Montag, Juli 17, 2006

Nothing ever happens

Eine Premiere: Ein Post-Titel auf Wunsch von Unkita.
Und der Name ist beinahe Programm. Es wird jetzt tatsächlich nichts mehr passieren, wenigstens die nächsten zwei Wochen lang nicht.
Da werde ich es mir nämlich unter einem strahlend blauen griechischen Himmel gemeinsam mit Frau und Kind gutgehen lassen.
Für Euer fleissiges Lesen und Kommentieren bis heute möchte ich mich bei Euch allen bedanken und würde mich freuen, wenn Ihr - so in vierzehn Tagen etwa - auch mal wieder hereinschauen würdet.
Bis dahin (und danach natürlich auch) wünsche ich Euch allen eine gute Zeit.

Falcon

- Del Amitri -

Du da im Radio

Während meines Besuchs im Rheinland bin ich wieder mit einem akustischen Phänomen konfrontiert worden, dass wohl in ähnlicher Form auch in anderen Bundesländern existiert.
Im Rheinland heisst es WDR4.
Nun mag der unbedarfte Hörer meinen, dass es sich dabei nur um ein weiteres Programm in der großen Senderfamilie des Westdeutschen Rundfunks handeln mag.
Weit gefehlt!
WDR4 ist der Sender der Gestrauchelten. Der Sender all derer, die nur die Musik hören, die unter dem Label "deutscher Schlager" läuft.
Englisch und Französisch ist äh bäh.
Es ist eine Art deutscher Subkultur, die sich um diesen Sender gebildet, eine Subkultur, deren Stars Andrea Berg, Andy Borg und Gaby Baginsky, Truck Stop, die Flippers und Claudia Jung heißen.
Die Musik ist völlig resistent gegen jede Art von Veränderung und klingt folglich heute exakt so wie vor 20 Jahren. Sie ist hauptsächlich am Computer generiert und synthetisch erzeugt, was der typische WDR4-Hörer aber strengstens von sich weisen würde. Zielgruppe des erfolgreichsten deutschen Radioprogramms (wie ich Wikipedia entnehmen konnte) sind die 45 - 69-jährigen.
Herrschaften, das sind die Leute, die mit den Beatles, den Stones und den Who großgeworden sind. Und die hören jetzt so eine Kacke!
Jetzt frag ich mich nur, was passiert, wenn ich in dieses Alter komme.
Sendet WDR4 dann immer noch denselben Schlagermist und es wird nur schlagartig ein Schalter in meinem Hirn umgelegt und ich verwandele mich in eine dumpfe Klatschmaschine, sobald ich die ersten drei Takte von Moskau im Regen höre?
Oder, viel schlimmer, wird das Programm eines Tages tatsächlich umgestellt auf eben Beatles und Stones und ich muss, wenn ich in dreißig Jahren einen Blog aufrufe, diesen Text wieder lesen, nur dass dann da statt Claudia Jung und Truck Stop The Doors und Greatful Dead steht.
Dann sollte ich das Wörtchen "Stilvoll" wohl endgültig aus dem Titel löschen.

