Montag, September 29, 2008

Time

Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vornehmen unter dem Himmel hat seine Stunde.
Denn ein jeglich Vornehmen hat seine Zeit und Weise; denn des Unglücks des Menschen ist viel bei ihm.
Geboren werden und sterben, pflanzen und ausrotten, was gepflanzt ist, würgen und heilen, brechen und bauen, weinen und lachen, klagen und tanzen, Steine zerstreuen und Steine sammeln, herzen und ferne sein von Herzen, suchen und verlieren, behalten und wegwerfen, zerreißen und zunähen, schweigen und reden, lieben und hassen, Streit und Friede hat seine Zeit.

Und deswegen erkläre ich, dass jetzt die Zeit gekommen ist für den Wechsel vom kurzen zum langen Schlafanzug.
Es mag wohl Menschen geben, die ganzjährig in kurzen Nachtgewändern (oder gar - und dies bitte ich mit geröteten Ohren zu lesen - nackig) schlafen, aber ich finde, dass, wenn draußen des morgens die ersten Atemfahnen sich bilden, die Zeit einfach reif ist, um in den zugegeben zwar eher unattraktiven, nichtsdestoweniges aber kuschelig warmen langen Schlafanzug zu schlüpfen.
Das Schlafzimmer darf, ja muss sogar eine eher kühlere Raumtemperatur haben, aber in der Zeit von Lebkuchen, heißem Tee und Marzipankartoffeln (die ich persönlich ja so gar nicht mag, im Gegensatz zu Tee und Lebkuchen), möchte man es im Bettchen selber doch lieber warm und gemütlich haben.
Ich zumindest.

Gekommen ist auch die Zeit des gefärbten Laubes, was hier in Berlin wieder Großkampfeinsatz gegen die Miniermotte bedeutet, die, heimtückischer Schädling, der sie ist, Besitz von einem Großteil der hiesigen Kastanienbäume ergreift und diese, so man deren Laub mitsamt der Larven nicht rechtzeitig einsammelt und entsorgt, elendiglich zugrunde richtet.
Kurz nochmal checken, ob der vorstehende Satz auch brav Subjekt, Prädikat und Objekt enthält, was mir dank fortgeschrittenem Alter und Bandwurmhaftigkeit der Formulierungen bisweilen.
Wie zum Beispiel bei diesem Satz gerade.

Aber was mache ich mir denn Gedanken um die deutsche Sprache, wenn unsere Tochter mit einer Deutschlehrerin geschlagen ist, die mal eben flugs die Wörtchen "draußen" und "mehr" zu Adjektiven erklärt, dafür aber zum Ausgleich "tolerant" mit Doppel-L schreibt (für alle, die es jetzt genauer Wissen wollen und sich aber nicht trauen, den Herrn Sick damit zu befassen: "draußen" ist ein Adverb, "mehr" übrigens auch, kann aber auch als Indefinitpronomen verwendet werden - was ich ja, so ganz unter uns, für den deutlich schöneren Begriff halte -; "tolerant" hingegen ist dafür tatsächlich mal ein Adjektiv, wird dafür aber weder in seinem lateinischen Urstamm tolerans (= duldend, ausdauernd ) noch in seiner französischen Ableitung "tolérant" mit einem Doppel-L geschrieben).

So, haben wir auch mal wieder etwas gelernt und damit das gute Gefühl, dass die Zeit, die für das Lesen dieses Posts drauf gegangen ist, zumindest nicht völlig vergebens war.
Und wer jetzt immer noch etwas Zeit hat, darf sich auch noch auf die Zugabe stürzen.

- Pink Floyd -

Ps: Kino.
Wall-E. Was auch sonst. Ein wirklich netter Film. Technisch ohne Frage perfekt in Szene gesetzt. Und um mit dem Herrn Schaffner zu sprechen, ist es auch unglaublich, wieviel Emotion in zwei Teleskopaugen gelegt werden kann.
Und trotzdem fehlte mir etwas. Auch wenn Wall-E sehr seelenvoll dreinschauen kann, fehlte dem Film - meiner unmaßgeblichen Meinung nach - die Seele. Vieles wirkte zu perfekt, zu kalkuliert. Manche Szene schien nur dazu im Film enthalten zu sein, um dem Zuschauer ein "Wow, unglaublich, wie die das wieder hingekriegt haben" zu entlocken. Bestes Beispiel hier die Szene, in der Wall-E, an Eves Raumschiff geklammert, mit der Hand durch einen Sternennebel streift.
Toll gemacht, keine Frage, aber eben auch nur das.
Was mich übrigens bei Pixar immer wieder wundert, ist die Darstellung der Menschen.
Pflanzen, Tiere (zumindest deren Fell), Spielsachen Umgebungen werden beinahe Fotorealistisch dargestellt, nur die Menschen sehen immer aus, wie aus Plastik. Bei Wall-E eben wie aus gestopftem Plastik. Vielleicht ist das noch ein Zugeständnis an das Medium Trickfilm, vielleicht auch das Eingeständnis, dass es im Moment einfach noch nicht möglich ist, Menschen rein digital glaubwürdig darzustellen.
Richtig, wirklich und unglaublich gut ist dagegen der Vorfilm, der, ebenfalls computeranimiert, einen temporeichen und irrwitzigen Slapstickzweikampf zwischen einem Zauberer und seinem hungrigen weißen Hasen inszeniert.
Schon deswegen lohnt sich das Anschauen.
Und ja, natürlich ist auch Wall-E sehenswert. Aber eben nicht der Spitzenfilm, als der er im Vorfeld beworben und verkauft wurde.

