Mittwoch, Juni 25, 2008

Mein Baby war beim Friseur

Tscha, so kann es im Leben gehen.
Da beschwere ich mich noch vor einem Jahr über einen dezent misslungenen Friseurbesuch, was natürlich einerseits erwartetermaßen zu diversen Suchanfragen ("türkische Friseure", "schwule türkische Friseure", "schwule türkische Friseure in Berlin") führte, andererseits seit gestern zu der, wenn auch verspäteten Erkenntnis, dass so schlimm ein türkischer Friseur nun auch wieder nicht ist.
Na gut, der Haarschnitt seinerzeit war schon recht übel, da muss ich doch meine gestrige Harrschneiderin in Schutz nehmen.
Aber zwei Argumente sprechen doch ganz eindeutig für den türkischen Haarbeschneider:
Erstens flämmt er mir immer freundlicherweise die Ohren aus. Wie man einer jüngst in diesem Blog getätigten Niederschrift einer an mich gerichteten Frage meiner liebsten Tochter entnehmen kann, gehöre ich hinsichtlich unbehaarter Körperpartien eher zu den mehr oder minder geforderten Personen. Deswegen bin ich auch immer recht dankbar, wenn ein Friseur mir die lästige Arbeit des Ohreninnenhaarentfernens abnimmt (wahre Künstler schnibbeln sogar noch in der Nase rum, aber das mag ich wieder nicht so). Es riecht zwar so, dass man sich an seine Jugendzeit erinnert fühlt, in der der Bauer nebenan Hausschlachtungen durchführte und der gemetzelten Sau dann die Borsten abgesengt wurden, aber der Lohn der Mühen sind unsagbar zarthäutige Öhrchen - das ist es mir dann wert.

Das zweite Argument ist noch ungleich schwerwiegender. Der türkische Friseur redet nicht. Zumindest nicht mit mir.
Friseurbesuche empfinde ich ja schon per se als unangenehm - da zubbeln und ziepen wildfremde Menschen einem in den Haaren und schnippeln die lang gehegte Haarpracht binnen kürzester Zeit herunter (Ausnahme ist die Haarwäsche. Die ist was Feines, weswegen ich auch nicht zu den Menschen gehöre, die ihren Friseur angrummeln "Nä, Haarwäsche muss nicht, hab ich letzten Samstag ja noch selber gemacht!").
Aber die Gespräche...

"Na, hier vorne hatten wir auch schon mal mehr Haare, oder?"
Schon für diese Frage sollte man die Friseuse hauen dürfen. Sie hat ja noch genug. Warum also "wir"?
Ausserdem - als ich in ihrem Alter war, hatte ich vermutlich doppelt so viele Haare wie sie jetzt. Die auf den Armen mal gar nicht mitgezählt.
"In Ordnung so oder oben lieber etwas länger?"
Haha. Wohl 'ne Clownsperücke zum Frühstück gehabt, oder?
"Ich verstrubbel die mal lieber, statt sie streng nach hinten zu kämmen. Das kaschiert dann so'n bisschen besser."
Oh Herr, lass diesen Friseurbesuch enden.

So sitze ich also mit energisch zusammengepressten Lippen auf dem Folterstuhl, lausche den Kundinnen links und rechts von mir, die mit ihren Coiffeusinnen über Küche, Kinder und Kirche plaudern und hoffe, dass es bald vorbei ist.
Was dann glücklicherweise auch nach gut 25 Minuten normalerweise der Fall ist. Ich kommentiere ja auch prinzipiell die zum Abschluss der Schneiderei per Rückspiegel rundum gezeigte Frisur mit einem "hervorragend, gefällt mir ausgezeichnet" aus purer Angst, die Folter könnte nochmal weitergehen, forderte ich zusätzliche Verkürzung an irgendeiner Ecke.
Erleichtert über das Ende der Prozedur zahle ich ja dann auch jeden geforderten Preis und verschwinde in der Gewissheit, für die nächsten 2 - 3 Monate dann wieder Ruhe zu haben.
Vielleicht sollte ich doch mal einen der türkischen Friseure in Berlin austesten.
Aber bei meinem Glück ist das einer, der schon in dritter Generation hier lebt und deswegen sämtliche Friseuphrasen aus dem Effeff beherrscht ("Na, hier vorne hatten wir aber...").

Ich schätze mal, mein nächster Versuch wird mich zu einem taubstummen armenischen Friseur führen.
Sicherheitshalber.
Andererseits ist meine Bonuskarte jetzt endlich voll. Und wer könnte bei einem Gratishaarschnitt schon nein sagen.