- Rolf Zuckowski -

Freitag, Juli 14, 2006

Prepare Ye, The Way Of The Lord

Die Entscheidung für Kasachstan fiel im Februar. Ende Juli sollte es dann soweit sein. Das klingt nach mächtig viel Zeit, aber wer einmal in seinem Leben Sommerferien hatte, weiss, wie relativ schnell ein auf den ersten Blick langer Zeitraum vorbei gehen kann.
Die Zeit der Vorbereitungen war gekommen und die wichtigste war natürlich, es den Opas und Omas schonend beizubringen, dass ihr Enkelchen für die nächste Zeit ziemlich weit weg sein würde.
Die eigenen Kinder sind ja grundsätzlich zweitrangig, sobald ein Enkelkind da ist. Deswegen war die Reaktion auch hauptsächlich "Och, da seh ich ja meine Kleine so lange nicht!".
"Ihr könnt uns da ja auch besuchen kommen", schlug ich zaghaft vor. Der Blick, den ich dafür erntete, hätte alle Weizenfelder der Kornkammer verdorren lassen können.
"Nach Russland? Da werden wir doch schon an der Grenze verhaftet!"
"Nur wenn ihr Plutonium schmuggeln wollt, Mama, ansonsten werdet ihr schon keine Probleme kriegen. Und das ist Kasachstan."
Dann die Freunde informieren. Eine Mischung aus Erstaunen und Zweifel kam auf.
"Seid ihr sicher, dass das das Richtige ist? Freiwillig zum Iwan? Aber trotzdem toll, dass ihr das machen wollt!"
Schließlich war es Freund C, der mich abends beim Bier wieder vollends aufrichtete.
"Kasachstan? Das war doch früher die Kornkammer der Sowjetunion, oder?"
Meine Frau seufzte gequält und beschloss, an diesem Abend etwas früher ins Bett zu gehen...(Fortsetzung folgt)


- Godspell -

Oops up

Eigentlich wollte ich an dieser Stelle einige ausgewählte Bosheiten über Köln und seine Bewohner veröffentlichen.
Nachdem ich aber eben eine sehr nette Mail von einem Bewohner dieser sehr netten Stadt bekommen habe, warte ich damit lieber, bis ein wenig Gras über die Sache gewachsen ist.
Muss ich mir halt was anderes ausdenken.

- Snap -

Donnerstag, Juli 13, 2006

When doves cry

Mein rechtes Ohr ist immer noch weitestgehend taub. Das hat den Vorteil, dass ich den Baulärm von draussen zur Zeit nur in Mono höre.
Sollte der Zustand länger andauern, werde ich mich wohl mit Justitia arrangieren; die ist auf dem rechten Auge weitestgehend blind und das würde ja dann ganz gut passen.
Wenn wir dann noch jemanden finden, dessen rechtes Nasenloch weitestgehend verstopft ist, machen wir einen Skatclub auf.

Um nochmal aufs gestrige Konzert zu kommen: Das Ticket hat 62,50 Euronen gekostet. Das ist ein Haufen Geld, aber praktisch nichts im Vergleich zu den Karten für die Stones, die ungefähr 170 Kracher kosten.
Wenn ich, wie beabsichtigt, nicht zu deren Konzert gehe, spare ich soviel, dass ich nächstes Jahr nochmal zu den Who gehen kann und auch noch Geld für ein Fanboy-T-Shirt übrig habe.
Apropos Geld übrig haben: Es ist mir ja ein Rätsel, wieso jemand, der gerade soviel Kohle für eine Konzertkarte gelöhnt hat, dann nicht mehr den einen Euro für die Garderobe übrig hat und sich stattdessen mit demonstrativ vor Brust oder Bauch geschnalltem Rucksack oder geschultertem Motorradhelm in die Menschenmenge vor der Bühne drängt.
Als ob es da nicht schon eng genug gewesen wäre.

So, genug gemeckert für heute.

