Freitag, August 29, 2008

Ganz in Weiß

So, das wäre also geschafft.
Vattern ist wieder unter der Haube und scheint auch recht zufrieden zu sein mit seinem Schicksal.
Die Feier war demzufolge auch recht ansprechend, was ich aber leider von diversen Begleitumständen nicht behaupten kann.
Erstmal: Die Bahnfahrt war fein.
Was bin ich doch froh, dass sich Ebay und Bahn noch rechtzeitig vor unserem Reiseantritt zusammen taten, um uns die Autofahrt zu ersparen.
Gar nicht fein war der bislang von mir vielfältig und hoch gepriesene Spieleladen meines Vertrauens. Hatte ich dort früher noch wändeweise Spiele für die Konsolen unseres Hausstandes vorgefunden, gab es jetzt gerade mal armselige 12 (zwölf!!!) Spiele für die Xbox 360. Und die Empfehlung, ich möge mir doch eine PS3 zulegen.
So nicht, liebe Spielehändlerin.
Schlimm genug, dass ich mir aus purer Verzweiflung ein gebrauchtes Assassins Creed gekauft habe, um wenigstens etwas Geld dazulassen, aber eine PS3?
Ne, ne!
Nicht mal die vom Herrn Schaffner und mir favorisierten Metzelspiele gab es vorrätig.
Lieber Herr S., daher auch keine diesbezügliche SMS von mir. Leider.

Samstag war dann Köln.

Irgendwie hatte ich die Stadt schöner in Erinnerung, was aber auch an der obligatorischen Vergangenheitsverklärung liegen mag.
Schon die Menschenmassen, die sich durch die Hohe Strasse schoben, haben mich erschreckt.
Früher war das doch nie so voll, oder?
Die Geschäfte selber schienen mir auch recht beliebig und austauschbar - auch da hab ich das Gefühl, dass das mal anders war.
Selbst der gern von uns mit einem Kölnbesuch verbundene Besuch im kleinen Steakhaus war nett, aber nicht überwältigend. Kann man natürlich trotzdem hingehen, aber außergewöhnlich ist es eben nicht.
Schön war dagegen immer noch die Tatsache, dass es in Köln halt einen ordentlichen Fußgängerbereich gibt (in Berlin vermisse ich ja die Fußgängerzonen schmerzlichst), dass die konspirative Planung und Vorbereitung einer Hochzeitstagsüberraschung erstaunlich reibungslos geklappt hat (nochmals Dankeschön an das Fotostudio Könen) und das Hotel.
„Apartel am Dom“ heißt es und wer es sieht, mag sich durchaus mit Grausen vom Gebäude abwenden das ist nämlich in ganz übler 60er-Jahre-Optik gehalten.
Der äußere Eindruck täuscht aber durchaus, innen drin ist es freundlich, mit großzügigen Zimmern, nettem Service und gutem Frühstück.
Ganz klar eine Empfehlung.

Der Dom dagegen kam mir kleiner vor als früher, was natürlich auch daran liegen kann, dass ich größer bin als früher.
Vielleicht auch daran, dass ich gerade noch mal „Die Säulen der Erde“ gelesen habe und meinem Gefühl nach Dome (Döme?) noch viel größer sein müssten.
Aber da ging es ja auch um eine Kathedrale.
Beeindruckend ist der Dom trotzdem; bei richtigem Sonnenlicht, das durch die Fenster scheint, vermutlich noch ein wenig mehr als an einem eher trüben Tag.

Bleibt also insgesamt ein etwas duchwachsener Eindruck.
Aber die Bahnfahrt zurück war natürlich wieder fein, auch wenn uns Berlin gleich mit einem Mistwetter empfing.

Blärch. Regen, kalt, trüb.
Herbstwetter. Und noch keine Lebkuchen in den Geschäften.
Dauert aber hoffentlich nicht mehr allzu lang.

- Roy Black -

Ps: Kino. Gleich zweimal, wo es doch so lange gedauert hat.
Erstens also "Die Mumie 3 - Das Grabmal des Drachenkaisers".
Machen wir es kurz: Der bessere Indiana Jones.
Sorry dafür, aber der Film hat mich bei aller Banalität tatsächlich besser unterhalten als Indy 4. Außerdem hat er einiges an gut gemachten Effekten im Angebot, die Schauspieler agieren so übel nicht und sein vermutlich größter Vorteil er muss sich nicht an Vorgängern mit einem dermaßenen Kultstatus messen lassen, wie das bei Indiana Jones der Fall ist.
Also durchaus ansehbar. Kein Meilenstein der Filmgeschichte, aber unterhaltsam.

Ein Meilenstein hingegen ist "Batman - The dark Knight".
Man mag mich ja für einen tumben Mainstream-Jünger halten, aber dieser Film ist schlicht das Beste, was in diesem Jahr kinotechnisch an meine Augen und Ohren kam.
Natürlich ist es ein Superheldenfilm und es schadet nichts, wenn man Superheldenfilme mag. Dieser Film ist aber auch dann groß, wenn man eigentlich kein Fan solcher Filme ist. Zur Handlung muss und will ich nur wenig sagen - sie baut logisch auf Teil eins auf; die Geschichte ist straff erzählt (trotz einer Filmlänge von 2 ½ Stunden) und gibt ihren handelnden Personen zumeist schlüssige Motive für ihr Tun an die Hand.

