Freitag, Februar 29, 2008

Scout

Ich hab meinen Beruf verfehlt.
Techniktrendscout hätte ich werden sollen. Allerdings negativer.
Gibt es den Beruf schon? Negativtechniktrendscout?
Sollte ich ansonsten Titelschutz für beantragen.
Nicht, dass nachher noch Adecco per Anzeigenschaltung seine Zeitarbeitsplätze mit Negativtechniktrenscouts besetzen will und ich keine Lizenzgebühren für das Wort bekomme.
Dann bräuchte ich nämlich nicht mal mehr als Negativtechniktrendscout zu arbeiten, sondern könnte locker von den gezahlten Lizenzgebühren für die Verwendung der Berufsbezeichnung leben.
Das wäre doch mal eine schöne Perspektive.
Bis dahin muss ich aber selber in dem Job tätig werden.

Referenzen habe ich natürlich - nur allerbeste.
Hätte ich in den frühen 80’ern schon das Geld gehabt, hätte ich selbstverständlich in das Video-2000-System investiert, mit absolut sicherem nicht vorhandenem Gespür dafür, dass dieses System sang- und klanglos am Markt untergehen würde.
Ein Laserdiscspieler stand natürlich auch auf meinem Wunschzettel und ein Kassettendeck für die digitale Compactcassette hatte ebenfalls schon einmal fast im Einkaufswagen.
Ich hatte selbstverständlich den Atari ST, der gegen den Amiga keine Schnitte machte, besitze ein 3DO und einen Sega Dreamcast.
Das Nokia N-Gage habe ich vermutlich exakt in dem Moment gekauft, in dem der Vorstand beschloss, das Gerät sterben zu lassen.
Mein jüngster Coup ist, wie könnte es anders sein, die Investition in einen HD-DVD-Player.
Nicht Blu-Ray, wohlgemerkt.
HD-DVD - die Plattform, die jetzt sogar vom letzten Hersteller aufgegeben wurde.
Was könnten Elektronikhersteller sparen, wenn sie mich engagieren würden!
Es wäre so simpel - man setzt mich einfach vor drei mögliche Prototypen und das Gerät, das ich zielsicher in mein Herz schließe, wird einfach still und heimlich in der mexikanischen Wüste verbuddelt.

Sollte eine Firma meine Dienste nicht nutzen wollen, kauf ich einfach eines ihrer Geräte und schon wird es in völliger Bedeutungslosigkeit verschwinden.
Hab ich schon mehrfach getestet, klappt einwandfrei.
Bei Sega hab ich es schon geschafft, als nächstes habe ich mir Sony vorgenommen.
Danach werde ich dann Microsoft ein Angebot machen, dass sie nicht ablehnen können.
Und wenn doch, kann keiner sagen, ich hätte sie nicht gewarnt.

- Calexico -

Ach ja, noch einer zum Wochenende:

Geht ein Cowboy zum Friseur.
Kommt er wieder raus, ist sein Pony weg.

Dienstag, Februar 26, 2008

Barber shop

Dadadadaaa, dadadaaa, dadadadaa, dada da da da

Aus irgend einem unerfindlichen Grund habe ich in letzter Zeit nur Filme gesehen, in denen die Hauptdarsteller den Abspann nicht mehr erlebt haben.
Na gut, „Asterix bei den olympischen Spielen“ bildet hier eine gewisse Ausnahme, aber sonst?
Gestern war es dann Sweeney Todd, der zum Filmende seiner, manche mögen sagen: gerechten Strafe, andere vielleicht: Erlösung, zugeführt wurde.
In jedem Fall wieder einmal ein beeindruckender Film von Tim Burton mit einem wieder einmal fantastischen Johnny Depp in der Hauptrolle.
In der Kombination von beiden kann ja eigentlich gar nichts schief gehen, alldieweil die Werke, in denen der eine ohne den anderen arbeitet („Mars attacks“, „Fluch der Karibik“) schon durchaus hin und wieder Grund zur Kritik bieten.
Allerdings hat mich der Kinobesuch wieder einmal zur Erkenntnis gebracht, dass es gewissen Leuten verboten sein sollte, mit Freunden oder Bekannten das Kino zu besuchen.
So wie etwa den drei jungen Damen zwei Reihen hinter mir, die eine Erhöhung der Filmlautstärke jedes Mal mit einer Erhöhung der Gesprächslautstärke quittierten.
Irgendwann verstummten sie indes aber glücklicherweise, vermutlich aus Angst, sich beim nächsten Öffnen des Mundes ins Popcorn übergeben zu müssen.
Denn ungeachtet seiner Freigabe ab 16 Jahren ist der Film keineswegs für zartbesaitete Gemüter gedacht.
Weder das genüsslich zelebrierte Aufschneiden von Kehlen noch das dumpfe Aufschlagen der kopfüber gestürzten Leichen in den Pastetenkeller der Vermieterin sind geeignet, eine anschließende wohlige Nachtruhe zu bescheren.

