November 18, 2006

Just the two of us

Hach, so ein Zweitcomputer hat doch seine nicht zu unterschätzenden Vorteile.
Auf dem kann man nämlich beschauliche Pimboli-Windowcolor-Weihnachtsvorlagen ausdrucken, während man auf dem anderen derweil ungestört der Jagd auf Kannibalen und kleine psychopathische Mädchen in roten Kleidern nachgeht.

So soll es sein.

- Bill Withers -

Freitag, November 17, 2006

Let it snow

Ich will ja nicht sagen, dass ich es eigentlich hätte wissen müssen.


Aber eigentlich hätte ich es wissen müssen.
Sag ich mal.

Natürlich war es klar, dass der Winter sich in dem Moment verabschieden würde, in dem ich endlich die Winterreifen hab aufziehen lassen.
Musste ich mir noch vor zwei Wochen bangen Herzens einen Termin in ferner Zukunft geben lassen und von da an in täglicher Sorge leben, dass ein plötzlicher und heftiger Wintereinbruch meine gesamte Mobilität mit einem Schlag zur Strecke bringen würde, wurde das Wetter selbstverständlich zusehendes wärmer, je näher der Tag des Wechsels rückte.

Die Reifen sind jetzt aufmontiert und der Winter, an sich ja ein grimmer Gesell, zeigt sich auf einmal als scheues Rehlein, verscheucht schon durch das Geräusch sich nähernder schneetauglicher Pneus.
Im Moment scheint sogar die Sonne durch mein Fenster und blendet mich.
So kann das natürlich nicht weitergehen!
Ich denke mal, ich werde auf einen Ableger des alten Bustricks (Zigarette anzünden, damit der Bus unverzüglich kommt) zurückgreifen.

Da ich aber weder vorhabe, die Reifen noch das ganze Auto gleich in Brand zu stecken noch beabsichtige, die für teuer Geld aufmontierten Reifen für genauso teuer wieder runtermontieren zu lassen, gehe ich etwas anders an die Sache heran:
Ich werde einfach mit meinem Übertaschenmesser das Wintersymbol von den Reifen kratzen.
Derartig getäuscht sollte sich Freund Winter dann auch bald wieder nähern.

Und dann haben endlich auch meine Reifen ihre Existenzberechtigung.

- Vonda Shepard -

Ps.: Eigentlich sollte hier auch noch ein stimmungsvolles Schnee- und Winterbild stehen.
Das Hochladen will aber nun partout nicht klappen.
Ich reiche das dann (hoffentlich) heute Abend nach.



So, jetzt hat es tatsächlich geklappt, hier also das versprochene Bild.
Winterimpressionen aus Kasachstan.
Sieht gar nicht sooo viel anders aus als hier in Deutschland, gelle?

Mittwoch, November 15, 2006

Hunting high and low

Das Falkenküken schreibt morgen einen Mathetest.
Also hat sich der Papa flink hingesetzt und ein paar adäquate Aufgaben konstruiert. Für die zweite Klasse krieg ich das ja so grade noch hin.
Dann die Erklärung, was zu tun ist:
- Und hier musst Du subtrahieren.
- ???
- Minus rechnen. Abziehen
- Ach so. Hihi. So wie Papa das Fell abziehen. Nur ohne Fell.

Pause. Dann gönnerhaft:
- Und ohne Papa.

Notiz an mich selbst: Die Tochter nicht mehr zuschauen lassen,
wenn ich "Deer Hunter XXVII" spiele.

- A-Ha -

Montag, November 13, 2006

Rosamunde

Ich glaube, ich sollte mal wieder was posten.
Andererseits - ich hab doch am Freitag erst. Und heute ist grade mal Montag. Drei Tage. Da kann man doch wirklich noch nichts gegen sagen.
Und was soll ich schreiben? Schau ich mich in meiner Blogroll um, finde ich allenthalben (vermutlich) herbstlich bedingte leichte Melancholie oder gar Blog-Abstinenz.
So kann das nicht weitergehen, Herrschaften!
Da muss jetzt was Fröhliches her.
Am Samstag war doch Karnevalsbeginn!
Wenn das mal nicht Anlass für ausschweifende Heiterkeit sein sollte!
Was? Ist es nicht? Karneval als Pflichtvergnügungsprogramm für Leute, deren verstohlenes Gelächter man ansonsten nur aus dunklen Kellerräumen erhorchen kann?

Mag ja sein, aber welche lustigen Alternativen haben wir denn im Moment?

Über den polnischen Ministerpräsidenten, der der Presse Anweisungen gegeben hat, dass sie ihn nur noch von vorne fotografieren möge, mach ich mich lieber nicht lustig.
Ich wohne schließlich in Ostberlin und da ist die polnische Grenze einfach viel zu nah. Nicht, dass in einer der nächsten Nächte ein Rollkommando vor unserer Tür steht und mich nach Oppeln verschleppt.
Nein, Quatsch, nach Oppeln soll ja die Dienstreise gehen. Mal sehen, ob ich mich noch davor drücken kann. Das ist einfach sicherer, zumal dann, wenn man sich vorher über den polnischen Ministerpräsidenten lustig gemacht hat.
Obwohl - hab ich ja eigentlich gar nicht. Aber ob ich das dem Rollkommando erklären kann? Und eine Erklärung für die ganzen bei mir gefundenen Fotos, die Kaczynski ausschließlich von der Seite und von hinten zeigen, wird mir wohl auch ziemlich schwer fallen.

Das Leben ist halt nicht einfach. Und trübes Novemberwetter macht es nicht einfacher.
Aber glücklicherweise ist der November schon beinahe halb rum. Und wenn erstmal Dezember ist, wird das trübe Novemberwetter endlich vom trüben Dezemberwetter abgelöst. Das ist doch schon mal was, wo man sich drauf freuen kann.

Ach halt, da fällt mir ja doch noch was zum Thema „lustig“ ein:
Peter Lustig ist nicht mehr bei Löwenzahn. Er ist aus dem Bauwagen ausgezogen und wohnt jetzt in einem Haus mit Kamin.
Im Bauwagen haust dagegen jetzt ein junger Schnösel mit Hund.
Wer das nicht glauben mag, der klicke hier .
„Den Sender-Angaben zufolge sind die neuen Folgen mit Hammesfahr "schneller, aktionsreicher, mobiler und dichter in der Handlung". Zudem sollen die Sportlichkeit, der Tatendrang und die Schlagfertigkeit des 38-jährigen Hammesfahr in die modernisierte Sendung einfließen“ erklärt dazu Wikipedia.
Ok, das ist anscheinend schon seit Jahresanfang bekannt. Mir anscheinend nicht. Und wirklich lustig ist es ja auch nicht.
Da tät ich doch mal sagen, dass ich, bevor ich mich ob dieser Tatsache der Novembertristesse ergebe, lieber für heute Schluss mache.

Ach ja - wer schon immer einmal sehen wollte, welche lustigen Dinge man mit Hasen anstellen kann, der möge sich „Jagdfieber“ anschauen.
Wer schon „Shrek“ nicht mochte, soll statt dessen halt den großen ZDF-Fernsehfilm nach Motiven von Rosamunde Pilcher einschalten.

So. Schluss jetzt.

- Dennie Christian -

Freitag, November 10, 2006

To cut a long story short

Und wenn alle Stricke reißen, kann ich mir immer noch sagen:
Es wächst ja wieder nach.

- Spandau Ballet -

Donnerstag, November 09, 2006

Who wants to live forever

Wir Musiker sind ja unglaublich tolerante und friedvolle Menschen.
Leben und leben lassen ist unsere Devise.
Egal wie grauslich die Konkurrenz auch aufspielt, im sicheren Wissen, dass wir eh besser sind, nehmen wir das alles mit einem freundlichen Achselzucken zur Kenntnis und lassen sie gewähren.
Nie würden wir faule Eier oder leere Bierflaschen werfen (volle sowieso nicht, aber das ist eine ganz andere Geschichte).
Aber jetzt hat all unser Liebreiz jäh ein Ende gefunden.
Schon seit einiger Zeit treibt sich irgendwo in unserem Proberaum ein Maus herum, die Mäuseköttel auf Mischpult und Boden sprachen eine deutliche Sprache. Ist aber kein Problem, auch das Mäuschen sollte sich des Lebens erfreuen. Mausefallen, und dazu noch solche, die gleich das Genick des armen kleinen Geschöpfes zerbrechen, wären uns nie in den Raum gekommen.
Aber jetzt ist alles anders.
Und warum?
Meine zitternden Finger können sich kaum soweit beruhigen, dass ich den nächsten Satz tippen kann:

DAS MISTVIECH HAT UNS UNSERE TWIX-VORRÄTE WEGGEFRESSEN!!!

Diese Bestie! Durch die Plastikverpackung hat sie sich durchgenagt und dann schamlos den Riegel geknabbert!
Ok, der Sänger mag jetzt einwerfen, dass es gar nicht die gesamten Vorräte waren, sondern nur ein einzelnes Twix und dass die Maus den Riegel ja auch nur angeknabbert hat, aber darum geht es doch gar nicht.

HIER GEHT ES UMS PRINZIP!!!