Samstag, September 27, 2008

Whisky in the jar

Acht Ouzo.
Zwei Bier.
Zwei Metaxa (brennend)
Eine Karaffe Mavrodavne.

Bitte erst morgen wieder ansprechen.

- Thin Lizzy -

Und viele Grüße an Herrn Unkita

Freitag, September 26, 2008

Sunday Bloody Sunday

So, der Sonntag - und damit der Auftritt - liegt schon ein bis zwei Tage zurück.
Ein guter Moment also, um das Ganze einmal zu rekapitulieren.
Sonntag Morgen: Der Wecker klingelt. Um acht! Eine grauenhafte Zeit, vor allem, wenn man am Vorabend noch mit dem Herrn Klapsenschaffner bis zwei Uhr morgens durch die wunderbare Welt der Kriegskunst geschlendert ist. Also Wecker um ein Viertelstündchen weitergestellt. Der positive Effekt ist marginal, der Zeitdruck dagegen deutlich gestiegen.
Nachdem erfreulicherweise mit Frau und Kind gemeinsam eingenommenen Frühstück (sonst verschlaf ich das des Sonntags immer) also flink unter die Dusche gehüpft, die noch fehlenden Sachen (Klavierbank, schwarzes Hemd, passendes Handtuch) ins Auto geschmissen und ab geht’s.
Nach Mahlow. Das Navi berechnet mir eine Dreiviertelstunde Wegzeit, was eine Verspätung von 15 Minuten bedeutet. Dank kreativer Interpretation der Lichtzeichenanlagen auf dem Weg ("Das Rot sieht noch irgendwie grün aus") 2 Minuten gerettet und um 9.43 am Ort des Geschehens aufgetaucht.

Dort stehen meine Bandkollegen und teilen mir ihre uneingeschränkte Begeisterung über die Bühne mit, die auf einer Größe von unter 15 qm neben uns auch noch ein Jazztrio zuzüglich Sängerin, ein Damenterzett plus Pianisten und zwei Lichtmasten beheimaten soll.
Solcherlei Umstände, gepaart mit der Tatsache, dass es sich bei unserem Auftritt um einen unbezahlten Gefallen für den Herren des Festes handelt, wecken bei mir immer ein große Bereitschaft, ins Auto zu steigen und postwendend gen Heimat zu brausen.

Wir haben uns dann trotzdem gegen diese Option entschieden und mit dem Aufbau unter erschwerten Bedingungen begonnen. Zwei Keyboards mussten im Wagen bleiben, das Gitarrenkraftwerk stand nicht auf sondern rechts von der Bühne und linker Hand auf Kniehöhe landete der Bassverstärker samt Lautsprechern.
Dazu noch die froh stimmende Mitteilung der Herrin des Hauses, dass wir die Musik doch bitte in einer Lautstärke zu fabrizieren hätten, die die Gesprächsführung der anwesenden Gäste nicht beeinträchtige.

Das alles haben wir dann geflissentlich ignoriert, alles angeschlossen, den Lichttechniker gebeten, die Drehspots so zu programmieren, dass wir nicht von den direkt ins Auge geschossenen Strahlen erblinden und dann den Strom eingeschaltet.
Los ging es mit dem Soundcheck, der nach geschätzten 30 Sekunden wieder zu Ende war, weil die Sicherungen herausflogen.
Unschön, das.
Gleiches Bild bei Versuch zwei und drei, bis man feststellte, dass die Sicherungen deutlich unterdimensioniert für den Anlass waren. Kein Problem, der Elektriker würde kommen und die Teile austauschen. Dummerweise erst gegen eins. Um zwei sollte die Feier losgehen.
Also wurde die komplette Beleuchtung gegen den Protest des Herrn der Lichter vom Netz genommen, wir machten fix einen Notsoundcheck und überließen dann das Feld den anderen, die ja auch mal kurz an ihrem Klang basteln wollten.

Wir erkannten derweil wieder einmal, dass Geduld eine der Haupttugenden eines Musikers ist, denn jetzt galt es, die nächsten 6 Stunden bis zu unserem Auftritt zu überbrücken.