- Prince -

Who are you

Gestern waren sie in Berlin.
Die Godfathers der Instrumentezerstörung und Lautstärke: The Who.
Und ich war dabei. Ärgerlicherweise war das Konzert von der Open-Air-Bühne in der Wuhlheide in die Arena Treptow verlegt worden, über die sich Pete Townshend während des Konzertes zu Recht beschwerte:"Es ist ein Scheißhaus. Aber immerhin ist es unser Scheißhaus."
Seis drum. Nach eine dreissigminütigen Aufwärmprogramm der Band Kasbah Club um Petes kleinen Bruder Simon (der sich damit auch für seinen Auftritt mit The Who warmspielte) kam noch eine kleine Umbaupause - ich war erstaunt, wieviele Roadies gleichzeitig auf der Bühne rumwuselten, ohne übereinander zu fallen - und dann erschienen die beiden alten Herren samt Band auf die Bühne.
Wobei alt wirklich relativ ist - das Publikum, das sichtlich mit der Band gealtert war, wäre wahrscheinlich froh gewesen, hätte es nur die Hälfte der Energie der beiden Frontleute gehabt.
Die sahen im Übrigen so aus, als kämen sie gerade von einer Grillparty, zu der sie nach Abschluss des Konzertes auch wieder hinwollten.
Bassist Pino Palladino war in Gestik und Spiel ein hervorragender Ersatz für John Entwistle und Drummer Zak Starkey wirkte ohnehin wie jemand aus der Urbesetzung, der einfach für 40 Jahre tiefgekühlt worden war und den man jetzt zum Tourstart wieder aufgetaut hatte.
Keyboarder John Bundrick, immerhin schon seit 27 Jahren dabei, blieb währenddessen unauffällig im Hintergrund, verdeckt von diversen Gitarrenverstärkern.
Das Programm umfasste neben wenig Neuem vor allem alte Hits, von I can´t explain über My generation und Behind blue eyes bis zur Zugabe, einer Art Best of Tommy.
Das Publikum nahm es dankbar auf, schließlich ist ein Großteil der Begeisterung bei solchen Konzerten immer auch die des Publikums über sich selbst, wenn es ein Lied erkennt.
Der Sound war am Anfang etwas matschig, wurde aber gegen Ende deutlich besser (oder ich hab es zum Schluss einfach nicht mehr gehört).
Instrumente wurden gestern nicht zerstört, lediglich die Bespannung einse Tambourins riss, während Roger Daltrey damit über die Bühne tobte, insgesamt natürlich ein schwacher Schnitt für einen Who-Konzertabend.

Kurz gesagt, es war nostalgisch, es war gelungen und es war laut.
Wer mir heute etwas sagen will, möge das bitte in mein linkes Ohr tun.

- The Who -

Mittwoch, Juli 12, 2006

John the Revelator

Mal 'ne kurze Zwischenfrage: Ist noch jemandem ausser mir aufgefallen, dass die neue Single von Depeche Mode (siehe oben) aber sowas von geklaut von
25 Years von the Catch ist?
Nein, keinem aufgefallen?
Na, dann will ich auch nichts gesagt haben.

- Depeche Mode -

Hot in the city

Ein immer wieder gern gemachter Fehler: Bei diesem Wetter mit der U-Bahn fahren.
Erstaunlich, wieviele Menschen trotz Ferienbeginns noch in der Stadt und offensichtlich auf dem Weg zur Arbeit sind.
Naja, zwei Tage noch, heute mitgerechnet noch drei, dann reihe ich mich aus aus dieser Menge.
Und dann ist Uuuuurlaub!

- Billy Idol -

Dienstag, Juli 11, 2006

Where do you think you're going

Almaty also. Ehemals Alma Ata, Hauptstadt von Kasachstan.
Und Kasachstan war dereinst, soviel solides Halbwissen hatte ich aus dem Erdkundeunterricht der fünften Klasse mitgenommen, die Kornkammer der Sowjetunion.
Zu Hause angekommen wollte ich gleich meine Frau mit meinen fundierten Geografiekenntnissen über das Land, in dem wir in den nächsten drei bis vier Jahren unser Leben verbringen würden, beeindrucken.
Sie schüttelte bloß verständnislos den Kopf. "Kornkammer der Sowjetunion war die Ukraine. Das weiß doch jeder!"
Ha, vielleicht jeder, der wie sie in Dunkeldeutschland groß wurde. Ich als gestandener Westdeutscher wusste das jedenfalls nicht. Damit hatte sich aber auch das letzte Bisschen vermeintlichen Wissen in ein kleines Rauchwölkchen aufgelöst und das Land war wieder ein von keiner Kenntnisschattierung getrübter strahlend weißer Fleck auf meiner inneren Landkarte.
Nicht unbedingt die beste Voraussetzung für einen Ort, an dem man die nächsten Jahre zu leben beabsichtigt…(Fortsetzung folgt)

