Donnerstag, Oktober 23, 2008

Jack

Ach ja, schön wärs, wenns schön wär.
Oder um es auf sächsisch zu sagen:
Schön wär's, wenn's schö'n wä'r'.

So unschön ist es ja eigentlich gar nicht. Ich hab zwei Wochen Urlaub (von denen unschöner weise die erste schon beinahe um ist), das Internet will wieder (wenn auch um den Preis, dass ich während der Nutzung entweder gleichzeitig telefonieren müsste oder aber das Telefon ausstecke und wir somit nicht erreichbar sind. Fragt nicht.) und auch sonst hat die Zeit der Herbststürme, insbesondere des zu befürchtenden beruflichen noch nicht begonnen.
Ausserdem haben wir heute einen wunderschönen Herbsttag mit dem Versuch verbracht, Krabat nachzufolgen.
Sprich, wir waren in Schwarzkollm und Koselbruch.
Die gibt es nämlich wirklich, sie liegen in Sachsen und sind zwei unglaublich beschauliche Örtchen mitsamt ausserordentlich freundlicher Bevölkerung.
Das meine ich jetzt übrigen völlig unironisch.
Gewohnt an die übliche Berliner Muffligkeit (TM)
waren wir völlig überrascht, von einem schätzungsweise zwölfjährigen Mädchen, das mit dem Fahrrad an uns vorbeifuhr, freundlich gegrüßt zu werden.
Ebenso wie vom Rest der Bevölkerung, jung wie alt gleichermaßen.
Die Verkäuferinnen in den Geschäften (na gut, die Verkäuferin in dem einen existierenden Geschäft) bedienten höflich und zuvorkommend, ohne den Kunden als lästigen Eindrinling ins übliche Tagewerk zu betrachten und selbst die einheimischen Katzen gaben sich von ihrer besten und verschmustesten Seite und gingen fröhlich schnurrend noch ein gutes Stück des Weges neben uns her.
Schwarzkollmer Katze. Hände und Jacke wurden freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Berliner Kind.

Die umliegende Landschaft ist auch sehr reizvoll und empfiehlt sich wärmstens für Rad- und Wandertouren.
Einziger Haken: Nach Krabat (bzw. nach seinen Spuren) sollte man, zumindest zur Zeit, eher nicht suchen. Zwar gibt es einen Krabatweg, ein Krabatbier und Krabatlikör, nur die passende Mühle ist dummerweise nicht da.
Man baut zwar eifrig daran, ist aber im Moment erst bei Gesindehaus und Laubengang angekommen, sprich, von einer Mühle ist zur Zeit noch nichts zu sehen ausser der guten Absicht, eine bauen zu wollen.
Einerseits ist das ärgerlich, weil der Ort damit garantiert eine Chance verpasst hat, denn wenn das Ganze erst einmal in zwei oder mehr Jahren fertig ist, kräht kein Hahn mehr nach dem (übrigens sehr sehenswerten) Film, andererseits ist es schon fast wieder bewundernswert, wie man so einer möglichen Disneysierung entgangen ist.
Also durchaus besuchenswert, vor allem an einem so schönen Herbsttag wie heute, nur auf den Krabat-Erlebnispark muss man - zur Zeit - noch verzichten.

Krabat-Erlebnispark. Zur Zeit noch arg im Bau.

Ausserdem konnte ich auf der Fahrt natürlich meine schönsten Vorurteile hinsichtlich des lustigen Apostrophgebrauchs ausleben.
Nur mein Wunsch, aussteigen zu dürfen und der Inhaberin von "Doreen's Blumen-Eck" vorzuschlagen, sie möge es doch in "Doreen's Blumenläd'chen" umbenennen stieß auf wenig Gegenliebe bei meiner ebenfalls mitreisenden Familie, vermutlich aus Angst, wir würden dann von einem wütenden Mob gelynch't.
Möglich wär's.