Wir grübeln jetzt über kreative Methoden der Mausvernichtung. Der Vorschlag einer Käfigfalle, um das Ungeheuer lebend zu fangen, wurde zwar von unserem Schlagzeuger vorsichtig aufgebracht, aber gleich verworfen.
Dieses Mädchen!
Ich persönlich favorisiere ja die Idee, den Nager mittels einer an einem Ast befestigten Schlinge aus Gitarrendraht zu fangen.
Vorbild hierfür wären die Bärenfallen, wie man sie aus den Western kennt - der Draht wird geschickt getarnt, in die Mitte der Schlinge kommt ein für die Maus unwiderstehlicher Köder - z.B. ein Twix - und wenn sie hineintritt, schnellt die Schlinge hoch und die Maus ist gefangen. Wenn sie dann so hilflos in der Schlinge hängt, könnten wir sie lauthals ob ihrer Dummheit verspotten und demonstrativ vor ihren Augen Schokoriegel essen.
Scheitern könnte der Vorschlag allerdings noch am mangelnden Baumbestand in unserem Proberaum.

Sollte irgendjemandem eine andere Möglichkeit einfallen, den Schädling zu beseitigen, immer her damit.

Ach, aber was ich eigentlich sagen wollte: Am Dienstag waren die Mädels von Scoop zur gemeinsamen Probe da. Sollte der 30.12. auch nur annähernd so werden, wie diese Probe vermuten ließ, kann ich jedem nur dringend empfehlen, seine Zweithose zu veräussern, um Geld für Bahnfahrt und Eintrittskarte zu haben.
Dann wird das nämlich ein richtig genialer Abend, den man nicht verpassen sollte.

- Queen -

Mittwoch, November 08, 2006

Advertising Space

Sehr geehrte Damen und Herren,

die beigefügten Unterlagen habe ich mittlerweile zum mindestens dritten Mal erhalten.
Mindestens ebenso oft habe ich Ihnen mitgeteilt, dass ich unter der offensichtlich immer noch in Ihrem Datenbestand vorhandenen Anschrift nicht mehr zu erreichen bin.
Und ebenso oft hat mir eine Ihrer zugegebenermaßen immer freundlichen Mitarbeiterinnen am Telefon erklärt, dass die Adresse jetzt aus dem Datenbestand gelöscht sei und ich keine Werbepost mehr dorthin erhalte.

Die brauche ich vor allem deswegen nicht mehr, weil ich schon vor acht Monaten das von Ihnen so vehement beworbene Extra-Konto eröffnet habe.

Ich würde mich sehr freuen, wenn es Ihnen im vierten Anlauf gelingt, meine falschen Adressdaten aus Ihrem System endgültig zu löschen - so langsam kommen mir nämlich, wie ich gestehen muss, gewisse Zweifel an der Professionalität eines Unternehmens, das dazu bislang offensichtlich nicht in der Lage war.


Mit freundlichen Grüßen


Sorry, aber das musste einmal gesagt werden.
Die DiBa mag gute Konditionen haben, aber ihre Datenverarbeitung weist noch gewisse Mängel auf...

- Robbie Williams -

Sonntag, November 05, 2006

Can´t buy me love

Ein Einkaufstrip mit der Liebsten.
In der Vorweihnachtszeit (und bevor jemand meckern sollte: In den Einkaufszentren geht die Vorweihnachtszeit allerspätestens Mitte August los) ist sowas immer wieder ein Erlebnis.
Zunächst galt es, eine monumentale Monchichi-Ausstellung am Fuß der zentralen Rolltreppe zu überstehen.
War ich bislang der irrigen Überzeugung, diese großäugigen Äffchen, die nie den Weg aus der oralen Phase gefunden hatten, seien den Weg der Cabbage-Patch-Kids gegangen, wurde ich hier umgehend eines Besseren belehrt.
Meine Chichis gab es da in allen Größen und Varianten zu bestaunen und wer nicht schnell genug wegkam, wurde auch noch zum Photoshooting zwischen ein überlebensgroßes Affenpaar gezwängt.
Ich möchte nicht wissen, wie teuer für die Krankenkassen eines Tages die Therapie aller Monchichi-geschädigten Kleinkinder dieses Wochenendes werden wird.
Immerhin ist der Fortbestand der Psychiater und Psychologen damit bis auf Weiteres gesichert.

Und das ist auch ein gutes Stichwort für den eigentlichen Bericht.

Man sollte Psychologiestudenten zu einem vierwöchigen vorweihnachtlichen Praktikum in einem Einkaufszentrum verpflichten.
Denn, wie der Klapsenschaffner es gestern treffend ausdrückte:"Das spart zwei Semester an der Uni."
Mindestens.
Zu keiner anderen Gelegenheit findet man solch fundierte Einblicke in die menschliche, oder vielleicht besser, männliche, Psyche wie in diesen Tagen.
Allen gemeinsam ist der leicht gequälte Gesichtsausdruck beim paarweisen Durchstreifen der großen Bekleidungsfachgeschäfte.
Mag Mann auch eine noch so stoische Miene vor sich hertragen, spätestens dann, wenn die Begleiterin verträumt über Kaschmirschals streichelt oder Pullover mit geübtem Griff vom Stapel nimmt, auffaltet und mit nicht minder geübtem Griff in halbordentlicher Knuddeloptik die Ware wieder auf den Stapel zurücklegt, durchzieht auch die noch so britisch steif gehaltene Oberlippe ein merkliches Zucken.

Interessant die Typen, die dann auszumachen sind.
Da ist zum Beispiel der unerfahrene Partnerschaftsneuling. Typischer Dialog:
- "Hattest Du nicht gesagt, dass Du einen schwarzen Mantel mit Kapuze wolltest?"
- "Ja und?"
- "Der, den Du da anziehst ist braun und ohne Kapuze!"

Haha! Anfänger!
Als ob es darauf ankäme! Der erfahrene Begleiter weiblicher Einkäufe schweigt und weiß, dass die gesamte Vorabplanung mit einer hübschen Aussage von Kanzler Adenauer (der dies, wir mir Sänger Ralph glaubwürdig erklärte, auch nur von Churchill geklaut hatte) treffend zusammngefasst werden kann.
Im krassen Gegensatz zum Neuling steht der alte Hase.
Der ist gut zu erkennen an dem Satz
- "Nein, ich finde nicht, dass drei Wintermäntel zuviel sind."
Nur dem partnerschaftlich geschulten Ohr entgeht dabei nicht der leise Unterton der Resignation, der unbedarfte Zuhörer kaufts hingegen in vollem Umfang ab und denkt nur "Was für ein feiner Mensch dieser Herr doch ist!".

Ich selber versuche ja, einen möglichst geschickten Kompromiss zwischen Resignation und Aufbegehren zu finden.
Das Überziehen anderer Mäntel als des ursprünglich geplanten Modells kommentiere ich sicherheitshalber gar nicht.
Bei Mantel Nummer zwei entspinnt sich dafür dann folgender Dialog:

- "Ich hab in Geschäft XY noch einen Mantel zurücklegen lassen."
- "Das ist doch gar kein Problem, ich finde nicht, dass zwei Mäntel zuviel sind."
- "Aber der gefällt Dir sicher nicht!"
- "Na, schauen wir doch einfach mal."


. Wir wechseln
. in Bekleidungsgeschäft
. Numero zwei

- "Ach, das ist so einer mit dem Fischgrätenmuster. Ist das jetzt echt wieder aktuell? Ich kann mich an ein Foto erinnern, ich glaub von Anfang der siebziger. Da hatte meine Mutter genau so..."
- "Ich hab ja gesagt, dass er Dir nicht gefallen wird!"
- "Ach Schatz, es geht doch gar nicht darum, ob er mir gefällt. DU musst ihn ja tragen!"
- "Och nö, jetzt will ich auch nicht mehr. Ausserdem hab ich ja einen schönen Mantel. Lass uns noch einen Cappuchino trinken."


Treffer, versenkt.

Anfragen zur weiteren Dialoggestaltung in partnerschaftlichen Angelegenheiten bitte direkt per Mail an mich.

- The Beatles -

Donnerstag, November 02, 2006

Time to say goodbye

Ach, nun komm schon. Und schau mich bitte nicht so an.
Du hast gewusst, dass es irgendwann vorbei sein würde.
Wir hatten eine gute Zeit und sie war viel länger, als alle zu Anfang noch gedacht hatten.
Manche hatten uns beiden gerade mal zwei Tage gegeben.
Wir haben sie alle Lügen gestraft.
Fast acht Monate hast Du mit mir unter einem Dach gelebt.
Aber jetzt geht es einfach nicht mehr.
Es gibt da nämlich jemand anderen.
Und jetzt hör auf, mich mit diesen großen Augen anzuschauen.
Natürlich mag ich Dich.
Und ich finde Dich süß.
Aber du musst doch auch gemerkt haben, dass Deine Zeit eigentlich schon lange vorbei ist.
Zum Schluß hab ich Dich kaum noch beachtet.
Es gab soviele andere Sachen, die ich Dir vorgezogen habe.
Und dann noch diese Reise.
Du weißt, als ich nach Aachen gefahren bin.
Ja, diese Reise, wo ich Dir vorher sagte, dass da nichts passieren wird.
Dass Du Dir keine Sorgen machen musst.
Da ist es passiert.
Und ich hab gemerkt, dass es Zeit für etwas Neues ist.

Lass uns keinen großen Akt daraus machen.
Heute wollen wir noch einmal Spaß miteinander haben.
Nur wir beide.
Du und ich.
Ich verspreche Dir auch, dass es nicht weh tun wird.
Ich werde schnell sein und es wird vorbei sein, bevor Du etwas hättest spüren können.
Bis gleich dann.
Nur wir zwei.
Komm her.
Es tut nicht weh, du wirst sehen.