- Dire Straits -

Samstag, Juli 08, 2006

Zeit, dass sich was dreht

So, die WM ist vorbei. Na gut, noch nicht ganz, aber doch so gut wie, jetzt, wo Schlaaaaand nicht mehr Weltmeister werden kann.
Zeit für eine kleine Analyse. Und da ich vom Fußball mindestens genau so viel Ahnung habe wie meine Nachttischlampe, analysier ich etwas, von dem ich mehr versteh: Die Musikbeilage zur WM.
Fangen wir mal ausser Konkurrenz an.
We are the champions von Queen. Wer auch immer auf die grandiose Idee kam, dieses Lied zur Stadionmitgröhlhymne zu degradieren, gehört mit lebenslänglich Dieter Bohlen bestraft.
Das hat diese tolle Band mit diesem tollen Lied wirklich nicht verdient.
Gehen wir also über zu den regulären Stücken.
Vorher etwas Wissenschaft:
Die kognitive Wahrnehmung des Fussball-Enthusiasten ist auf revolvierende Momente der musikalischen Schemata beschränkt. Soweit bestimmte Elemente nicht repetiert werden, kann die mentale Verarbeitung in der Regel nicht erfolgen.

Oder sagen wir es schlichter: Refrain gut, Strophe böse.

Betrachten wir also unter dieser Prämisse zunächst das offizielle Lied der WM:
Zeit, dass sich was dreht von Herbert Grönemeyer.
Ein Lied wie geschaffen für den Bundesparteitag der SPD. Jeder Sozialpädagoge wird beim Anhören in einen wahren Taumel der Verzückung verfallen - so viel guter Wille, so viel politische Korrektheit, so viel weltmusikalisch Verbindendes - da kann einem ja nur schlecht werden.
Wer soll denn da mitsingen? Welcher Besoffene kann sich denn mehr als das oe-ole-oe im Background merken? Und dann auch noch französische Textzeilen! Bei einer deutschen WM!
Kurz, das ist ein Lied, das sicher auf einer Gala zugunsten Angehöriger von an Nagelbettentzündung erkrankter Herrenfriseure ein absoluter Renner wäre. Aber nicht auf dem Fussballfeld. Das ist eine glatte
Note 6

Kommen wir zu
Gute Freunde kann niemand trennen von Franz Beckenbauer.
Dass die, nun sagen wir mal, Lichtgestalt des deutschen Fussballwesens einmal einen Erfolg als Sänger verbucht hatte, ist ja glücklicherweise in Vergessenheit geraten.
Zur Ehrenrettung der Musik sei gesagt, dass das Lied seinerzeit gegen Hits wie "Ganz in weiß", "Beiss nicht gleich in jeden Apfel" und "Hundert Mann und ein Befehl" ankämpfen musste.
Das entschuldigt nicht, erklärt aber manches.
Wäre der Titel, der von Franz vorgetragen wird, als habe er vorher eine Familienpackung Valium eingenommen, nicht vor Kurzem nochmal als Remix reanimiert worden, wäre er zu Recht in der Gruft des Vergessens verblieben. Daher nur die
Note 5

Es folgt
Ladio von Peter Wackel.
Dort wurde schon recht erfolgreich das Refrain-Prinzip beachtet. Glücklicherweise ist der Titel nur auf Mallorca-Parties und bei Radio Teddy gespielt worden, so dass das Lied, das klingt wie der Hilfeschrei eines Chinesen im Elektrofachmarkt, glücklicherweise keinem größeren Publikum bekannt wurde.
Aber immerhin schon
Note 4

Die Top 3 fangen an mit
Football´s coming home von den Three Lions.
Eigentlich die Lightning Seeds plus Verstärkung. Eines schönes Lied, gut geeignet zum Mitgröhlen. Hat nur einen Haken: Es ist auf Englisch. Und welcher aufrichtige deutsche Fussballfan brächte genug Selbstverleugnung auf, ein Lied der Inselaffen zu singen. Zumal er den Text ohnehin nicht versteht.
Trotzdem als Honorierung für die Mühe eine gute
Note 3

