Montag, Mai 25, 2009

Fun, fun, fun

Ich hatte ja vor ewig langer Zeit einmal davon berichtet, dass ein in der nähe meiner beruflichen Behausung befindlicher Kinderspielplatz aus städtebaulichen Erwägungen dem Erdboden gleich gemacht wurde, um auf dessen Gelände sogenannte Stadtvillen hochzuziehen, auf etwa handtuchgroßen Grunstücken gebaute Wohneinheiten, die nach ihrer Fertigstellung für teuer Geld an Leute verkauft wurden, die es klasse finden, seit mittlerweile gut drei Jahren auf einer Großbaustelle zu wohnen.
Mittlerweile neigt sich aber der Bauprozess seinem Ende zu und wie bereits lange vorher angedrohtkündigt, ist auch ein neuer Spielplatz entstanden.
Und was für einer!
Geht man über das Spielgelände, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier der feuchte Alptraum einer von Philippe Starck mit Jean-Paul Gaultier gemeinsam im Drogenrausch verbrachten Nacht Fleisch geworden ist.
Respektive Stahl und Emaille.
Denn das sind die vorherrschenden Baustoffe auf dem Spielplatz.
Da kann man sich doch richtig gut vorstellen, wieviel Spaß es dem kleinen Jacques-Theodore macht, in die spitzen Schottersteine zu plumpsen, weil er sich mit seinen schweißfeuchten Händchen nicht mehr an der glatt emaillierten Wippe festhalten kann.

Vor dem inneren Auge entsteht auch ein hübsches Bild der Szene, wie Sven-Gustav und Kai-Malte die kleine Bridget-Jasmin in eine der völlig sinnlosen, aber sicher bereits von der Frühlingssonne gut erhitzten Edelstahlröhren stopfen, um einmal die praktischen Auswirkungen der erhöhten Sonneneinstrahlung zu testen und ein Zeichen gegen die Klimaerwärmung zu setzen.
Nein, machen wir es kurz: Dieser Spielplatz ist schlicht zum Kotzen.
Natürlich ist es für die notorisch klamme Stadt Berlin vermutlich günstiger, einmal etwas hinzustellen, was die Blagen allenfalls mit Hammer, Meißel und Eisensäge zerstört bekommen, aber ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass Kinder diesen Designalptraum tatsächlich einer Ansammlung von Holzspielzeugen samt Gebäuden, die wahlweise Ritterburg, Cowboyfort oder Raumschiff sein können, vorziehen würden, hätte man sie nur darüber abstimmen lassen.
Natürlich ist so etwas aufwendiger und kostpieliger in der Instandhaltung. Natürlich braucht so ein Spielplatz auch mehr Platz - Platz der nicht in Form von Hausgrundstücken verscherbelt und damit die Kassen der Stadt füllen kann (wobei sich - so ganz am Rande - die Berliner Finanzverwaltung bei Grundstücksgeschäften regelmäßig so abgrundtief blöde anstellt, dass nicht selten der Käufer noch Geld dafür zu bekommen scheint, dass er das Grundstück von der Stadt gekauft hat).
Meiner unmaßgeblichen Meinung nach wäre es das aber durchaus wert gewesen. Die Berliner Führungsriege teilt meine Meinung ganz offensichtlich nicht und so bleibt mir nur übrig, mich auf die nächste Senatswahl zu freuen um diese Hanseln endlich von ihrem hohen Ross der Selbstherrlichkeit herunter holen zu können.
Ich hoffe sehr, dass sich darauf mit mir noch viele andere freuen.