Und wie diese Personen handeln! Christian Bale, der Batmans moralischen Zwiespalt hervorragend verkörpert, Gary Oldman als aufrechter Polizist, ein Haufen weit weniger aufrechter Polizisten unter seinem Kommando, Aaron Eckhardt als weiße Ausgabe Barack Obamas und Heath Ledger.
Was ist dieser Schauspieler nicht gehypt worden, insbesondere nach (und aufgrund) seines recht frühen Todes.
Über seine früheren Filme mag man geteilter Meinung sein Ritter aus Leidenschaft beispielsweise halte ich für ein nahezu unerträglich belangloses Stück Film; Brokeback Mountain ist ein sicherlich guter, aber meiner unmaßgeblichen Meinung nach keineswegs unglaublich guter Film aber das, was er hier als Joker abliefert, ist schlicht grandios.
So grandios, dass Nicholson prompt auf Platz zwei der weltbesten Jokerdarsteller rutscht.
Und das will bei einem auf durchgeknallte Typen abonnierten Schauspieler schon was heißen.
Dass darüber hinaus auch die Effekte gut sind, braucht man bei einem Film dieser Größenordnung ohnehin nur am Rande zu erwähnen.
Was bleibt also als Fazit?
Unbedingt reingehen. Kino ist hier ein Muss, also nicht bis zur DVD warten.
Am besten einen Logenplatz.
Einziger Wermutstropfen: Bedingt durch die Überlänge (mit Pause) reicht ein kleines Kaltgetränk kaum aus, man sollte also das Geld für eine Zweitcola (-fanta,- wasser,- bier) noch gleich mit einplanen.

Mittwoch, August 06, 2008

Patience

Wo doch die Frau Lily so nett darüber schrieb.
Geduld.
Tu ich mich auch schwer mit, wie ich schon öfter mal bemerkte.
Besonders denen gegenüber, die mir am Herzen liegen.
Schon komisch, oder?

Und lustigerweise habe ich gerade jetzt zweimal feststellen dürfen, dass Geduld gar nicht so schlecht ist.

Schrieb ich doch vor Kurzem noch, dass ich der Deutschen Bahn bisweilen ein Furunkel an den Hintern wünschen möchte ob ihrer Preispolitik (in Ermangelung eines real existierenden Bahnhinterns hätte ich natürlich auch den vom Herrn Mehdorn genommen).
Und was macht die Bahn darauf hin?
Schaut in meinen Blog, schüttelt bedächtig den Kopf und sagt sich, dass es ja nun nicht sein könne, dass der arme Herr Falcon samt Familie mit dem Personenkraftfahrzeug die ganze weite Strecke von Berlin nach Aachen fahren muss, nur um an der Zweitverehelichung seines Herrn Papas teilnehmen zu können.
Man denkt hin und her und kommt auf die brilliante Lösung, Tickets bei Ebay feilzubieten.
Das habe ich natürlich gesehen, gleich drauf geklickt und festgestellt, dass Ebay offensichtlich ein Synonym für "Ich schalte mein Hirn aus und biete auf Teufel komm raus mit" ist. Die Ticketpreise kletterten nämlich in so schwindelerregende Höhen, dass man dafür auch eine reguläre Fahrkarte hätte kaufen können. Nicht mit mir also.
Das hat selbstverständlich auch die Bahn mitbekommen und sich gedacht, dass man dann wohl dem Herrn Falcon noch ein wenig mehr entgegen kommen müsse.
Also wurden die Tickets, die zuvor noch für deutlich über hundert Euronen ihren Besitzer wechselten, flugs zum 66-Euro-Festpreis feilgeboten.
Das ist natürlich schon sehr verlockend.
"Und meine Familie?" wandte ich mich fragend an den Herrn Bahn. "Müssen wir jetzt tatsächlich dreimal 66 Euro auf den Tresen legen?"
"Oha!" antwortete darauf Herr Bahn, kratzte sich verlegen am Kopf und machte mir ein neues Angebot:"111 Euro für alle drei, Platzreservierung extra!"
Das war natürlich das Angebot, das ich nicht mehr ablehnen konnte.
Jetzt fahren wir also inklusive Platzreservierung für knapp 130 Euro.
Was ich damit sagen will?
Geduld lohnt sich manchmal tatsächlich; in diesem Fall sogar in Form einer handfesten Ersparnis von fast 200 Euro. Das ist schön, das kann ich mir bei Ungeduld immer vor Augen halten.

Also quasi: "Wenn Du lange genug an einen Fluss wartest, schwimmen die Leichen Deiner Feinde an Dir vorbei."
Das Internet ist sich allerdings höchst uneins, ob dieses hübsche Sprichwort von den Indianern, den Indern oder doch von Konfuzius stammt.
Und ob man am oder im Fluss stehen sollte (oder doch besser draussen wartet).
Aber das Prinzip ist ja klar.