Auf Platz zwei finden wir
54...74...90...2006 von den Sportfreunden Stiller.
Ein Lied, das ein wenig Anlauf brauchte. Wer kann sich schon so viele Zahlen auf einmal merken? Als man dann aber die Logik dahinter erkannte und mitbekam, dass da gar nicht einfach irgendwelche Bingozahlen willkürlich eingesungen wurden, bekam das Lied einen richtigen Flow der sich auch einem Besoffenen auf der Suche nach der richtigen Wohnungstüre noch erschließt. Dafür und für die brilliante Idee, die Version 54...74...90...2010 sicherheitshalber gleich mitzuproduzieren (und jetzt auf den Markt zu schieben) gibt es die verdiente
Note 2

Platz eins, wie könnte es anders sein, geht an
Schwarz und weiß von Oliver Pocher.
Schon die brilliante Idee, einen Komiker singen zu lassen, verdient Respekt. Bislang hat der Deutsche noch immer singende Komiker ins Herz geschlossen (Dieter Hallervorden, Walter Scheel, Heinz-Rudolf Kunze). Das Lied besteht praktisch nur aus Refrain, dieser besteht aus wenigen, leicht zu merkenden Worten und klaut ausserdem noch das melodiöse Element von Football´s coming home, das aber so geschickt, dass zwar jeder die Melodie schnell kapiert, aber nicht merkt, das die Idee dahinter geklaut ist. Völlig zu Recht also hier die
Note 1

- Herbert Grönemeyer -

Freitag, Juli 07, 2006

We built this city

Uärch!
Seit mittlerweile sieben Monaten hab ich die Baustelle vor meinem Fenster.
Hier sollen dereinst wohlhabende (sehr, sehr wohlhabende) Neuberliner Bürger ein Domizil finden.
Ob man ihnen mal sagen sollte, dass die hochkant gestellten Schuhkartons, die hier gerade unter Lärm und Schmutz hochgezogen werden, den Flair einer beliebigen Häuserzeile der New Yorker Bronx besitzen?
Na ja, wenigstens hat man dafür dieses ganze lästige Grünzeug endlich abgeholzt. Bäume gibt es ja eh genug. Und wenn nicht hier, dann doch bestimmt knapp zwanzig Kilometer westlich von Berlin.
Und es ist doch nett man hat mir die volle Wahlfreiheit gelassen: Ich kann selber entscheiden, ob ich lieber in der Hitze, die sich hier bei geschlossenen Fenster sammelt, schmilze oder ob ich, untermalt vom Baustellenlärm bei immerhin leichter Brise, lieber einstaube.
Übrigens kommt das Geräusch, dass ein Steinschneider produziert, sehr nah an das Geräusch heran, das entsteht, wenn man versehentlich (oder absichtlich) mit dem Fingernagel über eine Schiefertafel fährt. Es trägt also nicht gerade zur mentalen Entspannung bei.

Und dann auch noch die Bauarbeiter. Ich bitte schon jetzt um Entschuldigung, sollte ein Bauarbeiter oder jemand, der einen Bauarbeiter kennt, mit einem verwandt ist oder Bauarbeiter werden will, das hier lesen, aber MÜSSEN SICH BAUARBEITER IMMER BRÜLLEND UNTERHALTEN?
EY, KARL! EEEYYY, KAAAARL! JIBBS DE MIR MAL DEN HAMMER?
Selbst wenn sie nebeneinander stehen, brüllen sie.
Und wenn sie laute Werkzeuge - und in der Hand eines Bauarbeiters ist jedes Werkzeug, selbst ein Schraubenzieher, laut - einsetzen.
Wenn sie Mittagspause machen, sowieso.

