Donnerstag, September 28, 2006

Wochenend und Sonnenschein

Jetzt noch fix ein paar Gedanken zum Wochenende:

Kultur sollte eine staatliche Förderung erhalten. Das ist gut und richtig. Und weil Deutschland zumindest in groben Zügen immer noch auf der Basis der freiheitlich-demokratischen Grundordnung aufgebaut ist, wird der Kultur trotz der staatlichen Förderung kein Zwang auferlegt, solange bestimmte Grenzen nicht überschritten werden.
Im Gegenzug erwartet man von der Kunst, dass sie Kontroversen eröffnet und provoziert.
Wenn sie aber nur da provoziert, wo als heftigste Reaktion ein Leserbrief im Feuilleton der Tageszeitung zu erwarten ist, verliert sie ihren Anspruch auf die Förderung und die ihr damit zugestandene Freiheit.
Wenn Kunst die Unterdrückung des Menschen durch die Religionen anprangern will, darf sie das tun.
Wenn sie die Befreiung des Menschen von den Zwängen der Religion dadurch versinnbildlicht, dass sie die abgeschlagenen Köpfe der Religionsstifter präsentiert, muss sie sich bewusst sein, dass sie damit Reaktionen der Religionen provoziert. Wenn sie aber in dem Moment, wo auch nur der Anschein besteht, dass die Provokation auch einmal als solche wahrgenommen wird, zurückrudert und sich wegduckt, dann stellt sie nur noch das Äquivalent zum Salonkommunismus einer Sahra Wagenknecht dar.
Sie wird unglaubwürdig, lachhaft. Und wenn ich etwas Lächerliches sehen will, kann ich auch in das Theater am Kurfürstendamm gehen.

Jedes Mal bei Einbruch der Dämmerung standen die Drei dort in der Nähe der Unterführung. Da ja direkt daneben eine Bushaltestelle ist, machte ich mir nie großartig Gedanken darüber, was sie da wohl machten. Auf den Bus warten, so meine naive Vorstellung. Allenfalls dachte ich daran, ob ihnen denn bei der etwas leichteren Bekleidung und dem eher schneidenden Berliner Wind, nicht ein wenig arg kalt würde.
Bis mir dann eines Tages jemand verriet, dass das wohl die provinzielle Ausgabe eines Straßenstrichs sein sollte.
Das erklärte natürlich auch die knappen Röckchen der Damen. So im Nachhinein - wie Fleischereifachverkäuferinnen sahen die Drei tatsächlich eher nicht aus.
Obwohl - irgendwie hatten sie ja auch mit dem Verkauf von Fleisch…aber lassen wir das.
Und jetzt sind sie plötzlich verschwunden. Weg. Einfach so.
Der Wohnwagen, den ich zuvor immer für ihren Arbeitsplatz gehalten habe, hat sich dank großflächiger Aufkleber jetzt als mobiles Büro einer Hausbauberatungsfirma herausgestellt.
Vermutlich hat es sich einfach als äußerst unlukrativ erwiesen, einen Platz an einer ziemlich stark befahrenen Straße zu wählen, auf der die Autos mit Tempo siebzig dahin rauschen und die wenigsten bereit sind zur Beseitigung ihres Triebstaus einen Auffahrunfall zu riskieren.
Die Öffentlichkeit darf erleichtert aufatmen und die drei Damen werden wohl wieder ihren Lebensunterhalt in anderen Bereichen des Dienstleistungsgewerbes verdienen.

Kurze Toilettenpause.
Ich warte bis alle wieder zurück sind.
Geraucht wird bitte nur in der Küche oder auf der Terrasse.

So. Alle fertig? Prima.

Ich wusste ja, dass es schnell gehen würde. Aber so schnell?
Gerade mal eine Woche ist es her, dass die NPD in Meck-Pomm - und leider auch im Osten Berlins - enorme Zugewinne verbucht hat.
Die Empörung war riesengroß, allerorten wies man mit dem Finger auf die Gegenseite, die die Verantwortung dafür zu tragen habe.
Und jetzt? Zehn Tage später ist das Thema so ziemlich durch. Abgesehen vom schwächlichen Aufflackern einiger weniger neuer Nachrichtenmeldungen hat man die Sache wohl zu den Akten gelegt. Fein, das Tagesgeschäft kann also wieder beruhigt in Angriff genommen werden. Nur nicht über Maßnahmen und Konsequenzen nachdenken.
Na gut, es könnte natürlich sein, dass das nächste Wahlergebnis dann noch etwas erschreckender ausfällt. Dafür müssten wir uns um das übernächste schon keine Sorgen mehr machen, weil bis dahin dann längst ein neues Ermächtigungsgesetz unterzeichnet wurde.
Vielleicht sollte man einfach die Gebiete, in denen die NPD so erfolgreich war, aus Deutschland ausschneiden - dann hat jeder was er will: Die Rechten Ihr eigenes Territorium und der Staat kein Problem mit Nazis auf seinem Gebiet.
Praktische Lösung, oder?

Kommen wir zum Schluss. Manchmal hab ich das Gefühl, eine Zweitwohnung in Schreibblockadenhausen angemietet zu haben. Da kommt dann einfach nix Gescheites bei raus. Hin und wieder schreib ich auch das dann trotzdem auf.
Aber ein Posten um des Postens willen ist ziemlich dämlich.
Wenn also mal über mehrere Tage nichts Neues hier steht, heißt das nicht, dass ich das Bloggen dran gegeben hab, sondern es heißt nur, dass ich nicht um jeden Preis hier was reinklatschen möchte.
Wen das stört, weil er glaubt, ein Recht darauf zu haben, täglich was Neues zu lesen, der hat halt Pech gehabt.
Der möge sich ein anderes Huhn suchen, das ihm jeden Tag ein frisches Textei legt.
Über alle anderen freue ich mich dafür um so mehr.

Zu guter Letzt: Das war Post Nummer 199 - Blogger hat ja eine praktische Mitzählfunktion. Ich freue mich sehr, dass ich es nicht nur mehr als ein Jahr sondern auch schon beinahe 200 Posts lang durchgehalten habe.
Da hätte ich selber vermutlich am Wenigsten mit gerechnet.

- Comedian Harmonists -

Dienstag, September 26, 2006

Guitar Man

Eine kleine Bemerkung in eigener Sache:
Unser Gitarrist hat sich verdächtig interessiert an Informationen zum Thema Blogs gezeigt.
Daher möchte ich zu Ihrer eigenen Sicherheit auf Folgendes hinweisen:
Sollten Sie in nächster Zeit einen Herrn mittleren Alters bemerken, der sich betont unauffällig in den dunklen Winkeln Ihres Blogs herumtreibt, können Sie unbesorgt auf ihn zugehen, ihn streicheln und füttern.