Ach ja, und sag ihm


dass er dann morgen dran ist.

- Sarah Brightman & Andrea Bocelli -

Mittwoch, November 01, 2006

I’ll Sleep When I’m Dead

Ein gern gelesener Blogger (na gut, es war der Herr Trainbuk) stellte neulich einmal die Behauptung auf, dass man, wenn man denn länger schliefe, einiges an Gewicht, dummerweise aber auch an Verstand verlöre, wohingegen die Kurzschläfer zwar mopsig, aber hochintelligent seien.
Nun, da ich mich ja zweiterer Gattung zurechne, habe ich natürlich beschlossen, diese These wissenschaftlich zu untermauern.
Mutig wie ich bin, sogar durch Versuche am eigenen Körper.

Nein, keine bewundernden Briefe bitte.
Die Historie wird es mir dereinst danken.

In einer knallhart geplanten und minuziös umgesetzten Versuchsreihe bin ich also in den letzten Tagen bereits gegen elf ins Bett gegangen.
Das bedeutete also gute drei Stunden mehr Schlaf als sonst.
Tja, und was soll ich sagen?
Ich hab 300 Gramm zugenommen und bin aber seitdem überzeugter Fan von Richterin Barbara Salesch.

Scheiß Theorie

- Bon Jovi -

Sonntag, Oktober 29, 2006

Schrei nach Liebe

Erfolg weckt Neid.
Ob man es als Erfolg bezeichnen kann, dass unsere beiden eigenen Stücke ziemlich fix die Rockcharts einer eher unbedeutenden Internetseite hochgekrabbelt sind, mag dahingestellt sein. Vielleicht haben den 300 Leuten, die für unsere Musik gestimmt haben, die Stücke tatsächlich gefallen.

Tatsache ist aber, dass dadurch bei einer mir völlig unbekannten Person offensichtlich ein abgrundtiefer Neid und Hass geweckt wurden.
Anders kann ich mir nicht erklären, was dieser Typ (ich vermute mal, dass es ein er ist, weil ich nicht glauben will, dass so eine Wortwahl schon Einzug in die Damenwelt gefunden hat) in dem Gästebuch auf der Bandseite veranstaltet. Waren es am Anfang noch harmlose Beschimpfungen nach dem Motto "Sänger kann nichts, Musik ist Kake (sic!)", ging er bald darauf dazu über, im Schutze der vermeintlichen Anonymität falscher Mailadressen auf unterstem Niveau wüst zu pöbeln.
Kostprobe gefällig?
Bitte sehr, hier sein aktuellster Eintrag ins Gästebuch der Band:

Name: Micha@Braincap
----------------------------------
Absender: Micha@aol.com
----------------------------------
Mitteilung: Ach, was bin ich doch blöd in meiner Birne!

Trotzdem ich bin Micharsch Brainkake und bleib dabei, wer uns anpisst den scheißen wir ins Maul.

Warum wir sind zwar schlechte Musiker aber das gleichen wir mit unserer Voterei voll aus !!!

Wir bleiben Nummer 1 damit Ihr alle Bescheid wichst !

Micharsch Brainwichs

Ja, ich weiß, das ist weit unter jedem Niveau - selbst unter meinem - und ich sollte mich nicht darüber ärgern.
Tu ich aber trotzdem, weil es so ein haltloser und beleidigender Mist ist, den dieser Typ da von sich gibt.
Und weil er gleichzeitig viel zu feige ist, die Kritik offen zu äussern und sich hinter irgendwelchen falschen Mailadressen versteckt.

Vielleicht ist es ja wirklich nur sein Schrei danach, geliebt zu werden.
Vielleicht weiß er, dass er selber ein so abgrundtiefer Dilettant ist, dass jedes Tonband, auf das er seine Musik aufnehmen will, sich freiwillig in der Maschine verheddert.
Vielleicht hatte er auch nur die letzten 5 Jahre keinen oder sehr schlechten Sex, wird deswegen von seiner Frau geschlagen und muss das jetzt auf diese Weise kompensieren.

Wir werden es wohl nie erfahren. Ich weiß nur, dass ich das Gästebuch schließen werde, wenn er sich weiterhin so austobt. Schade um die Einträge mit echter und begründeter Kritik (die selbstverständlich immer gern gesehen ist).

Also, also kein lustiger oder sonstwie fröhlich gearteter Eintrag heute.
Aber danke, dass ich mich mal auskotzen durfte.
Jetzt geht es mir - wie meistens danach - deutlich besser.

Und der nächste Post kann wieder so heiter wie gewohnt werden.

- Die Ärzte -

Freitag, Oktober 27, 2006

Fight For Your Right (To Party)

Alljährlich ist es wieder soweit: Die große Halloweenparty in der Schule unserer Tochter steht an. Gestern war der große Tag. Warum am 26.10 und nicht, wie man meinen sollte, am 31.10. gefeiert wurde, ist eines der zahlreichen Mysterien des Schulbetriebs.
Vermutlich wollen die Lehrer an Halloween selbst kostümiert durch die Straßen ziehen und die eingeschüchterten Anwohner mit dem Spruch „Süßes oder es gibt Saures“ bedrohen.
Sei es drum.

Im letzten Jahr hatten wir auf jeden Fall unser Töchterlein als Prinzessin herausgeputzt.
Ein großer Fehler.
Begrüßt wurde sie nämlich gleich mit: „Haha, das Kostüm ist ja gar nicht gruselig!“
Meine väterlichen Eingreifversuche, die - kurz zusammengefasst - auf: „Dann bist Du einfach eine untote Zombie-Prinzessin“ hinausliefen, hätten vielleicht 20-jährige Resident-Evil-gestählte Studenten, aber in keinem Fall eine Rotte vorlauter sechsjähriger Erstklässler beeindruckt.
Um meiner Tochter in diesem Jahr eine ähnliche Traumatisierung zu ersparen, haben wir frühzeitig beschlossen, diesmal ein Kostüm zu wählen, dass entweder richtig gruselig oder richtig eklig ist. Die madenzerfressene Mumie war leider schon aus, also fiel unsere Wahl auf ein originalgetreues „Scream-Kostüm“, komplett mit weißer „Schrei“-Maske und schwarzen Handschuhen. Töchterchen wählte der Vollständigkeit halber noch eine große Plastiksense, deren Sensenkopf aus einem Drachenschädel hervorging, als Accessoire und fertig war eine ausgesprochen gruselige Kostümierung. Da sollte keiner mehr lachen!

Nach Abgabe unserer Tochter in der Schule (und des Kostüms bei einer Erzieherin - schließlich wollte ich verhindern, dass schon am Vormittag diverse Mitschüler der geschwungenen Sense zum Opfer fielen) machte ich mich also gestern Nachmittag nach Arbeit frohgemut zur Schule auf, um meine Tochter abzuholen.
Und was soll ich sagen: Ich hab sie vor lauter kleinen Scream-Killern gar nicht gefunden.
Anscheinend ist das Kostüm in dieser Saison der letzte Schrei. Und wenn zirka hundert schwarzgewandete Wichtel über den Schulhof wuseln, kann man den eigenen nur unter größten Schwierigkeiten herauspicken.
Geholfen hat mir dann schließlich die Sense, die ich nur kurz aus dem Rücken eines Mitschülers ziehen musste.
Meine Tochter berichtete mir auf dem Heimweg dann noch stolz von durchschnittlich sieben pro Stunde geköpften Passanten. Ein wirklich schönes Kostüm.

Aber für nächstes Jahr habe ich mir etwas noch viel Besseres ausgedacht.
Da verkleide ich sie nämlich als Bundeswehrsoldat.
Komplett mit Bolzenschneider und Plastikschädel.
Das ist dann nämlich wirklich mal ein richtig gruseliges und richtig ekliges Kostüm.

- Beastie Boys -

Ps.: Die Titanic hat mir heute einen brillanten Witz geklaut. Ich hab ja schon seit längerer Zeit auf eine Gelegenheit gewartet, die Lieder von Christina Stürmer als „übelste Stürmer-Lyrik“ zu beschimpfen. Und jetzt haben die das gemacht. Einfach so.
Ich bin traurig, enttäuscht und ein wenig wütend.
Ich glaube, ich muss mir heute mal die Sense meiner Tochter ausborgen.

Mittwoch, Oktober 25, 2006

Baby, you can drive my car

Na, was soll das denn jetzt schon wieder?
Da schulen wir seit guten zehn Jahren den Nachwuchs mittels Gran Tourismo, Need for Speed und Ridge Racer an Playstation, Xbox und Co.
Vermitteln ihnen den Wert einer zügigen Fahrweise und den reinen Empfehlungscharakter roter Ampeln, Stopschilder und sonstiger Verbotszeichen im Straßenverkehr.
Mit Erfolg, so schien es. Mit dem Plastiklenkrad vor sich und einer simulierten Pedalerie unter den Füßen geht es ab wie Luzie.
Dummerweise nur vor dem Bildschirm.

Kaum sitzen die Rennexperten nämlich in einem echten Auto, mutieren sie zu zitternden und verschüchterten Häslein, denen bereits ein in zwei Kilometer Entfernung gesichtetes und mit Tempo 30 näher kommendes Auto eine Starre verpasst, die nur der eines von einer Schlange hypnotisierten Mäuschens vergleichbar ist.

