Freitag, Juni 29, 2007

Wake me up before you go-go

5.33 Uhr.
Ich möchte das noch einmal in Worten festhalten:
Fünf Uhr dreiunddreißig.
Das ist nämlich die Uhrzeit, zu der eine vollkommen wache Achtjährige ins Schlafzimmer der Eltern kommt, beide mit strahlend blauen Augen anplinkert und verkündet, dass sie wach sei und wir alle deswegen doch jetzt in das Wohnzimmer gehen mögen, um dort ihre Geburtstagsgeschenke auszupacken.

Nach überstandener Auspackaktion durfte dann auch ihr Wunschtitel als Geburtstagslied gespielt werden.
Hier hat mich das Kindlein doch wieder einmal positiv überrascht.
Nicht so etwas wie "Du hast heut Geburtstag, darum sind wir hier und sowas von schnurzel-purzel-glücklich, mit Dir feiern zu dürfen", nein, das Kind wünschte sich "Hurra, hurra, die Schule brennt!" von Extrabreit.
Fein. Der Beweis dafür, dass es ein Kind seines Vaters ist.
Dermaßen erfrischt fällt dann ja auch der Start in den Tag deutlich leichter - hundemüde bin ich jetzt um halb elf dann trotzdem.
Und die Party steht ja erst morgen bevor.

Ich bitte um die besten Wünsche fürs gute Wetter, denn eine Rotte Achtjähriger inhäusig zu versorgen würde unsere elterliche Geduld dann vielleicht doch ein wenig überstrapazieren.

- Wham -

Ach ja, und fürs Rotfell: Der Kater ruft "Fiesta!" und erklärt dann, dass er los muss. Zum Esel konnte ich meine Tochter aber nicht überreden, sonst hätte ich Dir die Übersetzung geliefert...

Donnerstag, Juni 28, 2007

Wouldn't it be good



Na ja, ich hab auch nicht wirklich dran geglaubt.
Wäre ja echt zu gut gewesen.

- Nik Kershaw -

Mittwoch, Juni 27, 2007

Stormy

Ja, heute ist es mal wieder soweit.
Einer dieser Tage, an denen ich die Katze abgrundtief hasse.
Wie sie da so selbstzufrieden und in sich ruhend auf ihrem Lieblingsplätzchen, dem Lammfell auf dem Schaukelstuhl, liegt.
Und ich könnte schwören, dass sie mir, als ich mir heute morgen Jacke und Schuhe anzog und mich durch Sturm und Regen auf den Weg zur Arbeit machte, zuzwinkerte und boshaft grinste, während sie sich noch mal ausgiebig räkelte.

Aber warte nur ab, du kleines Biest!
Nicht mit mir!

Spätestens heute abend, wenn ich nach hause komme, werde ich den Spieß umdrehen.
Da mach ich dann nämlich die Dose Kitekat mit Seelachs und Thunfisch auf.
Und werde sie vor deinen Augen aufessen, ohne dir auch nur einen Bissen abzugeben. So!

Ich glaube, danach wird es mir wieder besser gehen.

- Supremes -

Montag, Juni 25, 2007

Sticky Fingers

Neulich in der Schule:

Vater holt das Töchterlein ab, das völlig entrüstet auf den Herrn Papa zugestürmt kommt:
„Papa, weißt Du wahas? Der Erstklässler dahinten hat mir beide Stinkefinger gezeigt!“

Da ich als Vater natürlich schädliche Einflüsse von meiner Tochter weitestgehend fernzuhalten bemüht bin, nehme ich sie also beiseite und erkläre es ihr:
„Pass mal auf: Im Mittelalter kannten die Leute Pfeil und Bogen und später gab es dann die Armbrüste.
Die waren ziemlich schwer zu spannen und abzuschießen, so dass die Schützen den Mittelfinger dazu nahmen.
Wenn so ein Schütze besiegt wurde, hatte ihm der Sieger die Mittelfinger abgeschnitten, damit er nicht mehr schießen konnte. Und um zu zeigen, dass sie noch nicht besiegt worden waren, zeigten die Armbrustschützen üblicherweise ihren Gegnern die Mittelfinger.“

Kaum, dass ich mit dieser schönen Erläuterung fertig war, nahte von hinten eine Klassenkameradin und piepste: „Ne, ich weiß was das heißt! Nämlich: Fick Deine Mutter!“

Das ist natürlich spätestens der Punkt, an dem auch die bestgemeinte väterliche Autorität vollständig versagt.