Geduld also. Und die Fähigkeit zur Essensaufnahme auch dann wenn man eigentlich gar keinen Hunger hat. Ich hab mal gehört, dass man so etwas wohl auch bei den Armeen dieser Welt lernt - essen und schlafen auch dann, wenn eigentlich noch gar kein Bedürfnis besteht. Aber in der Gefechtssituation kann man ja schlecht die Stulle auspacken, also muss man vorher.
Das gilt auch für Toilettenbesuche. Immer schlecht, wenn sich das Bedürfnis während des Spielens ankündigt. Man kann ja schlecht sagen "Jungs, macht mal kurz ohne mich weiter, ich geh mal eben aufs Klo!".
Prävention heißt die Devise. Gehen, auch wenn man nicht muss. Damit man nicht muss, wenn man nicht kann.
Aber ich schweife ab.

17.30 Uhr waren dann auch wir endlich an der Reihe. Nach "City of blinding lights" als Opener stellten wir fest, dass unsere Musik und Gespräche bei Zimmerlautstärke einfach nicht miteinander können.
Immerhin behaupten wir ja von uns, dass wir Rockmusik machen. Und Rockmusik und leise geht einfach nicht. Das muss einfach knallen. Also die Regler dezent weiter nach rechts gedreht und dann knallte es auch tatsächlich ganz ordentlich.
Nach einigen Abstimmungsproblemen war der Sound auch auf der Bühne ganz ok. Die leider nur noch etwa 50 verbliebenen Gäste schienen angetan zu sein und uns hat es dann trotz allen Problemen im Vorfeld auch noch richtig Spaß gemacht.
Völlig erstaunt war ich von einer älteren Dame in der zweiten Tischreihe, Optik "Hamburger Industriellenwitwe". Bei der hatte ich als erstes eine Fluchtbewegung aus dem Zelt mit demonstrativ zugehaltenen Ohren vermutet. Was ältere Leute halt so machen, wenn es laut wird.
Und was tat sie? Wippte mit, klatschte mit, war begeistert.
Und erklärte, mit ihrer Enkeltochter zum nächsten Auftritt kommen zu wollen.
81 ist sie, wie ich später erfuhr.

Es war insgesamt Etliches noch verbesserungswürdig, aber als Generalprobe für einen richtigen und großen Auftritt taugte es doch recht gut. Wir wissen jetzt, dass wir in dieser Besetzung funktionieren und auch noch Spaß dabei haben können - was will man mehr.
Und dem 27.12. sehe ich jetzt mit deutlich größerer Gelassenheit entgegen.

- U2 -

PS.: Kino. War ich ja auch noch. Tropic Thunder, ein durch sämtliche Medien hochgejubelter Film. Ein, wie ich finde, etwas überzogener Hype. Die Story ist nicht sensationell neu; wer die Handlung von "Lost in Space" oder, etwas früher "Drei Amigos" kennt, dem kommt das Grundkonstrukt bekannt vor.
Vier, nein eigentlich fünf, Schauspieler, die mit Identitätsproblemen kämpfen, auf dem absteigenden Ast sind oder erst noch groß rauskommen wollen, sollen einen Vietnam-Kriegsfilm drehen, wie er klischeehafter nicht sein könnte, versemmeln das aufgrund ihrer aufgeblasenen Egos völlig und werden darauf hin vom Regisseur in echter Wildnis ausgesetzt, durch die sie sich Reality-TV-mäßig von konstruierten Widrigkeiten geplagt durchschlagen sollen.
Dumm nur, dass der Regisseur, der das Ganze mit seiner Taschenkamera begleiten will, gleich zu Beginn auf eine echte Landmine tritt. Dumm auch, dass sich in dem Gebiet statt falscher Vietcongs echte Drogendealer herumtreiben.
Das ganze Handlungsgerüst ist nicht wahnsinnig überraschend, lässt aber viel Platz sowohl für eher schlichteren Humor ("Das ist nicht der echte Kopf unseres Regisseurs. Das ist bloß eine Atrappe aus Maismehl und roter Farbe mit, ähm, Blutgeschmack"), witzige Zitate aus"echten" Hollywoodfilmen wie Platoon oder Apocalypse Now, aber auch aus den obligatorischen Billig- und Billigstfilmchen und bösartige Seitenhiebe auf raffgierige Produktionsstudios und durchgeknallte Schauspieler jeglicher Couleur.
Nicht der Überhammer des Jahres, aber durchaus amüsant ansehbar.

Für demnächst dann auf dem Plan "Wall-E" (was auch sonst) und "Der Baader-Meinhoff-Komplex".

Freitag, September 19, 2008

It Takes Two

Heute sind aller guten Dinge mal nicht drei, sondern nur zwei. Harte Zeiten halt, da muss man sparen.