Man verstehe mich nicht falsch: Ich bin ein Freund der vorsichtigen Fahrweise. Ich fahre selber sehr vorsichtig. Von den gerade mal zwei Auffahrunfällen habe ich nur den zweiten selbst verschuldet. Und die Katze damals hatte es auch überlebt. Glaub ich zumindest.
Neinnein, die jungen Damen und Herren sollen ruhig mit Tempo 25 über die Autobahn zuckeln und im ersten Gang durch die Stadt rollen.

ABER NICHT, WENN ICH HINTER IHNEN HERFAHRE UND ES EILIG HABE!

Und ich hab jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit mindestens drei Fahrschüler vor mir. Nicht die Fortgeschrittenen. Immer nur die, die gerade ihre erste Praxisstunde machen.
Da kann mir doch keiner erzählen, dass da nicht eine Verschwörung hinter steckt. Die wollen mich mürbe machen. Und sie schaffen es tatsächlich, dass ich dann auf dem weiteren Weg zur Arbeit mindestens einer alten Frau die Gehhilfe wegfahren muss, um halbwegs ausgeglichen im Büro anzukommen.
Da geht es dann wieder.
Bis zum Nachmittag.
Bis zum Rückweg am Nachmittag, genau genommen.
Da schickt der Verband der Berliner Fahrlehrer nämlich wieder seine Rookies genau vor mir auf die Straße.

Ich vermute, die Gehhilfenindustrie sieht einer rosigen Geschäftsbilanz entgegen.
Dankschreiben dafür bitte an mich.

Ach ja, und wo wir gerade beim Thema Dankschreiben und Straßenverkehr sind:

Liebe Berliner Autofahrer!

Ich erwarte ja gar keine Dankschreiben. Aber ein kleines Gewinke mit der Hand würde mich schon freuen, wenn ich Euch mal wieder in die 10 Meter lange Lücke zwischen mir und meinem Vordermann gelassen habe, weil Ihr wie üblich erst drei Meter vor dem 25-Tonner merkt, dass da ein Laster Eure Spur blockiert.
Und nein, scharf in die Eisen zu steigen ist nicht eines meiner Lieblingshobbies. Ihr macht mir damit nicht wirklich eine Freude.
Und noch etwas: Den Blinker darf man täglich benutzen!
Echt jetzt!
Das ist nämlich gar keine Festbeleuchtung, die nur zu hohen kirchlichen Feitagen eingeschaltet werden darf, ihr Rüsselnasen.

Ich erwarte Besserung.

- Beatles -

Montag, Oktober 23, 2006

Eight days a week

Oh, schon Montag?
Dann ist es wieder einmal an der Zeit für unseren Wochenrückblick.
Fangen wir wie üblich mit dem Buchstaben Sch an.

1. Schal: Ist schon herausgekramt und von Mottenlarven befreit. Der Winter kann kommen.

2. Scheibenwaschanlage: Mit Frostschutzmittel befüllt und jetzt in der Lage, Temperaturen von bis zu Minus 50 Grad Celsius zu trotzen. Der Winter kann kommen.

3. Scheiße: Der Winter kommt noch gar nicht. Statt dessen am Wochenende Frühlingsgefühle bei bis zu 20 Grad. Aber ich weiß, dass er wartet und auf meinen Fehler lauert. Nicht mit mir - ich habe ab sofort immer Handschuhe und Pudelmütze dabei.

4. Schumacher: Fuhr am Sonntag sein letztes Rennen. Enttäuscht hat er natürlich wieder einmal alle diejenigen, die auf einen etwas spektakuläreren Abgang gehofft hatten. So kann er mit sämtlichen Haaren, Nasen und Ohren, mit denen er seine Karriere begonnen hat, auch den Ruhestand genießen. Nur das Kinn hat etwas unter dem Fahrtwind gelitten. Aber ich denke mal, damit wird er leben können.

5. Schröder: Der testosterongeschwängerte Altkanzler veröffentlich diese Woche seine Erinnerungen. Zentrales Element wird dabei wohl wieder sein Gewackele am Zaun des Bonner Kanzleramtes, verbunden mit dem Genörgel, dass er da hereinwolle, sein.
Haha.
Neu, sensationell und lustig.
Spätestens nach seinem Rumgepoltere in der letzten Woche war abzusehen, dass irgendetwas anstand, dass es erforderlich machte, Schröder wieder in den Blickpunkt des Interesses zu rücken. Ich geh ja selten konform mit der CSU, aber die Bezeichnung Schröders durch Wirtschaftsminister Glos als „Bruder Leichtfuß“, dessen „Großkotzigkeit“ die Wähler satt hatten, kann ich nur unterschreiben.
Interessant allenfalls, dass Schröders Memoiren parallel, aber jeweils unter dem Schlagwort „exklusiv“ sowohl in der Bild als auch im Spiegel („Abiturientenbild“ drückte es der RBB-Moderator heute sehr schön aus) erscheinen. Damit hat es sich dann aber auch.

6. Schwätzer: Siehe 5.

7. Schweizer Taschenmesser: So eines hab ich, um mich gegen aufdringliche Kolleginnen, die unhöflich Dolmetscherdienste von mir einfordern, notfalls zu Wehr setzen zu können.
Aber nicht irgendein Taschenmesser. Nein, es ist das „Taschenmesser to end all other Taschenmessers“.
Wieso das so ist, kann man dem Bild entnehmen. Und bevor Fragen aufkommen:
Der Akku für das Laserschwert war gerade alle. Aber drin ist natürlich eines. Sowieso.




The Knife










Soviel zum Wochenrückblick für heute. Andere Buchstaben folgen vielleicht später einmal.

- Beatles -

Samstag, Oktober 21, 2006

Do you speak english?

Aus der Abteilung „Dinge, die man immer wieder gerne sieht“, heute:

Surreale Erlebnisse mit Kollegen

Der Wecker meines Handys ermahnte mich mit lautem und sehr penetrantem Summen daran, den Feierabend nicht zu verpassen.
Während ich mir noch ein wenig Schlaf aus den Augen rieb, gab es plötzlich einen Rumms, die Tür ging auf und SIE stand da:
Eine mir völlig unbekannte Kollegin, die mich böse anfunkelte und dann in strengem Befehlston fragte: "SPRECHEN SIE RUSSISCH?"
"Nicht so wirklich gut", musste ich kleinlaut zugeben und duckte mich sicherheitshalber hinter meinen Schreibtisch.
"DAS HILFT MIR DANN ÜBERHAUPT NICHT. EIN BISSCHEN SPRECHE ICH AUCH, ABER DIESER BRIEF" - sie wedelte mit einem Schreiben in meinem Zimmer herum - "MUSS IN SEHR GUTES RUSSISCH ÜBERSETZT WERDEN!"
"Ich fürchte wirklich, dass ich Ihnen da nicht helfen kann", murmelte ich verschüchtert hinter meiner Deckung hervor.
"NA DANN HABE ICH HIER WOHL PECH GEHABT", fuhr sie mich an und verschwand wieder, bevor ich ihr noch ein freundliches "Do´Swidanje" nachrufen konnte.
Aus den Ohrenwinkeln hörte ich noch, wie sie sich den Kollegen im Nachbarbüro vornahm.

Ich dagegen beschloss, den Feierabend sicherheitshalber ein Viertelstündchen vorzuziehen und machte mich auf den Weg nach Hause.

- Chris Roberts -

Mittwoch, Oktober 18, 2006

This used to be my playground

Aus der Abteilung „Dinge, die man immer wieder gerne sieht“, heute:

Flurbereinigung

Ach, was war das doch für eine Erleichterung, als diese ganzen krüppeligen Bäume vor meinem Bürofenster weggesägt wurden, um formschönen Stadthäusern für die besserverdienende Klientel Platz zu machen.
Endlich nicht mehr dieses lästige Grüngestrüpp vor der Nase, stattdessen urbanes Lebensgefühl.
Big City Life sozusagen, haha.

Solche Minigrünflächen nerven ja schließlich nur, ausserdem hat Berlin schon noch genügend Grünzeug im Angebot.

Aber irgendetwas fehlte da noch. Ich kam nur nicht drauf, was es war.
Dankenswerterweise wurde meiner Hirnmarterei von freundlicher Hand ein Ende bereitet:
Es war dieser Spielplatz mit den ganzen Wippen, Rutschen und Holzanlagen.
Der nervte natürlich. Und fix war er abgerissen.
Sollen doch diese kleinen Würmer gefälligst woanders rumschreien. Machen ja eh nur Krach und Dreck.
Auf der Straße kann man schließlich auch ganz hervorragend spielen.
Oder besser noch: Sie bleiben gleich auf ihrem Zimmer hinterm PC sitzen.
Wie, was soll das heissen, Gemeinheit? Wer erzählt hier was von freudlosem Leben? Was soll denn der Quatsch? Sollen sie sich mal ruhig recht früh dran gewöhnen! Warum sollte ihnen denn durch eine fröhliche Kindheit der Blick auf die harten Realitäten des Lebens verborgen bleiben.
Ausserdem: Sie wissen ja - eh wenig Chancen von wegen sozialer Brennpunkt und so.

Ausserdem kommt ja hier ein gepflegter kleiner Park hin, damit die Bewohner der Stadthäuser eine gepflegte kleine Aussicht auf gepflegte kleine Blumenrabatte geniessen können.
Ne, für Kinder ist der natürlich nicht geeignet. Ist ja auch gar nicht dafür gedacht.
Die sollen mal ruhig da bleiben, wo sie hingehören.