Da bleibt nur noch übrig, dem Töchterlein „komm, wir holen uns noch ein Eis“ zuzuraunen und mit gestrichenen Segeln das Feld der moralischen Niederlage zu verlassen.

Und sich mit dem Gedanken zu trösten, dass die Armbrustgeschichte eh bestenfalls noch ein halbes Jahr gehalten hätte.

- Coolio -

Freitag, Juni 22, 2007

The Riddle

Ich gestehe ja, dass es ein Rätsel für mich ist.
Muss ich mir das vielleicht so vorstellen:
Jeder große deutsche Filmverleih hat irgendwo so ein bis zwei abgewichste Profis herumsitzen, die in einer Mischung aus Bauchgefühl, demoskopischer Erhebung und Fremdwörterbuchgewühle Filmuntertitel für nicht wirklich gut übersetzbare englische Filmnamen erwürfeln?
Gäbe es eine andere auch nur im Ansatz logische Erklärung für so etwas wie „Hot Fuzz - Zwei abgewichste Profis“?
Mein bisheriger Favorit für dämliche Unterbetitelung eines guten Films war ja bislang immer „Grosse Point Blank - Ein Mann, ein Mord“, aber die abgewichsten Profis unterschreiten dieses Niveau mit einer ungeahnten Souveränität.
Warum gerade die Deutschen dazu neigen, Filme (aber auch Bücher - ich verweise da mal einfach beispielshalber auch die gesamte Serie der Bücher von Preston/Child) durch völlig sinnentstellende Neu- und/oder Unterbetitelung herunterzuziehen, ist mir aber tatsächlich ein Rätsel.
Zwar war das in den Siebzigern und Achtzigern ganz schlimm, aber auch heute noch scheint der eine oder andere Filmneubetiteler in irgendwelchen versteckten Kämmerchen sämtlichen Rationalisierungsbemühungen getrotzt zu haben und durch sein subversives Wirken die Filmindustrie torpedieren zu wollen.
Merken die Pfeifen da denn gar nicht, dass solche Maßnahmen eher vom Filmbesuch abhalten, als dazu zu animieren?
Ich selber hatte eigentlich auch vorgehabt, mir den Film zu ersparen, weil mir der Titel gar zu grässlich erschien.
Es wäre schade darum gewesen.
Also hier die Empfehlung für alle, die zum Wochenende nicht in Shrek strömen und auf abstrusen Humor stehen, ein wenig Splatter vertragen und auch den vielleicht einen oder anderen nicht völlig in sich schlüssigen Twist der Handlung verzeihen:
Schaut Euch diesen Film an, der ist nämlich in höchstem Maße unterhaltsam.

Aber tut Euch selbst den Gefallen und haltet bei der Einblendung des Titels die Augen ganz, ganz fest geschlossen. Danach dürft Ihr sie natürlich sofort wieder aufmachen und die 120 Minuten genießen.
Versprochen?

- Nik Kershaw -

Donnerstag, Juni 21, 2007

The Fly


Ja, wenn man genau genug zielt, kann man mit Slime™ tatsächlich eine Fliege erwischen, die an der Wand krabbelt.
Und nein, eine gute Idee ist das deswegen noch lange nicht.

Aber immerhin eine bemerkenswerte Reminiszenz an die Siebziger.