Unbedingt unterlassen sollten Sie allerdings Witze über Gitarren, Gitarrenverstärker und -koffer sowie über Gitarristen selber, insbesondere deren beständigen Drang, an allem zu zupfen, was auch nur entfernt Ähnlichkeit mit Gitarrensaiten hat (Schnürsenkel, Drainagerohre, Gitarrenseiten etc.).

Soweit Sie diese Regeln sorgsam beachten, wird Ihnen der possierliche Bursche sicherlich über eine lange Zeit Freude bereiten und ein ausserordentlich angenehmer, zutraulicher und regelmäßig wiederkehrender Besucher Ihres Blogs sein.

Sollten Sie noch weitere Fragen, insbesondere zum artgerechten Umgang mit Gitarristen, haben, zögern Sie nicht, diese zu stellen.

- Elvis Presley -

Sonntag, September 24, 2006

Market Square Heroes

Wie der eine oder andere bereits wusste, hab ich gestern mal wieder einen Tag auf den Flohmarkt verbracht.
Das hatte zum einen den Vorteil, dass ich mal wieder an die frische Luft gekommen bin und meine Kollegen sich die kommende Woche nicht immer nach meinem Wohlbefinden erkundigen müssen, weil ich wieder kerngesund aussehe.
Zum anderen bot sich eine hervorragende Gelegenheit für biologische Feldstudien.
Hier also die Ergebnisse, selbstverständlich streng wissenschaftlich ermittelt und durch zahlreiche Feldversuche abgesichert:

1. Hosen
Zahllose Menschen mögen sich in den letzten Jahren gefragt haben, ob Trainingshosen aus Fallschirmseide denn nun endlich den Weg der anderen Modetorheiten gegangen sein mögen.
Ich stelle hierzu fest: Dies ist nicht der Fall. Zumindest scheinen im Osten der Bundesrepublik ganze Biotope zu existieren, deren Bewohner offensichtlich ausschließlich über diese Kleidungsstücke verfügen.
Die Träger dieser in Ermangelung eines treffenderen Fachbegriffes hier als Hose bezeichneten Kleidungsstücke scheinen die Hosen nahezu rituell zu tragen. Sie gelten den Trägern als Erkennungszeichen und signalisieren Gruppenzugehörigkeit.

2. Gruppe
Die Träger der oben benannten Hosen gehören offensichtlich in ihrer Gesamtheit einer Gruppe an.
Ich stelle hierzu fest: Diese Gruppe ist am sinnvollsten als die Gruppe der vom Leben Enttäuschten zu definieren. Leeren Blickes (auch als "Kantinenblick" bekannt) schleichen sie über den Marktplatz und kaufen genau die Sachen, von denen man sich immer fragt, wer sich denn so einen Scheiß (namentlich Bronzeadler, hintergrundbeleuchtete Gemälde und verschnörkelte Porzellanlampenschirme, in Ausnahmefällen auch die Videokomplettedition von "Ein Schloss am Wörthersee") zu Hause hinstellt, -legt oder -hängt. Männer sind dabei eher die Fans der Bronzeadler, das Wörtherseeschloss wird bevorzugt erworben von Frauen.

3. Frauen
Frauen und Männer pflegen eine gänzlich andere Art des Trödelkaufes.
Ich stelle hierzu fest: Frauen benötigen das haptische Erlebnis. Während Männer in der Regel einen gewissen Sicherheitsabstand zu den Produkten ihrer Wahl einnehmen und diese erst einmal einer gründlichen, aber rein optischen Inspektion unterziehen, neigt die weibliche Kundschaft zum Grabbeln.
Wer jemals mit Frau, Freundin, Mutter oder ...(hier setze man eine beliebige Dame des Bekanntenkreises ein) zum Einkaufen unterwegs war, weiß, was ich meine.
JEDES einzelne Stück Kleidung wird hochgezupft, auseinandergefaltet und dann mit einem offensichtlich der Damenwelt eigenen, leicht nachlässigen Handgriff mehr oder weniger sauber wieder zusammengefaltet. Das hat natürlich zur Folge, dass sämtliche vorher sorgfältig arrangierte Stücke irgendwann in einem Wust mehr oder weniger sorgfältig zusammengefalteter und zurückgelegter sonstiger Kleidungsstücke verschwinden.
Weder gute Ratschläge ("Der Pullover ist ganz schlicht unirot" - "Ich guck trotzdem mal") noch die Strategie, die Ware erst gar nicht den offenen Blicken der Kundinnenschaft auszusetzen ("Junger Mann, ich sehe, dass Sie dahinten noch einen ganzen Karton voll haben. Darf ich da mal reinschauen?" - "Da ist aber Nichts in der Größe drin, die sie suchen!" - "Kann ich trotzdem mal?" - "Resigniert Seufz") führen in irgendeiner Weise zum Erfolg.
Vielleicht sollte ich einfach beim nächsten Mal einen Karton voller unnützer Dinge mitnehmen, in dem man erst einmal nach Herzenslust grabbeln kann. Wenn dann der erste Grabbelhunger gestillt ist, lass ich sie an die Sachen, die ich tatsächlich verkaufen will.

Unser Keller ist jetzt immerhin um einen großen und einen kleinen Umzugskarton leerer, erklärtes Ziel ist es aber, die immer noch drinstehenden geschätzten 20 Kartons auf zwei zu reduzieren.
Bis ich das endlich geschafft habe, werde ich wohl noch viele Erfahrungen mit grabbelnden Ballonseidehosenträgerinnen machen dürfen.

Da freu ich mich jetzt schon drauf.

- Marillion -

Freitag, September 22, 2006

Let Me Entertain You

In Potsdam wird an diesem Wochenende ein neues Theater eröffnet - das Hans Otto Theater.
Es ist architektonisch interessant, die erste Theater-Neueröffnung in Potsdam seit 211 Jahren und es hat 26,5 Millionen Euro gekostet, die zum Teil vom Land Brandenburg, zu Teil von der Stadt Potsdam getragen werden.
468 Stühle können maximal aufgestellt werden.
Soviel zu den Fakten.

Ich bin der festen Überzeugung, dass die Kulturförderung eine wichtiger Bestandteil staatlichen Handelns ist und bleiben muss. Der Staat und seine Länder können es sich nicht leisten, auf die Förderung der Kultur zu verzichten
Sie haben einen Bildungsauftrag, dem sie in jedem Fall nachkommen müssen, denn sonst tut es keiner.
Ich glaube allerdings auch, dass zunächst einmal versucht werden muss, das kulturelle Interesse einer breiteren Bevölkerungsschicht zu wecken, bevor solche Summen verballert werden, die allein dem Kulturgenuss eines kleinen elitären Zirkels dienen.

Die Zielgruppe dieses Theaters muss nicht mehr davon überzeugt werden, dass es sich lohnt, ins Theater zu gehen. Wer Stücke wie etwa „Der Sicherheitsabstand“ von Frédéric Blanchette oder „Julia Timoschenko“ von Adriana Altaras und Maxim Kurotschkin besucht, der weiß, warum er ins Theater geht.