Kommen wir also erst einmal zum unangenehmen Teil:
Ja, ich bin bei Ebay auf einen Betrüger hereingefallen.
Ob der Betrüger, der unter dem Namen "Sirjogi" knapp 400 PC-Spiele vertickt hat, tatsächlich derjenige ist, der als Inhaber dieses Accounts angemeldet war oder ob jemand seinen Account gehackt hat (oder er blödsinnigerweise sein Passwort jemand anderem gegeben hat), weiß ich nicht.
Sicher sind nur zwei Dinge:
1. Das Geld ist weg. Unwiederbringlich.
2. Anzeige folgt.

Es war glücklicherweise kein hoher Betrag; gerade mal 17,50 Euro (umgerechnet in den allgemein gültigen Griechenindex wären das ein Narkissos-Teller und zwei Hefeweizen), aber das scheint eine neue Dimension des Ebay-Betruges zu sein: Viele eher geringwertige Auktionen einstellen und hoffen, dass die solcherart Betrogenen aufgrund der Geringfügigkeit auf weitere Maßnahmen verzichten.
Falsch gedacht.

Daher nochmal meine 3 goldenen Ebay-Tips:
1. Bewertungsprofil des Verkäufers checken. Bei weniger als 85% positiven Bewertungen Finger weg!
2. Prüfen, seit wann es den Account gibt. Den Kauf hochwertiger Artikel bei Verkäufern, die noch nicht mindestens 6 Monate angemeldet sind, vermeiden.
3. - und die ist neu dazu gekommen - Prüfen, ob der Umfang der aktuellen Verkaufsaktivitäten mit den Aktivitäten der bisherigen Existenzdauer des Accounts übereinstimmt. Niemals bei jemandem kaufen, der in 3 Jahren gerade mal 18 Verkäufe durchgezogen hat und jetzt in einem Rutsch gleich 400 Artikel einstellt.
Hätte ich auch früher wissen können.

Das bewahrt einen nicht vor allen Problemen, aber schützt wenigstens etwas. Hoffentlich.


Kommen wir zum Positiven:
Nachdem wir ja letztes Jahr Bassist und Schlagzeuger verloren hatten (na gut, rausgeschmissen haben ist wohl treffender), hatten wir uns eine Zeit lang mit einem zwar technisch hervorragenden, hinsichtlich gewisser menschlicher Qualitäten leider eher stark geforderten Schlagzeuger und unserem vorletzten Bassisten, der immer betonte, nur aushilfsweise tätig sein zu wollen, beholfen bzw. behelfen müssen.
Mittlerweile haben wir aber auf abenteuerlichen Wegen einen neuen Bassisten gefunden (ich will es hier gar nicht näher ausführen, aber eine große Sachertorte, ein bewusstloses Frettchen und ein Eimer gelber Farbe spielten dabei eine nicht unerhebliche Rolle) und sind zu guter Letzt auch noch auf einen netten Herrn der Trommeln gestoßen, der im Moment noch mit der Schwierigkeit zu kämpfen hat, dass er eigentlich der Schlagzeuger der Band im Proberaum neben uns ist. Aber auch da sind wir ganz zuversichtlich.

Was ich aber eigentlich sagen wollte: Wir spielen endlich wieder einmal auf der Bühne!
Und zwar am kommenden Sonntag.
Ist leider eine Privatveranstaltung, weswegen ich an dieser Stelle auch nicht um Publikum buhle (das bei ca. 400 eingeladenen Gästen reichlich vorhanden sein dürfte), sondern einfach einmal meiner Freude Ausdruck verleihen möchte, dass wir wieder mehr oder minder komplett sind.
Das Gefühl, mit echtem Bassisten und echtem Schlagzeuger zu spielen ist doch ein wenig anders als in dem Fall, dass die Instrumente aus der Dose kommen, und seien sie da auch noch so gut eingespielt.

Ausserdem ist und neuer Bassist ja ein recht engagiertes Kerlchen - er hat schon angekündigt, uns künftig etwas regelmäßiger Auftritte zu besorgen, als das im Moment der Fall ist.
Wir sind ja da bislang eher mäßig eifrig gewesen und haben uns hauptsächlich in Überlegungen gestürzt, an welchen Orten wir denn auf gar keinen Fall spielen wollten.
Das Neuköllner Stadtfest hatte zum Beispiel einen recht hohen Listenplatz.
Aber das wird jetzt hoffentlich ganz anders, so dass ich dann künftig hier an dieser Stelle eine neue Seitenrubrik einrichten kann, die da lauten wird "Tourtermine". Und ich gehe jetzt schon ganz fest davon aus, dass ich gleich hinter jeden zweiten ein "Ausverkauft!" schreiben kann.