Übrigens: Bankjob. Das ist ein Film, den man auch und gerade dann hervorragend anschauen kann, wenn man vom Friseur kommt. Mit gekürzten Haaren fühlt man sich ausserdem Jason Statham deutlich näher. Also reingehen (ist auch ohne vorhergehenden Haarschnitt zulässig) und einen überraschend spannenden (durchgängig!)und sehr gut inszenierten kleinen Film jenseits aller CGI-Schlachten der letzten Zeit erleben.
Lohnt sich.

- Die Ärzte -

Samstag, Juni 21, 2008

Dauerwelle vs. Minipli

Es ist noch nicht vorbei.
Der Vorteil ist natürlich, dass ich so immer noch eine gewisse Chance habe, dass meine Bahncard noch ein wenig länger gilt. Nicht vergessen darf ich selbstverständlich, sie bis zum 30.06. zu kündigen, sonst kriege ich im nächsten Jahr wieder eine und ich hab schließlich nicht vor, noch einmal ein Flugzeug zu verpassen, um dann wieder mal von Köln nach Berlin zu fahren.

Der Wahnsinn geht also weiter, die Bild wird vermutlich dann ab Mitte der nächsten Woche ihre Anti-Türkei-Kampagne starten. Wo sie die österreichische Mannschaft schon als Wiener Würstchen darstellte, ist es ja nur logisch, dass sie die Köpfe der türkischen Spieler auf Dönerspieße steckt. Wahrscheinlich haben sie sich ziemlich gebissen, dass ihnen für die Portugiesen keine entsprechende Lebensmittelallegorie eingefallen ist.
Es ist einfach widerlich.
Die doofen Fähnchen, die jetzt schon zu hunderten abgebrochen am Straßenrand liegen, werden wohl auch noch mal zunehmen.

An dieser Stelle möchte ich daher einmal ein deutliches und selbstverständlich dreifaches Hoch auf Frau Gesine Schwan ausbringen.
Wer in Zeiten allgemeiner Schlaaand-Hysterie den Mut hat, sich hinzustellen und zu behaupten, er wisse nicht einmal, wo und wann die letzte Fußball-WM stattgefunden habe, verdient allerhöchsten Respekt.
Ich glaube nicht einmal, dass das stimmt, aber es ist mir allemal weitaus sympathischer als unsere Bundesangie, die, in eines ihrer obligatorischen Terracotta-Sakkos gewurstet demonstrativ in der Ehrenloge sitzt und sich dann bei passender Gelegenheit an den Bundesjogi heranwanzt.

Wo das Internet doch ihnehin ein Tummelplatz aller möglichen Verschwörungstheorien ist, stelle ich hier einfach mal meine eigene auf und behaupte, dass der spanische Schiedsrichter nur auf das intrigante Betreiben von Frau M. hin den Herrn Löw des Spielfeldrandes verwiesen und in ihre Arme getrieben hat.
Klingt doch überzeugend, oder? Zumindest nicht weniger überzeugend als Geschichten über einen Dinosaurier in Loch Ness oder die Theorie, dass Paul McCartney schon seit vielen Jahren nicht mehr unter den Lebenden weilt und seine Rolle von einem nahezu perfekten Doppelgänger eingenommen wurde.
Hoch soll also Frau Schwan leben.
Keineswegs hoch leben soll aber derjenige, der ihr zu ihrer Frisur geraten hat. Die würde nämlich allenfalls als Vileda-Wischmop-Werbung taugen, staatstragend ist sie aber im Gegensatz zur Dame darunter keineswegs.
Ich lege also hiermit noch einmal eine Gratisverschwörungstheorie nach und behaupte, dass ihr Coiffeur ganz sicher ein - möglicherweise aus einem Schwarzgeldfonds des Kanzleramtes bezahlter - CDU-Sympathisant ist, der alles daran setzt, Frau Schwan als potentielle Präsidentschaftsanwärterin unmöglich zu machen.

Da drücke ich aber ganz fest die Daumen, dass er damit keinen Erfolg haben wird.