Aber was reg ich mich noch auf - in gut 3 Stunden hab ich Wochenende.
Und bis dahin beiß ich die Zähne zusammen und steck mir einfach eine Kirsche in jedes Ohr. Das sieht zwar bescheuert aus, aber der Lärmdämmungseffekt ist nicht zu unterschätzen.

- Starship -

Donnerstag, Juli 06, 2006

It started with a kiss

Nein, mit einem Kuss fing es nicht an. Sondern ganz profan mit einem Bewerbungsgespräch. Das musste ich führen, weil meine ursprüngliche Firma die, bei der ich meine Ausbildung gemacht hatte mir unmissverständlich klar machte, dass ich nicht übernommen werden könne.
Also anderweitig beworben und jetzt saß ich hier. In der Ausschreibung war die Rede davon, dass ich irgendwann mit einem Auslandseinsatz rechnen müsse. In der festen Überzeugung, dass ich mich da sicher drum herum mogeln könnte, hab ich mich trotzdem beworben.
Also das Gespräch: „Herr F., können Sie sich vorstellen, einmal für eine gewisse Zeit im Ausland zu arbeiten? Ich frag deshalb, weil Sie laut Ihren Bewerbungsunterlagen die letzten sechs Jahre in Köln gelebt haben.“
Ist das schlimm? Ist Wohnen in Köln hart an der Grenze zu einem Straftatbestand? Das mag schon sein. Aber ist so eine Frage überhaupt zulässig? Oder ist das wie mit den Fragen nach einer beabsichtigten Schwangerschaft, auf die man ja auch nicht mit der Wahrheit antworten muss. Ich entschied mich für diese Variante und schwindelte:“Selbstverständlich, da habe ich gar keine Probleme mit.“
Ich bekam also den Job und hatte erstmal Ruhe.

Es folgten die üblichen Stationen im Leben eines Mannes: Haus pflanzen, Baum zeugen, Kind bauen, Umzug mit der Firma nach Berlin.
Und hier meinte dann meine Frau eines Tages :“Solange die Kleine noch so klein ist, wäre doch die beste Gelegenheit, um ins Ausland zu gehen.“
Gutes Argument. Schön auch, dass gerade zu der Zeit einige Stellen frei wurden, auf die ich hätte gehen können.

Wir setzten uns also hin und überlegten, welcher Ort überhaupt in Frage kommen könnte. Und da ich die Überlegungen alphabetisch aufgeschrieben hatte, stand Almaty ganz oben was meinen Personalplaner zu einem breiten, dankbaren Lächeln und der Bemerkung „Sehr schön, also Almaty“ bewegte…(Fortsetzung folgt)

- Hot Chocolate -

Mittwoch, Juli 05, 2006

Remember the time

So, jetzt ist es genau ein Jahr und einen Tag her, dass wir nach Deutschland zurückgekommen sind. Eine gute Zeit für einen Rückblick mit dem nötigen Abstand.
Man sagt ja, dass die Zeit vieles verklärt. Dummerweise ist das richtig.
Aber versuchen wir mal, die nostalgische Verklärung aussen vor zu lassen.
Würde ich es nochmal machen? Ja, auf jeden Fall. Ob meine Frau nochmal so einfach mitziehen würde, weiss ich nicht. Könnte aber schwierig werden. Und da unsere Tochter jetzt in der Schule ist, wird es auf absehbare Zeit sowieso nichts werden.
Vielleicht in 10 -12 Jahren, mal sehen.
War Almaty der richtige Ort? Zum Teil. Nachdem ich mich damit abgefunden habe, dass ich mit einer völlig anderen Mentalität zurechtkommen muss - zumindest im öffentlichen Leben - konnte ich damit klarkommen.
Nochmal vier Jahre? Niemals! Nach drei Jahren war die Luft raus. Das wäre ein besserer Zeitpunkt zum Gehen gewesen.
Nochmal Almaty? Nicht mehr für so lange. Privat sowieso ein Risiko - mittlerweile kenn ich die Behörden vor Ort gut genug.
Und Deutschland? Erstaunlich vieles von dem, was ich dort vermisst habe, vermisse ich auch hier. Mangelnde Freundlichkeit ist hier auch oft vertreten. Sture Behörden gibts auch hier. Oh ja!
Die Tatsache, dass man sich aber hier prinzipiell überall verständlich machen kann, ist ein unglaublicher Vorteil, egal ob beim Arzt oder im Supermarkt.
Deutschland oder Kasachstan? Deutschland. Bei allem Fernweh und allen Macken, mit denen man sich hier so rumschlagen muss, sollte man nicht vergessen, dass Staat und Gesellschaft hier weit besser funktionieren, als in einem Großteil der anderen Länder weltweit.
Wie in jeder Gesellschaft gibt es auch hier Gewinner und Verlierer, aber wer dort verloren hat, ist wirklich, endgültig und ohne jede Chance raus aus dem Spiel. Das ist hier zum Glück noch etwas anders.