- U2 -

Mittwoch, Juni 20, 2007

Birthday

# Beatles - The Ballad Of John & Yoko
12.07.69 - 01.08.69 (3 Wochen)

# Simon & Garfunkel - El condor pasa
27.06.70 - 14.08.70 (7 Wochen)

# Danyel Gérard - Butterfly
24.05.71 - 29.08.71 (14 Wochen)
11.10.71 - 17.10.71 (1 Woche)

# T-Rex - Metal Guru
24.07.72 - 30.07.72 (1 Woche)

# Sweet - Hell Raiser
23.07.73 - 05.08.73 (2 Wochen)

# Vicky Leandros - Theo wir fahr'n nach Lodz
29.07.74 - 04.08.74 (1 Woche)

# George Baker Selection - Paloma Blanca
16.06.75 - 14.09.75 (13 Wochen)

# Bellamy Brothers - Let Your Love Flow
28.06.76 - 01.08.76 (5 Wochen)

# Baccara - Yes Sir I Can Boogie
04.07.77 - 28.08.77 (8 Wochen)

# Boney M. - Rivers Of Babylon
24.04.1978 - 13.08.1978 (16 Wochen)
21.08.1978 - 27.08.1978 (1 Woche)

# M - Pop Muzik
18.06.79 - 29.07.79 (6 Wochen)

# Lipps Inc - Funkytown
30.06.80 - 07.09.80 (10 Wochen)

# Kim Carnes - Bette Davis Eyes
13.07.81 - 30.08.81 (7 Wochen)

# OMD - Maid Of Orleans
12.07.82 - 01.08.82 (3 Wochen)
09.08.82 - 15.08.82 (1 Woche)

# Rod Stewart - Baby Jane
18.07.83 - 07.08.83 (3 Wochen)

# Laura Branigan - Self Control
18.06.84 - 29.07.84 (6 Wochen)

# Falco - Rock Me Amadeus
22.07.85 - 18.08.85 (4 Wochen)

# Level 42 - Lessons In Love
14.07.86 - 24.08.86 (6 Wochen)

# Pet Shop Boys - It's A Sin
20.07.87 - 30.08.87 (6 Wochen)

# Ofra Haza - Im Nin' Alu
20.06.88 - 14.08.88 (8 Wochen)

# Mysterious Art - Das Omen
03.07.89 - 03.09.89 (9 Wochen)

# Matthias Reim - Verdammt ich lieb' Dich
21.05.90 - 09.09.90 (15 Wochen)

# Scorpions - Wind Of Change
03.06.91 - 18.08.91 (11 Wochen)

# Snap - Rhythm Is A Dancer
25.05.92 - 02.08.92 (10 Wochen)

# Culture Beat - Mr. Vain
21.06.93 - 22.08.93 (9 Wochen)

# All-4-One - I Swear
25.07.94 - 25.09.94 (9 Wochen)

# Rednex - Wish You Were Here
03.07.95 - 13.08.95 (6 Wochen)

# Fugees - Killing Me Softly
01.07.96 - 25.08.96 (8 Wochen)
02.09.96 - 08.09.96 (1 Woche)

# Puff Daddy - I'll Be Missing You
30.06.97 - 14.09.97 (11 Wochen)

# Pras Michel - Ghetto Superstar
27.07.98 - 02.08.98 (1 Woche)

# Lou Bega - Mambo No. 5
31.05.99 - 15.08.99 (11 Wochen)

# ATC - Around The World
24.07.00 - 03.09.00 (6 Wochen)

# Shaggy - Angel
16.07.01 - 12.08.01 (4 Wochen)

# Eminem - Without Me
17.06.02 - 18.08.02 (9 Wochen)

# Outlandish - Aicha
07.07.03 - 10.08.03 (5 Wochen)

# O-Zone - Dragostea Din Tei
07.06.04 - 12.09.04 (14 Wochen)

# US 5 - Maria
25.07.05 - 21.08.05 (4 Wochen)

# Sportfreunde Stiller - '54, '74, '90, 2006
07.07.2006 - 20.07.2006 (2 Wochen)
28.07.2006 - 03.08.2006 (1 Woche)

Au verdammt.
Das ist der Fluch, wenn man zur Zeit der Sommer- und Ferienhits Geburtstag hat.
Aber ein guter Beleg dafür, dass früher zumindest die Musik oft besser war. Ab 1997 hätte ich mich genau so gut auch aus dem internationalen Chartswesen ausklinken können.

