Donnerstag, Dezember 28, 2006

What is love

Hach, Weihnachten, das Fest der großen Gefühle.
Ich merk das regelmäßig an den Suchanfragen.
Da findet man Melancholie ("Ruf Teddybär 1-4"), tiefe Trauer ("When I'm dead and gone"), Frohsinn ("klingt doof, ist aba so kindersendung") und immer wieder Liebe ("erdrückende Mutterliebe"), Liebe ("Janine Reinhardt nackt/Janine Reinhardt Titten") und Liebe ("Sexmangas").
Mittendrin ein paar obligatorische Schlafmützen, die am 26.12. anfangen, "bunte Weihnachtsvorlagen" zu suchen.

Ausserdem noch viele weitere schöne Suchanfragen, die eigentlich viel zu schade sind, um in den Tiefen des Blogcounters dahinzuwesen.

Ich denke, ich werde einmal die Schönsten heraussuchen und dann, in Anlehnung an die brilliante Idee der Frau Floh einen fröhlichen Geschichtenwettbewerb unter den literarisch ambitionierten Blogbesuchern ausrufen. Und die beste Geschichte kriegt dann vielleicht sogar einen Preis.

Mal schauen, scheint mir eine ausbaufähige Idee.

- Haddaway -

Mittwoch, Dezember 27, 2006

Sweets for my sweet

Katastrophe ! Panik ! Weltuntergang !

Aus den Geschäften sind alle Weihnachtssüßigkeiten verschwunden!
Was das heisst, kann sich wohl jeder selber ausmalen:
- kein Lindt-Baumbehang in Nougat
- keine Milka Schoko-Nuss Weihnachtsmänner und
- keine Sahnenougatnüsse von Hussl.
Nicht mal mehr Lebkuchen.

Auf meine entsetzte Nachfrage hin meinte die Verkäuferin doch tatsächlich, dass es kein Wunder sein, dass die Weihnachtssüßigkeiten weg seien. Schließlich sei ja auch kein Weihnachten mehr.
Meiner bestechenden Logik, mit der ich dann zu erfahren wünschte, warum man den ganzen Schamott denn schon im September hatte kaufen können, da sei ja schließlich auch noch kein Weihnachten gewesen, wusste sie zwar nicht entgegen zu setzen, aber die heiß ersehnten Nougatnüsschen brachte das leider auch nicht herbei.
Ich gebe natürlich die Hoffnung nicht auf und werde morgen nochmal auf die Suche gehen, aber allzu optimistisch bin ich ja nicht.

Aber ein Hoffnungsschimmer bleibt: In etwa vier Monaten ist Ostern. Und der Einzelhandelslogik zufolge bedeutet das ja dann, dass in spätestens 14 Tagen die ersten Lindt-Osterstrauchgehänge in Nougat, Milka Schoko-Nuss Osterhasen und Sahnenougateier von Hussl auftauchen müssten.

Also, liebe Genussmittelindustrie, dann enttäusch mich mal bitte nicht!

Bis dahin meine postweihnachtlichen Empfehlungen:
Für den PC: "Dark Messiah of Might and Magic" - schließlich ist das jetzt Messias-Hochsaison.
Für den DVD-Player: "Silent Hill" - weil der stille Hügel so schön zur stillen Nacht passt.
Und für Augen und Kopf: "Anarchoshnitzel schrieen sie" - weil das ein Schnitzel ist, an dem auch Vegetarier ihre Freude haben dürften. Ich jedenfalls hatte sie.

- The Searchers -

Tears on my pillow

Meine Herren, ich heul jetzt schon seit vier Tagen ununterbrochen vor mich hin.
Aber wen wundert das noch, bei den ganzen Weihnachtsschnulzen, die das Fernsehprogramm ununterbrochen auf mich einprasseln liess.
Andererseits - wer bei "Ist das Leben nicht schön" keine Tränen zerdrückt, muss ein Herz aus Stein haben. Oder ein tumber Klotz sein. Oder beides.
Etwas seltsam erschien es mir nur, dass ich gestern selbst bei "Stirb langsam III" nicht aufhören konnte, zu weinen. Und auch bei der Grals-Doku auf Phoenix wollte der Tränenstrom nicht versiegen.
Erst als ich heute morgen mein Kopfkissen auswrang, kam mir das Licht der Erkenntnis: Ich bin gar nicht so ein sentimentaler Hund - ich hab einfach nur eine Bindehautentzündung.