Goldene Zeiten erwarten uns. Dann kann ich es mir auch wieder leisten, drei Themen im Post zu verarbeiten.

- Lil' Romeo -

Ps.: Eigentlich wollte ich mich ja auf das von Marvin Gaye interpretierte "It Takes Two" beziehen, aber da der Herr Schaffner gestern seine ausgeprägte Vorliebe für die hiphoppige Schreibweise des englischen Wörtchens "little" kundtat, dachte ich mir, dass ich ihm ja zum Wochenende ruhig auch mal eine Freude machen kann.
Psps.: Dreimal "Fall" in drei Sätzen. Ich fürchte, ich muss in meinem internen Thesaurus mal die Batterie wechseln und bitte vorsorglich um Verzeihung bei Herrn Sick und anderen Wahrern der deutschen Sprache.

Dienstag, September 16, 2008

Influenza

Meine Frau meint, ich müsse jetzt nicht sterben.
Ich hingegen bin mir da gar nicht so sicher.
Na gut, eine laufende Nase und ein trockener, leicht bellender Husten könnten auch Symptome einer Erkältung sein.
Aaaber - und hier lese man ein großes ABER mit nachdenklich gerunzelter Stirn - es könnte auch etwas ganz anderes sein.
Pest zum Beispiel.
Ich lese ja gerade den neuen Roman von Ken Follet, "Die Tore der Welt" benamt, und neben regelmäßig eingestreuten Sexszenen findet sich dort auch einiges Wissenswertes zum Thema "Schwarzer Tod".
Da geht es auch ganz harmlos los, mit Schnupfen und Husten und so, und ehe man es sich versieht, ist man dann tot.
Zugegeben , das "Und so" ist im Einzelnen Blut, das aus so sämtlichen Körperöffnungen fließt sowie blauschwarze Flecken unter den Armen und in den Kniekehlen. Zumindest letzteres kennt man ja eigentlich nur aus den Situationen, wo man sich länger als zwei Wochen nicht in den Kontakt mit fließendem Wasser begeben hat.
Aber man weiß es natürlich nicht. Und ich finde, man sollte es auch nicht auf die leichte Schulter nehmen.
Vielleicht ist das mit der Pest heute anders als vor 550 Jahren?

Na gut, es kann natürlich auch möglich sein, dass meine Frau recht hat und ich nur eine Erkältung habe.
Was allerdings schon schlimm genug wäre, bedeutet es doch, dass die Erkältungssaison sich auf leisen, dafür aber um so kälteren Füßen wieder ins Land geschlichen hat.
Das kann ja noch heiter werden.
Apropos - heiter werde ich im Moment ob der Tatsache, dass es wieder Federweißer (Federweißen? Wer weiß) gibt.
Mag es auch dem passionierten Weintrinker das Gedärm umwälzen (was ich nicht hoffe, Herr Unkita), ich mag das Zeug. Dabei lieber den Deutschen als den Italienischen.

Was ich hingegen gar nicht mag, und das möchte ich an dieser Stelle einfach einmal völlig zusammenhangslos einwerfen, ist "Hakle Supervlaush".
Mag sein, dass das ein ausgezeichnetes Toilettenpapier ist. Und ich bin auch keineswegs Verfechter der Einlagigkeit mit Holzstückchen drin.
Aber "Supervlaush"? Ich bitte doch mal recht schön.
Dieser Name drückt schon soviel übertrieben Weichheit und Anschmiegsamkeit aus, dass ich mich nicht einmal imstande sähe, es in den Einkaufswagen zu packen, geschweige denn es gar zu nutzen.

So, wie gesagt, dies einmal völlig aus jedem Zusammenhang gerissen. Aber gesagt werden musste es einfach mal.

Schluß für heute.

- Todd Rundgren -

Donnerstag, September 11, 2008

Aller guten Dinge sind drei

Und da fangen wir doch auch gleich einmal mit der Eins an:
Das ist eine Fahrkarte.
Eine der BVG.
Berliner Verkehrsbetriebe, wie die Abkürzung schon sagt.
Wer etwas genauer hinschaut, sieht, dass da ein Stempel drauf ist. Einer von heute morgen, acht Uhr.
Das heißt, mit dieser Karte konnte man von heute morgen acht Uhr bis heute morgen zehn Uhr fahren. Danach gilt die nicht mehr.
Außer für Berliner Busfahrer. Für die gilt die auch am Nachmittag.
Weil der Berliner Busfahrer zwar gerne so lustige Sachen sagt wie "Also mittlerweile müsste doch ooch der Dümmste kapiert ham, det man hinten nich eensteijen darf", aber dafür im Gegenzug auch immer konzentriert einen imaginären Fleck links oben auf der Windschutzscheibe ihres Busses anstarrt, wenn man ihm seine Fahrkarte hinhält.
Spart natürlich eine Menge Geld.
Also dem Passagier jetzt.
Nicht den Berliner Verkehrsgetrieben.
Gut, so etwas immer im Hinterkopf zu haben.