- Die Ärzte -

Mittwoch, Juni 18, 2008

Take Cover

Neulich hätte ich mir beinahe wieder einmal eine Platte gekauft.
Ja, da hilft auch kein verdutztes Augenreiben - eine echte Schallplatte, keine CD.
Mein Plattenspieler steht zwar schon seit mehreren Jahren sorgfältig eingepackt, weil zur Zeit nicht funktionsfähig, im Keller - ich finde einfach den Tonabnehmer, den ich haben will, nirgendwo mehr - aber ein Schallplatte sollte es trotzdem sein.
Und zwar die neue von den Ärzten.
Die Musik ist so na ja. Nett, reißt mich aber nicht zu Freudensalti hin.
Aber die Verpackung ist toll.
Eingepackt wie in einen Pizzakarton.
Originalgröße.
So soll Musik verpackt sein.
Ansprechend und kreativ.
Nicht so wie CDs.
Die Ärzte-CD steckt auch in einem Pizza-Karton. Aber was für eine Pizza soll das denn bitteschön sein? Das wäre doch höchstens eine Minipizza für den gaaanz kleinen Hunger.
Wenn man so eine Pizza beim Lieferservice bestellen würde, müsste man gleich noch drei Euro drauflegen, weil der Preis unter der Mindestbestellmenge läge.
In einer Pizzeria würde so etwas nicht einmal als Kinderpizza durchgehen.
Unsere Tochter würde uns aufs Übelste beschimpfen, bestellten wir ihr eine italienische Teigware dieser Größe, in der Hoffnung, der Genuss derselbigen reichte, sie zu sättigen.
Wie schön dagegen eine Pizza der Größe, wie sie in einem Karton geliefert würde, der der Verpackung der Ärzte-Langspielplatte entspräche.
Nach deren Genuss könnte man sich gesättigt, aber keineswegs überfressen auf dem heimischen Sofa zurücklehnen und im warmen Schein des Halogendeckenfluters der neuen Ärzte-Langspielplatte lauschen.

Früher war ich ja ein erbitterter Gegner von Halogenbeleuchtung. Zu kalt, dachte ich, zu unkuschelig. Wie man sich doch täuschen kann! Heute lobpreise ich das dimmbare Halogenlicht unseres heimischen Deckenfluters in höchsten Tönen, kann man es doch jeder Stimmung vom heimeligen Kuschelbedürfnis bis hin zum Wunsch des Lesens des Kleingedruckten eines modernen Mobilfunkvertrages perfekt anpassen.
Am Sonntag habe ich versehentlich eine ziemlich doofe Sendung des an doofen Sendungen keineswegs armen Fernsehsenders RTL am Rande mitgekriegt.
Kann auch SAT1 gewesen sein, oder Vox oder Samstag, aber doof war es in jedem Fall. Da ginge es nämlich um jemanden, der sich Energieberater nannte, mit lustigen kleinen Digitalmessgeräten durch Wohnungen in Berliner Randbezirken stapfte und hernach den Bewohnern in etwa Folgendes erklärte: “Ihr Halogendeckenfluter ist böse. Wenn Sie den auf volle Pulle anmachen, zusätzlich das kleine Leselämpchen aufdrehen und das Ganze dann Tag und Nacht laufen lassen - was sie natürlich nicht machen -, kostet Sie das fast 300 Euro im Jahr!“ Anschließend begab er sich zum Familienfernseher, stöpselte auch hier wieder sein Messgerät an und erklärte abermals: “Wenn Sie den Fernseher rund um die Uhr laufen ließen - was Sie natürlich nicht machen - hätten Sie Strommehrkosten von 300 Euro im Jahr!“
Was bitteschön ist das denn für eine Energieberatung? Auszugehen von einem völlig unmöglichen Szenario und dann zu behaupten, dass man, würde man dieses unmögliche Szenario in die Tat umsetzen, erhebliche Mehrkosten im Energiebereich verursachen würde, das kann ich auch.
Beispiel gefällig?
„Würden sich einer der Leser dieses Textes (oder eine Leserin, ich will ja niemanden ausschließen) einen Treppenlift in seine Wohnung einbauen lassen und mit diesem Treppenlift ein Jahr lang ununterbrochen die Stiegen hinauf- und hinabfahren - was selbstverständlich niemand täte - so würden eben diesem Leser (oder Leserin) Energiemehrkosten in Höhe von sicher 5000 Euro entstehen.“
Ich gebe zu, die Summe ist geraten, aber das Beispiel sollte klar sein.
Wobei ich natürlich nichts gegen Treppenlifte sagen möchte, die sicherlich sehr hilfreich sind, vorausgesetzt, man fährt nicht tagein, tagaus mit ihnen herum.
Vielmehr sollen an dieser Stelle Personen geschmäht werden, die sich Energieberater nennen und sich dann aber bei der Abgabe so dummer Ratschläge filmen lassen, dass die Lektüre eines PIXI-Büchleins ergiebiger wäre als ihren Empfehlungen zu lauschen.
Mein erstes PIXI-Büchlein hieß übrigens „Ferkelchen“ und war seinerseits eine Neuauflage eines Büchleins aus der allerersten in Deutschland erschienenen PIXI-Buch-Serie.