Viel wichtiger finde ich es aber, die Menschen, die eben nicht regelmäßige - oder auch nur gelegentliche - Theaterbesucher sind, anzusprechen und für das Theater zu interessieren
Fragt mich bitte nicht nach einer Patentlösung dafür, wie das funktionieren soll, die habe ich leider auch nicht.

Ich weiß nur, dass der Bau des Theaters ein Akt architektonischer Selbstbefriedigung ist, geeignet um einigen einen neuen Eintrag in ihrer kulturellen Biographie zu bescheren, aber im Moment ungeeignet, über einen kleinen, fest umrissenen Kreis hinaus Menschen anzusprechen. Und solange das so ist, ist das Projekt schlicht eine sinnlose Verbrennung von Steuergeldern, die an anderer Stelle sicherlich wesentlich sinnvoller einsetzbar gewesen wären. Und da brauch ich wohl nicht erst auf die beschämende Diskussion um die Mittel für die Projekte gegen Rechts zu verweisen.
Jaja, ich weiß, das ist ein anderer Topf. Deswegen verweise ich ja auch nicht darauf.

Aber wer weiß - vielleicht überrascht die Theaterführung mit einem völlig neuen, überraschenden Ansatz, der auch die anspricht, die eben bislang einem Theaterbesuch nichts abgewinnen konnten.

Das würde mich sehr freuen, aber so recht daran glauben mag ich nicht.


- Queen -

Donnerstag, September 21, 2006

She Blows Hot And Cold

Man sollte es ja kaum glauben, aber es gibt seit vielen Jahren schon in Deutschland ein subkulturelles musikalisches Phänomen, das so offen Geschlechtsverkehr und Promiskuität propagiert, dass selbst einem abgebrühten SIDO-Fan vermutlich die Ohrmuscheln dunkelrot erglühen müssen.
Erstaunlicherweise sind die Fans dieser Musik, die zahlenmäßig in die Hunderttausende, wenn nicht Millionen gehen, hauptberuflich Biedermänner und -frauen, die keineswegs zum Wochenende die Latexkluft überziehen oder ihre Darkroomfantasien ausleben.

Die Rede ist natürlich wieder einmal vom deutschen Schlager. Das, was so harmlos und massenkompatibel in Dirndl und Trachtenjanker, mindestens aber korrekt in Sakko und Abendkleid gewandet daher kommt, transportiert Inhalte, die in den USA längstens dazu geführt hätten, die entsprechenden Tonträger mit dem „Parental Advisory - explicit lyrics“ - Sticker zu versehen.
Aber es sind ja auch gar nicht die Teenies, die angesprochen werden sollen, sondern Menschen im besten Alter, ab vierzig aufwärts bis hin zum gediegenen Rentenalter.
Die beim Anblick einer halb verhüllten Brust im ZDF schon Zeter und Mordio schreien, sich dann aber beim großen Musikfest des gleichen Senders stundenlang mit den Pimperfantasien notgeiler Liederschreiber berieseln lassen.

Unglaublich? Beispiel gefällig? Bitte sehr:

Roland Kaiser ist immer noch unterwegs. Zwischen seinen Tourneen wird er vermutlich schockgefrostet, damit er länger frisch bleibt, aber wehe, er ist aufgetaut.
Dann singt er so hübsche Sachen wie „Manchmal möchte ich schon mit Dir“.
Der unbedarfte Hörer rätselt natürlich „Was möchte denn die lebende Bügelfalte? Einen netten Shoppingtag in der Fußgängerzone verbringen?“
Nene, es geht ja weiter mit „eine Nacht das Wort Begehren buchstabieren“.
Und damit meint der Herr ganz sicher keine gemütlich Scrabblepartie.

Oder, anderes schönes Beispiel: Die Wildecker Herzbuben. Die beiden lebenden Volksmusikschwämme singen doch tatsächlich „Hallo Frau Nachbarin. Du gehst mir nit mehr aus dem Sinn. A Rendezvous mit dir wär schön, wenn dein Mann nicht mei Nachbar wär.“
Beklatscht und beschunkelt von der Omma, die seinerzeit Oswald Kolle in den tiefsten Höllenschlund verwünscht hat, wird hier neben den sexuellen Avancen gleich noch versucht, den Ehebruch, der nur daran scheitert, dass der Nachbar über den Zaun schaut, salonfähig zu machen. Und das von Gestalten, bei denen man sich fragen muss, ob sie den Weg bis zum Gartenzaun überhaupt ohne Infarkt überstehen.

Alltime classic ist aber Tony Marschall (meiner Meinung nach darüber hinaus auch das Alter Ego von Roberto Blanco) mit seinem Chartstürmer „Ach lass mich doch in Deinem Wald der Oberförster sein“. Auch wenn er beim Liedvortrag immer brav in grüner Förstermontur antritt, besteht kein Zweifel daran, dass es ihm nur darum geht, diese so schnell wie möglich abzustreifen, um seiner Auserwählten dann die Standfestigkeit der deutschen Eiche zu demonstrieren.

Zum Glück wird in diesen Sendungen ja auch meistens gleich Abbitte dergestalt geleistet, dass fromm blickende Damenduette in Dirndl und Dreivierteltakt vom kleinen Kircherl auf´m Bergerl jammern, in dem die Jungfrau noch ein offenes Ohr für ihre Sorgen hat.
Die vermutlich darin bestehen, dass die Wildecker Herzbuben ihre Nachbarin und nicht sie nageln wollen.

Das Publikum aber merkt nix und beklatscht dumpf, aber selig diese Ferkeleienrevue.

Vor hunderttausend Jahren hätte man noch hoffen können, dass solche evolutionären Irrtümer irgendwann einmal auf natürlichem Wege korrigiert werden. Heutzutage hab ich aber die Befürchtung, dass sowohl Interpreten als auch Publikum immer wieder nachwachsen.

Und das macht mir Angst. Werden eines Tages die im Rausch deutscher Schlagermusik gezeugten Sprösslinge die Macht ergreifen? Und diese Lieder zur Nationalhymne erklären?

Da bin ich dann aber schneller weg, als man „Hoja Hoja Ho“ sagen kann.