- Beach Boys -

Ps.: Kino: Gleich zweimal diese Woche. Film 1 wartet, wie Frau Meise schon schrob, mit zahlreichen Ungereimtheiten auf, war aber trotzdem höchst vergnüglich anzuschauen.
Die Rede natürlich ist von "Wolverine".
Ich hab ja immer gewisse Schwierigkeiten mit Filmen über Menschen, die anscheinend unsterblich sind.
Frage eins ist natürlich: Warum werden die zunächst einmal erwachsen und -zack- altern dann aber mit einem Mal kein bisschen mehr?
Frage zwei tut sich immer dann auf, wenn es eine Serie von Filmen ist: Warum sieht der jetzt älter aus als beim letzten Mal? Ich dachte, der altert nicht! Bzw. warum sieht Hugh Jackman jetzt älter aus als in X-Men 1?
Ich mein, natürlich ist die Antwort selbst für mich klar (und hey - ich bin ein Mann!), aber so richtig logisch ist das natürlich nicht.
Wer von diesen (und etlichen weiteren) größeren und kleineren Sprüngen in der Logik absieht (je nun, es ist halt Wolverine! Wer braucht Logik, wenn er solche Krallen hat!), wird über gute 100 Minuten bestens unterhalten. Die Effekte sind sehenswert, schon deswegen, weil man natürlich weiß, dass es nicht echt sein kann, aber es eben trotzdem nicht mehr wie frisch aus dem Computer wirkt.
Die Handlung geht in Ordnung; manchmal rätselt man zwar über die Beweggründe mancher Charaktere (je nun, es ist halt Wolverine! Wer braucht Beweggründe, wenn er solche Krallen hat!), aber es passiert nichts, das einen jetzt völlig kopfschüttelnd zurück ließe - vorausgesetzt natürlich, man ist bereit, sich auf die Grundprämisse des Films einzulassen.
Wer mit Superheldenfilmen nun so gar nichts anfangen kann, wird auch durch Wolverine nicht zu einem Fan, wer solche Filme aber mag, wird im Kino seine Freude haben. Wer ein Fan langer Nägel ist, sowieso.

Film 2 muss natürlich von Hause aus strenger auf die Logik achten - unvermeidbar, ist doch einer seiner Protagonisten ein unbedingter Verfechter logischen Handelns. Aber ganz unter uns - der Film pfeift auf jede Logik. Und ist dabei trotzdem gut.
Star Trek bricht mit einer Menge an Bekanntem, Gewohntem und von den eingefleischten Fans Liebgewonnenem.
Nun bin ich kein eingefleischter Fan der Serie (auch wenn ich Staffel 1 zuhause und sogar die Ausstellung zur Serie - und den Filmen - seinerzeit in Köln besucht hab) und alles nach Herrn Kirk ist relativ unbeachtet an mir vorbei gezogen, weswegen ich auch ob diverser Handlungswendungen nicht mit arg grimmendem Bauch im Kinosessel saß.
Der Trekkie (Trecker?), der natürlich als Worfs jüngerer Bruder fließend klingonisch parlierend von einer Fan-Convention zur nächsten wandelt, mag das anders sehen, aber ich war ganz froh, dass hier nicht wieder mal ein "wir haben uns im Prinzip doch schon irgendwie lieb"-Süppchen mit Herrn Picard in der Hauptrolle zubereitet wurde.
Der Film bietet gute zwei Stunden spannender SF-Unterhaltung, die Logikbrüche sind akzeptabel (schließlich ist es ja SF - die darf das) und - was mich besonders gefreut hat - die Charaktere sind toll getroffen.
Dem jungen Spock nimmt man absolut den Spock ab, Pille ist klasse und auch Kirk überzeugt.
Sulu, Uhura, Checkov und Scottie sowieso.
Man darf halt nur nicht die alten Herrschaften der letzten Filme dabei vor Augen haben.
Ansonsten muss ich zumindest dieses Mal Abbitte bei J.J. Abrams leisten - auch ohne die Rumprollerei, er habe eigentlich gar keine Ahnung von Star Trek, ist ihm ein toller Film gelungen (Lost find ich trotzdem übelst langweilig und Cloverfield dämlich).
Und ziemlich lustig ist der Film auch noch.
Kurz - was will man mehr.
Noch kürzer: Anschauen!

Psps.: Worte, die man nicht vergessen sollte: ~ Ziegenpeter ~

Ach ja: Der Typ im roten Pullover stirbt natürlich.