PIXI-Büchlein sind schön, mindestens genau so schön sind aber auch echte Schallplattencover.
Ich ziehe immer noch bisweilen das eine oder andere Schallplattenalbum aus dem Schallplattenalbumregal, schlage das Album, das ja nicht selten selbst dann, wenn nur eine Schallplatte verkauft wurde, zum Aufklappen war, auf und bewundere die Kunstwerke, die dort seinerzeit verewigt wurden. Da wurde den Künstlern noch Raum gelassen zur Verwirklichung ihrer Ideen. Nicht so wie heute auf den CD-Covern, wo man schon den Halogendeckenfluter auf maximale Leistung stellen muss, um überhaupt noch etwas erkennen zu können.
Und tut man das dann tatsächlich, klingelt es prompt und vor der Türe steht ein Energieberater mit einem Kamerateam von RTL und erklärt, dass das Lesen kleiner CD-Cover bei voll aufgedrehtem Halogendeckenfluter Strommehrkosten von 300 Euro im Jahr verursacht, wenn man denn rund um die Uhr CD-Cover läse, was man ja wohl gottlob nicht tue.
Nein, auch CD-Cover sollten meiner Meinung nach künftig wieder die Größe des guten alten Schallplattencovers haben.
Zum Wohle des Coverkünstlers (man hat ja auch Rembrandt nicht genötigt, seine Nachtwache auf Din-A4 zu malen), zum Wohle der Augen, die sich dann, während sich die Ohren mit dem des Hören rausch- und knisterfreier Musik vergnügen, aufs Angenehmste mit den hübsch gestalteten Covern beschäftigen können und zum Wohle aller, die dann in Zukunft von Privatfernsehberichten über Energieberater in Berliner Wohnbezirken verschont blieben.

- Mr. Big -

PS.: Meine Word-Rechtschreibkontrolle versucht die ganze Zeit zwanghaft, aus den PIXI-Büchlein Pipi-Büchlein zu machen.
In die Köpfe der Word-Wörterbuch-Entwickler möchte ich lieber nicht hineinschauen können.

Sonntag, Juni 15, 2008

Alkohol

12 Ouzo und ein Metaxa.
Brennend.
Der Grieche hat die Flasche aus Effizienzgründen gleich auf dem Tisch stehen lassen.
Und ja, es war ein richtig netter Abend.

Jetzt werde ich aber sicherheitshalber schlafen gehen, damit ich meinen Seminarteilnehmern morgen nicht zuviel Unfug erzähle.

- Herbert Grönemeyer -

Freitag, Juni 13, 2008

Ask

Da haben sich doch in jüngster Zeit schon wieder zahlreiche Fragen angesammelt, an denen ich ganz schön zu knabbern habe.
Zum Beispiel diese:
Darf man in einer Art Präventivschlag ein ganzes Dorf ausrotten, wenn ein knappes Viertel der wählenden Einwohnerschaft beschlossen hat, seine Stimme irgendwelchen Nazidumpfbacken zu geben? Oder darf man, muss aber die übrigen 75% zumindest vorher einmal ganz unverbindlich über die geplante Aktion informieren?

Diese:
Warum lacht die versammelte Jounalistenschaft immer lauthals auf, wenn Angela eines ihrer ausgesprochen müden Scherzchen reisst? Ist die schreibende Zunft humoristisch wirklich so anspruchslos oder müssen die vorher etwas unterschreiben und werden sonst gar nicht erst akkreditiert?

Oder die:
Würde jemand, der auch nur rudimentärst des Spanischen mächtig ist, tatsächlich in einem Steakhaus des Namens "La Cucaracha" speisen? Pfeffersteak mit echten - hüstel - Pfefferkörnern gar?

Vielleicht auch die:
Darf man straffrei sein Kind würgen, wenn es sich vor einem aufbaut, zuckersüß anplinkert und dann sagt:"Papa, bitte sei mir nicht böse, aber bei Deinen Haaren auf den Armen musst Du aufpassen, dass Dich nicht eine Gorilladame zum Tanz bittet."? Vor allem, wo meine Arme, verglichen mit denen eines Gorillas, so kurz sind, dass selbst eine optisch geforderte Gorilladame wohl kaum in die Verlegenheit käme, einer Verwechslung anheimzufallen.

Und selbstverständlich die:
Gibt es einen Mann, der wirklich versteht, was seine Frau möchte?
Meine Frau behauptet, das sei ganz einfach. Was ich aber angesichts von Dialogen wie dem folgenden (nahezu wörtlich wiedergegebenen) bezweifeln möchte:
"Du hast mir heute gar nichts Leckeres auf mein Nachthemd gelegt!" (Der geneigte Leser erinnert sich - ich falte jetzt kreativ, und zwar Nachrichten, jeden Tag einen Buchstaben)
"Aber Du hast mir doch verboten, Dir Süßigkeiten zu kaufen."
"Heißt das, Du hast gar nichts für mich?"
"Nein, Du hast es mir doch ausdrücklich unter Strafandrohung verboten. Und Du hast mir auch gesagt, dass ich auch dann nicht weich werden darf, wenn Du mich so anschaust wie jetzt. Auserdem könnte ich jetzt auch nichts holen, selbst wenn ich wollte. Ich hab nämlich nix."
"Gar nichts? Aber Du musst doch spüren, wann eine Frau es so meint, wie sie es sagt und wann nicht!"