Und das sind ganz sicher nicht die Parkanlagen gutbetuchter Immobilienbesitzer.

- Madonna -

Dienstag, Oktober 17, 2006

Hazy shade of winter

Welches Datum haben wir heute?
Den 17. Oktober, oder?
Nicht den 17. Dezember?
Ok, ich wollte nur noch einmal sichergehen, dass ich nicht etwa 2 Monate verschlafen habe.
Ich musste nämlich heute morgen Eis von den Autoscheiben kratzen.
Mitten in der Stadt.
Na gut, im Osten von Berlin. Aber trotzdem.
Na dann herzlich willkommen, Winter.
Ich werd dann heute Abend schon mal die Schneeketten raussuchen.

- Simon and Garfunkel -

Sonntag, Oktober 15, 2006

Money for nothing

Die GEZ ist eine üble Institution. Die Methoden, mit denen sie an die Gebühren der Zuschauer und Zuhörer kommen möchte, sind eine Mischung aus Mafia und den Zeugen Jehovas.
Die Werbespots, die erst einmal die Zuschauer verallgemeinernd kriminalisieren, sind penetrant, dreist und nicht sonderlich witzig.
Und doch möchte ich eine Lanze für die Zwangsgebühr brechen.
Ich persönlich sehe es auch nicht als gerechtfertigt an, wenn mit den Gebührenmillionen Carmen Nebel und Andy Borg subventioniert oder für teuer Geld irgendwelche Sportfestivals gesponsort werden.
Aber nach meiner Reise ins Rheinland wurde mir als Wenig-Fernsehschauer doch bewusst, wie eine Landschaft ohne öffentlich-rechtlichen Rundfunk ausschauen würde.

Start Berlin: Radio Eins. Gute Moderationen, informative Features, interessante musikalische Neuentdeckungen. Sender der RBB-Kette.

Überfahren der Grenze zu meinem Lieblingsbundesland Sachsen-Anhalt: Radio Eins wird unscharf, Wechsel auf SAW. Der Sender ist offensichtlich bemüht, seine Klientel gezielt zu verdummen. Redaktionelle Arbeit besteht aus der Durchführung von Gewinnspielen ("Du bist der 973. Anrufer und hast gerade zwei Tickets für die SAW-Megaparty in Halle gewonnen") und der Ankündigung der Gewinnspiele der nächsten sieben Tage.
Ansonsten gibt es dumpfe Bumsmusik ohne Ende und den nach jedem Stück unvermeidlich gespielten Jingle, der besagt, dass man nur auf Radio SAW die besten Hits der achtziger und neunziger und die grössten Hits von heute hören kann. Grässlich.

Fliegender Wechsel nach Niedersachsen, ebenso fliegender Senderwechsel zu FFN.
Früher einmal ein halbwegs hörbarer Sender (vielleicht war ich einfach auch nur jünger), heute durchaus nahe an SAW, wenn auch noch nicht ganz so schlimm. Die Jingles kommen nur nach jedem dritten Stück, aber das wird schon noch.

Dann endlich: Straßenschild Dortmund in Sicht, Zeit um auf WDR2 zu wechseln. Wieder die große Erleichterung. Moderatoren, die mehr machen, als nur gute Laune zu verbreiten, Reportagen, die informieren und Musik, die nicht dazu einlädt, schon beim Hören den Unterkiefer herunterzuklappen und Speichelfäden herausrinnen zu lassen.

Auf der Rückfahrt das Gleiche in umgekehrter Reihenfolge. Gibt es eigentlich diese Schilder am Autobahnrand nicht mehr, die auf Radiosender und ihre Frequenzen hinweisen? Ich hab jedenfalls keines gesehen und musste deshalb blind im Suchlauf stochern, bis ich die erwähnten Perlen gefunden hatte.

Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass die Rundfunkgebühr nicht völlig verschwendet ist, solange sie dazu genutzt wird, wenigstens ein paar Radiosender am Leben zu erhalten, die nicht einer Hörerverdummung auf ganzer Linie Vorschub leisten.

Ach, noch etwas: Hatte ich schon einmal das Buch "Fleisch ist mein Gemüse" von Heinz Strunk wohlwollend erwähnt? Ja, hatte ich?
Macht nichts.
Ich erwähne es nochmal.
Lobend.
Äusserst lobend.
Kaufen.
Lesen.
Und jedem, der nicht glaubt was da geschrieben steht, sei aus berufenem Munde gesagt:
Es ist wahr. Genauso sieht die Welt aus. Da ist nichts übertrieben.
Also hopp und los in den Buchhandel.

- Dire Straits -

Mittwoch, Oktober 11, 2006

Back for good

"So, ich kauf getz für 500 Mack Schockolade!"
"Das heisst jetzt Euro!"
"Watt denn, nich mehr Schockolade?"

Mit diesem zugegebenermaßen recht flachen Witz möchte ich mich wieder zurückmelden von meinem viertägigen Kurztripp ins Rheinland und ausserdem bei allen recht herzlich entschuldigen, denen mein Post vom Aufräumen ein schlechtes Gewissen gemacht hat.

Haha, nein, war bloß ein Scherz. Natürlich entschuldige ich mich nicht. Ich hatte ein Jahr ein schlechtes Gewissen wegen eines nicht aufgeräumten Kellers. Warum sollte es da anderen besser gehen?

Zu den Reiseimpressionen:

Ich bin sicher, dass ich nicht der einzige bin, der sich bei Baustellen auf Autobahnen die Frage stellt, wo denn verdammt nochmal jetzt die ganzen Werktätigen sind, die diesen Megastau durch eifriges Wuseln am und Aufstemmen des Straßenbelags rechtfertigen.
Meine Theorie: Es gibt sie gar nicht! Dafür gibt es zum Jahresende an einem streng geheimen Ort immer eine rauschende Gala, bei der diejenigen vorgeblichen Straßenbauarbeiter den ersten Preis erhalten, die mit dem geringsten Aufwand den größten Stau produziert haben.
Heiße Titelanwärter in diesem Jahr sind vermutlich die drei Kollegen, die es geschafft haben, auf der A2 kurz vor Hannover durch schlichte Markierungsarbeiten einen 18 Kilometer langen Stau zu provozieren.
Jetzt dürft ihr dreimal raten, wer in diesem Stau gesteckt hat. Die ersten beiden Versuche gelten übrigens nicht.
Sollte man in Zukunft nichts mehr von mir hören, lag ich mit meiner Theorie goldrichtig.
Ihr findet mich dann unter der mittleren Asphaltdecke der B57 Höhe Mönchengladbach.

Köln ist eine hässliche Stadt. Wer das Gegenteil behauptet, war entweder noch nie da oder heisst Millowitsch mit Nachnamen. Aber Köln lebt. Und wie es lebt.
Während Berlin ein dumpfes Pochen ist, ist Köln ein strahlendes Pulsieren.
Und Ballonseidetrainingsanzüge habe ich keinen einzigen gesehen.
Gut, ich war nicht in Ehrenfeld. Und zugegeben, auch das Kölner Dienstleistungsgewerbe stellt nicht den Gipfel der Fröhlichkeit und des zuvorkommenden Services dar. Aber trotzdem - die Stadt lebt und wirkt optimistisch. Da muss Berlin noch arg dran arbeiten.
Es war schön, mal wieder da gewesen zu sein.

Wichtige Mitteilung für Schokojunkies: Lindt hat in Aachen einen Werksverkauf.
Nachdem mir aus oekotrophologisch höchst berufenem Munde der diätische Charakter von Schokolade bestätigt wurde, stand einem umfassenden Einkaufstrip nichts mehr im Wege.
Unsere Schokoausstattung würde jetzt für einen mittelgroßen Supermarkt bis zum Ende der Weihnachtssaison locker ausreichen; ich denke, den Valentinstag könnten wir auch noch bequem mit abdecken.
Es war ja alles soooo viel billiger als im Geschäft.
Etwas deprimiert hat mich die gegen meine Frau verlorene Wette zu der Frage, für wieviel Euro wir denn unseren Einkaufswagen befüllt hätten.
Ich tippte auf 120 Euro, meine Frau auf derer 150.
Zum Trost für den Wettverlust hat mir dann die nette Verkäuferin einmal Fioretto Marzipan umsonst gegeben.
Und man sollte nicht unterschätzen, wieviele Gratisbeigaben Lindt noch auf einen Einkaufswert von 180 Euro drauflegt.

Kurz, es waren ein paar schöne Tage, das Wetter war rheinisch mild und ich freue mich, wieder zuhause zu sein.

- Take That -

Samstag, Oktober 07, 2006

Halt dich an deiner Liebe fest

Genau das habe ich ja gewollt. Ich hab es sogar versucht. Viele Jahre lang. So lang, bis es eigentlich nur noch eine Belastung war.
Aber ich war einfach noch nicht so weit, einen Schlussstrich zu ziehen. Bis heute.
Heute habe ich es getan:

Den Keller aufgeräumt.