Kommen wir zu Nummer zwei:

Das ist Edna. Edna ist in einer Gummizelle gefangen und möchte da raus.
Ausserdem ist Edna die Hauptdarstellerin eines vermutlich ziemlich witzigen Adventures, das auf den hübschen Namen "Edna bricht aus" hört.
Dieses Adventure hat nur einen Haken: Es gehört mir nicht.
Oh, nicht dass ich nicht schon versucht hätte, es zu kaufen.
Via Ebay, in diesem Fall.
Vielleicht hätte ich misstrauisch werden sollen, als ich das Geld auf ein polnisches Konto überweisen sollte. Da ich aber zeitgleich auch bei einem Verkäufer aus England gekauft habe, bei dem alles problemlos lief, habe ich da keine allzu großen Schwierigkeiten gesehen.
Ein bisschen mehr Anlaß zum Misstrauen hätte mir die Tatsache geben können, dass sich der Verkäufer kurz nach dem Ende der Auktion bei Ebay abmeldete.
Ganz sicher Grund zum Misstrauen dürfte es aber sein, wenn jemand, der seit 2005 angemeldet ist und bis heute gerade mal 19 Bewertungen gesammelt hat, auf einmal 218 Auktion einstellt.
Das hätte mir zu denken geben müssen. Hätte es vermutlich auch, hätte ich vor Abgabe des Gebots einfach mal auf den Link zu den weiteren Auktionen des Verkäufers geklickt.
Sollte bis zum Wochenende nichts ankommen, werde ich den Herrn wohl wegen Betruges anzeigen müssen. Ausserdem müsste ich dann noch mindestens achtmal den Fahrschein wiederverwenden, um das Geld wieder reinzubekommen.

Schließlich nun zur Nummer drei.

Jaja, ich weiß.
Sagt es mir nicht auch noch.
Das Fleisch ist willig, aber der Geist ist schwach.
Abgesehen davon ist ja noch die Folie drum.
Vielleicht schaffe ich es ja sogar, sie nicht herunterzuknibbeln.
Dann könnte ich mir die Verpackung als Mahnung und Warnung an die Wand hängen.
So wie andere das mit ihrer letzten Zigarette machen.


Hat irgendwer Lust auf 'ne Runde WoW?

- Reinhard Mey -

Montag, September 08, 2008

Little Monsters

Also hätte ich gewusst, dass heute alle in Nadelstreifen und blauem Hemd herumlaufen, hätte ich natürlich was anderes angezogen. Jeans und T-Shirt oder so. Aber man weiß sowas ja selten vorher, auch wenn man es hätte ahnen können.
Und damit ist mir gleich eine brilliante Ein- und Überleitung gelungen.
Man weiß es selten vorher, auch wenn man es hätte ahnen können.
Manchmal sogar ahnen müssen.

Wie etwa an jenem letzten Samstag, an dem ich dem Irrglauben unterlag, einem Phänomen hinterherzulaufen, dass längst von der Zeit an den Rand des Vergessens gedrängt worden ist.
War aber gar nicht so.
Aber von vorne.
Im Auftrag meiner Tochter bin ich ja gehalten, regelmäßig Ebay in Sachen Pokemon-Figuren zu durchstöbere. Ausserdem sollte ich hin und wieder auch weitere Informationen sammeln, die ihr einen Wissensvorsprung gegenüber anderen Pokemonfans bereiten.
Also bin ich letzten Donnerstag nichtsahnend auf die Seite von Nintendo gesurft und da war sie dann.
Die Ankündigung, die jedem Pokemon-Liebhaber feuchte Hände und schlaflose Nächte beschert:
Die Pokemon-Days 2008 finden statt und jeder DS-Inhaber samt Pokemon-Modul kann sich da ein seltenes Pokemon herunterladen und ein T-Shirt abholen.
Erste Station: Berlin.

Naja, Pokemon sind ja auf dem absteigenden Ast. In etwa noch so begehrt, wie die "Masters of the Universe"-Figuren gegen Ende der Neunziger.
Yu-Gi-Oh ist derzeit angesagt.
Heißt also, hingehen, Pokemon herunterladen, T-Shirt mitnehmen, nach Hause fahren.
Dachte ich.
Großzügig habe ich dafür mal ein Stündchen eingeplant.

Ein Fehler.

Ein riesengroßer Fehler.