Bin ich also ein gefühlskalter Klotz? Oder gibt es tatsächlich einen wissenschaftlich erklärbaren Grund, warum es einem Mann praktisch unmöglich ist, zu erspüren, was seine Frau in diesem Moment gerade möchte.
Meine Frau schlug in diesem Zusammenhang vor, diese Frage doch mal im Blog zu stellen.

Das sei hiermit getan.
Ich bitte die hier mitlesenden Männer dringend um eine Antwort.
Sollte es irgendwo da draußen eine Frau geben, die eine (auch für Männer) nachvollziehbare Erklärung liefern kann, so ist selbstverständlich auch sie herzlich zu einem Diskussionsbeitrag eingeladen.

- The Smiths -

Mittwoch, Juni 11, 2008

Let the music play

Das Grauen hat einen neuen Namen.
Einen furchterregenden Namen.
Einen langen Namen.

Das Grauen haben wir am eigenen Leib erlebt.

Wir waren da.

Das Grauen heißt "Instrumentalvorspiel der Klassen Eins bis Sechs für Flöte, Klavier und Liedbegleitung".

Unsere Tochter besucht eine musikorientierte Grundschule. Das ist eine ausgesprochen feine Angelegenheit, die sich vermutlich nur eine Landesregierung ausdenken - und leisten - kann, die so chronisch defizitär wie die in Berlin ist.
Es bedeutet nämlich, dass an dieser Schule jedes Kind, das willens ist (und kann), ein Instrument erlernen darf.
Wer jetzt gerade aus eigener Tasche seinem Kinde das Erlernen eines Instruments finanziert, darf zu Recht zürnen, aber da es das Angebot nun gibt, die Grundschule unserem Wohnsitz am nächsten liegt und unsere Tochter schon mit vier Jahren erklärte, das Klavierspiel erlernen zu wollen, nutzen wir es ohne große Gewissensbisse.

Ausserdem werden wir einmal im Jahr dafür aus Übelste gepeinigt. Dann ist nämlich das Schaulaufen der Instrumentalisten, durch das man als Eltern durch muss.

Wobei ich sagen muss, dass wir noch großes Glück haben, dass wir in der Klavier/Flöte/Liedbegleitung-Zielgruppe sitzen.
Einen Tag vorher wären es die Gitarristen, Trommler und Keyboarder gewesen.

Wer einmal einer Gruppe von gut zehn minderjährigen Tastendrückern zugehört hat, die versuchen, "Freude, schöner Götterfunken" simultan zu spielen, wobei aber mindestens zwei wenigstens eine halbe Oktave unter der Tonhöhe der anderen Musiker laborieren, weiß, was ich meine.
Schönberg hätte seinen Gefallen daran gefunden, aber ich bin nunmal nicht Schönberg.
Dass Trommeln derart unrythmisch gespielt werden können, ist auch eine Erfahrung, die man ungern ein zweites Mal machen möchte.
Drei verschüchtert zupfende Gitarristen helfen dem Ganzen dann auch nicht mehr wirklich auf die Beine.


Aaaber da brauchten wir dieses Jahr ja nicht hin.
Wir waren also bei Klavier/Liedbegleitung/Flöte.

Nach ein paar einleitenden Worten der sichtlich überforderten und unkoordiniert agierenden Musiklehrerin durften die Liedbegleiter ran.
Alldieweil die Lehrerin am Klavier die Melodie vorgab, sollten die Kleinen für den Hintergrund sorgen.
Hei, wie da auf Xylophon, Tambourin und Triangel gedengelt wurde.
Es war nicht mehr feierlich.
Wer jetzt aber als Eltern unbedarft hoffte, sich da entspannt zurücklehnen zu können, wurde aufs Bitterlichste enttäuschte.
Schließlich hieß es ja Liedbegleitung. Als forderte die Lehrerin die versammelte Elternschar auf, mittels der nunmehr ausgeteilten Texte fröhlich in die Melodei einzustimmen.
Zweistimmig, bitte.

Die Menge der hilflos schwitzenden Eltern ließ die ohnehin schon hohe Raumtemperatur bedenklich ansteigen.
Aber danach war zum Glück wieder Entspannung angesagt.