Ist ja zum Glück alles nur Film, wie wir hier in Berlin sagen. Daher muss man sich beim nächsten Kauf eines Fleischpastetchens wohl trotzdem keine allzu großen Sorgen machen, auch wenn man vor her den teuflischen Barbier im Kino bei seinem Treiben beobachtet hat.
Und das zu tun möchte ich durchaus jedem mit robusterem Magen und Freude an skurilen, aber dennoch hervorragend gespielten (und gesungenen) Filmen empfehlen.

Was übrigens der Anfang soll?
Ach nix eigentlich, das war nur ein Trailer, der vor dem Hauptfilm lief.
Aber wäre ich danach aus dem Kino gegangen, hätte es sich schon dafür gelohnt.
Also, jetzt noch mal laut und rhythmisch nachgesprochen, oder besser, nachgesummt:
„Dadadadaaa, dadadaaa…“

- Tom Waits -

Freitag, Februar 22, 2008

Is There A Ghost

hingegen gefällt mir wiederum ausserordentlich gut.
Wie auch der Rest der CD "Cease to Begin".
Durchaus angenehm.
Jaja.
Hören und ggf. kaufen.
Nur nicht kopieren.
Das wäre nämlich fies gegenüber solchen Bands, die es verdienen, dass man ihre Musik kauft.

Und dazu gehören durchaus

- Band of Horses -

Donnerstag, Februar 21, 2008

I’ll kill her

ist absolut furchtbar.
Eine banale musikalische Inszenierung, ein unglaublich dämlicher Text und ein grausiger französischer Akzent machen dieses mit brüchiger Kleinmädchenstimme hingeröchelte Stück Musikabfall zum heissesten Anwärter auf meinen „Worst-piece-of-music-award“ der letzten sechs Monate.

So, das musste ich mal los werden.

- Soko -

Montag, Februar 18, 2008

It might as well be spring

Frühling läßt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land
Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen
Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist's!
Dich hab ich vernommen!

Also schrob weiland der Herr Mörike und man möchte ob dieser Zeilen fast meinen, er sei jüngst durch Berliner Gefilde lustwandelt.
Blinzelten doch schon die Krokusse (oder sollte es heißen "die Kroki", lateinisch korrekt?) durch das satte Gras unseres Rasens, hoben schon die Tulpen vorwitzig die Köpflein aus der braunen Erdkrume und tollte doch auch wieder einmal ein Rehlein durch unseren Garten.

Und jetzt wieder: Scheißkalt, regnerisch, trüb.
Hat sich wohl vermacht, der feine Herr Frühling.
Aber ich bin ja glücklicherweise eh nicht so der Frühlingstyp.
Frühling verbinde ich immer mit durchweichtem, schlammigen Gartenboden, ausgesprochen fußkalten gelben Gummistiefeln und lautstark plärrenden Vögeln, die sich im Winter hübsch aus dem Staub gemacht haben und jetzt, wo sie zurückkommen, so tun, als sei alles ihres.

Sommer ist ok. Herbst ist schön und Winter besonders dann sehr angenehm, wenn man ein ordentlich warm beheiztes Heim sein Eigen nennt von dessen Fensterlein man dann in die frostklirrende Landschaft hinausschauen kann.

Frühling dagegen: Doof.

Er ist aber auch schon wieder weg, der unstete Gesell, und hat nur ein Scherflein Frühjahrsmüdigkeit dagelassen. (Merke: Um 1.00 Uhr morgens kann man unbesorgt ins Bett gehen, man verpasst um die Zeit nichts mehr!)
Bis er sich das nächste Mal wieder in Berlin sehen lässt, ist eh schon Sommer.
Und dann freu ich mich garantiert auch mal über ein frisches Frühlingslüftchen, dass den stickigen Sommerdunst durchwirbelt.