Und dabei gemerkt, dass ich tatsächlich manche alte Liebe über Jahre mitgeschleppt habe.
Dummerweise ist manche Liebe doch ganz schön schal geworden und ich habe deshalb beschlossen, nicht daran festzuhalten, sondern sie aufzugeben.
Und was soll ich sagen - es ist, nach Überwindung des ersten Unwohlseins tatsächlich eine Erleichterung.
Vermutlich dieselbe Erleichterung, die fanatische Sammler verspüren, wenn sie sich radikal von ihrer Sammlung trennen.
Aber ich sollte ehrlich sein - mich von allem zu trennen hab ich dann doch nicht übers Herz gebracht. Und so existiert meine Atari-Spielesammlung samt Ataricomputer weiter, die Gespenster-Geschichten sind noch nicht im Altpapier gelandet und auch der schnuckelige kleine Plastikmülleimer, für den ich ja eigentlich überhaupt keine Verwendung habe, hat es nochmal bis zum rettenden Regal geschafft, wo er sich jetzt etwas ängstlich hinter den Percy-Pickwick-Comics versteckt.
Na gut, diesmal ist er noch davon gekommen, aber die nächste Aufräum- und Sortieraktion wird ganz sicher kommen (müssen). Und ob ich nochmal an ihm festhalte, kann ich heute noch nicht mit Gewissheit sagen. So heiß war dann meine Liebe zu ihm nun doch nicht.

- Ton Steine Scherben -

Ps.: Ich hab übrigens auch ein paar verschollen geglaubte alte Lieben wiedergefunden - neben meiner Darth-Vader-Figur (das Lichtschwert suche ich noch) vor allem auch mein Mikrofon.
Hach, ich freue mich ja schon auf die verzweifelten Blicke meiner Bandkollegen, wenn die Ausrede "Du kannst leider nicht mitsingen, weil kein Mikro mehr übrig ist" wie eine Seifenblase zerplatzt.

Freitag, Oktober 06, 2006

Autumn leaves

- Ding Dong

- Ja, bitte?

- Darf ich mich vorstellen? Herbst, mein Name

- Der Herbst?

- Genau der. Ich wollte nur einmal kurz hereinschauen und ihnen mitteilen, dass ich beabsichtige, mich für die nächste Zeit in Ihrer unmittelbaren Umgebung breit zu machen.

- Ach ja? Und was heisst das?

- Na, Sie wissen schon. Erstmal versorge ich Sie mit einem ordentlichen Temperatursturz. Nochmal mehr als 18 Grad? Haha, das können Sie sich aber schon mal abschminken.

- Brrrr, echt jetzt? Keine Chance auf höhere Temperaturen?

- Garantiert nicht. Das heisst, Moment...Moment...ah ja, ich seh grade, die Frau Altweibersommer schaut vielleicht nochmal kurz vorbei. Aber nur so lange, bis Sie sich in froher Erwartung das T-Shirt angezogen haben. dann ist sie nämlich hastdunichtgesehen wieder weg und mir macht es gleich die doppelte Freude!

- Sie sind aber ein ganz schönes Ekel! Sonst noch was?

- Na klar. Und ich hab Ihnen auch ein bisschen Regen mit gebracht. Nebel sowieso. Überfrierende Nässe. Kennen Sie ja alles schon aus dem letzten Jahr!

- Wars das jetzt?

- DAS hätten Sie wohl gerne, was? Schauen Sie mal hier in das kleine Kästchen!

- Wieso, ich seh nix. Da ist doch gar nichts drin. HAAAAAPTSCHIII!

- Hihi, eben doch! 1-A-Bazillen. Erste Wahl. Ist mir für Sie gerade gut genug.

- Dake schöd! Das wär jetzt aber dichd dötig gewesed!

- Doch doch. Mit meinen besten Empfehlungen. Ach ja, Strom- und Heizölpreise sollten auch noch ein wenig ansteigen.

- Drecksau!

- Wie bitte?

- Dichts, dichts.

- Na ich wollte schon gerade sagen. Ich könnte nämlich auch mal mit dem Winter reden, der ist ein guter Kumpel von mir. Der kommt dann gerne ein bisschen eher und bleibt dafür etwas länger. Da würden Sie sich meine 8 Grad Aussentemperatur aber nochmal sehnlichst zurückwünschen.
So, ich bin dann nochmal ein wenig in der Nachbarschaft unterwegs. Die sollen ja auch wissen, was auf sie zukommt. Viel Freude in den nächsten Monaten mit mir wünsche ich Ihnen.

- Oh, da dadke ich Ihded aber aus gadzeb Herzed.

- Ach, nichts zu danken. Es ist mir wie jedes Jahr ein Vergnügen.

- DAS glaube ich Ihded aufs Wort!

- Nat King Cole -

Donnerstag, Oktober 05, 2006

Lebt denn dr alte Holzmichl noch?

- Mama!!!!!

- Was ist denn los, mein Kleiner?

- Mama, die Martha...die Martha hat...hat...

- Nun beruhig dich doch erstmal etwas. Hier hast du ein Taschentuch. Jetzt putz dir erstmal die Nase und dann erzählst du mir ganz in Ruhe.

- Danke, Mama. (prööööt) Also, weisst du, Mama, die Martha hat mich mit Holz beworfen!

- Mit Holz? Das kann ich mir gar nicht vorstellen! Die Martha ist doch so eine Liebe!

- Dohoch. Hat sie aber! Und weisst du wahas? Sie hat ausserdem auch noch behauptet, dass ich ihr jetzt Fragen beantworten muss.

- Naja, weisst du, mein Kleiner, wenn man etwas gefragt wird, dann muss man auch antworten.

- Aber...aber die Martha hat doch...

- Neinnein, das ist schon in Ordnung. So schlimm wird es ja auch nicht gewesen sein - du lebst ja noch. Und ich kann nicht einmal eine Beule sehen. Ausserdem, wenn die Martha dich etwas gefragt hat, kannst du ihr ruhig antworten. Was will sie denn wissen?

- Also zuerst soll ich ihr verraten

Fünf Dinge, die ich nicht habe, aber gerne hätte:
- Endlich Frieden weltweit,
- mehr Geduld mit Menschen, die ich mag,
- weniger Ahnungslosigkeit,
- einen rot-grünen Senat in Berlin.

- Das sind erst vier. Eins musst du noch.

- Ok, dann hätte ich gerne noch

- den Hauptgewinn im Lotto,
- ein großes Haus mit Swimmingpool,
- ein eigenes Kino,
- Schluss jetzt!

- Na guuuut. Dann will sie wissen

Fünf Dinge, die ich habe, aber lieber nicht hätte:

- Zwei Kilo zuviel, noch zwei Kilo zuviel, noch zwei Kilo...

- Halthalt, so geht das aber nicht! Da musst du dir schon etwas mehr Mühe geben!

- Na gut:
- 10 Kilo zuviel,
- eine Katzenallergie,
- Haare auf dem Rücken,
- Knacken im Knie,
- die NPD im Bezirksrat.

- Na also, es geht doch!

- Jetzt noch

Fünf Dinge, die ich nicht habe und auch nicht haben möchte:
- Eine ansteckende Krankheit, Masern, Mumps, Röte...

- Du machst es ja schon wieder! Masern, Mumps und Röteln sind ansteckende Krankheiten. Nochmal bitte.

- Na guuut. Eine ansteckende Krankheit,
- Tinnitus
- ein bratziges Kind
- eine Internetverbindung mit 32KBit
- ein Focus-Abo

- Und zum Schluss wüsste sie gerne noch
Fünf Gerngelesene an die das Stöckchen weiterfliegt und die es vielleicht aufheben mögen:
- Ha, das ist einfach: MichA aka Rolle, das (noch gar nicht so) alte Rotfell, Knurrunkulus, Unkita

- Moooment! Du weisst genau, wie sehr Unkita diese Stöckchenschmeisserei hasst!

- Ich will aber! Ich will, ich will, ich will!

- Na gut, dann wirf es halt rüber. Aber komm nicht an und heule, wenn er es nicht fangen möchte! Das sind übrigens nur vier, einen musst du noch.

- Das ist jetzt ganz einfach: Der Klappsenschaffner, wer denn sonst?

- Na siehst du, das war doch gar nicht so schlimm. Und jetzt gehst du wieder raus und verträgst dich mit Martha. Und dann spielt ihr noch ein bisschen. Aber denk dran, nicht mehr lange, in einer halben Stunde gibt es Abendbrot.

- Ja, Mama


- De Randfichten -

Und hier noch eine kleine editorische Notiz für alle die, die sich die Mühe machen, auch noch mal in ältere Posts zu schauen:
Der von mir ebenso gerngelesene Herr Kapaun warf mir das Stöckchen unlängst ebenfalls zu. Ich hoffe, er verzeiht mir, dass ich die Antworten nicht nochmal aufschreibe, die gelten nämlich heut noch wie vor Jahr und Tag.

Mittwoch, Oktober 04, 2006

Unity

Und wieder einmal ein dritter Oktober vorbei. In allerlei Ansprachen auf allerlei Festivitäten wurde dann letztlich doch wieder der aufgewärmte Einheitsbrei der letzten 16 Jahre aufgetischt, der immer noch nicht einmal ansatzweise so aussieht oder schmeckt, wie er damals auf der Speisekarte angepriesen wurde.

Ausgelöffelt wird er natürlich trotzdem, aber gleichzeitig nehmen immer mehr Menschen die Trotzhaltung des Suppenkaspars ein und weigern sich, einen Bissen davon zu nehmen.
Zurück bleibt am Ende des Tages dann wieder einmal eine kalte und schale Pampe, die unauffällig entsorgt wird, bevor man sich wieder dem Tagesgericht zuwendet.

Was bleibt bei mir von diesem Tag hängen?

