Freitag, Juni 09, 2006

Ruf Teddybär 1-4

Neben der Tatsache, dass mir dieses Lied zu der Zeit, als ich noch ein kleiner Bub war, immer die Tränen der Rührung in die Augen trieb (und auch heute noch schimmern meine Äuglein dabei manchmal verdächtig feucht) ist das eine prima Überleitung zu einem der zahllosen Berliner Rundfunksender, die sich in der Stadt und im Umland um die Gunst der Zuhörer prügeln: Radio Teddy.
Anders als 90 Prozent der übrigen Berliner Radiostationen, die alle mit demselben Spruch "Der Mist der Siebziger und Achtziger und der größte Scheiß von heute" werben und damit so ziemlich jeden Hörer nehmen würden, hat Radio Teddy eine Zielgruppe, die nicht nur fest umrissen, sondern auch fest im Griff des Senders ist, nämlich die Vier- bis Vierzehnjährigen.
Zu deren Gaudium werden täglich Perlen wie "Durch den Monsun" und "Flitze Flattermann", aber auch moderne Klassiker der audiophilen Unterhaltungskultur wie etwa "Die kleine Kuh von Malibu"("Die kleine Kuh von Malibu hat nur noch einen Fußballschuh") in die Heavy Rotation genommen und dort dann bis zur Besinnungslosigkeit der jugendlichen Zuhörerschaft durchgenudelt.
Zuhause ist das ja okay. Da stellt man das Kind in sein Zimmer, drückt ihm einen Kopfhörer in die Hand und droht mit Hausarrest nicht unter 5 Wochen, sollte man auch nur ein leises Muhen der kleinen Kuh von Malibu hören.
Aber was macht man im Auto? Kopfhörer ist da ja nicht und den flehentlichen Blick und die zitternde Unterlippe der Tochter mit einem "Nix da, hier läuft jetzt Black Sabbath und sonst nichts" zu beantworten ist auch keine Lösung, die man immer praktizieren kann.
Also ist im Autoradio der Senderknopf für Radio Teddy fest eingerastet und ich stelle mit Erstaunen fest, dass es noch viel Schlimmeres gibt, als die Musik ("Muh, muh, muh"):
Die Moderatoren.
Wer jemals die Freude hatte, einem Kinderferienclub beizuwohnen und sich dessen Animateure jetzt auf Speed vorstellt, der hat ein ungefähres Bild vom Moderatorenteam des Senders.
Immer gut gelaunt, immer - "hey, hey, hey, Kids" - gut drauf, immer verständnisvoll ("Ja, wenn Du immer Sechsen schreibst, ist das schon 'n bisschen schade").
Wahrscheinlich können solche Menschen nur im Radio überleben, weil man im Fernsehen einfach irgendwann die ganzen Einstichstellen in den Armen sehen würde.
Wenn sie dann doch einmal vor Publikum moderieren, sitzen sie vermutlich hinter blickdichten Vorhängen und sprechen da ihre Texte, während auf der Bühne extra dafür gecastete Moderatorendarsteller nur noch die Lippen passend bewegen müssen.

Und wer das alles gar nicht glauben mag, kann sich das Teddy-Radio auch selber im Internet zu Gemüte führen (www.radio-teddy.de).
Aber Obacht: Sagt nicht, ich hätte vor der kleinen Kuh von Malibu nicht gewarnt.
Muh

- Johnny Hill -

Kommentare:

Klapsenschaffner hat gesagt…

Ich werde die Tage mal reinschauen... den Teddy soz. sezieren!

Falcon hat gesagt…

Wappne und rüste Dich zuvor.
Eine Horde Tauren kann nicht schlimmer sein.
Muh!

Klapsenschaffner hat gesagt…

Selber Muh^^

nina hat gesagt…

hey, ich musste auch immer heulen bei dem teddybärlied! dachte immer ich wäre der einzige mensch, der das überhaupt kennt.
mein lieblingslied war übrigens "du da im radio".

Falcon hat gesagt…

Waren das nicht Rolf und seine Freunde?
Als regelmäßigem Radio-Teddy-Hörer bleiben mir solche Perlen nicht verborgen ;-)
Aber "Ruf Teddybär 1-4"! Besonders die Schlußszene, wo die 18 Trucker den Jungen im Rollstuhl die Straße rauf- und runterfahren. Und die Mama sich bedankt.
Hach!
Ich muss aufhören, sonst wein ich in die Tastatur.