Mein Dank an Radegast und den Nr.1-Finder.

- The Beatles -

Montag, Juni 18, 2007

Far far away


Seltsam is ja schon.
Immer dann, wenn der Blick eines Produzenten eines medialen Großereignisses suchend über den Globus schweift in der Hoffnung, ein Land zu finden, dass einerseits gewisse Glocken beim Medienempfänger klingeln lässt, andererseits doch exotisch genug ist, um sicherzustellen, dass praktisch niemand Genaueres darüber weiß, scheint die Suche in Kasachstan ihr Ende zu finden.

Das Land besitzt offensichtlich noch genug postsowjetischen Charme, um als Ausgangsort finsterster kommunistischer Putschversuche dienen zu können („Air Force One“), ist alternativ weit genug im Osten, um auch den Islamisten eine gute Basis zu bieten („Command & Conquer Generals“), ist weit genug abseits jeder Zivilisation, um die Ansiedlung der größten Hinterwäldler glaubhaft zu machen („Borat“) und birgt genügend Platz für Grabräuber und Mysterienforscher („Tomb Raider“).

Und ehrlich gesagt, da das ja eh alles völliger Unfug ist, könnte man solche Geschichten auch zum Beispiel in Weitfortistan spielen lassen. Da fühlt sich dann auch niemand auf den Schlips getreten und meint, Gegendarstellungen veröffentlichen zu müssen.

Wie es in Kasachstan, insbesondere in der Gegend um Almaty tatsächlich aussieht, zeigt hingegen eine kleine Broschüre, die bei mir zuhause herumfliegt.
Sobald ich meinen Scanner zur Mitarbeit überredet habe, werde ich mal einmal ein paar Seiten einscannen, so dass sich jeder selbst davon überzeugen kann, dass Command & Conquer Quatsch ist und Borat zumindest den kreativen Umgang mit der Sprache, ähem, tja, nun ja, sagen wir mal, nicht zu 100 Prozent treffend beschrieben hat.

- Slade -

Montag, Juni 11, 2007

Plastic

Ich habe einen schrecklichen Verdacht:
Dieser ganze Star-Trek-Kram ist keineswegs eine Erfindung. Die Serien und Filme haben nur dazu gedient, durch ihr quietschbuntes Äußeres die Menschen in Sicherheit zu wiegen ("Haha, ja, Vulkanier, klar doch. Joah, Captain Kirk. Hihi, Frauenschwarm und so.")
Alles Ablenkung. Zumindest eine der fremden Rassen gibt es ganz sicher - die Borg nämlich.
Es gibt sie und sie leben getarnt im Ostteil von Berlin, wo sie nichtsahnende und unschuldige Menschen assimilieren.
Wie ich darauf komme?
Gestern beim Einsteigen ins Auto schnallte sich mein Töchterlein an und erlärte dann:"Das Plaste ist total heiß!"

Plaste!!!
Aaaarghhhh!


Sie müssen mein Kind irgendwo erwischt und in eine Drohne verwandelt haben. Die sagen hier nämlich alle "Plaste".
Was wird als nächstes kommen? Broiler? Absingen von Pionierliedern?
Fängt sie vielleicht dann gar noch an, zu sächseln?
Meine einzige Hoffnung ist jetzt, dass auch Kirk* einmal von den Borg assimiliert wurde, aber ihren Fängen wieder entkam.
Meine letzte und einzige Hoffnung.
Aber ich gebe nicht auf.

Und irgendwann - da bin ich sicher - wird es auch bei uns wieder Plastiktüten und Grillhähnchen geben.

