Freitag, Juli 07, 2006

We built this city

Uärch!
Seit mittlerweile sieben Monaten hab ich die Baustelle vor meinem Fenster.
Hier sollen dereinst wohlhabende (sehr, sehr wohlhabende) Neuberliner Bürger ein Domizil finden.
Ob man ihnen mal sagen sollte, dass die hochkant gestellten Schuhkartons, die hier gerade unter Lärm und Schmutz hochgezogen werden, den Flair einer beliebigen Häuserzeile der New Yorker Bronx besitzen?
Na ja, wenigstens hat man dafür dieses ganze lästige Grünzeug endlich abgeholzt. Bäume gibt es ja eh genug. Und wenn nicht hier, dann doch bestimmt knapp zwanzig Kilometer westlich von Berlin.
Und es ist doch nett man hat mir die volle Wahlfreiheit gelassen: Ich kann selber entscheiden, ob ich lieber in der Hitze, die sich hier bei geschlossenen Fenster sammelt, schmilze oder ob ich, untermalt vom Baustellenlärm bei immerhin leichter Brise, lieber einstaube.
Übrigens kommt das Geräusch, dass ein Steinschneider produziert, sehr nah an das Geräusch heran, das entsteht, wenn man versehentlich (oder absichtlich) mit dem Fingernagel über eine Schiefertafel fährt. Es trägt also nicht gerade zur mentalen Entspannung bei.

Und dann auch noch die Bauarbeiter. Ich bitte schon jetzt um Entschuldigung, sollte ein Bauarbeiter oder jemand, der einen Bauarbeiter kennt, mit einem verwandt ist oder Bauarbeiter werden will, das hier lesen, aber MÜSSEN SICH BAUARBEITER IMMER BRÜLLEND UNTERHALTEN?
EY, KARL! EEEYYY, KAAAARL! JIBBS DE MIR MAL DEN HAMMER?
Selbst wenn sie nebeneinander stehen, brüllen sie.
Und wenn sie laute Werkzeuge - und in der Hand eines Bauarbeiters ist jedes Werkzeug, selbst ein Schraubenzieher, laut - einsetzen.
Wenn sie Mittagspause machen, sowieso.

Aber was reg ich mich noch auf - in gut 3 Stunden hab ich Wochenende.
Und bis dahin beiß ich die Zähne zusammen und steck mir einfach eine Kirsche in jedes Ohr. Das sieht zwar bescheuert aus, aber der Lärmdämmungseffekt ist nicht zu unterschätzen.

- Starship -

Kommentare:

unkita hat gesagt…

Dazu passend, das Phänomen, dass immer nur einer im Bauloch malocht, während mindestens 8 Kollegen oben ums Loch stehen und Karl zubrüllen, was er zu tun hat!.

michA aka roLLe hat gesagt…

ick sach doh dit sind allet atzen weeßte ? di trinken bier wennse uffstehen und wodka wennse zu de baustelle fahren

Falcon hat gesagt…

Da hammse aba fürn Rückweg nüschte mehr.
@unkita:Eines der großen Rätsel der Menschheit. Ist dieses Nichtstun von 7/8 der Anwesenden (auch immer gern an Autobahnbaustellen beobachtet) tatsächlich so oder ist das eher ein gefühltes Nichtstun (ähnlich wie die gefühlte Temperatur ja auch nicht der realen entspricht). Sicherlich einer Studie würdig. Übrigens sind Baulärm und Staub immer noch da, aber ich seh keine Menschenseele. Ob der Krach vom Band kommt?
Aber mal abgesehen davon:
Ich hab nichts gegen Bauarbeiter.
Einige meiner besten Freunde sind Bauarbeiter.
Gut, der zweite Satz ist gelogen, soll aber die Sympathien verdeutlichen, die ich für diese Berufsgruppe hege.

michA aka roLLe hat gesagt…

ick sag dir das is ne untergrundorginasation !!!! ich schwör es dir die sind ne ganz gefährliche rasse !!! ich seh das ja immer an meinem paba :) studiert atomphysik und wird dann fliesenleger (es lebe die wende...)die ham überall fachkräfte...sei da ganz vorsichtig mit den typen..wennse dir nen bier ausgeben wollen...nimms lieber an..und stör dich auch nic hdas die dit mitte zähne aufmachen können...das is einer ihre special skills...

woah bloss ins bett ^^

Klapsenschaffner hat gesagt…

Ich fühle ja sowas von mit. Mir geht es ähnlich. Das Nebenhaus soll diesen Sommer bewohnbar gemacht werden und der Eigentümer ist ein wohlhabender Türke. Netter Mensch. Wirklich. ABER seine Arbeiter treiben einen in den Wahn.
AUF DER ANDEREN SEITE wird gerade das Dach saniert.

ALSO: Links: "HÄBBÄTT (Herbert) mach hinne, isch hab hungä. Mir habbe net de ganse daach Zeit. Hähähä!"

Rechts: "Üglü, ...(restlicher Text aus dem osmanischen)."

Will sagen: Ich leide im Zweikanal-Baustellen-
Hirnabgewöhnungs-Ton.

ICH BIN BEI DIR FALCON!

Falcon hat gesagt…

Bier aufmachen mit den Zähnen? Hier nehmen sie die Augenbrauen dazu...
Aber wo führt das denn hin, wenn man sich nichtmal mehr in der Hoffnung auf geistige Überlegenheit in Sicherheit wähnen kann? Ich kann ja nichtmal eine Mauer grade hochziehen und die können das und mir gleichzeitig auch noch die Relativitätstheorie erklären.
Da sind mitfühlende Worte doch Balsam für die geschundene Seele.
Herr Schaffner, Dein Einverständnis vorausgesetzt, werde ich die Aufmunterung mit meiner Frau teilen, die zur Zeit mit den gleichen Problemen zu kämpfen hat.

Und von dieser Stelle ein Glück Auf! an alle Baulärmgeschädigten dieser Erde.

unkita hat gesagt…

Ihr werdet es nicht glauben, aber gestern Abend ist in der Nebenstraße ein Bagger vorgefahren! Noch ist es ruhig, aber ich hab Angst! Heut Nacht träüme ich bestimmt von Bauarbeitern, die mein Bier im Keller um die Wette mit Auge und Zähnen aufmachen und sich dabei über das Theorem des Papageis unterhalten - und ausknobeln, wer morgen ins Bauloch geht (siehe Post1).

Nu aber mal erst: Meine privaten Erfahrungen mit Bauarbeitern und Handwerkern sind durchweg positiv. Und Bier getrunken wird zumindest bei den Handwerkern schon lang nicht mehr.