Dermaßen beruhigt kann ich mich jetzt also in die Zeit zwischen den Tagen stürzen und in den Geschäften noch all das kaufen, was dank des verstrichenen Weihnachtsfestes ab heute spottbillig zu haben ist, als da wären
- Lindt-Baumbehang in Nougat
- Milka Schoko-Nuss Weihnachtsmänner und
- Sahnenougatnüsse von Hussl.

Wünscht mir Glück.

- Little Anthony & the Imperials -

Samstag, Dezember 23, 2006

Merry Christmas

So, heute mal ganz schlicht:
All denen, die sich noch auf oder über Weihnachten freuen, wünsche ich ein schönes, ruhiges und friedliches Fest.
All denen, die mit Weihnachten nichts anfangen können, wünsche ich ein paar schöne, ruhige und friedliche Tage.
Lasst Euch reich beschenken, schenkt ebenso reich zurück oder verzichtet auf die ganze Schenkerei und erholt Euch gut bei Euren Lieben, Eurer Familie oder mit wem auch immer Ihr die nächsten Tage gemeinsam verbringt - und wenn Ihr allein seid: Macht ein ordentliches Fass auf.

Euer Falcon aus Berlin

- Gotthard -

Mittwoch, Dezember 20, 2006

Money, Money, Money

So.
Mit den beiden gestern getätigten Geschäftsabschlüssen habe ich für dieses Jahr mein Möglichstes zur Ankurbelung der deutschen Wirtschaft getan.
Mehr geht nun wirklich nicht.
Ich bitte daher um zahlreiche Freiwillige, die bereit sind, das Begonnene im nächsten Jahr mit Freude und hoher Einsatzbereitschaft fortzusetzen.

Vielen Dank

- Abba -

Ps: Ich möchte mich nochmal bei all denen entschuldigen, die beim Aufruf des letzten Posts ähnlich wie ich beim Anblick des pinken Rechtecks krampfartig von Schmerzen geschüttelt wurden. Aber man stelle sich nur mal vor, wie schlimm es gewesen wäre, hätte ich all die Schattierungen von Pink (und derer gibt es mannigfaltige) abgebildet, die bei der Veranstaltung tatsächlich zu sehen gewesen waren.
Na?
Eben, ist also dann doch gar nicht so schlimm.

Sonntag, Dezember 17, 2006

Pink

Was ist das?

Richtig. Der Anblick einer Rotte kleiner Mädchen auf dem Weg zu Disneys Prinzessinnen on Ice, gesehen durch die Augen eines treusorgenden Vaters.

Und was ist das?

Eben. Das Sehvermögen eben jenes Vaters nach fünf Minuten verzweifelten Hinterhertrottens.

Heute war es also soweit. Nach den Don Kosaken folgte heute ein neuer Höhepunkt des Unterhaltungsgenres.
Nachdem wir uns in unsere Festtagsgewänder gehüllt hatten - die Tochter bestand darauf, ihr Chiffonkleid anzuziehen, das wir noch aus Kasachstan mitgebracht hatten - stürzten wir uns in das Abenteuer "Berliner S-Bahn", das wir recht unbeschadet überstanden, nur um dann beim Velodrom in einer Woge reinsten Pinks fortgeschwemmt zu werden.
Im Sog der begeisterten Jungprinzessinnen, die zum Eingang strömten, begenete ich immer wieder anderen Vaterblicken. Die Belustigung, die man noch beim Verlassen der Bahn in manchem Auge erkennen konnte, wich dabei aber schon bald schierer Verzweiflung ob der rosa Übermacht.
Die neidvollen Blicke, die mir mancher Vater ausserdem zuwarf, waren ebenfalls nicht zu übersehen, beinahe hörbar war das unausgesprochene "Glücklicher! Du hast nur eine!".
Gar nicht nachvollziehen konnte ich allerdings die Eltern, die in Ermangelung einer Tochter ihre Söhne mitschleiften - wahrscheinlich als Alibi für Muttern.
Die darf sich dann aber auch nicht wundern, wenn sie in 3 bis 4 Jahren Sohnemann in ihrem BH posierend vor dem Schlafzimmerspiegel vorfindet.
Beim Eingang durften wir uns zunächst einer Leibesvisitation unterziehen, die jeden FBI-Agenten neidisch gemacht hätte. Das Alles nur, um sicherzustellen, dass keiner drinnen die Videokamera auspackt und ein Andenken für die Verwandschaft produziert.
Nachdem wir das glücklich überstanden hatten, traf mich die nächste Breitseite:
Das Spektakel trug seinen Namen völlig zu Unrecht!
Merchandisney on Ice wäre eine weitaus treffendere Bezeichnung gewesen.
Neben Plastikprinzessinen (20 Euro), Plüschmäusen (24 Euro) und Programmheften (6 Euro) konnte man sich mit einer überlebensgroßen Plastiktasse fotografieren lassen (12 Euro), Popcorn im Plastikeimer (8 Euro) kaufen oder sich mit einer Krone mit anmontierten Mausohren (5 Euro) schmücken.