Mittwoch, Mai 20, 2009

Männer

Nein, üblicherweise klaue ich nicht, sondern schreibe selber.
Dieses eine Mal muss ich aber eine Ausnahme machen, geht nicht anders.
Geklaut habe ich bei der Titanic-Homepage (www.titanic-magazin.de), Verfasser ist der Herr Titze:

"Der geneigte Daddelfachmann schätzt am Kracherspiel »GTA IV« zuvörderst die konsequente Darstellung des Ganovenlebens. Zur besonderen Identifikation mit der Hauptfigur begleiten wir diese aber nicht nur zum Schutzgelderpressen und Leutetotmachen, sondern auch in die Freizeit. Das läuft dann ungefähr so: Ruft einer der virtuellen Kumpels an, stehen mehrere, immer gleiche Ausgehmöglichkeiten zur Wahl.
Ob man Bowlen, Darten oder Saufen geht, spielt keine Rolle, der Kollege findet’s immer dufte. Auf der Fahrt spulen beide nach dem Zufallsprinzip einen von zwei Dialogen ab, während der konzentrierten Verrichtung der Freizeitaktivität wird dann nicht mehr geredet. Läßt man die Verabredung unentschuldigt sausen, bleibt das folgenlos – die Pixelhomies stehen bei Anruf ohne ein Wort des Vorwurfs wieder parat, als wär’ nix gewesen.


Wurden Männerfreundschaften in der Kulturgeschichte je realistischer nachempfunden?

Torben Titze"

Ist das nicht wunderschön erkannt?


- Herbert Grönemeyer -

Ps.: Worte, die man nicht vergessen sollte: ~ fidel ~

Sonntag, Mai 17, 2009

With a little help from my friends

"Ey, samma riesch?"
"Wie bitte?"
"Obsch riesch?"
"Ach, ob Du riechst? Puh, kann ich echt nicht sagen, ich hab Schnupfen."
"Ey, aufs Maul?"
"Ne, wirklich, meine Nase ist zu."
"Machsn morgen?"
"Auschschlafen"
"Gansn Tach?"
"Ne, so gegen mittag werd ich schon aufstehen."
"Kommse mit Fussball?"
"Tut mir leid, Fussball ist absolut nicht mein Ding."
"Ey, Unioooon!"
"Ja, kenn ich. Spielen gut. Geh ich aber trotzdem nicht hin."