- Queen -

Montag, September 18, 2006

Princes of the universe

In Memoriam des in Bälde seinen 15 Todestag begehenden Farrokh Bulsara will ich mich einmal bemühen, die Posts dieser Woche mit den Titeln seiner Lieder zu überschreiben.
Der Titel beschreibt übrigens hervorragend meine Gemütslage am letzten Samstag.
Hätte irgendwo ein Schiffsrumpf herausgeragt, hätte ich mich auch auf diesen stellen und "Ich bin der König der Welt" ausrufen können.
Herausragende Schiffsrümpfe sind in Berlin aber eher selten zu finden, was mich in meiner Euphorie aber nur minimal beschnitt.
Was war aber der Grund für diesen emotionalen Exzess?
Ich habe es tatsächlich geschafft, einem dieser Grabbelgreifautomaten ein ansehnliches Plüschtier zu entwinden!
Mit nur einem Euro!
Die Erfolgsaussichten abschätzen, die Münze im Schlitz versenken und dann die Anweisungen meiner Tochter ignorierend souverän den Plüschhusky aus der Menge zu ziehen und mit einem satten Geräusch in den Ausgabeschacht fallen zu lassen vermittelt wie wenig anderes ein Gefühl der Überlegenheit.
Während die Lämpchen rings um den Automaten blitzen, eine Stimme "Yappadappaduh!" brüllt und eine Schweineorgel losspielt wie sonst nur bei einem Eishockeyspiel, leuchten ringsum die bewundernden Blicke der übrigen Festbesucher auf.
Derweil präsentiert meine Tochter jedem Passanten stolzen Blickes den Gewinnhund und erklärt, dass den ihr Papa geangelt habe.





Blitzi, der Wunderhund








Einen kleinen Dämpfer bekam die euphorische Stimmung durch das Plakat des Trauerhauses Marzahn, das einen Tag der offenen Tür ankündigt.
Jetzt frage ich mich ja schon, wie ich mir einen Tag der offenen Tür bei einem Bestattungsinstitut vorstellen muss.
Kann man da schon mal probeliegen oder testtrauern? Gibt es für die Kinder eine Hüpfburg in Urnenform?
Einen Workshop "Vom Trauerflor zum Adventskranz - Sinnvolle Zweitverwertung von Grabfloristik"?
Ich habe beschlossen, da nicht hinzugehen.

Allerdings hatte ja über einen Besuch der Berliner Esoteriktage nachgedacht.
Neben dem Vortrag "Klopfen Sie sich frei" für nur zehn Euro hätte ich da günstige Tourismustips ("Mit Engeln Reisen"), eine ganzheitliche Rechtsberatung und Informationen darüber, wie auch ich zum Schamanen werden kann, erhalten können.

Ich hab es natürlich verpasst, vermutlich weil mein Nabelchakra zu sehr blockiert war.
Aber ich bin fest überzeugt, dass die Veranstaltung Teil des Samsara ist.

Und dann kann ich ja nächstes Jahr auch noch hingehen.

- Queen -

Sonntag, September 17, 2006

One year of love

Ich hätte es ja selber gar nicht gemerkt.
Aber dank eines freundlichen, aufmerksamen und darüber hinaus mit einem ausserordentlich athletischen Körperbau gesegneten Lesers dieses Blogs ist es mir dann doch noch aufgefallen:
Stilvoll altern ist heute ein Jahr alt geworden.
Seit nunmehr einem Jahr versuche ich, Gründe zu finden, warum das Leben auch über 35 noch Spaß machen kann, mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg.
Bedanken möchte ich mich daher an dieser Stelle bei all denen, die sich hier regel-, aber auch unregelmäßig einmal auf die Seite klicken.
Insbesondere denen, die dann auch noch so freundlich sind, Kommentare zu hinterlassen.
Ausserdem danke ich selbstverständlich meiner Familie, meinen Freunden und meinen Bekannten.
Der Stadt Berlin für die Vielzahl an Alltagsdämlichkeiten, ohne die der eine oder andere Blogeintrag gar nicht erst zustande gekommen wäre.
Der Bundesrepublik Deutschland für die Tatsache, dass man bloggen kann, ohne dass der Verfassungsschutz einen dabei ständig überwacht und man mit einem Fuss im Gefängnis steht (hoffe ich zumindest).
Den Firmen Intel und AMD, ohne deren Prozessoren ich gar keinen Rechner zum Bloggen gehabt hätte.
Netscape für ihren Navigator. Ich hoffe, ich krieg ihn irgendwann mal wieder fehlerfrei zum Laufen.
Und zu guter Letzt auch meiner alten Deutschlehrerin, die mir damals schon prophezeite, dass ich eines Tages einmal mit der Schreiberei meinen Lebensunterhalt verdienen würde.
Wie man sieht, hatte sie damit, wie mit vielem Anderen zuvor, wieder einmal Unrecht.

Was bleibt noch zu sagen? Ich war in letzter Zeit etwas kommentierfaul, da gelobe ich Besserung.
Ausserdem werde ich versuchen, zur Freude der bisherigen und zur Gewinnung neuer Leser, noch viel mehr von allem zu bieten.
Mehr Fotos, mehr Sex, mehr Drugs und selbstverständlich auch mehr Rock´n Roll.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich darf Sie nun bitten, sich von Ihren Plätzen zu erheben, während das Orchester auf meinen Wunsch hin "Highway to Hell" spielt.
Danach können Sie sich gerne wieder anderen Dingen zuwenden und zum Beispiel "Die fabelhafte Welt der Amelie" weiterschauen.

Wobei das eigentlich unentschuldbar wäre.

- Queen -

Freitag, September 15, 2006

Intimacy

Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber auf Parties lande ich in der Regel irgendwann in der Küche des Gastgebers, wo sich dann Gespräche über Gott und die Welt entwickeln.
Solche Partyküchen füllen sich dann meistens sehr schnell und zum Schluss sind mehr Leute in der Küche als im Partykeller.
Was ich aber auch nicht schlimm finde.
Mir liegt die entspannte Atmosphäre ohnehin mehr.
So ist es mir auch bei leGour gegangen. Nachdem ich erstmal in der Küche saß, hat er die Gelegenheit genutzt, um mir einige Fragen zu stellen, die ich möglichst wahrheitsgetreu beantwortet habe. Und da, wo das nicht ging, hab ich einfach gelogen.
Wer sich also für kitchen prose and gutter rhymes über mich interessiert, möge hier nachlesen.
Wer das nicht wissen will, den kann ich ebenso gut verstehen.
Und wer noch mehr wissen will, soll mir bitte kein neues Stöckchen zuwerfen - mir gehen da die passenden Überschriften aus.
Er (oder sie) kann aber gerne zu einem unserer Auftritte kommen; davor oder danach findet sich sicher die Zeit, um ein bisschen zu plauschen.
Oder aber - wer ganz hartnäckig ist und sowieso mal zu Besuch in Berlin ist, schickt mir eine Mail.
Sollte ich dann können, steht natürlich einem verquatschten Abend auch nix im Weg.
Und der Grieche bei uns um die Ecke ist wirklich hervorragend.