Ohrenkrone
(Symbolfoto)




Um den mitgebrachten Jungs wenigstens einen letzten Rest Stolzes zu bewahren, konnte man für sie Flammenschwerter aus feinstem gelben Plastik kaufen, wovon die Eltern, offensichtlich getrieben von schweren Schuldgefühlen, dann auch reichlich Gebrauch machten.
Unumstrittener Verkaufsschlager war aber gemahlenes (der Fachmann sagt gecrushtes) Eis, in Kugelform in eine Plastiktasse mit Cinderellaaufdruck gezwängt und mit drei Sorten Sirup übergossen.
Solchermaßen mit einem Materialwert von schätzungsweise 7 bis 15 Cent gesegnet, wurde es hernach für stramme sechs Euro an die Nachwuchsprinzessinen gebracht.
Die saßen dann - so weit das Auge reichte - selig lächelnd da und genossen die Vorstellung, während sie buntes Wasser löffelten.

Ach ja - die Vorstellung.
Die war dann tatsächlich gar nicht schlecht.
Nein, wirklich. Ich mag es ja, wenn offenkundig viele Leute in der Show beschäftigt sind. Da hab ich dann immer das Gefühl, eine angemessene Gegenleistung für das gezahlte Eintrittsgeld zu bekommen. Dagegen damals in Kasachstan, als sie dort Riverdance - aber nein, das ist eine andere Geschichte.
Also, die Show war professionell und gut gemacht, bunt, laut, mit Feuerwerk und schönen Kostümen. Kann man sich angucken.
Vorausgesetzt, man ist seelisch und sittlich so weit gefestigt, dass man nicht den mannigfaltigen Versuchungen am Rande der Show erliegt.

So. Und jetzt zieh ich die Ohrenkrone aus und geh ins Bett.

- Aerosmith -

Dienstag, Dezember 12, 2006

Subtle Invitation

Wo sich die Dame doch gerade mit einer Pornodarstellerin um die Rechte am Namen streitet, dachte ich mir, ich tu ihr mal was Gutes und nehm einen Titel von ihr als Überschrift.
Nach der ernsthaften Diskussion im letzten Post now for something completely different:
Ich bitte, den angezeigten Termin wohlwollend im Adresskalender zu vermerken und der Deutschen Bahn Rekordumsätze durch Reisen zum Jahresende nach Berlin zu bescheren.



Herrschaften, enttäuscht mich also jetzt nicht.

- Mariah Carey -

Ps: Ach ja, es gibt auch für jeden Gast eines dieser coolen Knicklichter. Ihr wißt schon, die Teile, die man knicken muss und die dann acht Stunden in bunten Neonfarben leuchten.
Na, ist das etwa nix?

Sonntag, Dezember 10, 2006

Killer

Nach diesem ganzen Gewäsch bezüglich des Verbots von Computerspielen, in denen man mittes Pixeln, die Waffen darstellen sollen, andere Pixel, die Gegner darstellen sollen unter Zuhilfenahme weiterer Pixel, die Kugeln, Laserstrahlen oder Plasmaentladungen darstellen sollen von einer senkrechten in eine waagerechte Position befördern soll, hatte ich eigentlich beschlossen, an diesem Wochenende in einem Akt zivilen Ungehorsams nichts anderes zu tun, als diese sogenannten "Killerspiele" zu spielen.
Frau und Kind wurden vorsorglich evakuiert (man weiss ja nicht, welche Folgen das Spielen möglicherweise hat) und dann gings los.