Sagte ich gerade Entspannung?
Nicht so wirklich, denn jetzt kamen die Blockflöten an die Reihe. Es ist erstaunlich, zu sehen, wie präpubertäres Gekicher die Anstrengungen jahrelangen Instrumentenübens auf einen Schlag zunichte macht.
Man pfiff und pfoff, wie es die Lungen hergaben, blies auch mal kräftig über, weil lachen und Blockpfeife spielen geht ja nicht zusammen und meine Frau und ich studierten eifrig die Programmblätter, einerseits, um zu sehen, was die Jungdamen denn noch so repertoiremäßig auf uns loslassen wollten, andererseits, um nicht in offenes Gelächter auszubrechen.

Ja, ich weiß, dass das unfair ist.
Aber mal ganz ehrlich - eine Blockflöte ist kein wirkliches Instrument.
Sie ist ein Werkzeug, um herauszuarbeiten, welches der Kinder tatsächlich mit dem Willen ausgestattet ist, ein echtes Instrument zu erlernen.
Wer nämlich ein Jahr des Gepustes heil übersteht und dann immer noch nicht zum Death-Metal-Fan konvertiert ist, der kann auch jedes andere Instrument erlernen.
Die Sopranblockflöte sollte im stillen Kämmerlein beübt werden und dort auch verbleiben. Keineswegs aber gehört sie vor Publikum, weder zur Weihnachtsfeier im Altenheim (kleiner Trost: Im fortgeschrittenen Alter hört man die hohen Töne eh nicht mehr. Da sieht man dann nur noch adrette Kindlein artig auf der Bühne stehen und in ein Stück Holz beißen.), noch - und erst recht nicht - zu Schulveranstaltungen.

Eine Altblockflöte will ich gerade noch gelten lassen.
Gleicher Auffassung schien auch die Musiklehrerin zu sein, die jetzt mit zwei Altflöstisten ein Terzett bildete.
Nachdem sie eine Weile eine der Jungaltflötistinnen drangsalierte ("Traust Du Dir das denn auch zu? Du warst bei der Probe nicht da!" "Ja" "Wirklich? Du warst schließlich bei der Probe nicht dabei!""Jaha""Ganz sicher?""Jaahaa!"), setzte man gemeinsam an.
Bereits in Runde zwei trug es die Lehrerin aber schon aus der Kurve, was zu einem beachtlichen Ausritt ins musikalische Kiesbett führte, auf dem sie noch eine wenig herumholperte und dann aber ihr qualmendes Instrument fluchtartig verließ.
Auf der anschließenden Pressekonferenz antwortete sie auf die drängende Frage eines Journalisten, dass ihr aufgrund plötzlich einsetzender Fingerfeuchtigkeit der notwendige Grip einfach gefehlt habe, da ihr das Boxenteam aufgrund des schönen Wetters zum Aufziehen der Wurstsommerfinger geraten habe.
Das Rennen wurde also vorzeitig abgebrochen und man ging zu den Klavieren über.

Ein nicht zu unterschätzender Vorteil dieses Instrumentes ist ja, dass die Töne alle vor einem liegen.
Anders als z.B. bei einer Geige, bei der man mit einigem Ungeschick auch mal locker zwischen allen Tönen herumgniedeln kann, trifft man beim Klavier immer einen der nach dem Verständnis der klassischen europäischen Harmonielehre real existenten Ton.
Das kann auch schon mal der falsche sein, aber im Großen und Ganzen klingt es mit ein wenig Anstrengung dann doch meistens so, wie es soll.
Und man kann auch durchaus richtig spielen, wenn man dabei lacht - im Vergleich zu Blockflöte oder Trompete lässt es das Spiel damit bedeutend freundlicher erscheinen.

Die Klavieristen stimmten also wieder ein wenig versöhnlich.
Überflüssig, zu erwähnen, dass unsere Tochter schon für ihre Vorstellung Applaus bekam.
Immerhin hatte sie daran mindestens ebenso lange geübt wie an den drei Stücken, die sie danach vorspielte.
Was bedeutete, dass sie jede heimisch Übungseinheit einleitete mit den Worten "Guten Tag. Mein Name ist Tochter vom Herrn Falcon und ich gehe in die Klasse 3b. Ich spiele Ihnen heute die Stücke..." und so weiter und so fort.
Dann haben wir noch ein wenig an der Programmreihenfolge gearbeitet ("Spiel das Stück, das Du nicht so gut kannst, in der Mitte. Das haben die dann am Schluss vergessen!") und gut war.
Der Fairness halber sollte ich allerdings erwähnen, dass auch die anderen Klavierspieler ihre Sache gut gemacht haben.