- Alanis Morissette -

* Ich bitte alle Star-Trek-Fans um mannigfache Vergebung. Selbstverständlich war es natürlich nicht Cpt. Kirk, der assimiliert wurde, sondern vielmehr Cpt. Picard.
Mein Dank an den Propheten für Aufmerksamkeit beim Lesen und den entsprechenden Hinweis.

Freitag, Juni 08, 2007

The Politics Of Dancing


So ein Gipfel ist doch immer wieder interessant für die Zurschaustellung der verschiedensten Spezies.
Neben dem labertaschigen Politiker, der gerne und häufig sowohl als Teilnehmer als auch - sofern aufgrund falscher Parteizugehörigkeit / mangelnder Wichtigkeit nicht als Teilnehmer zugelassen - im kommentierenden Umfeld zu finden ist, hätten wir da den betont investigativen Journalisten, den wahlweise prügelnden oder deeskalierenden Polizisten und den Protestierer.
Widmen wir uns doch einmal dieser Gruppe, die in Rostock gerade in besonders vielen Varianten auftritt.

Da wäre zunächst der Marschierer. Die größte Gruppe. Das sind die, die mit oder auch ohne Transparente durch die Straßen wandern, an Zäunen rütteln, weil sie reinwollen (wir erinnern uns: Mit dieser Masche kann man es bis zum Bundeskanzler bringen) und zumindest der festen Überzeugung sind, hierdurch etwas bewegen zu können. In der Regel harmlos und nett und von wenig bösem Wesen.
Vorbild: Ghandi.

Dann hätten wir da, ebenfalls auf den Straßen zu finden, den schwarzen Blocker. Finster in Kleidung und Gesinnung ist sein erklärtes Ziel die Anwendung von Gewalt, ohne dadurch ein weiteres Ziel erreichen zu wollen - außer vielleicht, vom prügelnden Polizisten eins auf die Schnauze zu bekommen. In der Regel mit einem aggressiven Grundpotenzial gesegnet und bevorzugt mutig in der Gruppe. Geschickt beim Untertauchen in die Anonymität der Masse, die ihm die Gruppe der Marschierer aus falsch verstandener Solidarität bietet.
Vorbild: Ernesto Guevara.

Recht neu sind die Mitglieder der „Clowns Army“. Lustig verkleidete Pappnasen machen Faxen, spritzen mit Wasserpistolen stellen damit praktisch die Speerspitze der Spaßgeneration in der Protestbewegung dar. Unlustig und recht zweckfrei.
Vorbild: Marcel Marceau.

Seit gestern sind auch zwei weitere Gruppen gesichtet worden: Konzertbesucher und Musiker.

Konzertbesucher sind interessant: Sie pilgern zu einem großen Event, zu mehreren zehntausend meistens, haben da ein paar Stunden Spaß, freuen sich halbtot über Verbalinjurien der Gestalten auf der Bühne („Die Motherfucker hinter dem Zaun“) und kehren dann nach Hause zurück in der festen Überzeugung
1. sich total engagiert zu haben
2. es denen da drüben mal so richtig gezeigt zu haben.
Das war es dann aber in der Regel auch. Im besten Fall wird noch von der geilen Stimmung geschwärmt und davon, dass man da acht Stunden Supermucke für lau hatte (nein halt, ich muss mich korrigieren - für jedes Ticket waren 2,50 Euro Bearbeitungsgebühr fällig).
Die CD zum Event wird dann in der Regel schon nicht mehr gekauft, sondern bestenfalls noch kopiert.
Vorbild sind hier, man glaubt es kaum, die eigenen Eltern, die ja damals beim ersten Live-Aid-Konzert das Gleiche gemacht haben.

