Wochenend und Sonnenschein
Kultur sollte eine staatliche Förderung erhalten. Das ist gut und richtig. Und weil Deutschland zumindest in groben Zügen immer noch auf der Basis der freiheitlich-demokratischen Grundordnung aufgebaut ist, wird der Kultur trotz der staatlichen Förderung kein Zwang auferlegt, solange bestimmte Grenzen nicht überschritten werden.
Im Gegenzug erwartet man von der Kunst, dass sie Kontroversen eröffnet und provoziert.
Wenn sie aber nur da provoziert, wo als heftigste Reaktion ein Leserbrief im Feuilleton der Tageszeitung zu erwarten ist, verliert sie ihren Anspruch auf die Förderung und die ihr damit zugestandene Freiheit.
Wenn Kunst die Unterdrückung des Menschen durch die Religionen anprangern will, darf sie das tun.
Wenn sie die Befreiung des Menschen von den Zwängen der Religion dadurch versinnbildlicht, dass sie die abgeschlagenen Köpfe der Religionsstifter präsentiert, muss sie sich bewusst sein, dass sie damit Reaktionen der Religionen provoziert. Wenn sie aber in dem Moment, wo auch nur der Anschein besteht, dass die Provokation auch einmal als solche wahrgenommen wird, zurückrudert und sich wegduckt, dann stellt sie nur noch das Äquivalent zum Salonkommunismus einer Sahra Wagenknecht dar.
Sie wird unglaubwürdig, lachhaft. Und wenn ich etwas Lächerliches sehen will, kann ich auch in das Theater am Kurfürstendamm gehen.
Jedes Mal bei Einbruch der Dämmerung standen die Drei dort in der Nähe der Unterführung. Da ja direkt daneben eine Bushaltestelle ist, machte ich mir nie großartig Gedanken darüber, was sie da wohl machten. Auf den Bus warten, so meine naive Vorstellung. Allenfalls dachte ich daran, ob ihnen denn bei der etwas leichteren Bekleidung und dem eher schneidenden Berliner Wind, nicht ein wenig arg kalt würde.
Bis mir dann eines Tages jemand verriet, dass das wohl die provinzielle Ausgabe eines Straßenstrichs sein sollte.
Das erklärte natürlich auch die knappen Röckchen der Damen. So im Nachhinein - wie Fleischereifachverkäuferinnen sahen die Drei tatsächlich eher nicht aus.
Obwohl - irgendwie hatten sie ja auch mit dem Verkauf von Fleisch…aber lassen wir das.
Und jetzt sind sie plötzlich verschwunden. Weg. Einfach so.
Der Wohnwagen, den ich zuvor immer für ihren Arbeitsplatz gehalten habe, hat sich dank großflächiger Aufkleber jetzt als mobiles Büro einer Hausbauberatungsfirma herausgestellt.
Vermutlich hat es sich einfach als äußerst unlukrativ erwiesen, einen Platz an einer ziemlich stark befahrenen Straße zu wählen, auf der die Autos mit Tempo siebzig dahin rauschen und die wenigsten bereit sind zur Beseitigung ihres Triebstaus einen Auffahrunfall zu riskieren.
Die Öffentlichkeit darf erleichtert aufatmen und die drei Damen werden wohl wieder ihren Lebensunterhalt in anderen Bereichen des Dienstleistungsgewerbes verdienen.
Kurze Toilettenpause.
Ich warte bis alle wieder zurück sind.
Geraucht wird bitte nur in der Küche oder auf der Terrasse.
So. Alle fertig? Prima.
Ich wusste ja, dass es schnell gehen würde. Aber so schnell?
Gerade mal eine Woche ist es her, dass die NPD in Meck-Pomm - und leider auch im Osten Berlins - enorme Zugewinne verbucht hat.
Die Empörung war riesengroß, allerorten wies man mit dem Finger auf die Gegenseite, die die Verantwortung dafür zu tragen habe.
Und jetzt? Zehn Tage später ist das Thema so ziemlich durch. Abgesehen vom schwächlichen Aufflackern einiger weniger neuer Nachrichtenmeldungen hat man die Sache wohl zu den Akten gelegt. Fein, das Tagesgeschäft kann also wieder beruhigt in Angriff genommen werden. Nur nicht über Maßnahmen und Konsequenzen nachdenken.
Na gut, es könnte natürlich sein, dass das nächste Wahlergebnis dann noch etwas erschreckender ausfällt. Dafür müssten wir uns um das übernächste schon keine Sorgen mehr machen, weil bis dahin dann längst ein neues Ermächtigungsgesetz unterzeichnet wurde.
Vielleicht sollte man einfach die Gebiete, in denen die NPD so erfolgreich war, aus Deutschland ausschneiden - dann hat jeder was er will: Die Rechten Ihr eigenes Territorium und der Staat kein Problem mit Nazis auf seinem Gebiet.
Praktische Lösung, oder?
Kommen wir zum Schluss. Manchmal hab ich das Gefühl, eine Zweitwohnung in Schreibblockadenhausen angemietet zu haben. Da kommt dann einfach nix Gescheites bei raus. Hin und wieder schreib ich auch das dann trotzdem auf.
Aber ein Posten um des Postens willen ist ziemlich dämlich.
Wenn also mal über mehrere Tage nichts Neues hier steht, heißt das nicht, dass ich das Bloggen dran gegeben hab, sondern es heißt nur, dass ich nicht um jeden Preis hier was reinklatschen möchte.
Wen das stört, weil er glaubt, ein Recht darauf zu haben, täglich was Neues zu lesen, der hat halt Pech gehabt.
Der möge sich ein anderes Huhn suchen, das ihm jeden Tag ein frisches Textei legt.
Über alle anderen freue ich mich dafür um so mehr.
Zu guter Letzt: Das war Post Nummer 199 - Blogger hat ja eine praktische Mitzählfunktion. Ich freue mich sehr, dass ich es nicht nur mehr als ein Jahr sondern auch schon beinahe 200 Posts lang durchgehalten habe.
Da hätte ich selber vermutlich am Wenigsten mit gerechnet.
- Comedian Harmonists -