- The Corrs -

Mittwoch, September 13, 2006

Memory Of A Free Festival

Jetzt bin ich schon unzählige Male gefragt worden, wie denn der Gig am Sonntag war.
Na gut, es waren drei, die gefragt haben, aber immerhin.
Ob wir denn jetzt zu den Stars des neuen Jahrtausends würden. Einer Supergroup, vor der selbst die Beatles Respekt haben müssten.
Nun ja, jetzt ist es ja so, dass Eigenlob prinzipiell stinkt wie eine frisch geöffnete Kitekat-Dose. So etwas will ich natürlich vermeiden.
Aber erfreulicherweise gibt es einen Ausweg aus diesem Dilemma. Ich konnte schon beim Aufbauen einen netten Herren mittleren Alters beobachten, der dann auch den ganzen Tag in der Nähe unserer Bühne verbrachte.
Nach dem Abbauen war er so freundlich, mir einige Fragen zu beantworten und diesen kleinen Dialog, der sich darauf hin entspann, gebe ich jetzt hier völlig wahrheitsgetreu wieder:

Ich (I): Entschuldigen Sie bitte, Herr...?
Herr: Ähnkepp, Bernward R. Ähnkepp. Ja, bitte?
I: Jetzt waren Sie doch den ganzen Tag hier draussen. War das nicht ein ziemlicher Aufwand?
Ähnkepp(Ä): Ach was, nicht mehr als für sie. Sicherlich klingelte ihr Wecker auch schon um halb sieben heute morgen. Und dann mussten Sie sich schnell losmachen, um halbwegs rechtzeitig beim Probreaum anzukommen, wo der Rest der Band bereits auf Sie wartete, oder?
I: Ja, äh, ich...

Ä: Sehen Sie - und dann sind Sie los und haben sich nach hier durchgekämpft, in der Hoffnung, dass es mit dem Aufbau fix voran ginge und Sie wie angekündigt um neun Uhr dreißig Ihren Soundcheck machen können! Und ich wette, über die Bühne, deren Dach wie eine umgedrehte Hüpfburg aussah, das schon einen großen Teil des verfügbaren Bühnenraums belegte, waren Sie auch nicht gerade glücklich.




Hurra.
Eine eigene Hüpfburg für die Band








I: Ja, äh, Sie haben völlig recht aber...
Ä: Und dann standen Sie erstmal da und haben gewartet, während sich nichts tat. Ich möchte wetten, dass Sie auch dachten, dass die Berliner Polizei hoffentlich ihre Einsätze besser koordiniert als das Fest.
I: Erstaunlich, genau das ging mir tatsächlich durch den Kopf!

Ä: Sehen Sie, sehen Sie! Ganz im Vertrauen übrigens - die andere Band hatte sich ja auf dem verbleibenden Platz ziemlich ausgebreitet - war das denn auch in ihrem Sinne?
I: Nicht wirklich.


Ein Mann, ein Wort.
Zwei Bands, zwei Schlagzeuge.
Und neun Gitarren, sechs Keyboards und ein Bass.
Den hatten nämlich nur wir.
Die andere Band hatte dafür zwei Laptops.
Einen für den Bass und den anderen für die Schlagzeugsounds.
Minimal chaotisch und maximal eng.

Ä: Das dachte ich mir. Als dann die Vorbereitungen einschließlich aller Soundchecks abgeschlossen waren, schien es mir, als ob beide Bands auf ein Set verzichten wollten?
I: Na ja, wollen ist vielleicht der falsche Ausdruck. Aber das Ganze hatte sich schon so verzögert, dass uns natürlich klar war, dass wir unsere vier geplanten Blöcke auf keinen Fall würden spielen können. Deswegen haben wir das Set mit den ruhigeren Stücken erstmal gekippt.

Ä: So etwas hatte ich vermutet. Geschickt übrigens, beim Soundcheck "Don´t you" zu spielen. Das gab dann schon mal gleich die Linie vor. Übrigens, was tragen Sie denn da für gelbe Bändchen? Sie sehen ein wenig aus, als hätten Sie einen All-inclusive-Urlaub gebucht...
I: Äh, ja, so ähnlich. Das sollte die Zugriffsberechtigung zum Buffet im VIP-Bereich sein. Wie sich herausstellte, war das wohl ein Irrtum. Das angekündigte Buffet bestand aus einem Nudeltopf aus der Gulaschkanone, die Freigetränke beschränkten sich auf Eistee. Die echten VIPs hatten wohl blaue Bändchen - und ein echtes Buffet.
Ä:In der Tat, einen richtig glücklichen Eindruck machten Sie alle nicht - bis auf den Sänger vielleicht, der einen erstaunlichen Gleichmut an den Tag legte.
I: Ja, dafür habe ich ihn auch ziemlich bewundert.

Ä: War es eigentlich erforderlich, dass die andere Band "Live is Life" spielen musste? Das Lied war ja schon schlecht, als es auf den Markt kam!
I: Nun ja...
Ä: Aber als Sie dann loslegten! Ja, es war verdammt laut. Ja, es war verdammt knallig. Und es war verdammt gut. Sie hatten offensichtlich allen Widrigkeiten zum Trotz richtig Spaß bei der Sache und das hat man auch gemerkt.


Soupergroup live on stage.
Mit Superralph am Mikro
Supersteve an den Gitarren,
Super-THM zum (leider letzten Mal) am Bass,
Superstony an den Drums und
Darth Micha an den Keyboards.


I: Ja, den hatten wir tatsächlich. Da unten saßen doch etliche Leute und...
Ä: Entschuldigen Sie, dass ich Sie hier unterbreche, aber die Positionierung der Bühne war doch wohl auch eine grandiose Fehlplanung. Im hintersten Winkel des Geländes und ohne etwas, das größere Mengen erwachsener Zuschauer angelockt hätte.
I: Das stimmt natürlich. Bei dem fantastischen Wetter waren doch sehr viele Menschen da, aber die erhoffte Laufkundschaft, die einfach vorbeiströme, bekamen wir natürlich nicht - einfach, weil es da nichts gab, wo sie weiter hätte hinströmen können.
Ä: Ja, sehr schade. Aber ich hatte den Eindruck, dass es denen, die den Weg hierhin gefunden hatten, doch sehr gefallen hat.
I: Ja, das Gefühl hatte ich auch.

Ä: Und wissen Sie, ganz im Vertrauen - auch die Beatles mussten mal klein anfangen. Und sehen Sie doch, was aus denen dann eines Tages wurde! Ich bin sicher, sie sind auf dem richtigen Weg. Ich fand auf jeden Fall, dass es ein sehr gelungener Auftritt war und Sie mit viel Spass an der Sache dabei waren.
I: Das stimmt. So, ich fürchte, wir müssen jetzt los - Sie wissen schon, zurück zum Proberaum, alles wieder ausladen und so weiter.
Ä: Na, das verstehe ich doch. Dann wünsche ich Ihnen und der Band Braincp alles Gute für die weitere Zeit. Ich bin sicher, man wird noch von Ihnen hören.
I: Vielen Dank. Ach, Herr Ähnkepp?
Ä: Ja?
I: Verraten Sie mir noch, wofür das R. Ihres zweiten Vornamens steht?
Ä: Ob Sie es glauben oder nicht - das haben mir meine Eltern bis heute nicht gesagt.