Und falls nicht, hier noch das zweite Beispiel: Vor langen Jahren merkte ich einmal an, dass mir Cefrisch seit langem nicht mehr in den Händlerregalen aufgefallen sei (ein schon deswegen guter Post, weil er den Herrn Klapsenschaffner hierhin brachte).
Jetzt hätte ich natürlich einen Privatdetektiv mit Ermittlungen hinsichtlich des Cefrisch-Verschwindens beauftragen, Briefe schreiben und Nachforschungen anstellen können.
Hab ich aber nicht.
Stattdessen - Geduld, Geduld, Geduld.
Und schwupps - kaum 2 Jahre später gibt es tatsächlich wieder Cefrisch.
In unserer Kantine.
In der 400-Gramm-Dose.
Wenn das mal nicht ein schlagender Beweis dafür ist, dass dass Konfuzius, die Inder oder die Indianer doch ganz schön kluge Kerlchen waren.

So, und was ist jetzt die Moral von der Geschicht'?
Dass ich jetzt viel geduldiger werde?
Ich fürchte nicht.
Aber zumindest habe ich es jetzt schwarz auf weiß, dass Geduld manchmal gar nicht so schlecht ist.
Das muss ich mir dann nur noch dann vor Augen führen, wenn ich mal wieder wegen fehlender Geduld zu eklig werde.
Ich hoffe, dass das klappt.

- Take That -

Ps: Kino. Diese Woche endlich wieder mal. Narnia.
Auch ein Film für Leute mit Geduld. Nicht weil er langweilig wäre, aber weil er lang ist.
Nämlich satte 144 Minuten. Inklusive Vorfilmen (die Werbung hielt sich sehr in Grenzen) und Pause kommt man da auf gute 3 Stunden. Das ist schon Herr-der-Ringe-Format.
Um es gleich vorweg zu nehmen: Der Film ist gut gemacht.
Die Effekte und vor allem die computeranimierten Tiere sind eindeutig die Stars, auch wenn die Schauspieler auch nicht wirklich schlecht, wenngleich bisweilen ein wenig zu theatralisch agieren.
Aber das muss wahrscheinlich bei einem Fantasy-Streifen mit relativ eindeutigen Fronten auch so sein.
Man könnte es natürlich mit der kämpfenden Maus definitiv einer der Sympathieträger des Films) halten, die irgendwann erklärt "Also ich hatte ja etwas Originelleres erwartet!", aber der Film ist nichtsdestotrotz solide und unterhaltsame Fantasykost.
Die christliche Heilsbotschaft ist übrigens bei weitem nicht so dick aufgetragen wie immer behauptet und man kann diesen Aspekt auch relativ problemlos ausblenden.
Erwähnenswert ist allerdings, dass der Film doch recht rünstig ist - allerdings ohne Blut.
Da wird gestochen und geschossen, dass die Fabelwesen und Menschen bisweilen wie die Fliegen umkippen, aber das alles ist erstaunlich unblutig.
Egal, ob irgendwo ein Pfeil steckt oder ein Schwert nach einem Einstich wieder herausgezogen wird - man sieht kein Blut.
Das hat ein Bisschen was von der Mär vom klinisch sauberen Krieg, denn tot sind sie ja dann doch.
Aber vielleicht blutet man in Narnia halt nicht.
Kann ja sein.
So, genug des Gemeckeres.
Man kann ihn gut anschauen; es ist kein Herr der Ringe aber bei weitem auch nicht so ein Totalausfall wie Hancock oder Hulk (merkt man, dass mir beide nicht so zugesagt haben?).

Putzig finde ich übrigens, dass der gute Warwick Davis wieder einmal auf die Rolle des Fantasyzwerges abonniert zu sein scheint, genauso putzig, wie die Tatsache, dass die offenkundig spanischen Wurzeln entstammenden Telmarer (die Menschen in Narnia) auch dann einen spanischen Akzent haben, wenn sie sich untereinander unterhalten.
Das scheint aber ohnehin den Synchronstudios nicht auszutreiben zu sein.

Psps: Lustig finde ich die Bewertungen, die die Bahn zur Zeit von erbosten Ebay-Nutzern bekommt, die alle sauer sind, dass die von ihnen für viel Geld ersteigerten Tickets kurz danach zum gerade einmal halben Preis zu bekommen waren.
Ja, das ist ärgerlich, ohne Frage.
Aber es wurde ja auch niemand gezwungen, mitzubieten und soviel Geld auszugeben. Wer es dennoch getan hat, war doch der Überzeugung, immer noch ein Schnäppchen gemacht zu haben.
Ärgern darf man sich darüber gerne (das alte "Early-Adopter-Prinzip"), aber eine schlechte Bewertung zu geben und sich dann auch noch darüber aufzuregen, dass die Bahn für den Ticketversand 2,50 Euro in Rechnung stellt, ist schlicht albern.
Womit wir wieder beim Thema wären - der frühe Vogel fängt den Wurm, der späte kriegt eben manchmal einen zweiten Wurm gratis.