- Michael Jackson -

Dienstag, Juli 04, 2006

Map of the world

Beim Klapsenschaffner
gesehen, für sehr gut befunden und ins Template eingefügt:
Die Weltkarte unten rechts.
Ab morgen kann ich dann sofort sehen, wenn sich mal wieder jemand aus Mikronesien hierhin verirrt hat.
Jetzt brauch ich nur noch ein Tool, das mir anzeigt, was in Gottes Namen die hier gesucht haben.
Und jetzt sag mir keiner, dass es dafür ja die Logfiles im Blogcounter gibt.
Der sagt mir zwar, wieviele Leute hier nach dem Schlabber Screensaver gesucht haben (und nochmal: NEIN, DEN GIBT ES HIER NICHT! MACHT EUCH VOM ACKER!), aber nicht, wie und warum es jemanden aus Malaysia hierhin verschlagen hat.

Meine Vermutung ist ja, dass hier Besucher aus all den Ländern aufschlagen, die bei der WM ausgeschieden sind, und sich jetzt von mir seelischen Beistand und Trost erhoffen.
Visits aus Argentinien, Holland, England und Australien würden dafür sprechen. Dann müsste ich jetzt aber auch für Frankreich schwarz sehen, von dort war auch schon jemand hier.
Nur aus Italien noch nicht.
Hmm... Na gut, helfen wir etwas nach:
Buon Giorno, mi amici.
So, das wäre auch erledigt. Soll mir also keiner mangelnden Patriotismus vorwerfen.
Und wieder zurück zum Tagesgeschäft.

- Marillion -

Ps: Heute ist der 04.07., oder? Dann sollte ich mich doch nochmal zu einem etwas längeren Text hinsetzen.

Montag, Juli 03, 2006

Teddy bear

Es wurde ein Bär erschossen.

In Deutschland.

Das muss man nicht gut finden.

Man hat sogar jedes Recht, die Aktion als fragwürdig einzustufen und
sich zu wundern, warum drei Leute innerhalb kürzester Zeit den Bären
aufspüren und abschießen konnten, während er vorher wochenlang den
Charakter des Monsters von Loch Ness aufwies - viele behaupteten, ihn
gesehen zu haben, bestens ausgestattete Suchtrupps verfolgten ihn und
doch blieb er ein Phantom.

In diesem Zusammenhang ist es durchaus legitim, auch die Jagd an sich
scheiße zu finden.

Tu ich auch.

Die Frage, warum eine Betäubung statt des Erschießens offensichtlich
keine Option war, ist ebenso gerechtfertigt und muss auch gestellt werden.

Wenn sich aber auf einmal Menschenmassen in einem Kondolenzblog
verewigen und nur deshalb den Schützen nicht offen mit ihrer Ermordung
drohen, weil der Webmaster ausdrücklich darum gebeten hat, wenn sie von
feigem und heimtückischen Mord schreiben und dem kleinen Schnuckelbären
alles Gute in seinem Bärenhimmel wünschen, dann zeugt das für mich doch
von einem massiven Realitätsverlust.