Der geneigte Besucher dieser Seite wird unschwer erkennen, dass ich im Berliner Nachtleben unterwegs war.
Grund war, wie könnte es anderes sein, ein Auftritt der Gehirnkäppchen, Anlass war einer Party des sozialen Netzwerk "Groops" zugunsten der Berliner Tafel.
Wenn man sich die Mitglieder eines solchen sozialen Netzwerks einmal anschaut, hat man bisweilen das Gefühl, dass sie zu der Gruppe von Menschen gehören, die, bevor es das Internet gab, vermutlich erst ein halbes Jahr nach ihrem Ableben in der Wohnung gefunden worden wären, weil sich niemand für sie und ihr Leben interessierte.
Bevor ich jetzt hier aber die Blogtrolle anlocke (die sich zur Zeit bei Frau Lily ob ihrer These tummeln, dass man für all die Schnutzi-Wutzi-Glitzerkram-Fanaten mit ihrem virtuellen Gebussele sowie auch für die in infantilem Gebrabbel daherschreibenden Gestalten, die schreiben wie sie sprechen, ein Parallelinternet einführen müsste, in dem sie sich austoben können, ohne andere zu belästigen - eine These, die ich übrigens aus tiefstem Herzen unterstütze), muss ich an dieser Stelle gleich anmerken, dass ich meine Meinung zumindest weitestgehend revidiert habe.
Die Herrschaften waren nämlich tatsächlich richtig gut drauf, hatten sichtlich Spaß und sind - o große Freude - unglaublich mitgegangen.
Aus unserer Sicht besonders schön war natürlich, dass die eigenen Stücke, die wir beinahe ausschließlich gespielt haben, richtig gut ankamen.
Vielleicht werden doch noch reich und berühmt.
Oder reich.
Oder berühmt.
Auf jeden Fall ein Abend, der mir weitaus besser gefallen hat als unser Auftritt zwei Wochen vorher in Neuruppin, auch wenn da Bühne und Tontechnik um Welten besser waren.
Aber wie schon Konfuzius sagte: "Was nützt dir die geilste Bühne, wenn kein Publikum davor steht!"
Ich glaub, es war Konfuzius. Oder Ilja Richter. Oder ich hab es mir halt selber ausgedacht.
Unsere Gage haben wir selbstverständlich auch an die Tafel gespendet, so gehört sich das an so einem Abend ja auch.
Und wo ich eh schon meine Meinung über soziale Netzwerke geändert habe, könnte ich jetzt auch gut Mitglied werden.
Was nämlich noch fehlt, ist eine Gruppe der Ego-Shooter-Freunde, die sich regelmäßig zum geselligen Ballern trifft.
Mal sehen, was sich da machen lässt.
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Kulturell war die Woche auch sonst recht ereignisreich; ins Kino hab ich es zwar wieder einmal nicht geschafft, dafür zu einem Konzert.
Beth Hart heisst die Dame (CDs gibt es bei Amazon aber tatsächlich zu kaufen - einfach mal danach suchen und reinhören), kommt aus Amerika und ist hierzulande - zu Unrecht - ziemlich unbekannt. Dabei hat sie wirklich ein feines Stimmchen, kann Gitarre und Klavier spielen und führt einen damit zwangsläufig wieder einmal zu der Frage, wie es sein kann, dass sich hier farb- und talentlose Luschen Superstar schimpfen dürfen, aber echte Talente praktisch unbemerkt durch Miniclubs tingeln und vor knapp 100 Leuten spielen müssen.
Hoffen wir mal, dass sich das noch ändert - verdient hat sie es.
Ausserdem hat sie gegen Ende ein so schönes Lied als Danke an ihre Eltern gesungen, dass man sich einfach nur noch zurücklehnen und sagen wollte: Siehst Du, so ein Stück ist der Grund, weswegen auch unsere Tochter Klavierunterricht bekommt.
Vier Mal tritt sie im Rahmen der Tour noch in Deutschland auf - die knapp 20 Euro fürs Ticket sind meiner unmaßgeblichen Meinung nach kein rausgeworfenes Geld.

Nächste Woche dafür wieder ganz schlicht Kino. Wird langsam auch mal wieder Zeit.

- Joe Cocker -

Ps.: Worte, die man nicht vergessen sollte: ~ Schnabeltasse ~

Mittwoch, Mai 06, 2009

Zombie

Selbst der ohnehin abnehmende Mond war hinter einer Wolke verschwunden. Die Nacht war finster, viel dunkler, als er es sich gewünscht hätte. Natürlich war die Straße nicht beleuchtet, aber er hoffte, dass ihr Zustand noch so gut war, dass er kein Schlagloch übersehen und sich beim Hineintreten den Fuß verstauchen oder gar brechen würde.
Das war nur wirklich kein Ort, an dem man gerne einen Unfall gehabt hätte.
Blöder Gedanke, schalt er sich, als ob es irgendeinen Ort gäbe, an dem man gerne einen Unfall hätte!
Plötzlich hörte er zu seiner Linken ein schabendes Geräusch. Irritiert schaute er in die Richtung, konnte aber in der Schwärze der Nacht nichts erkennen.
Wind kam auf. Wieder dieses Schaben.
Und mit einem Mal hing ein modriger Geruch in der Luft, der Geruch von etwas, das bereits seit mehreren Jahren vergraben war und nun seinen Weg nach oben zurück gesucht hatte.
Seine Augen versuchten die Finsternis zu durchdringen.
War da nicht etwas links von ihm? Etwas, das unförmig und regungslos verharrte und auf ihn zu lauern schien? Auch rechts ein Schatten. Ebenso hinter ihm.