Ich bitte darum, jetzt einmal kurz die Augen zu schließen. Das heißt, erst noch lesen, dann schließen. Also vor dem Schließen kurz an folgendes Bild denken:
Mekka, Kaaba, Pilgerstrom (wem es hier an Vorstellungskraft mangelt, der darf auch gerne die drei Wörter als Suchbegriff eingeben und sich die Ergebnisbilder anschauen).
So, fertig? Fein.
Und jetzt bitte die doppelte Menschenmenge vorstellen. Dann hat man im Ansatz einen Begriff davon, was auf den Pokemon-Day los war.
Nix war mit "Phänomen, das in Vergessenheit geraten ist".
Unmengen an Viertel-,Halb- und Dreiviertelwüchsigen drängelten sich in und um die Hallen am Borsigturm, aufgepeitscht von einem Moderatorenteam zwischen Tigerentenclub und Neun Live.
Verzweifelte Mütter blickten ratlos auf die Schlangen, ohne zu wissen, in welcher man sich den jetzt anstellen muss, Kinder schluchzten, Väter knirschten mit den Zähnen.
Ein junges Paar experimentierte damit, den Kinderwagen mit einer Hand zu lenken, während die andere Pikachu und Konsorten durch Labyrinthe lotste. Leichen (oder zumindest Leute mit wundgefahrenen Hacken) pflasterten ihren Weg, allgemeine Schadenfreude machte sich breit, als der im Kinderwagen der beiden rempelnden Rüpel brüllende Nachwuchs seine Trinkflasche wegpfefferte und die Menge die Gelegenheit nutzte, die danach suchenden Eltern links und rechts zu überholen und wieder auf ihre Plätze zu verweisen.
Besonders erstaunlich fand ich natürlich auch die Jungs, die zwar einerseits darüber nachzudenken schienen, wie sie das nächste Date mit Mandy, Sandy oder Wendy klarmachen konnten, andererseits aber auch keine Probleme damit hatten, sich mit Schiggy oder Panflam knipsen zu lassen.

Die Schlange bis zur Anmeldung für den Pokemon-Parcours war nach läppischen 90 Minuten überwunden.
Danach kam dann dummerweise die richtige Warteschlange.
Drei Stunden. DREI STUNDEN!!!
Männer weinten, Kinder verzweifelten, Frauen knirschten mit den Zähnen.

Dank einer gewissen strategischen Planung konnte das Töchterlein aber schon mal ein legendäres Pokemon herunterladen, alldieweil ich kinder- und schutzlos neugierigen Blicken ausgesetzt zwischen Neunjährigen in der Schlange gewartet habe.
Eine interessiert zuschauende Mutter beraubte mich der Illusion, dass das Pokemonfieber schnell wieder vorbeigehen könne - Ihre Kinder seien ihm schon seit vier Jahren verfallen.
Da war ich dann nicht wirklich erleichtert.
Nach besagten drei Stunden waren wir dann tatsächlich im Pokemon-Parcours angekommen, in dem ein elektrischer Draht in Form eines Pokemons (Plinfa, für besonders Neugierige) ohne Feindberührung abgefahren werden musste, ein Pokemon durch bloßes Abtasten zu erraten war (wieder Plinfa, hätte aber auch Panflam oder Chellast sein können) ein Pokemon am Glücksrad zu Erdrehen war (Plinfa, wenn man Pech hatte) und eine Station, an der auf einer Unzahl von Nintendo DS das neue Pokemon-Spiel angespielt werden musste (mit Plinfa in der Hauptrolle).
Selbstverständlich habe ich alles mitgemacht. Ich mein, ich stell mich doch nicht drei Stunden an, nur um dann bloß zuzuschauen.
Den Draht habe ich brilliant gemeistert, Plinfa blind, dafür unter den neidischen Blicken der anderen Eltern erraten und am Glücksrad eine freie Auswahl erdreht. Eigentlich wollte ich ja ein Plinfa haben, bin dann aber auf Anraten und Wunsch des Töchterleins auf Panpyro umgeschwenkt, den ich ihr natürlich prompt aushändigen musste.
Nur auf das Spielen am DS hab ich verzichtet.
Ich hätte vermutlich versucht, Plinfa mit dem Stylus zu erstechen.

Das hat dann unser Töchterlein für mich erledigt und damit den letzten Stempel als Beweis für die getreuliche Erfüllung aller Pflichtaufgaben abgeholt.

Den DS samt "Pokemon Mystery Dungeon" haben wir in der anschließenden Verlosung zwar nicht gewonnen, aber immerhin haben wir beide jetzt ein tolles T-Shirt. Das ist doch auch was wert.

Wer jetzt vor lauter Neid kaum an sich halten kann, dem sei hiermit gesagt: Die Tour hat gerade erst angefangen und wird bis in den November hinein forgeführt. In Frankfurt gibt es sogar zwei Termine, was sicherlich alle hessischen Leser hier ganz besonders freuen wird.

Ich aber freu mich schon auf die Pokemon-Days 2009.


Kaba gab es auch, aber nur zum Trinken. Ansonsten ist Pummeluff aber auch ein prima Pilgerziel.