Ich hab das Gefühl, dass einem Großteil der Kondolierer da das Bild vom
niedlichen kleinen Bärenmarke-Bären mit einem Milchkännchen in der Hand
vor Augen schwebte, wenn ich beispielsweise so etwas lese(alles im Original beibehalten):

"Lieber Bruno,

ich werde immer an dich denken wenn ich die wünderschönen Berge sehe
diese unendliche freiheit werde ich nie verspüren wie du in deinen
wenigen Bärentagen. Der Zauber des Sonnenaufgangs und den Wind um deiner
Bärennase ,das kannst du nicht mehr spüren .Verzeih uns törichten
Menschen hir wir sind alle im Gedanken ganz nah bei dir mein großer
starker Freund.So lebe wohl im Bärenhimmel bei deinen Ahnen.

Ein trauriger Engel"

oder auch das:

"Ich hätte Dich gerne mal persönlich getroffen und ich bin sicher dass Du
mich nicht angegriffen bzw. gefressen hättest, denn Du hättest gespürt,
dass ich Bären liebe und vielleicht hätten wir Freunde werden können.
Um Dich trauern auch noch Bernie, Paulchen und Bruno 2 (meine Teddybären
auf dem Sofa)
Leb wohl und mögen Deine Mörder irgendwann büßen müssen was sie Dir
angetan haben!"

Der Dame möchte man einen Besuch des Films Grizzly Man schwer anempfehlen.
Der Hauptdarsteller liebte die Bären nämlich auch.

Leute, Leute, Leute, sind eure restlichen Problem so unbedeutend, dass
ihr euch für so etwas mit solcher Vehemenz engagieren könnt?

Da beneide ich euch aber.

Wer sich selber in Sachen Trauerarbeit betätigen möchte, kann das hier tun.
Ach ja, und um noch einen Link reinzupacken: Godwins Gesetz findet sich natürlich auch aufs Schönste bestätigt.

- Elvis Presley -

Monitor

Auch ein Zwischenpost.

Immer wieder gern gemacht:
Mit dem Finger auf dem Flachbildschirm rumprökeln.
Das ergibt so herrlich psychodelische Flüssigkeitseffekte.

Siouxie & The Banshees

Samstag, Juli 01, 2006

It´s my party

Wer auch immer sich die Phrase "das ist schließlich kein Kindergeburtstag hier" ausgedacht hat, hat offensichtlich selber noch nie einen miterlebt.

Zumindest keinen, bei dem die Gästeschar aus einem Rudel kleiner Weibchen und einem auf verlorenem Posten stehenden Männchen besteht.
Dann wüsste er nämlich, dass ein Kindergeburtstag alles andere als ein, ähh, nun ja, Kindergeburtstag ist.

Ich will hier gar nicht in Details abschweifen, sondern möchte nur kurz zusammenfassen:
Der Schatz von Kapitän Rotbart, dem gefürchtetesten Piraten aller Berliner Weltmeere ist nach langer Suche und vielen Herausforderungen erfolgreich gehoben worden, der Gangster, der sich beinahe im Kleiderschrank unserer Tochter versteckt hatte, ist dank gemeinsamen Einsatzes aller detektivischer Fähigkeiten und unter Verwendung von Walkie Talkies und Fingerabdruckpulver dingfest gemacht worden, nur ganz wenigen Kinder sind in den Tiefen des Bermudapools verschollen und beim abschließenden Grillen sind alle dann doch noch vom gekauften Grillgut und dem hervorragenden Nudelsalat meine Gemahlin so satt geworden, dass keiner der kleinen Gäste auf den Rost musste.

Alles in allem eine sehr gelungene Feier, was mir auch unsere Tochter nochmal ausdrücklich bestätigte.
Jetzt wünscht sie sich allerdings fürs nächste Jahr einen Clown. Und schlug vor, dass ich den spielen sollte.
Naja, vielleicht hat sie es bis dahin vergessen...

- Lesley Gore -