Damit man sich aber nicht zu sehr freute, durfte zum Schluß nochmal die Liedbegleitung ran.
"Alle Vögel sind schon da".
Zweistimmig.
Die zweite Stimme natürlich von den Eltern zu singen.
Ausserdem sollten sich doch bitte einer von den Eltern, die vom Blatt spielen können, an das zweite Klavier begeben.
Meine Tochter blickte darauf hin auffällig unauffällig zu mir hin und nickte immer wieder aufmunternd in Richtung Klavier.
Ich hatte mich derweil hinter meiner Frau versteckt, und obwohl ich an den Rändern vermutlich ein Stück herausragte, schien man mich nicht bemerkt zu haben.

Aber auch der schönste Abend hat ein Ende und wir es damit endgültig überstanden.
Wir einigten und dann darauf, umgehend den nahegelegenen Griechen aufzusuchen, als Belohnung für unsere Tochter und als Entschädigung für uns.

Und was soll ich sagen?
Nach vier Ouzo war alles gar nicht mehr so schlimm und ich fing ganz freiwillig an, "Alle Vöglein sind schon da" zu singen.
Allein, aber zweistimmig.

Ich freu mich schon auf das nächste Vorspielen.

- Shannon -

Montag, Juni 09, 2008

Sunday, bloody sunday

Warm
Müde
Früh
Lustlos
Frisch
Leer
Bewölkt
Müde
Nervig
Müde
Warm
Nervig
Warm
Zufrieden
Warm
Gelangweilt
Müde
Heiss
Erfrischt
Heiss
Genervt
Heiss
Erfreut
Erfrischt
Satt
Zufrieden
Erleichtert
Erschöpft
Müde
Untergebuttert
Siegreich
Desinteressiert
Müde
Weggetreten
Wach
Weg

- U2 -

Mittwoch, Juni 04, 2008

One Word

Das Leben kann manchmal ganz schön ungerecht sein.
Da liegt zum Beispiel schon seit einem Monat ein brandneuer Nintendo DS in unserem Wohnzimmerschrank und ich darf ihn nichtmal auspacken, geschweige denn damit spielen. Den kriegt nämlich unser Töchterlein zum Geburtstag. Heisst also für mich:"Finger weg".

Nicht weniger ungerecht ist es, auf einen der allseits beliebten Stöckchen-Fragebögen mit immer nur einem Wort antworten zu dürfen. Zumindest dieser Ungerechtigkeit kann ich begegnen wie jeder gute Jurist (wobei ich allerdings zugeben muss, dass ich kein guter Jurist bin. Genau genommen bin ich nicht mal Jurist.): Ich benutze einfach Fußnoten zum Zwecke der Erläuterung.

Frau Floh schmoß, ich fung.
Also los:

1.) Wo ist Dein Handy?
Gürteltasche
2.) Dein Partner?
Büro
3.) Deine Haare?
offen
4.) Deine Mama?
Kinderbetreuung
5.) Dein Papa?
Köln
6.) Lieblingsgegenstand?
PC2
7.) Dein Traum von letzter Nacht?
weg
8.) Dein Lieblingsgetränk?
Orangensaft
9.) Dein Traumauto?
praktisch
10.) Der Raum in dem Du dich befindest?
warm
11.) Deine Ex?
vorbei
12.) Deine Angst?
Unvorhersehbares
13.) Was möchtest Du in 10 Jahren sein?
verheiratet
14.) Mit wem verbrachtest Du den gestrigen Abend?
Bandkollegen
15.) Was bist Du nicht?
geduldig
16.) Das letzte was Du getan hast?
getippt
17.) Was trägst Du?
Brille
18.) Dein Lieblingsbuch?
Malplaquet
19.) Das letzte was Du gegessen hast?
Käsebrötchen
20.) Dein Leben?
ausgeglichen
21.) Deine Stimmung?
entspannt
22.) Deine Freunde?
weit
23.) Woran denkst Du gerade?
Fragebögen
24.) Was machst Du gerade?
schwitzen
25.) Dein Sommer?
heiß
26.) Was läuft in Deinem TV?
wenig
27.) Wann hast Du das letzte Mal gelacht?
gestern
28.) Das letzte Mal geweint?
Löwenherz
29.) Schule?
Abitreffen
30.) Was hörst Du gerade?
Baulärm
31.) Liebste Wochenendbeschäftigung?
Flohmarkt
32.) Traumjob?
viele
33.) Dein Computer?
zerlegt
34.) Außerhalb Deines Fensters?
Baustelle
35.) Bier?
seltenst
36.) Mexikanisches Essen?
mild
37.) Winter?
gerne
38.) Religion?
peripher
39.) Urlaub?
mittelmäßig
40.) Auf Deinem Bett?
Kopfkissen
41.) Liebe?
ja