Zum nicht ganz so Erfreulichen: Beim Auftritt Ende Dezember haben wir mit unerwarteten Problemen zu kämpfen. Unser Bassist ist zwar musikalisch durchaus fit und auch ein netter Kerl, gleichzeitig aber auch mit einer dermaßen ausgewachsenen Psychose belastet, dass er regelmäßig abtaucht und dann für niemanden zu erreichen und nichts gegenüber zugänglich ist.
Nachdem jetzt die vierte Probe auf diese Weise ohne ihn stattfinden musste, sind wir zu dem Ergebnis gekommen, dass man auf dieser Grundlage
a) keinen Auftritt planen, geschweige denn vorbereiten und
b) auch nicht mit ihm zusammen Musik machen kann.
Was für eben den Auftritt bedeutet, dass er zwar nicht ausfallen wird (wie ursprünglich am Dienstag noch beschlossen), aber mit einem neu anzulernenden Bassisten stattfinden muss.
Sollten wir aber trotzdem hinkriegen.
Nur schön ist das natürlich nicht.

Schön geworden ist aber - und dies noch zum Abschluss - der Gruselkürbis, den unser Töchterlein und ich gemeinsam fabriziert haben.
Für unseren ersten Kürbisschnitzversuch finde ich ihn ausserordentlich gelungen. Und sehr sehr gruselig, aber davon möge man sich anhand der Bilder selber überzeugen.

In Hell - sehr beeindruckend, zugegeben, aber wenig unheimlich.

Und einmal in Dunkel - wen es da nicht gruselt, der muss schon ein ganz harter Hund sein.

- Braincap -

Ps: Kino. Ganz kurz noch, weil es sonst zu lang wird.
Krabat lohnt sich. Sehr schön gemachter Film, entstanden mit dem Segen von Ottfried Preussler, was heißt, dass er sich zwar nicht sklavisch an die - nicht minder empfehlenswerte - Buchvorlage hält, aber dessen Geschichte trotzdem sehr gut erzählt wird.
Aber eines möchte man dem Herrn Kreuzpaintner, seines Zeichens Regisseur des Films, doch mit auf den Weg geben: Wenn er glaubt, dass der Krabat-Darsteller David Kross mit Pferdeschwänzchen und pisseligem Schnauzbart reifer oder gar erwachsen aussieht, täuscht er sich leider. In dieser Optik wirkt er nämlich eher wie ein endpubertärer Jüngling, der gerade mit dem Moped zur Tanke gefahren ist und da erfolglos versucht hat, 5 Dosen Faxe für sich und seine beiden Kumpels zu organisieren.
Aber ansonsten: Schöner Film.
Film zwei, Hellboy, lohnt sich ebenfalls. Nach all den eher ernsten und teilweise auch furchtbar schiefgegangenen Superheldenverfilmungen in diesem Jahr (Hulk! Hulk!!) ein Film, der sich selbst nicht wirklich ernst nimmt und auch dazu steht, trotzdem aber mit einer ordentlichen Handlung und - dank Guillermo del Toros Einfallsreichtum - beeindruckenden visuellen Effekten aufwarten kann.
Kein großes, dafür aber sehr spaßiges Kino.

Dienstag, Oktober 14, 2008

Fist

Habe nun, ach! das Mainboard,
Den DVD-Brenner und den Hauptspeicher,
Und leider auch die Festplatte!
Durchaus ausgetauscht, mit heißem Bemühn.
Versuchte gar, den DSL-Router
Auf die neueste Firmware zu bringen
Und schoß mir damit, so scheints,
Das Internet vollkommen ab.
Da steh ich nun, ich armer Tor!
Und bin so klug als wie zuvor;
Mit Kabeln, Schrauben rings umstellt,
Mit Schraubenziehern vollgepfropft,
Urväter Hausrat drein gestopft -
Das ist deine Welt! das heißt eine Welt!