1. Ich hab wieder ein sauberes Auto. Meinem Wunsch nach einer dem Feiertage angemessen Optik unseres kleinen Mazdas
(und der dringenden Aufforderung meiner Gemahlin, ich möge die Karre endlich mal wieder saubermachen, verdammt noch mal)
ist es zu verdanken, dass der Kleine jetzt wieder in glänzender Optik durch Berlin rollt und die bewundernden Blicke der Passanten auf sich zieht.
Ich hab sogar innen gesaugt!
Und das, obwohl ich ihn doch im März erst gründlich gereinigt habe. Aber was tut man nicht alles, um dem Feiertag angemessen zu begegnen.
Und für Herrn Trainbuk: Ich war Montag in der Waschanlage und nicht Samstag. Und die Tankklappe ist links!

2. In Leipzig gab es 80.000 Euro Sachschaden im Zusammenhang mit einer Nazi-Demo. Ja, den Schaden haben linke Gegendemonstranten verursacht. Und ja, das ist keine gute Sache und wirft ein schlechtes Licht auf diese Gruppe.
Aber warum bitte schön dürfen diese rechten Maden denn überhaupt das Recht erhalten, auf die Straße zu gehen und dort eine Ideologie zu vertreten, die vor gut 60 Jahren Europa nahezu in den totalen Zusammenbruch gestürzt hat und Millionen Menschen das Leben kostete.
Jaja, ich weiß, wir haben das grundgesetzlich verbriefte Recht der freien Meinungsäußerung.
Nur stelle ich mir die Frage, warum es sein kann, dass es zugelassen wird, dieses Recht zu missbrauchen, wenn das erklärte Ziel ist, dieses Recht abzuschaffen.
Diese Säcke berufen sich auf grundgesetzlich verbriefte Rechte und wollen doch nichts anderes, als diese Rechte beseitigen, sobald sie genügend Macht dazu haben. Dürfen und können wir so etwas hinnehmen?

Es wird immer wieder gesagt, dass eine stabile und wehrhafte Demokratie so etwas aushalten kann. Aber leben wir noch in einer stabilen und wehrhaften Demokratie? Oder wird diese Demokratie ganz langsam vom Rand her ausgehöhlt? Noch vielleicht nur in einigen Nestern in Mecklenburg-Vorpommern oder Sachsen-Anhalt. Noch kann man sich im Westen beruhigt zurücklehnen und sich über die Rückständigkeit in diesen Nestern amüsieren. Und vielleicht milde besorgt den Kopf schütteln. Aber wenn nicht langsam einmal ein radikales Umdenken geschieht, ist es bald vorbei mit dieser Überheblichkeit.

Ich hoffe, dass vorher endlich einmal jemand aufwacht und die Bedrohung tatsächlich als solche erkennt. Der Staat ist heute um nichts weniger gefährdet als in den siebziger Jahren zu Zeiten der RAF. Die Bedrohung mag damals greifbarer gewesen sein, in Form von Attentaten und Entführungen. Aber sie ist deswegen heute nicht weniger präsent. Nur richtet sie sich statt gegen Personen und materielle Werte diesmal gegen die demokratischen Grundstrukturen Deutschlands.

Ich wünsche mir sehr, dass das endlich einmal allen bewusst wird und die erforderlichen Konsequenzen gezogen werden. Ein Parteiverbot wäre ein Anfang. Es wäre nicht die Lösung des Problems, aber ein erster Schritt. Und er würde viele folgende Schritte erheblich erleichtern.

- Queen Latifah -

Montag, Oktober 02, 2006

Ein Lied zieht hinaus in die Welt

So, nu aber.
Die Jungs und Mädels von Track4.de hatten anscheinend auch Wochenende.
Das ist aber jetzt vorbei und die Songs sind da.
Überschwängliches Lob könnt Ihr gerne hier posten, vernichtende Kritik bitte ich auf der Seite des Sängers zu hinterlassen.

Reichtum und Ruhm, wir kommen! Oder wenigstens Reichtum. Oder Ruhm. Oder - ach, was weiß ich denn.

- Jürgen Marcus -

Sonntag, Oktober 01, 2006

Carbonara

Ich beabsichtige, gestern im Lotto gewonnen zu haben.
Natürlich könnte ich jetzt auch einfach einmal den Fernseher einschalten, den Videotext der ARD aufrufen und nachschauen, ob ich meine Absicht vom heutigen Tag gestern in die Tat habe umsetzen können.
Aber erstens ist der Videotext der ARD unglaublich langsam und zweitens würde ich mich dann aller Spannung berauben.
Ich hoffe, dass die Besucher dieses Blogs mir und meinen Gewinnzahlen gestern während der Ziehung der Bällchen eifrig die Daumen gedrückt hatten.
Und wehe, es sind nicht mindestens sechs Richtige mit Zusatzzahl. Aber ich weiß ja dann wenigstens, wer daran schuld ist.

Aber was ich eigentlich sagen wollte:
Ich hasse Spiralnudeln. Diese komisch gedrehten Dinger, die alle Welt in Nudelsalaten und sonstigen Pastagerichten so toll findet, verursachen bei mir bereits beim Ansehen einen Würgereiz. Kommt jetzt einer und will mir erklären, dass Spiralnudeln im Prinzip doch genau wie alle anderen nur hat eben gedreht betrachte er sich von mir als verächtlich angeschnaubt.
Natürlich weiß ich das auch. Das heisst, mein Kopf weiß das. Mein Magen weiß das aber nicht. Der weiß nur, dass mir als Kind einmal furchtbar schlecht war, nachdem ich Spiralnudeln gegessen habe. Und gegen Kindheitstraumata macht man eben nix. Wer einmal als Kind beim Essen eines Apfels einen Wurm angebissen hat, wird ja auch künftig keine Äpfel mehr essen wollen. Oder Würmer.

Aber was ich eigentlich sagen wollte:
Aufgrund der bohrenden Nachfragen diverser Blogbesucher habe ich mich ein wenig mit der Technik des Einstellens von Musikstücken ins Internet befasst. Und bin fündig geworden. Nämlich hier.
Und genau da muss man auch draufklicken, wenn man hören will, wie Musik klingt, die Braincap so macht. Man muss natürlich nicht draufklicken. Kann man aber. Und sich dann freuen, weil einem die Stücke gefallen. Oder ärgern, weil die Stücke ja echt mies sind. Das kann man aber nur beurteilen, wenn man sie sich mal angehört hat.
Ach ja, wenn sie jemandem nicht gefallen, sei ihm gesagt:"Pah!"
Und dass es noch nicht die finalen Versionen sind. Aber wenn wir sie nicht so langsam mal einem größeren Publikum kundtun, wird das ja nie was.
Also: Klick, load and listen

- Spliff -

Donnerstag, September 28, 2006

Wochenend und Sonnenschein

Jetzt noch fix ein paar Gedanken zum Wochenende:

Kultur sollte eine staatliche Förderung erhalten. Das ist gut und richtig. Und weil Deutschland zumindest in groben Zügen immer noch auf der Basis der freiheitlich-demokratischen Grundordnung aufgebaut ist, wird der Kultur trotz der staatlichen Förderung kein Zwang auferlegt, solange bestimmte Grenzen nicht überschritten werden.
Im Gegenzug erwartet man von der Kunst, dass sie Kontroversen eröffnet und provoziert.
Wenn sie aber nur da provoziert, wo als heftigste Reaktion ein Leserbrief im Feuilleton der Tageszeitung zu erwarten ist, verliert sie ihren Anspruch auf die Förderung und die ihr damit zugestandene Freiheit.
Wenn Kunst die Unterdrückung des Menschen durch die Religionen anprangern will, darf sie das tun.
Wenn sie die Befreiung des Menschen von den Zwängen der Religion dadurch versinnbildlicht, dass sie die abgeschlagenen Köpfe der Religionsstifter präsentiert, muss sie sich bewusst sein, dass sie damit Reaktionen der Religionen provoziert. Wenn sie aber in dem Moment, wo auch nur der Anschein besteht, dass die Provokation auch einmal als solche wahrgenommen wird, zurückrudert und sich wegduckt, dann stellt sie nur noch das Äquivalent zum Salonkommunismus einer Sahra Wagenknecht dar.
Sie wird unglaubwürdig, lachhaft. Und wenn ich etwas Lächerliches sehen will, kann ich auch in das Theater am Kurfürstendamm gehen.

Jedes Mal bei Einbruch der Dämmerung standen die Drei dort in der Nähe der Unterführung. Da ja direkt daneben eine Bushaltestelle ist, machte ich mir nie großartig Gedanken darüber, was sie da wohl machten. Auf den Bus warten, so meine naive Vorstellung. Allenfalls dachte ich daran, ob ihnen denn bei der etwas leichteren Bekleidung und dem eher schneidenden Berliner Wind, nicht ein wenig arg kalt würde.
Bis mir dann eines Tages jemand verriet, dass das wohl die provinzielle Ausgabe eines Straßenstrichs sein sollte.
Das erklärte natürlich auch die knappen Röckchen der Damen. So im Nachhinein - wie Fleischereifachverkäuferinnen sahen die Drei tatsächlich eher nicht aus.
Obwohl - irgendwie hatten sie ja auch mit dem Verkauf von Fleisch…aber lassen wir das.
Und jetzt sind sie plötzlich verschwunden. Weg. Einfach so.
Der Wohnwagen, den ich zuvor immer für ihren Arbeitsplatz gehalten habe, hat sich dank großflächiger Aufkleber jetzt als mobiles Büro einer Hausbauberatungsfirma herausgestellt.
Vermutlich hat es sich einfach als äußerst unlukrativ erwiesen, einen Platz an einer ziemlich stark befahrenen Straße zu wählen, auf der die Autos mit Tempo siebzig dahin rauschen und die wenigsten bereit sind zur Beseitigung ihres Triebstaus einen Auffahrunfall zu riskieren.
Die Öffentlichkeit darf erleichtert aufatmen und die drei Damen werden wohl wieder ihren Lebensunterhalt in anderen Bereichen des Dienstleistungsgewerbes verdienen.