Endlich besaß der Wind die Kraft, die Wolken vor dem dünnen Mond zu vertreiben.
Und als er sah, was ihn eingekreist hatte, wusste er nicht, ob er losschreien oder hysterisch loslachen sollte.
Es waren Untote, die ihn da angrinsten. Eine Armee der Vergessenen.

Und dann fiel es ihm wieder ein: Natürlich, in Kürze würde doch wieder das europäische Parlament gewählt werden.
Und hier waren sie jetzt alle, die in Brüssel Entsorgten, die Abgeschobenen, die längst vergessen Geglaubten.

Zum Glück nur auf Wahlplakaten.

Ich weiß ja nicht, wie es in anderen Städten aussieht, aber Berlin wird ja zur Zeit von diesen Plakaten förmlich überschwemmt.
Die Grünen werben mit „Wums“[sic!], die FDP mit einem Konterfei der immerhin halbwegs ansehnlichen Frau Koch-Mehrin, die CDU führt einen grimmig blickenden Bartträger und den Slogan, dass nur sie durch die derzeitige Krise steuern könnten, in Feld, die Linken sind völlig unauffällig und die SPD verscherzt es sich in beinahe beneidenswert genialer Weise mit so ziemlich jedem denkbaren Koalitionspartner, in dem sie zum Thema FDP dichtet „Finanzhaie würden FDP wählen“ (wollte die SPD nicht mit denen künftig auf Bundesebene?), der Linken gibt man mit auf den Weg „Heiße Luft würde die Linke wählen“ (eine brillante Idee, solche Poster aufzustellen, wo doch gerade der rot-rote Senat in Berlin noch exakt eine Stimme Mehrheit hat) und die CDU kriegt ihr Fett weg als „Dumpinglöhne würden CDU wählen“ (ist sie nicht mit denen auf Bundesebene na ja, geschenkt).

Inhaltliche und/oder programmatische Aussagen spart man sich sicherheitshalber (natürlich quer durch alle Parteien) - klar, so etwas würde den blöden Wähler ja eh nur verwirren.
Nach der Wahl wird dann das große Jammern und Wehklagen losgehen, weil die Wahlbeteiligung mit vermutlich viel Glück bei etwa 42 Prozent liegen wird.

Mal im Ernst: Diese Gestalten, die da jetzt tatsächlich wie die Zombies ihrem Brüsseler Grab entsteigen, fünf Jahre lang Kopf und Füße fein still halten und von deren Existenz man allenfalls dann erfährt, wenn einer ihrer Vertreter in eine bereit stehende Kamera tönt, dass das Versenden einer SMS von Griechenland nach Deutschland jetzt nur noch 35 Cent kostet oder die Norm zur Krümmung der Gurke durch die Verordnung zur Änderungsverordnung jetzt grundlegend überarbeitet worden sei, diese Gestalten wollen jetzt ernsthaft an mein demokratisches Grundverständnis appellieren?
Wenn ich nicht einmal weiß, wofür sie stehen und was sie getan haben in den letzten Jahren?
Ich erwarte keineswegs eine detaillierte Berichterstattung über jeden einzelnen Tag, aber ein wenig mehr als Wahlplakate 6 Wochen vorher und ein bunter Luftballon mit Parteiaufdruck fürs Kind darf es dann schon sein.
Schließlich behaupten die Typen ja, sie würden mich und meine Interessen vertreten. Und da möchte ich dann natürlich schon mal sehen, in welcher Form ihnen das tatsächlich gelungen ist.

And now to something completely different.