- Frank Sinatra -

Dienstag, Februar 12, 2008

A sorta fairytale

Es war einmal vor langer Zeit, da kehrten die drei Zwerge von ihrem harten Tagwerk in der Edelsteinmine im großen, großen Märchenwald zu ihrer kleinen Hütte am Waldesrand zurück.

Der kleinste Zwerg merkte als erstes, dass etwas seltsam und anders als sonst zu sein schien.
Er stürzte zu der Tüte mit seinem Naschwerk, betrachtete es und rief dann entrüstet: "Wer hat von meinen Quarkbällchen abgebissen?"

Der zweite Zwerg, der in die Küche kam, schlug die Hände über dem Kopf zusammen, schaute sich entgeistert um und fragte:"Wer hat meinen sauberen Küchenboden so eingesaut?"

Der dritte Zwerg, der beschlossen hatte, nach der Zwergenkutsche zu schauen, kehrte schon bald zurück und schrie wutentbrannt:"Und wer hat auf die Motorhaube gekotzt?"

Schneekätzchen aber, das unbemerkt auf der Wohnzimmercouch lag, hob nur einmal schläfrig den Kopf, drehte sich ein wenig und schlief alsbald, erschöpft von der ganzen Hektik um es herum, wieder ein.

Und wenn sie nicht beim Würgen der Katze gestorben sind, leben die drei Zwerge noch heute glücklich und zufrieden.

ENDE

- Tori Amos -

Ps: Wieso nur drei Zwerge? Ich vermute einmal innerbetriebliche Rationalierungsmaßnahmen als Ursache dafür.

Samstag, Februar 09, 2008

Star

"Durch den Monsu-huhn!"
Meine Tochter gibt noch einmal richtig Gas auf die letzten Meter. Ihr Ehrgeiz ist geweckt - kein Wunder, schließlich gilt es den Vater zu schlagen, der nahezu uneinholbar vorne liegt.
Einmal hat sie schon geschummelt und ihren Namen eingetragen, als ich zum ersten Mal den Highscore geholt hatte.
Meiner Frau hat sie sicherheitshalber gleich das nicht angeschlossene Mikrofon in die Hand gedrückt, erklärte dann aber mit engelsgleichem Augenaufschlag, dass das ganz bestimmt keine Absicht gewesen sei.
Sei es drum - als sie zum Zimmeraufräumen nach oben verschwand, habe ich nochmal schnell um satte 350 Punkte zugelegt.
9210 - das soll das Kind erstmal schaffen.
Ich fürchte ja nur, das wird sie tatsächlich, und wenn sie dazu zum Üben um halb fünf morgens aufstehen müsste.
Ich glaube, ich muss die Playstation wohl mal etwas höher aufstellen, damit sie gar nicht erst mehr an den Ein-/Ausschalter kommt.
Und wenn das dann auch nichts mehr hilft, lass ich die Deutsch-Pop-DVD einfach verschwinden.
Dann sind Black Sabbath und die Stones angesagt.
Bis sie mich da schlägt, hab ich zum Glück noch ein paar Jährchen Schonfrist.

- Reamonn -

Montag, Februar 04, 2008

Carneval in Rio

Das Rheinland.
Unendliche Weiten, bizarre Lebewesen.
Dies sind die Abenteuer des Captain Falcon und seines Raumschiffs Mazda Demio.

Logbuch des Raumschiffs, Sternzeit 04022008. Heute werde ich einem besonderen Phänomen auf den Grund gehen:

Karneval.

Ein anderes Wort für den rheinischen Ausnahmezustand.
Als Aussenstehender mag man sich fragen, was eine ganze Region in einen nahezu hypnotischen Taumel versetzt, der die Bewohner dazu treibt, arythmisch nach links und rechts zu wackeln, dabei unmelodisch sogenannte "Karnevalsschlager" mit Texten auf dem intellektuellen Niveau eines geistig zurückgebliebenen Dreijährigen zu gröhlen und sich über Witze scherzhaft gemeinter, tatsächlich aber in der Regel weitestgehend fader Vorträge, nicht selten auch in Reimform gepresst, so zu amüsieren, dass man sich beinahe die lustigen Clownshosen einnässt.