Damit drehte er sich um und war kurz darauf mit den übrigen Festbesuchern verschwunden. Schön das er an uns glaubt, der Mann mit dem seltsamen Namen.
Schauen wir mal, ob er Recht behalten wird.

- David Bowie -

Dienstag, September 12, 2006

Junge, komm bald wieder

Tu ich ja, tu ich ja...
Nach einem beruflichen Kurztripp in die Wildnis, genauer gesagt, nach Bonn, bin ich jetzt wieder zurück.
Es war natürlich klar, dass ausgerechnet dann, wenn ich mal die Gelegenheit habe, ins Kino zu gehen, nur die Filme laufen, die ich ja nun partout nicht sehen wollte, nämlich "Miami Vice", "Volver" und "Der Da-Vinci-Code".
Ich war ja aus lauter Verzweiflung so weit, ins Theater zu gehen, aber das hat Montags natürlich zu.
Jetzt wird vielleicht der eine (Knurru) einwenden, dass Miami Vice doch recht sehenswert sei oder die andere (Martha) behaupten, dass es ja auch in Beuel und Godesberg noch Kinos gibt.
Aber erstens muss ich mit Colin Farell mit Porno-Schnäuzer nun wirklich nicht antun (Superman hätte ich nach Knurrus Werbung ja noch geguckt) und zweitens wollte ich nun doch keine Weltreise unternehmen, um mal ´nen Film zu sehen.
Und komm mir keiner mit Almodovar. Da kann ich mir ja gleich Komödien von Woody Allen ansehen.
So, also wieder zurück im heimeligen Berlin, morgen dann ein Bericht vom Sonntagsauftritt.
Und Micha - es sind die Tasten ;-)

- Freddy Quinn -

Samstag, September 09, 2006

Knock on wood

Ich muss mich doch mal loben. Die Überschrift habe ich ganz geschickt gewählt, um vom Hölzchen aufs Stöckchen kommen zu können.
Das hat mir nämlich das Rotfell zugeworfen. Wenn das so weitergeht mit der Wurffrequenz hab ich bald genug Äste für ein hübsches Lagerfeuer beisammen - und das ist bei den derzeitigen Witterungsverhältnissen ja gar nicht mal so falsch.
Am Ende dieses Textes stehen im Übrigen noch einige wichtige Verbraucherinformationen in eigener Sache, also nicht einfach wegklicken.
Was ich mich allerdings immer frage, ist, wer sich solche Fragen ausdenkt.
Mit dem nächsten Stöckchen bitte ich dann zu warten, bis es mal wieder ein neues Lied mit Stick, Stock oder Wood gibt.
„Hit me with your rhythm stick“ hat im Übrigen ja schon Unkita verbraten. War wohl vorgreifende Rache dafür, dass ich gestern was mit Essen gepostet hab.
So, jetzt geht’s aber los:

1. Trägst du Unterwäsche? Wenn ja, welche?

Ja. Boxershorts. Weil ein Mann seine Freiheit braucht.

2. Weißt du, wie man die BH-Größe misst?

Ne, nicht wirklich. Aber da meine Frau so nett war, mir ihre zu verraten, kann ich problemlos für sie im Dessousfachgeschäft einkaufen. Soweit man mich nicht wegen lüsternen Grinsens sofort rausschmeißt.

3. Was ist deine Lieblingseissorte?

Zitrone, ganz schlicht. Immer schon.

4. Duschen oder baden?

Normalerweise Duschen, weil’s einfach schneller geht. Wenn ich die Zeit habe und am Besten, wenn es draußen herbstet oder wintert, gehe ich gern auch in die Wanne.

5. Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang?

Sonnenuntergang. Den Aufgang mag ich nur, wenn ich auf dem Weg in den Urlaub bin.

6. Welche 3 Dinge hast du immer bei dir, wenn du unterwegs bist?

Geldbeutel und Schlüssel und Handy. 1 und 2 im Rucksack, drei am Gürtel

7. Donald Duck oder Mickey Mouse?

Donald, wer sonst? Mickey Maus ist blöd.

8. Welche Zahnpasta benutzt du?

Die von Aldi. Für das strahlend weiße Gewinnerlächeln.

9. Rechts- oder Linkshänder?

Rechts. Aus Überzeugung.

10. Singst du unter der Dusche?

Ne, aber im Auto. Aber nur, wenn ich alleine fahre.

11. Redest du mit deinen Haustieren?

Ja. Das ist bei Katzen zwar völlig zweckfrei, außer „Fressen ist fertig“, aber ich gebe da die Hoffnung nicht auf.

12. Kennst du die richtigen Namen deiner email- Freunde?

Prööp…was sind denn Emailfreunde? Von manchen in meinem Blog kenne ich die Vornamen, von zweien weiß und von einem ahne ich den Nachnamen.

13. Hattest du mal ein pinkfarbenes Kleidungsstück?

Zählt auch lila? Da hatte ich mal in meiner Evangelischenkirchenfreizeitfahrtzeit so ein selbstgebatiktes Halstuch. Lila und giftgrün, immerhin konsequent scheußlich.

14. Beißt du dir in die Lippe, wenn du nervös bist?

Ne, aber in letzter Zeit immer wieder beim Essen von innen auf die Lippe. Und ja, das ist genau so unangenehm, wie es sich anhört.

15. Frühaufsteher oder Nachteule?

Nachteule. Aus Überzeugung.

16. Kannst du einen BH mit nur einer Hand öffnen?

Aber nur mit der rechten.

17. Gummibärchen oder Kaugummi?

Gummigemüse mag ich ja, Gummibären nicht so, aber Kaugummi noch viel weniger.

18. Wie alt bist du?

Moment, Blick auf die Uhr, ziemlich genau 37 Jahre, ein Monat und ein paar Tage.

19. Und wie alt möchtest du sein?

Im Moment? Ziemlich genau 37 Jahre, ein Monat und ein paar Tage.

20. Loft, Villa, Bauernhaus oder einfach nur Wohnung?

Bauernhaus mir ausgebautem Keller. Und Gärtner. Und Haushaltshilfe.

21. Was isst du am Liebsten auf der Pizza?

Thunfisch und Zwiebeln.

22. Wie trinkst du deinen Kaffee?

Schwarz und mit Schaum drauf. Ich liebe meine Senseo.

23. Hast du schon mal für andere gekocht?

Ja. Die Ergebnisse waren weniger hübsch anzusehen, aber sehr schmackhaft.

24. Hast du schon mal Austern gegessen?

Nein. Das ist allerdings auch ein Erlebnis, das ich mir durchaus ersparen kann.

25. Weißt du Geburtstag und Alter deiner Eltern?

Oh ja. Seitdem ich den 50. Geburtstag meines Vaters vergessen habe, weil ich da gerade Urlaub gemacht habe, passiert mir das nicht noch mal

26. Titel deines Lieblingsbuches?

Ich kenn zu viele Gute, als dass jetzt ein einziges herausragen würde. Aber die Bücher auf meinem Profil hab ich schon sehr gern.

