„Vater, Vater... ich habe mich entschieden! Ich will ins Kloster!“
Vater schielte über den Rand der
Bild Feinrippschlüpfer Schlagzeile und faltete die Zeitung dann gleich ganz zusammen, da er den ernsten Ausdruck im Gesicht seines Sprösslings erkannte.
„Wir waren dieses Jahr schon im Urlaub. Ich denke da erinnerst du dich dran. Griechenland... ich hab Dir sogar ein Buch darüber gekauft.“
Sein Sohn schaute ihn empört an.
„Das war ein Rätselbuch für Grundschüler! < ...
in Griechenland gibt es Gyros. Was ist das?> klingt für mich nicht unbedingt nach einem Reiseführer.“
Der Vater blickte einen Moment betroffen zu Boden.
„Und du meinst diese Klostergeschichte ist gut für dein Ego?“ brachte er wieder das Ausgangsthema auf Kurs.
„Nein, ich meine für meinen weiteren Lebensweg!“
„Hm... ich hatte gehofft, dass du einmal in meine Fußstapfen trittst.“
Der Junge verdrehte die Augen und fuhr sich durchs dunkel wallende Haar.
„Ich möchte nicht mit meinem Vater zusammen als
steppende Weihnachtsmänner auftreten. Das ist Saisonarbeit.“
„Aber gut bezahlte!“ warf der Vater ein und schielte kurz zum alten Eichenschrank in der Diele, der sein ebenso altes Knecht Ruprecht Kostüm verbarg.
„Nein, ich möchte etwas anderes machen.... ein Zeichen setzen... ein Leben in Abgeschiedenheit meine ich.“
Der Vater zog die Stirn in Falten.
„Abgeschiedenheit?“
„Na du weißt schon, das
Gegenteil von „urbanes Lebensgefühl“.
Der Vater nickte und bemerkte, dass er hier keine Chance hatte. Er konnte nur hoffen, dass sein Filius sich diese Entscheidung wohl überlegt hatte.
„Nun gut... ich werde sehen was ich tun kann.“
„Ich würde gern in ein Shaolin kloster.“ sagte der Junge kleinlaut.
„Übertreibs nicht!“
Drei Wochen später fuhren Vater und Sohn zum zweihundert Kilometer entfernten Kloster, welches einen überaus guten Ruf besaß.
„Mach deiner Mutter und mir keine Schande.“ Sagte der Vater, den Blick auf die Straße vor ihm geheftet.
„Werd ich nicht.“
Da kam dem Vater ein erschreckender Gedanke.
„Haben wir Dich zu diesem Schritt getrieben?“
„Nein,“ antwortete der Junge, der auf diese Frage nur gewartet hatte. „es war weder
erdrückende Mutterliebe, noch väterliche Härte.“
Der Vater atmete merklich auf
Als das Klostertor in Sicht kam, hielt der Vater den Wagen an und reichte seinem Sohn ein Päckchen.
„Das soll dich an zu Hause erinnern.“
„Danke... aber ich brauche keine...“ der junge öffnete das Päckchen und spähte hinein. „...keine original
Janin Reinhardt Blockflöte um mich an euch zu erinnern.
Nach einem kurzen Moment ergriffenen Schweigens drückte der Vater den Sohn noch einmal unbeholfen an sich.
„Deine Mutter meinte es sei etwas, was die
verweichlichte Jugend von heute brauch, um sich alter Werte zu entsinnen.“
„Eine dämliche Blockflöte?“
„Hör mal, sie ist
besser als der Abking Pro. Aber du hast wohl recht, deine Mutter hat wohl keinen rechten Einblick in die männliche Psyche “
„Stimmt auch wieder.“
Nicken.
„Ich werde dann mal reingehen. Wir sehen uns am Wochenende.“
„Soooo ich bin Bruder Ignatius und ich führe dich erst mal etwas herum.“
Sagte der freundliche Mönch der ihn am Klostertor empfangen hatte.
„Prima!“ sagte der junge und blickte sich in den beeindruckenden Bogengängen um.
„Wir fangen gleich hier an. Dies ist die Küche.“
„Ah... es riecht köstlich.“
Am Herd stand ein dürrer Mönch ohne jegliche Kopfbehaarung.
„Das ist Bruder Horst er ist der Koch und er kreiert oft ganz eigene Gerichte.“
Der Glatzköpfige Mönch blickte sich um und rief im Brustton der Überzeugung: “Heute gibt’s den neuesten Schlag gegen die konventionelle Küche. Ich nenne es
Yul Brynner Zitronen.
„Yul Brynner?“
Der Koch verengte die Augen zu schlitzen
„Genau... mit Y wie Yps Heft.“
Der Junge überlegte.
„Schreibt man das denn nicht mit Ü?“
„
ÜPS HEFT? Wie verrückt ist das denn?“
Bruder Ignatius zog den Jungen aus der Küche.
„Wir gehen lieber weiter bevor er sich wieder aufregt. Dann gibt’s als Nachtisch wieder
Gummibärchen im flammenden Inferno und das kann hier keiner mehr sehen.
Sie traten in den Klosterhof. Dort saßen drei Mönche auf dem Boden und spielten Karten.
„
Baby, du bist so gut zu mir!“ rief einer und stopfte sich Pokerchips mit dem Abbild des heiligen Franz von Assisi in die Taschen seiner Kutte.
„Verdammt... schon wieder verloren.“ Murmelte einer der drei.
„Ah... der Neuzugang!“ sagte der Dritte.
Nach kurzer Begrüßung boten die drei Mönche dem Jungen an mitzuspielen.
„Was spielt ihr denn?“
„Es heißt
Hexe Henker Scheiterhaufen und derjenige der am Ende den Scheiterhaufen hat, der gewinnt. Wer allerdings dreimal hintereinander den Henker hat, der muss eine Woche lang alle
Mäuse lebend beseitigen, die sich in den Kammern der Brüder herumtreiben.... machst du mit?“
Der junge Mann zuckte die Schultern und blickte kurz zu Ignatius.
Dieser nickte kaum merklich und schlenderte zur Küche während der junge sich zu den anderen Mönchen gesellte.
Und sie spielten bis die Sonne unterging.
- Madonna -