Wechseln wir lieber das Thema.
Heute stand ich vor der schweren Frage, ob ich meinen Chef beim Bowling plattmachen oder im Interesse einer möglichen Beförderung ihm den Vortritt lassen sollte.
Ich hab dann beide Spiele haushoch gewonnen.
Das mag sich rächen, wenn ich an den Ausdruck in seinem Gesicht denke,
aber um nochmal mit Herrn Göte zu sprechen:

Ha! welche Wonne fließt in diesem Blick
Auf einmal mir durch alle meine Sinnen!
Ich fühle junges, heil'ges Lebensglück
Neuglühend mir durch Nerv' und Adern rinnen.

Und das mit dem Internet muss ich wohl nochmal in Ruhe angehen.

- Deftones -

Montag, Oktober 06, 2008

True

Ach herrje, ich fürchte, es ist an der Zeit, einige ungeschminkte Wahrheiten kundzutun.

Fangen wir mal mit Nummer eins an: Alle, die ob der Einleitung des vorigen Posts in grenzenlose Bewunderung meiner lührischen Fähigkeiten versunken sind, muss ich an dieser Stelle enttäuschen.
Der Text ist gar nicht von mir. Sondern vom Herrn Prediger. Genau genommen Prediger Kapitel 3, Vers 1-8.
Und der Herr Prediger war, wie man weiß, einer der Autoren der Biebel. Die Einleitung bestand also aus Biebelversen.

Wahrheit Nummer zwei: Ich weiß sehr wohl, dass man Bibel nicht mit ie schreibt. Da ich aber im Grunde meines Herzens ein boshafter Mensch bin, will ich einfach einmal schauen, wieviele Suchanfragen nach "Biebelversen" bei mir landen, um mich hernach darüber lustig zu machen.

Wahrheit Nummer drei: Angela Merkels Tonfall bei Reden ist nahezu identisch mit dem von Walter Ulbricht. Hätte sie sich am Tag der deutschen Dreifaltigkeit hingestellt und gerufen "Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten" und hätte man diesem Ruf mit geschlossenen Augen gelauscht, so hätte man sich durchaus einen lächerlichen kleinen Mann mit Spitzbart statt einer lächerlichen kleinen Frau mit zu tiefem Ausschnitt vorstellen können.

Was uns zu Wahrheit Nummer vier bringt: Ein Grundmerkmal aller Diktatoren ist, dass sie von aussen betrachtet keineswegs bedrohlich, sondern eigentlich nur unglaublich lächerlich wirken. Hitler, Stalin, Kim, Mugabe (die Liste liesse sich nahezu beliebig verlängern) - wüsste man nicht um die Gräueltaten, die sie, gestützt von einer perfekt funktionierenden Maschinerie von Aktiven und Mitläufern begangen haben, müsste man sie doch eigentlich für bemitleidenswerte Gestalten halten, wie sie da so ihr Leben in der geschlossenen Abteilung der Psychatrie fristen. Denn da hätten sie eigentlich hingehört.
Allesamt, ohne Ausnahme.
Dummerweise merkt man so etwas fast immer nur aus zeitlicher und/oder räumlicher Distanz heraus.

Dummerweise, und das ist leider Wahrheit Nummer fünf, gibt es leider genügend Menschen, denen nicht einmal die Distanz zu solchen Einsichten verhilft und die auch heute noch den Verrückten nachtrauern bzw. ihre kranken Ideen am Leben halten wollen. Idioten, allesamt.

Und weil zuviel Wahrheit auf einmal auch ungesund ist, hör ich hier lieber auf. Ausserdem ärgere ich mich gerade jobtechnisch ziemlich, weil ich dachte, ich hätte jetzt was gefunden, was mir richtig Spaß macht, mein Chef aber der Meinung ist, er hätte etwas für mich gefunden, was mir noch viel mehr Spaß machen müsse.

Macht es aber nicht. Und das ist die Wahrheit.

- Spandau Ballet -