Erst einmal Doom 3. Seltsam nur, nach 15 Minuten merkte ich eine leichte Übelkeit und einen beginnenden Kopfschmerz. Na gut, wird wohl an den düsteren Gängen gelegen haben.
Also erst einmal eine kurze Pause eingelegt und währenddessen Simsalagrimm geschaut.
Hat mich irgendwie agressiv gemacht, diesem naseweisen Bücherwurm zuzuschauen. Ein Schlag ins Sofakissen hat geholfen.
Danach ein fröhliches und buntes Spiel ausprobiert.
Far Cry. Komisch, nach 15 Minuten eine leichte Übelkeit und beginnende Kopfschmerzen.
Also eine Pause gemacht. Währenddessen "Wetten, dass?" geschaut.
Gottschalk mit Spitzbart und unglaublich müden Sprüchen. Das haben wir früher im Familienkreis als Pflichtprogramm geschaut? Agressiv geworden. Teddy der Tochter gewürgt. Hat geholfen.
Zum Ausgleich etwas Beschauliches. Ballern in Zeitlupe.
Seltsam, nach 15 Minuten leichte Übelkeit und einen dezenten Schmerz in der Schläfenregion.
Pause gemacht. Neun live aus Versehen eingeschaltet. Sehr agressiv geworden. Katze gewürgt. Hat geholfen.
Zum Ausgleich etwas Nostalgisches. Ballern im zweiten Weltkrieg. Medal of Honor eingelegt, nach 15 Minuten wieder ausgemacht. Übelkeit, Kopfschmerz, blablabla.
Pause gemacht.
PC ausgemacht und ins Kino gegangen. Happy Feet geguckt. Steppende Pinguine. Seeehr agressiv geworden. Pinguin gewürgt und Vordermann mit Popcorn beworfen. Hat geholfen.

Nach Hause gekommen. Killzone eingelegt. Gerade, als Kopfschmerz und Übelkeit anklopften, kam Frau herein. Über den Kopf gestreichelt. Hat geholfen.

Und was lernen wir daraus? Solange es ein intaktes Sozialgefüge gibt, kann einen auch das schlimmste Spiel nicht zum Killer machen.
Aber wehe denen, die nicht Frau, Kind, Freund oder Freundin oder sonst irgend jemanden haben, die ihnen im entscheidenden Moment über den Kopf streicheln.
Das ist das Problem und das löst auch ein Verbot solcher Spiele nicht.

- Adamski -

Mittwoch, Dezember 06, 2006

Santa Claus is coming to town

Schön ist ja schon, wenn man nach mehr als einer Stunde Anfahrt durch Stau, Nieselregen und viel zu warmes Wetter an seinen Arbeitsplatz kommt und einen von der Türklinke aus drei Schokoweihnachtsmänner anstrahlen.
Sowas hebt die Laune beträchtlich und macht den anstehenden Arbeitstag gleich viel erträglicher.
Und ein frischer After-Eight-Weihnachtsmann ist ein völlig neues Geschmackserlebnis.

- Harry Connick, Jr. -

Montag, Dezember 04, 2006

Mother Russia

Dezember. Endlich.
So langsam ist es an der Zeit, die diesjährige Eventsaison ihrem Abschluss und Höhepunkt zuzuführen.
Um nicht gleich völlig mental überfordert zu sein, haben wir es erst einmal ganz langsam angehen lassen.
Indem wir uns gestern die Don Kosaken zu Gemüte führten.
Jahaa, da höre ich doch gleich aufgeregtes und begeistertes Gemurmele und Geraune im Auditorium.
Obwohl die Aufregung bei weitem nicht so groß sein kann, wie sie es gestern in der Schlange der Wartenden war.
Die Dame vom Ticketvorverkauf gab uns den nützlichen Rat, rechtzeitig vor Öffnung des Einlasses anwesend zu sein, um einen guten der nicht reservierbaren Sitzplätze zu bekommen.
Rechtzeitig heißt aber offensichtlich nicht eine Stunde vor Konzertbeginn.
Das ist nämlich schon deutlich zu spät.
Als wir um diese Zeit ankamen, wand sich bereits eine Schlange von anstehenden Konzertbesuchern lindwurmgleich vom Neptunbrunnen bis zur Marienkirche. Bei näherer Betrachtung entpuppten sich die Wartenden als offensichtlich vollzählig angereiste Belegschaft diverser Seniorenresidenzen, was natürlich gleich zwei Pläne in mir heranreifen ließ.