Wie bereits vor einiger Zeit angekündigt, haben wir am letzten Wochenende ja im Brandenburgischen musiziert, genauer gesagt, in Neuruppin beim Drachenbootrennen.
Als gewisse Schwierigkeit erwies sich ja in diesem Zusammenhang, dass unser Bassist in einem Schub psychischer Verwirrung beschloss, vier Wochen vor dem Termin das Handtuch zu schmeißen und die Band zu verlassen.
Keine schöne Ausgangssituation, aber wir hatten riesiges Glück: Der Bassist der Band, die mit uns gemeinsam den Proberaum nutzt, erklärte sich zum Mitspielen Bereit, und da er ein musikalisch hochfitter Bursche ist, hat er es auch mühelos geschafft, bis zum Stichtag alle die Stücke zu lernen, die wir in Neuruppin spielen wollten.

Der Tag kam, wir hatten unglaublich schönes Wetter, eine gigantische Bühne mit hervorragender Technik und einem Mann am Mischpult, der mit dieser Technik auch umzugehen wusste. Wir waren natürlich hoch motiviert und der Soundcheck tat sein Übriges, diese Motivation bis zum Abend aufrecht zu erhalten.

Aber ach und weh!
Die Tücken des Objekts!
Erstens kommt es anders.
Draußen nur Kännchen.

Man sieht es schon, leider wurden unsere hochgesteckten Erwartungen in den Auftritt nicht so ganz erfüllt.
Dazu muss man aber wissen, dass der Auftritt zweigeteilt war.
Die erste Hälfte begann um 18.45 Uhr und sollte dazu dienen, das Publikum an die Bühne zu locken, denn um viertel nach sieben sollten die Teilnehmer- und Siegerehrungen stattfinden.
1 ½ Stunden lang.
Eine gute Zeitspanne, um ein leckeres Abendessen einzunehmen (was meine Frau, unsere Tochter und ich auch taten), aber eine schlechte Zeitspanne, um das Publikum, das erschöpft vom warmen Tag, der anstrengenden Ruderei und der ewig langen Siegerehrung (und eventuell auch von dem einen oder anderen Bierchen) noch mal richtig zum Mittun zu animieren.
Dementsprechend leer war es dann auch zu unserem zweiten Block, der, um dem Festzeltbetreiber, der ab halb zehn seine eigene Band an den Start ließ, nicht vor den Kopf zu stoßen, auch noch radikal um 6 Stücke gekürzt werden musste.
Ich muss natürlich zugeben, dass das Jammern auf relativ hohem Niveau ist, weil „dementsprechend leer“ immer noch ca. 500 bis 600 Leute bedeutet, die aber, da der Platz relativ groß war, zumindest aus Bühnensicht etwas verloren wirkten. Vor der Bühne schien das noch etwas anders zu sein, wie uns hinterher bestätigt wurde.

Halb zehn war also Schluss und wir konnten, leicht geknickt, die Instrumente abbauen.
Während die Kollegen sich dann auf den langen Weg nach hause machen mussten, konnten meine Familie und ich (dank rechtzeitiger Reservierung eines Hotelzimmers) noch die Nacht in Neuruppin verbringen und am nächsten Tag nach einem ausgedehnten Frühstück entspannt Richtung Berlin gondeln.

Der Veranstalter rief dann übrigens noch mal an, bedankte sich für die tolle Musik und erklärte, dass das sicher nicht das letzte Mal gewesen sei, dass wir dort gespielt hätten - ein versöhnlicher Abschluss.
So sah es aus
Die nächste Chance, uns zu hören (für all die, die jetzt von grenzenlosem Bedauern geplagt werden), ist übrigens schon ganz bald, nämlich am 15.05. im „Haus der Sinne“ im Prenzlauer Berg.
Erstens gibt es da neben wenigen gecoverten Sachen auch ganz viel Eigenes von uns zu hören und zweitens wird der gesamte Gewinn des Abends - inklusive unserer Gage - der Berliner Tafel gespendet.

Also wenn das nicht genug gute Gründe sind, um mal nach Berlin zu kommen, dann weiß ich auch nicht.

- Cranberries -

Ps.: Worte, die man nicht vergessen sollte, heute Leserwünsche: ~ Humbug ~
(Mit Dank an Meise)