Schuld an dem Glauben, wenn man einen Tag lang mitsingt und -hopst habe man seinen Beitrag für eine bessere Welt geleistet, sind aber die Gutmenschmusiker, deren übliche Verdächtigenriege keine Gelegenheit auslässt, ihre knautschigen Konterfeis in jede bereitstehende Kamera zu drücken und Stellungnahmen zur Verdorbenheit der Welt im Allgemeinen und der Politik im Besonderen abzugeben.
Größere politische Ereignisse werden dann genutzt, um das Betroffenheitsgeseiere auch noch mal musikalisch unters Volk zu bringen.
Unterstützung findet man in der Regel noch bei den üblichen Verdächtigen des Intellektuellenkampfes für eine bessere Welt; Roger Wilhelmsen bedient den Bildungsbürger, Sarah Kuttner informiert die RTLII- und Videoclipschauer und Michael Mittermaier (wahlweise ein beliebiger anderer Comedian) darf auch noch ein paar Spitzen gegen die Politik abfeuern, damit das Ganze bei aller Ernsthaftigkeit doch auch immer ein bisserl lustig ist.
Wenn die führenden Weltverbesserer dann ganz gut gelaunt sind, darf auch noch der eine oder andere Drittweltler beweisen, dass er im Umgang mit dem Mikrophon ähnlich versiert ist wie zuhause im Busch mit der Machete (Bob Geldof soll das ja immer abgelehnt haben, weil der interessierte Musikfreund dann das Interesse umgehend verlöre).
Mir fehlen bei diesen Gestalten doch ein wenig die Worte. Oder um einen weisen Mann zu zitieren: Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich bei dieser Konstellation kotzen wollte.
Vorbilder gibt es für diese Gruppe übrigens keine, auch wenn sie gerne Gegenteiliges behaupten. Die Herrschaften sind sich selbst und der Welt schon Vorbild genug.

Ach ja, und noch die allerletzte Gruppe: Die Reiterstaffel der Polizei. Das sind aber zum Glück so wenige, dass sie gar nicht weiter auffallen.
Vorbild: Fury

- Re-Flex -

Donnerstag, Juni 07, 2007

Strawberry fields forever

So, weil regelmäßig Anfragen bei mir landen:
Erdbeeren pflücken in der Umgebung von Berlin kann man zum Beispiel beim Obsthof Lindecke in Werder. Da gibt es sonntags sogar Kaffee und Kuchen.
Ich kenn den Hof zwar nicht, weil er exakt auf der anderen Seite von Berlin liegt, nämlich direkt an der B1 zwischen Glindow und Derwitz, aber wenn jetzt alle auf diese Empfehlung dahin fahren, hab ich meine Ruhe.
Ich selber pflück nämlich samt Familie (sobald die Sträucher im eigenen Garten abgeerntet sind) genau auf der anderen Seite, auch an der B1/B5, von Biesdorf aus gesehen stadtauswärts.
Das ist aber nur ein großes Feld ohne Hof, Kaffee und Kuchen, dafür aber mit Falcon, Frau und Tochter, wenn am Sonntag das Wetter mitspielt.

Ach ja, zwei Dinge noch:
Wer denkt, dass er beim Selberpflücken mächtig Geld spart, täuscht sich natürlich. Günstiger ist es in jedem Fall, die Beeren irgendwo zu kaufen (ich empfehle ja in Berlin diese großen Erdbeeren, die überall herumstehen und bei fairem Preis eine sehr gute Qualität liefern).
Aber das Erfolgserlebnis, der ebenfalls suchenden Konkurrenz die faustgroße Erdbeere vor der Nase wegzupflücken, ist nicht zu unterschätzen (mein Tip: Baseballschläger zur Einschüchterung stets mitführen!).
Und das Andere: Nein, man kann weder auf dem Hof noch auf dem Feld Erdbeeren, Kirschen oder sonstiges Getier nackt pflücken. Wer auf sowas steht, sollte sich entweder einen ziemlich abgelegenen Schrebergarten zulegen oder nochmal ernsthaft über seine Neigungen nachdenken.