Kurze Toilettenpause.
Ich warte bis alle wieder zurück sind.
Geraucht wird bitte nur in der Küche oder auf der Terrasse.

So. Alle fertig? Prima.

Ich wusste ja, dass es schnell gehen würde. Aber so schnell?
Gerade mal eine Woche ist es her, dass die NPD in Meck-Pomm - und leider auch im Osten Berlins - enorme Zugewinne verbucht hat.
Die Empörung war riesengroß, allerorten wies man mit dem Finger auf die Gegenseite, die die Verantwortung dafür zu tragen habe.
Und jetzt? Zehn Tage später ist das Thema so ziemlich durch. Abgesehen vom schwächlichen Aufflackern einiger weniger neuer Nachrichtenmeldungen hat man die Sache wohl zu den Akten gelegt. Fein, das Tagesgeschäft kann also wieder beruhigt in Angriff genommen werden. Nur nicht über Maßnahmen und Konsequenzen nachdenken.
Na gut, es könnte natürlich sein, dass das nächste Wahlergebnis dann noch etwas erschreckender ausfällt. Dafür müssten wir uns um das übernächste schon keine Sorgen mehr machen, weil bis dahin dann längst ein neues Ermächtigungsgesetz unterzeichnet wurde.
Vielleicht sollte man einfach die Gebiete, in denen die NPD so erfolgreich war, aus Deutschland ausschneiden - dann hat jeder was er will: Die Rechten Ihr eigenes Territorium und der Staat kein Problem mit Nazis auf seinem Gebiet.
Praktische Lösung, oder?

Kommen wir zum Schluss. Manchmal hab ich das Gefühl, eine Zweitwohnung in Schreibblockadenhausen angemietet zu haben. Da kommt dann einfach nix Gescheites bei raus. Hin und wieder schreib ich auch das dann trotzdem auf.
Aber ein Posten um des Postens willen ist ziemlich dämlich.
Wenn also mal über mehrere Tage nichts Neues hier steht, heißt das nicht, dass ich das Bloggen dran gegeben hab, sondern es heißt nur, dass ich nicht um jeden Preis hier was reinklatschen möchte.
Wen das stört, weil er glaubt, ein Recht darauf zu haben, täglich was Neues zu lesen, der hat halt Pech gehabt.
Der möge sich ein anderes Huhn suchen, das ihm jeden Tag ein frisches Textei legt.
Über alle anderen freue ich mich dafür um so mehr.

Zu guter Letzt: Das war Post Nummer 199 - Blogger hat ja eine praktische Mitzählfunktion. Ich freue mich sehr, dass ich es nicht nur mehr als ein Jahr sondern auch schon beinahe 200 Posts lang durchgehalten habe.
Da hätte ich selber vermutlich am Wenigsten mit gerechnet.

- Comedian Harmonists -

Dienstag, September 26, 2006

Guitar Man

Eine kleine Bemerkung in eigener Sache:
Unser Gitarrist hat sich verdächtig interessiert an Informationen zum Thema Blogs gezeigt.
Daher möchte ich zu Ihrer eigenen Sicherheit auf Folgendes hinweisen:
Sollten Sie in nächster Zeit einen Herrn mittleren Alters bemerken, der sich betont unauffällig in den dunklen Winkeln Ihres Blogs herumtreibt, können Sie unbesorgt auf ihn zugehen, ihn streicheln und füttern.

Unbedingt unterlassen sollten Sie allerdings Witze über Gitarren, Gitarrenverstärker und -koffer sowie über Gitarristen selber, insbesondere deren beständigen Drang, an allem zu zupfen, was auch nur entfernt Ähnlichkeit mit Gitarrensaiten hat (Schnürsenkel, Drainagerohre, Gitarrenseiten etc.).

Soweit Sie diese Regeln sorgsam beachten, wird Ihnen der possierliche Bursche sicherlich über eine lange Zeit Freude bereiten und ein ausserordentlich angenehmer, zutraulicher und regelmäßig wiederkehrender Besucher Ihres Blogs sein.

Sollten Sie noch weitere Fragen, insbesondere zum artgerechten Umgang mit Gitarristen, haben, zögern Sie nicht, diese zu stellen.

- Elvis Presley -

Sonntag, September 24, 2006

Market Square Heroes

Wie der eine oder andere bereits wusste, hab ich gestern mal wieder einen Tag auf den Flohmarkt verbracht.
Das hatte zum einen den Vorteil, dass ich mal wieder an die frische Luft gekommen bin und meine Kollegen sich die kommende Woche nicht immer nach meinem Wohlbefinden erkundigen müssen, weil ich wieder kerngesund aussehe.
Zum anderen bot sich eine hervorragende Gelegenheit für biologische Feldstudien.
Hier also die Ergebnisse, selbstverständlich streng wissenschaftlich ermittelt und durch zahlreiche Feldversuche abgesichert:

1. Hosen
Zahllose Menschen mögen sich in den letzten Jahren gefragt haben, ob Trainingshosen aus Fallschirmseide denn nun endlich den Weg der anderen Modetorheiten gegangen sein mögen.
Ich stelle hierzu fest: Dies ist nicht der Fall. Zumindest scheinen im Osten der Bundesrepublik ganze Biotope zu existieren, deren Bewohner offensichtlich ausschließlich über diese Kleidungsstücke verfügen.
Die Träger dieser in Ermangelung eines treffenderen Fachbegriffes hier als Hose bezeichneten Kleidungsstücke scheinen die Hosen nahezu rituell zu tragen. Sie gelten den Trägern als Erkennungszeichen und signalisieren Gruppenzugehörigkeit.

2. Gruppe
Die Träger der oben benannten Hosen gehören offensichtlich in ihrer Gesamtheit einer Gruppe an.
Ich stelle hierzu fest: Diese Gruppe ist am sinnvollsten als die Gruppe der vom Leben Enttäuschten zu definieren. Leeren Blickes (auch als "Kantinenblick" bekannt) schleichen sie über den Marktplatz und kaufen genau die Sachen, von denen man sich immer fragt, wer sich denn so einen Scheiß (namentlich Bronzeadler, hintergrundbeleuchtete Gemälde und verschnörkelte Porzellanlampenschirme, in Ausnahmefällen auch die Videokomplettedition von "Ein Schloss am Wörthersee") zu Hause hinstellt, -legt oder -hängt. Männer sind dabei eher die Fans der Bronzeadler, das Wörtherseeschloss wird bevorzugt erworben von Frauen.

3. Frauen
Frauen und Männer pflegen eine gänzlich andere Art des Trödelkaufes.
Ich stelle hierzu fest: Frauen benötigen das haptische Erlebnis. Während Männer in der Regel einen gewissen Sicherheitsabstand zu den Produkten ihrer Wahl einnehmen und diese erst einmal einer gründlichen, aber rein optischen Inspektion unterziehen, neigt die weibliche Kundschaft zum Grabbeln.
Wer jemals mit Frau, Freundin, Mutter oder ...(hier setze man eine beliebige Dame des Bekanntenkreises ein) zum Einkaufen unterwegs war, weiß, was ich meine.
JEDES einzelne Stück Kleidung wird hochgezupft, auseinandergefaltet und dann mit einem offensichtlich der Damenwelt eigenen, leicht nachlässigen Handgriff mehr oder weniger sauber wieder zusammengefaltet. Das hat natürlich zur Folge, dass sämtliche vorher sorgfältig arrangierte Stücke irgendwann in einem Wust mehr oder weniger sorgfältig zusammengefalteter und zurückgelegter sonstiger Kleidungsstücke verschwinden.
Weder gute Ratschläge ("Der Pullover ist ganz schlicht unirot" - "Ich guck trotzdem mal") noch die Strategie, die Ware erst gar nicht den offenen Blicken der Kundinnenschaft auszusetzen ("Junger Mann, ich sehe, dass Sie dahinten noch einen ganzen Karton voll haben. Darf ich da mal reinschauen?" - "Da ist aber Nichts in der Größe drin, die sie suchen!" - "Kann ich trotzdem mal?" - "Resigniert Seufz") führen in irgendeiner Weise zum Erfolg.
Vielleicht sollte ich einfach beim nächsten Mal einen Karton voller unnützer Dinge mitnehmen, in dem man erst einmal nach Herzenslust grabbeln kann. Wenn dann der erste Grabbelhunger gestillt ist, lass ich sie an die Sachen, die ich tatsächlich verkaufen will.

Unser Keller ist jetzt immerhin um einen großen und einen kleinen Umzugskarton leerer, erklärtes Ziel ist es aber, die immer noch drinstehenden geschätzten 20 Kartons auf zwei zu reduzieren.
Bis ich das endlich geschafft habe, werde ich wohl noch viele Erfahrungen mit grabbelnden Ballonseidehosenträgerinnen machen dürfen.

Da freu ich mich jetzt schon drauf.

- Marillion -