Der erste sah vor, dass unsere Tochter sich mit begeisterten "Oma! Oma!"-Rufen auf eine der nah am Eingang stehenden älteren Damen hätte stürzen sollen. Während diese sich dann noch in einer Melange aus Rührung und Verwirrung ob des neu hinzugewonnenen Enkelkindes befunden hätte, hätten wir uns zu unserer Tochter gesellt und dadurch locker hundert Plätze gut gemacht.

Meine Frau, die gestern ihren Geburtstag beging, war aber ungewöhnlich wenig angetan von dieser Idee, ebenso wie von meinem Vorschlag, auf biologisch bedingte Verkürzung der Schlange zu setzen, was ja in Anbetracht des fortgeschrittenen Alters der meisten Anstehenden nicht so abwegig gewesen wäre. Unsere Anwesenheit senkte übrigens ganz locker den Altersschnitt von gefühlten achtzig auf gefühlte 79,5 Jahre.
Als sich dann aber die Kirchentüren öffneten, ging es erstaunlich diszipliniert voran; man merkte schon, dass der Berliner, insbesondere im Ostteil der Stadt den Umgang mit Warteschlangen durchaus verinnerlicht und perfektioniert hat.

Das Konzert, dessen Besuch ja im Übrigen hauptsächlich dem Ausleben russiophiler (heißt das so?) Gefühle unsererseits geschuldet war, bot ansonsten wenig Überraschendes.

Das russische Volk wird freuen, dass die Kosaken heutzutage nicht mehr zur Verteidigung und Bewahrung der Heimat eingesetzt werden, wären die durchweg am Alter ihres Publikums orientierten Herren damit doch wohl vermutlich auch ein wenig überfordert.
Über den Beinahmen "Bolschoi", der, wie dem geneigten Leser ja bekannt ist, "groß" bedeutet, ließe sich im Zusammenhang mit dem gestrigen Konzert sicherlich auch trefflich streiten, stellt sich einem doch die Frage, ob ein Chor von 10 Leuten bereits als großer Chor durchgeht.
Da können wir mit den Fischer-Chören ja ein ganz anderes Kaliber aufbieten, wenngleich die auch nicht so hübsch bunte Wämser besitzen.
Ich vermute angesichts des Publikums ohnehin mal, dass die Kosakenchöre mit ihren Fans sterben werden; Nachwuchs ist auf beiden Seiten der Bühne praktisch nicht erkennbar. So gesehen war es also schon beinahe eine Farewell-Tournee.

Singen können sie nichtsdestotrotz, die Akustik eines Kirchenbaus ist allerdings nur bedingt für Konzerte jenseits von Sakralmusik geeignet.
Vieles klang einfach zu spitz, anderes zu verwaschen, so dass selbst meine des Russischen überaus mächtige Gemahlin selten mehr als zwei oder drei Worte am Stück verstand.
Erfreulich war allerdings das Engagement des Publikums, wie etwa das unseres außerordentlich feinsinnigen und kulturell gebildeten Hintermannes, der nicht nur zu jedem vorgetragenen Stück eine passende Anekdote zu erzählen wusste (ob nach oder während der Stücke scherte ihn da recht wenig) sondern außerdem noch seine Begleiterin und selbstverständlich uns dadurch zu begeistern verstand, dass er während eines Vortrages aus Lehars "Zarewitsch" das Stück sauber, akkurat und klar vernehmlich mitsummte.

War also recht schön, auch wenn sich sicherlich nicht jeder der zarten und anrührenden Wirkung des "schönsten russischen Liedes" (O-Ton Don-Kosak) "Abendglocken" hingeben mag.
Na ja, der nächste kulturelle Höhepunkt wird dann wieder etwas populärer - da geht’s mit dem Töchterlein zu Disneys "Prinzessinnen on Ice".

Der Erfahrungsbericht eines leidgeprüften Vaters wird folgen.

Und jetzt les ich erstmal den stillen Don.

- Iron Maiden -

Ps.: Bin ich eigentlich wieder mal der Einzige, der findet, dass Jan Delays Stimme keineswegs fantastisch und unglaublich ist (wie vielfach behauptet), sondern klingt wie die von jemandem mit schwer geschädigten Polypen?
Und dass insbesondere die von ihm nachgesungenen Stücke ziemlich scheiße sind?