27. Sind deine Füße gleich groß?

Weitestgehend

28. Magst du Knoblauch?

Sehr gerne. Zaziki ohne ist für mich nicht vorstellbar.

29. Kannst du mit deinen Augen einzeln blinzeln?

Ja, aber sicher doch?

30. Liest du Tabellen?

Wenn es sich nicht vermeiden lässt.

31. Was wäre das erste, was du tun würdest, wenn du einen Millionenjackpot im Lotto gewinnst?

Erst mal das Standardprogramm; Haus bauen, Eltern und Schwester versorgen, Geld gut anlegen. Dann den Traum verwirklichen: Eine Mischung aus Computerspielfachgeschäft und Internet-/Netzwerkcafe eröffnen.

32. Pepsi oder Coca Cola?

Coca Cola. Keine Frage

33. Wann hast du das letzte Mal geweint?

Ganz ehrlich? Vor etwa 4 Monaten, als ich meiner Tochter die Brüder Löwenherz vorgelesen hab, hatte ich am Schluss Tränen in den Augen. Aber ich hab sie tapfer weggeblinzelt.

34. Schau nach rechts, was siehst du?

Einen Stapel von Kartons, in denen die Einzelteile meines neuen Rechners eingepackt waren, einen Surround-Lautsprecher und eine gerahmte Skizze aus dem Film „Mr. Duck steps out“.

35. Mit oder ohne Kohlensäure?

Mit Kohlensäure!

36. Schnarchst du?

So sagt meine Frau.

37. Kaust du auf Bleistiften oder Kulis rum?

Ne.

38. Wenn auf einer Tür steht 'ziehen', drückst du trotzdem?

Ja, aus Prinzip. Weil ich den Schildern nicht traue und weil es ja immer möglich ist, dass da jemand mit versteckter Kamera sitzt und seine Witzchen macht.

39. Wenn du einen Tag in deinem Leben wiederholen könntest, welcher wäre das dann?

Ich glaub, den an dem ich den 50. Geburtstag meines Vaters vergessen hab. Und diesmal würde ich dran denken.

40. Wie würdest du dich selbst einschätzen? Shy, fly, high oder dry?

Brilliante Frage. Keine Ahnung.

41. Pommes oder Bratkartoffeln?

Pommes. Schranke mit Zwiebeln.

42. Hast du schon mal eine Waffe abgefeuert?

Gelten auch die Wummen für Spielkonsolen? Nein? Dann allenfalls mal ein Luftgewehr.

43. Winnie the Pooh, Tigger, Kanga, Roo, Piglet, Eeyore, Rabbit oder Owl?

Eeyore. Und aha - so schreibt man ihn auswärts!

44. Warst du schon mal in Disneyland/ world/ resort?

Ne, aber irgendwann wird’s vielleicht noch mal was.

45. Was ist dein größtes Ziel?

Irgendwann einmal sagen zu können: „Es hat sich gelohnt“.

46. Schlagsahne oder Caramelsirup?

Schlagsahne.

47. Riechst du an anderen Menschen?

Meistens ist es leider eher so, dass sich das Riechen nicht vermeiden lässt. Ich würde dann nicht sagen, „Ich rieche an“ sondern nur „Ich rieche“. Besonders zur Sommerszeit in der U-Bahn.


Geschafft. Weitergeben tue ich dieses Stöckchen an unseren Sänger Ralph, von dem ich sowieso immer schon mal wissen wollte, ob er Unterwäsche trägt und falls ja, welche.

Wer jetzt unbedingt noch mehr über mich und meine Befindlichkeiten erfahren möchte, möge einfach regelmäßig in LeGours Küchenplaudereien reinschauen, da bin ich auch bald mal zu finden.

Dann hoffe ich, dass die werte Leserschaft nicht unseren Auftritt am morgigen Sonntag vergessen hat.
Noch mal zur Erinnerung:
Wir spielen da auf dem Tag der offenen Tür der Berliner Polizei im Wechsel mit einer Band namens Cartago.
Wer kann, der kommt, wer nicht kann, möge wenigstens an uns denken und Daumen drücken, dass alles klappt.
Auf dass er/sie dann dereinst seinen/ihren Enkelkindern sagen kann: Wisst ihr noch? Die berühmte Band Braincap? Damals, an dem Tag, an dem sie ganz groß herauskamen, war ich dabei. Oder hab wenigstens an sie gedacht und ihnen die Daumen gedrückt.

- Amii Stewart -

Donnerstag, September 07, 2006

Boulevard of broken dreams

Ich weiß ja, dass ich mit Posts zum Essen und Trinken eigentlich in Kapauns und Unkitas Revier wildere, aber der muss jetzt trotzdem sein:

Wenn ich in seltenen Momenten geistiger Umnachtung beschließe, vergangene Erfahrungen zu verdrängen und in Richtung Kantine marschiere, begegnen sie mir wie Schatten aus einer anderen Welt: Kollegen, die auf der Suche nach Nahrung immer wieder an diesem seltsamen Ort stranden.
Es gibt wohl wenige Plätze, an denen Wunsch und Wirklichkeit so sehr auseinanderklaffen wie in dieser Bahnhofshalle.
Verheißt der Speiseplan noch bis zu einem gewissen Grad Gaumenfreuden (angeboten werden etwa Fischfilet mit Tomatenconfit oder Auberginen-Piccata), sieht die Realität dann doch anders, trauriger aus.
In der Regel undefinierbarer (geschmacklich wie optisch) Pamps wird auf den Teller geklebt, der Tellerrand noch fix mit der Schürze des Kochs abgewischt und dann reiht man sich ein in die Schlange, um einer Kassiererin, deren Lebensfreude schon längst erloschen zu sein scheint, die fünf Euro in die Hand zu drücken.
Man setzt sich an lange Tischreihen, stochert trüb im Essen herum und fragt sich, was einen da schon wieder getrieben hat.
Den Kollegen scheint es ähnlich zu gehen, stochern sie doch genau so lustlos, trinken hinterher noch einen faden Kaffee und gehen dann wieder an ihre Arbeit zurück.
Das Ganze wirkt merkwürdig surreal, ganz so, als ob man in eine Welt eintaucht, die auf der Grenze zwischen Leben und Tod balanciert.
Jedes Lachen - wenn es überhaupt einmal dazu kommt - wirkt wie durch Watte gedämpft, die Gespräche sind gemurmelt, man scheint bemüht, diesen unwirklichen Ort bald wieder hinter sich zu bringen, um aus der Zwischenwelt auf- und wieder in das wirkliche Leben eintauchen zu können.
Der Prozess des Essens wird tatsächlich auf die reine Aufnahme von Nahrung reduziert, dass es auch ein genussvoller Vorgang sein kann, muss in diesem Moment völlig ausgeblendet bleiben.

Muss das so sein?