Snakes on a Shopping-Mall (SOASM). Was das Bild nicht zeigt, sind die hundert Meter wartender Menschen hinter mir.


Ich überlebte den heißen Draht, ich ertastete Pokemon und hab sogar ein McDonalds-Menü überstanden (die Pommes, die es da im Moment gibt, sind übrigens klasse - so richtig mit Retro-Pommesbudencharme und -geschmack) und alles, was ich bekam, war ein lausiges T-Shirt.
Aber immerhin bin ich jetzt offizieller Pokemontrainer 2008.


- Charlotte Gainsbourg -

Ps: Ich muss mich korrigieren. Foto Eins zeigt selbstverständlich nicht Pummeluff, sondern Knuddeluff. Der aufmerksame Leser wird es gemerkt haben.
Noch ein Ps: Meine Tochter hat natürlich nicht für mich Plinfa auf dem DS mit dem Stylus erstochen. Das könnte ich schon noch selber. Sie hat aber brav das neue Pokemon-Spiel angetestet. Und ich habe dafür den Stempel bekommen.
Letztes Ps: Gestern nochmal Batman. Diesmal ohne Pause. Das ist schon ganz schön hart. Trotzdem immer noch ein fantastischer Film.

Montag, September 01, 2008

Hanging on the telephone

Jetzt mal Hand aufs Herz, Herrschaften:
Kettenbriefe sind doch so was von bescheuert, oder?
Ich erinnere mich ja noch an von Hand geschriebene und teils fotokopierte Exemplare, die man ja dann selber noch einmal hätte abschreiben sollen und dann an 10 bis 10.000 geliebte, wahlweise auch ungeliebte Menschen weiterschicken musste, andernfalls einen der Blitz bei der Verrichtung auf dem stillen Örtchen treffen würde.
Tat man es aber, so verhieß die frohe Kunde des Geschreibsels Glück, Segen des Herren und Wohlstand auf immerdar.
Irgendwann war die analoge Epoche zu Ende und die Post, mutmaßlicher Urheber und einziger Nutznießer dieser Aktionen musste sich nach einer neuen Einnahmequelle umsehen.
Die Freude währte natürlich nur kurz, denn schon bald kam der erste auf die Idee, dass man diesen Mist ja auch digital versenden könne - wozu soll eine Email schließlich gut sein, wenn nicht für Viagra- und Roleximitatwerbungen sowie Kettenbriefe?
Auch hier ignorierte ich standhaft, selbstverständlich immer der Gefahr ewiger Verdammnis ins Auge blickend.

Aber jetzt wollen sie mich mürbe machen, diese Idioten.
Jetzt arbeiten sie mit SMSen.
Ich bekam nämlich unlängst jene frohe Botschaft auf mein Handy gesimst:

„Mein schutzengel fragt mich: was ist dein größter Wunsch? ich antwortete; pass auf den menschen auf der diese nachricht gerade liest. schicke diese an 10 leute den du das wünscht weiter und dein wunsch geht in erfüllung. schickst du sie an 17 leute, bekommst du die person, die du liebst. unterbrichst du diese kette so verlierst du die person“

Rechtschreibfehler habe ich selbstverständlich der allgemeinen Erheiterung halber drin gelassen.

Jetzt mal ganz im Ernst, lieber unbekannter Nachrichtenversender: Tickst Du noch ganz sauber? Meinst Du, ich hätte nichts Besseres zu tun, als so einen Dreck auf meinem Handy zu lesen?

Und nein, ich bin keiner von den Idioten, die diese Nachricht süß, wunderbar oder auch nur schön finden.
(Solche Leute gibt es tatsächlich. Wer es nicht glauben mag, braucht nur den Text der Nachricht bei Google einzutippen und die darauf folgenden Suchergebnisse anzuschauen. Aber Obacht: Spätestens nach dem dritten Treffer droht Augenkrebs von all dem Geblinke und Geblitzere auf den Seiten!)

Ganz unter uns: Ich finde so etwas zum Kotzen.

Aber weil Du ja ein Freund solcher Aktionen zu sein scheinst, schreibe ich hier einfach mal Deine Handynummer hin.
Vielleicht möchte Dir der eine oder andere Besucher des Blogs ja auch so eine Knuddelwuddelschnutziwutzinachricht senden.
Viel Spaß dann damit!

0163-9252008

Solltest Du natürlich der Herr O2 oder die Frau E-Plus sein, dann darf ich an dieser Stelle zur Entdeckung eines neuen Marktsegmentes gratulieren vermutlich gibt es einen Haufen Leute, die bei Erhalt einer solchen kleinen Nachricht erstmal ihr Telefonadressbuch nach 17 weiteren Opfern durchforsten und dann mit Freuden die siebzehnfache Kurzmitteilungsgebühr abdrücken.

- Blondie -