- The Beatles -

Mittwoch, Juni 06, 2007

Es lebe der Sport

In Almaty hab ich mir mit einem Kollegen ein neues Spiel ausgedacht:
Wir zählen beim Mittagessen Passanten in Trainingsanzügen.
Nur Hose / nur Oberteil bringt jeweils einen halben Punkt, ein ganzer Anzug selbstverständlich einen ganzen Punkt. Jogginganzüge gehen auch, Konditionen sind gleich.
Wenn man da so beim Essen im Restaurant gegenüber der Oper sitzt, kommt man in einer knappen Stunde locker auf 25 bis 30 Punkte, was uns ja zu der Vermutung hingerissen hat, der Trainingsanzug sei so eine Art Dresscode für den Opernbesuch.
Was mich aber bei meiner Rückkehr doch sehr überrascht hat, war, dass man das Spiel ohne Änderung der Spielregeln auch ganz prima in Berlin spielen kann. Gestern im Wedding wäre ich in einer knappen halben Stunde locker auf Zahlen wie in Almaty gekommen, in Marzahn-Hellersdorf schafft man sogar beinahe das 1 1/2-fache.
Jetzt frage ich mich nur, warum die das alle tragen - es gibt doch gar keine Oper in Marzahn. Und da wohl auch die wenigsten einem Fallschirmspringerbataillon angehören, bin ich jetzt doch ziemlich verwirrt.

Für sachdienliche Hinweise oder abstruse Theorien wäre ich daher in höchstem Maße dankbar.

- Rainhard Fendrich -

Montag, Juni 04, 2007

Believe

Na, dann schauen wir doch mal:
Beim G8-Gipfel in Heiligendamm werden zahllose Journalisten nicht akkreditiert, weil Verfassungsschutz und/oder BKA Bedenken anmelden.
Das Recht auf freie Versammlung wird im Zusammenhang mit dem Treffen massiv beschränkt.
Das Bayerische Landesamt für Verfassungsschutz fände es toll, wenn Studenten ihre islamischen Kommilitonen auf Verfassungstreue abklopfen; die Münchner Ludwig-Maximilians-Universität fordert ihre Studenten schon mal präventiv eben dazu auf.
Die Innenministerkonferenz fordert aus einem diffusen Gefühl der Bedrohung heraus, Vertrieb und Herstellung von Killerspielen zu verbieten.
Das Innenministerium spekuliert offen und lauthals über das Thema „Online-Durchsuchungen“ und akustische Wohnraumüberwachung.
Reisepässe enthalten Chips, in denen biometrische Daten gespeichert werden.
Videoüberwachung öffentlicher Plätze und Gebäude wird ausgeweitet.

Klingelt es da irgendwo?
Fällt einem da vielleicht die eine oder andere Parallele zu einem interessanten Büchlein aus dem Jahr 1948 ein?
Könnte es sein, dass eben der Staat, der von seinen Bürgern fordert, sie mögen sich recht hübsch und brav auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung bewegen, gerade dabei ist, genau diese Grundordnung langsam, aber nichts desto trotz zielstrebig aufzuweichen und zu zersetzen?
Ist der Jubel über sinkende Arbeitslosenzahlen und steigende Aktienkurse schon genug, um über solche Dinge hinweg zu sehen?
Oder sehe ich einfach übertrieben schwarz?

Ach, könnte ich das nur selber glauben.

- Cher -

Ps.: Wen es interessiert: Die Interviews und Aussagen des Datenschutzbeauftragten der Bundesregierung, Peter Schaar, sind sehr lesenswert. Der Mann weiß, wovon er spricht. Einfach mal danach googeln.

Samstag, Juni 02, 2007

Cinema


Wanderer, kommst Du einst nach Berlin, sag allen, Du hättest Falcon sitzen sehen in der Spätvorstellung im UCI am Eastgate.

Jaha, ich liebe es, das Kino so völlig für mich allein zu haben.
Ich glaub, das mach ich ab jetzt immer so.

- Yes -