Der unbeteiligte Betrachter kommentiert dies gerne damit, dass er (oder wahlweise sie) keinesfalls eine von dritter Seite verordnete Jahreszeit brauche, um fröhlich zu sein sondern durchaus jederzeit über einen guten Witz lachen könne.
Dabei verkennt er (oder wahlweise sie) die tatsächliche Situation erheblich.
Tatsache ist nämlich, dass der Rheinländer in der Regel gar nicht anders kann.
Betrachtet man das Rheinland einmal unter evolutionären Gesichtspunkten, so wird man schnell erkennen, dass gewisse Parallelen zu anderen isolierten Regionen der Erde erkennbar sind.
Ähnlich wie es Lemuren nur in Madagaskar gibt, sind auch Lebewesen, die einen ganzen Abend lang mit Begeisterung Büttenreden und Mariechentänze über sich ergehen lassen, beinahe ausschließlich entlang des Rheines zu finden.
Die Tatsache, dass auch in einigen anderen ebenso isolierten Regionen Deutschlands (Thüringen, Brandenburg) ein ähnliches Verhalten festzustellen ist, ist ein bemerkenswertes Beispiel für konvergierende Evolution, sonst nichts. Die Angst, kleine Grüppchen von Rheinländern hätten sich möglicherweise zu weit von ihren Herden entfernt und nun eigene Kolonien gegründet, darf daher ruhig als unbegründet zurückgewiesen werden.
Warum ist der Rheinländer aber so?
Betrachtet man das Genom eines typischen Rheinländers, stellt man schnell fest, dass hier ein Gen enthalten ist, das offensichtlich einem Großteil des Bevölkerungrestes fehlt - hier drängt sich ein Vergleich mit dem japanischen Genom geradezu auf, da ja gut der Hälfte der japanischen Bevölkerung auch bekannterweise das für den Abbau von Acetaldehyd erforderliche Gen fehlt (was bei dieser Bevölkerunggruppe selbst bei mäßigem Alkoholgenuss zu einem ausgewachsenen Kater führt) - der Rheinländer seinerseits hat halt ein Gen mehr im Beutel.
Dummerweise trifft das wiederum nicht auf alle Rheinländer zu; so gibt es eine große Zahl von Mutationen, die nach eigenem Bekunden "mit Karneval ja nun gar nichts am Hut haben!".
Noch in der Minderheit und von den genetisch voll ausgebildeten Rheinländern gerne als sogenannte "Karnevalsmuffel" verschrien, ist dennoch festzustellen, dass diese Gruppe stetig wächst, nicht zuletzt dadurch, dass durch Verbindungen von Rheinländern mit Nichtrheinländern das Karnevalsgen, das offensichtlich einen rezessiven Charakter hat, immer stärker unterdrückt wird.

Steht nun zu befürchten, dass der Rheinländer und mit ihm der rheinische Frohsinn ausstirbt?
Gibt es Rettung oder muss mit dem Verschwinden der Art gerechnet werden?

Was kann getan werden?

Als aktuell einzige probate Lösung bildet sich die Schaffung von Biotopen, sogenannten Karnevals-(auch "Carnevals-")vereinen an, in denen durch das gezielte Zusammenführen verschiedengeschlechtlicher Träger des Karnevalsgens dieses noch eine echte Überlebenschance hat.
Erste eingeleitete Schritte in dieser Richtung haben sich als vielversprechend erwiesen, zusätzlich flankiert werden diese Maßnahmen von einem verstärkten Engagement nahezu aller Fernseh- und Rundfunkstationen, die durch eine Vielzahl von Übertragungen Signale in alle Welt aussenden, in der Hoffnung, dass sich noch andere Wesen finden, die eine ähnliche Begeisterung über das rheinische Treiben zeigen, wie der Rheinländer selbst.
Auch wenn dies wohl eher als reiner Aktionismus abgetan werden kann, da wohl kaum ausserhalb des Rheinlandes tatsächlich Menschen für diese Art ausgelassener Fröhlichkeit begeistert werden können, ist dennoch löblich, dass der Rheinländer in seinem Bemühen nicht allein gelassen wird.

Ich kann also mit einer gewissen Beruhigung wieder in mein Schiff zurückkehren.
Wir werden sehen, welche Absonderlichkeiten noch in dieser Region auf mich warten.

- Heino -