Ist jede Kantine oder Mensa so?
Oder gibt es vielleicht doch irgendwo Ausnahmen, bei denen eingesehen wurde, das Essen mehr als ein rein mechanischer Vorgang ist, um den Körper mit Nahrung zu versorgen?
Die den Aspekt des Genießens nicht außen vor lassen und es schaffen, auch in der kurzen zugestandenen halben Stunde neben dem Körper auch dem Geist eine Freude zu machen.
Oder sollte ich mich einfach von diesem Gedanken lösen und davon ausgehen, dass Essen in der Kantine und Essen mit Genuss mindestens so weit auseinander liegen wie Mainz und Melbourne?

- Green Day -

Mittwoch, September 06, 2006

The First Cut

Tokio (dpa) - In Japan ist erstmals seit mehr als 40 Jahren wieder ein Prinz in die kaiserliche Familie geboren worden. Prinzessin Kiko brachte ihr drittes Kind am Mittwochmorgen (Ortszeit) per Kaiserschnitt zur Welt.
Diese Japaner.
Die wollen es aber auch immer 100-prozentig perfekt machen.

- Eurythmics -

Montag, September 04, 2006

Go west

Jetzt gibt es ja zwei Möglichkeiten:
Entweder bin ich die letzten fünf Jahre immer blind durch die Gegend gestolpert
oder
dieser Film ist wirklich erst seit kurzem auf dem Markt.
Was habe ich doch lange Jahre immer wieder versucht, ihn irgendwo zu besorgen (und ausser in Form völlig überteuerter Videos auf Ebay war er einfach nicht zu bekommen) oder ihn doch wenigstens aufzunehmen, wenn er mal im Fernsehen gezeigt wurde (was ich aber immer verpennt habe).
Und jetzt liegt die DVD unschuldig pfeifend auf einem großen Stapel mit ihren Brüdern und Schwestern im Media Markt meines Vertrauens und lockt mich mit einem Spottpreis von gerade mal neun Euro fuffzich.
Extras oder Beipackzettel gibt es dafür zwar nicht, aber der Film! DER FILM!
Für alle, die ihn noch nicht kennen:
Das ist Jurassic Park mit Robotern im wilden Westen und bei Rittern und Römern.
Abgesehen davon, dass keine Dinos mitspielen, ist die Handlung praktisch identisch.
Aber der Film ist das Original. Und Yul Brynner der T-Rex. Nur in schwarz und mit Cowboyhut.
Ausserdem ebenfalls von Michael Crichton ausgedacht. Nur zwanzig Jahre vor den Dinos.

Und sehet, so sprach der Falcon: Gehet hin und kaufet Euch diesen Film. Ärgern sollt Ihr Euch nicht über Minimalausstattung und fehlende Ton- und Bildüberarbeitung, sondern lobpreisen die Erscheinung dieses Filmes auf der silbernen Scheibe.
Verfluchen aber sollt Ihr die, die sich solcher Filme annehmen und lustlose Neuauflagen mit viel Krach und Bumm und wenig Substanz produzieren, denn ihrer ist nicht das Reich der guten Unterhaltung, sondern nur das der unendlichen Langeweile.

Bis ich dereinst vielleicht einmal etwas anderes behaupte.

- Pet Shop Boys -

Freitag, September 01, 2006

China in your hand

Ganz in der Nähe meiner beruflichen Wirkungsstätte lässt sich an drei Tagen in der Woche ein kleiner Markt nieder.
Und was da nicht alles feilgeboten wird: Billige Küchenmesser, Schnürsenkel, Wäscheklammern kurz: Nichts was auch nur im Geringsten der Erwähnung wert wäre.
Gäbe es da nicht einen kleinen Verschlag, aus dem ein Duft strömt, der mir alle Wonnen des Reiches der Mitte verheißt.
Also ein chinesischer Schnellimbiss.
Wie bei seinen großen Brüdern, denen mit den goldfarben lackierten Plastiklöwen davor, hat auch er eine schier unüberschaubare Speisekarte mit völlig unaussprechlichen Namen. Verhungern müsste man, wäre man gezwungen, ein Gericht aufgrund seiner Benennung zu bestellen.
Aber, und hier sei der Herr gepriesen, der Mann aus dem Land des Lächelns ist ja ein kluger Kopf und hat des wegen alle Speisen mit Nummern und einer akkuraten Beschreibung in deutscher Zunge versehen.

So weiß man schon im Vorfeld genau, dass man auf die Frage „Bihe hön?“ (die Aussprache harter deutscher Konsonanten ist dem Chinamann ausgesprochen unvertraut, weswegen es immer so klingt, als hätte er eine Hasenscharte erster Kajüte) statt „einmal Deng-Xiao Ping mit Whuhu“ unbesorgt sagen kann: „Einmal die 7“. Und dann genauso den gebackenen Dackel in Litschisoße bekommt, als hätte man ihn in fließendem Kantonesisch bestellt.
Und immer kommt die Frage „Hoja un Saf?“, mit der man aufgefordert wird, der Dame an der Essensausgabe mitzuteilen, welche der beiden köstlichen Fertigsaucen man denn zu nehmen wünsche.
Und jedes Mal, wenn sie schon erwartungsvoll die scharfe Tunke in Richtung Chinapfanne neigt, rufe ich panisch dazwischen „nur Sojasauce, bitte!“.
Jedes Mal.
Je-des Mal.
Bin ich als Langnase so wenig individuell, dass sie mich als treuen Kunden trotzdem nicht identifizieren können? Halt einer von diesen Mitteleuropäern?
„Die kann man eh nicht unterscheiden“, wird wohl durch den Kopf des Asiaten gehen, „die sehen ja alle gleich aus“.
Je-des Mal.

Bis gestern.
Gestern war alles anders.
Noch während ich auf den Stand zuschlenderte, sah ich den Koch bereits fleißig die Sojasprossen durch die Gegend wirbeln. Die Dame an der Kasse füllte derweil bereits die Sauer-Scharf-Suppe in ein Töpfchen und noch bevor ich meinen Obolus über die Theke reichen und auch nur ein Wort sagen konnte, war auch schon die korrekte Sauce über das Nudelgericht verteilt, das Ganze in Alufolie gewickelt und mir überreicht worden.

Ein tolles Gefühl. Man ist nicht mehr der Mensch in der Menge. Man ist nicht mehr man.
Ich bin jetzt ich. Und ich bin jetzt ein Individuum.
Mein Schnellimbisschinese nimmt mich als Mensch wahr.
Das Leben hat einen Sinn. Die Sonne scheint, die Vöglein zwitschern.
Orient und Okzident kommen sich näher.

Meinen Beitrag zur Völkerverständigung habe ich damit geleistet.
Herr Steinmeier, ab hier übernehmen Sie!

T´Pau

Korrektur: Die 7 ist die Sauer-Scharf-Suppe. Dackel ist richtigerweise die 9.