So. Kommen wir zu den Erläuterungen.
6) Eigentlich Kurzweil PC-2. Ein unglaubliches schickes Keyboard. Hat eine zentrale Rolle beim Sound der Band.
7) Ich erinnere mich selten an Träume. Bei den Temperaturen träume ich vermutlich von Eisbergen, beweisen kann ich das aber nicht.
9) Ich hab keinerlei Bedürfnis, mit irgendeinem großen Auto durch die Gegend zu fahren, dazu bin ich zu wenig Autofetischist. Mein Traumauto ist günstig in Anschaffung und Verbrauch, aussen klein und innen groß und sehr, sehr zuverlässig. Eigentlich ist unser Mazda Demio da schon sehr nah dran, am Quietschen einiger Teile merkt man aber dummerweise, dass Mazda mittlerweile zum Ford-Konzern gehört.
11) lange schon
12) Besonders in Bezug auf unsere Tochter. Ich weiß, dass man sein Kind nicht vor allen Gefahren beschützen kann, auch wenn man es doch möchte. Das macht mir Angst.
13) Ich bin es ja auch jetzt schon. 10 Jahre in diesem Jahr. In 10 Jahren wären es dann schon 20. Boah, dann sind es nur noch 5 Jahre bis zur Silberhochzeit.
15) Dummerweise besonders denen gegenüber, die mir am Herzen liegen. Bei manchen Vollpfosten kann ich dagegen eine Engelsgeduld entwickeln.
18) Eigentlich ja "Schloss Malplaquet oder Liliput im Exil". Leider ein zu langer Name für ein Wort. Aber ein sehr schönes Buch. Vom dringend empfohlenen T.H. White.
22) Überwiegend im Nordrhein-Westfälischen und im Niedersächsischen. Damit leider zu weit, um sich nach der Arbeit mal eben auf ein Bier zu treffen.
35) Aber das mag ich ja eh nicht so.
28) Heißt natürlich "Beim Vorlesen der Schlußszene der Brüder Löwenherz". Ich sentimentaler Hund!
31) Kaufen und verkaufen. Letzteres steht dringend mal wieder an.
33) Noch nicht wirklich. Aber so gut wie. Und dann werden die Teile verscherbelt. Es wird eine Erleichterung sein.
38) Glauben ja, Religion nicht so wirklich.
39) Muss ich nicht weiter ausführen, oder?
40) Hingegen auf dem Bett meiner Frau ein hübsch gefaltetes Nachthemd samt Leckerli.
41) Ja!

Fertig!!!

- Kelly Osbourne -

Ach so, ja, das Weitergeben.
Da die Frau Floh den Herrn Unkita übersehen hat und damit er nicht traurig ist, kriegt er das Stöckchen halt von mir.
Ausserdem die Frau Lily, bei der ich auch gespannt bin, wie sie ihren Wortreichtum auf jeweils eines eindampft.
Und natürlich der Herr Klapsenschaffner, der in letzter Zeit wieder so aktiv war, dass er sich bestimmt ein Loch in den Bauch freut, jetzt auch noch ein Stöckchen bearbeiten zu dürfen.

Montag, Juni 02, 2008

Sick and tired

Gestern habe ich wieder einmal mit einem Freund telefoniert.
Gut eineinhalb Stunden.
Nun kann man mir natürlich vorwerfen, eine alte Labertasche zu sein, aber an diesem Vorwurf ist nur eines wahr: das "alt".
Wir haben nämlich im Laufe des Gespräches nach ca. einer Stunde festgestellt, dass wir uns bis zu diesem Moment nur gegenseitig unsere Zipperlein vorgejammert haben.
Er hat Problem mit dem Rücken, ich mit dem rechten Oberarm. Sowas trägt tatsächlich ein Gespräch eine gute Stunde lang.
Wenn das mal nicht ein Zeichen des Alters ist, dann weiß ich auch nicht.

Andererseits - ich habe gerade mal nach "Anzahl der Knochen im menschlichen Körper" gegoogelt.
Wikipedia kommt auf die stolze Summe von 208. Damit ist natürlich der Gesprächsstoff auf Jahre hinaus gesichert. Wenn man dann noch Muskeln dazu rechnet (laut Wiki über 600), kämen wir locker bis zur Rente.
Da werden sich 1&1 noch ärgern, dass sie mir damals die Telefonflatrate angedreht haben.
Harrharr.
Das einzige Problem bei diesen Gesprächen ist natürlich, dass alle anderen Themen zu kurz kommen.
Wir haben also jetzt einen neuen Gesprächstermin ausgemacht - sollten bis dahin keine neuen Leiden dazu kommen, stehen die Chancen gar nicht mal so schlecht, dass wir uns auch mal über etwas anderes als unsere Krankenakten unterhalten.

Ich hab allerdings seit heute morgen so ein merkwürdiges Ziehen im linken Oberschenkel.
Ich glaube, das sollte ich dann doch besser einmal ansprechen.

- Anastacia -