Dienstag, August 25, 2009

100 Mann und ein Befehl


"1000 Störche und kein Edeka", stöhnt meine Tochter.

Recht hat sie ja. Da sind wir keine 12 Kilometer von einem der größten Hallenbäder der Welt entfernt, aber der Bäcker hat montags zu. Der Fleischer auch. Man könnte an der Straße eingelegte Spreewaldgurken und selbstgemachten Honig kaufen, aber was ist das schon, wenn man dringend ein Tütchen Haribo-Fruchtgummis braucht?
Immerhin - ein Edekaschild. Das zeigt irgendwie diffus nach links, aber eine Wanderung in diese Richtung hat uns auch nur zu weiteren Störchen geführt.
Kein Edeka. Plus heisst jetzt Netto, gibt es aber auch nicht. Lidl sowieso nicht. Von Aldi ganz zu schweigen.
Was bleibt mir da nur abschließend festzustellen?
Toll ist es hier! Einfach schön!
Der Spreewald liegt für uns gerade mal 2 - 2 1/2 Autostunden von Berlin entfernt und es ist doch eine ganz andere Welt.
Die Natur ist fantastisch und wirkt ziemlich unberührt, das Paddeln auf den schmalen Wasserwegen macht einen Heidenspaß und sogar die Mücken haben sich sehr bedeckt gehalten.
Gertrud, eine unserer beiden Begleitenten

Mein Haus, mein Auto, meine Yacht.

Die Leute sind freundlich, das Essen ist gut und am Dienstag haben dann auch Bäcker und Fleischer wieder auf. Was uns aber nicht weiter gekümmert hat, weil wir da nämlich die Tropical Islands besucht haben.
"Maschinerie zur fortgeschrittenen Beutelschneiderei", mag da manch einer denken. Nicht ganz zu Unrecht, denn was immer man dort auch anstellen will, kostet extra.
Rutschenturm benutzen? 3,50 Euro pro Nase. Indoor-Spielplatz? Ebenso. Minigolf? 3,50 Euro.
In der Welt der Computerspiele hieße so etwas "Micropayment". Keine großen Beträge, aber es läppert sich in der Summe.
Aber auch hier kann ich nur wieder sagen:"So what?"
Erstens macht man so etwas ja nicht jeden Tag. Zweitens muss man es ja nicht machen. Niemand zwingt einen mit vorgehaltener Pistole zur Ausleihe eines Minigolfschlägers. Oder zum Besteigen des Rutschneturms. Drittens kann man auch ohne das Alles einen schönen Tag erleben (und sogar seine eigenen Lebensmittel in der Kühltasche mitbringen). Außerdem gibt es, anders als in jedem normalen Schwimmbad, praktisch keine Zeitbeschränkung - nachdem man drin ist, kann man auch ohne Aufpreis bis drei Uhr morgens drin bleiben, erst dann wird der Preis für eine Übernachtung fällig.
Zugegeben, für eine größere Familie (ab vier Personen) kann das ein teurer Spaß werden, aber zu zweit oder zu dritt ist das noch machbar.
Aber wer hinmöchte: Frühling, Sommer, Herbst.
Auch wenn es im Winter verlockend erscheint - ich hab mir sagen lassen, dass es dann in der Halle doch relativ kühl ist.
Mittwochs haben Bäcker und Fleischer immer noch (oder wieder?) auf, eine gute Gelegenheit, noch ein paar Einkäufe zu machen, bevor es dann wieder nach Hause geht.
Außerdem führt uns der Rückweg noch am Museumsdorf Glashütte vorbei.
Ein Örtchen, das viel Wert auf den Erhalt seiner Beschaulichkeit und auf das Geld seiner Besucher legt.
Hätte ich eine gescheite Kamera dabei gehabt, hätte man auch die Schmetterlinge erkennen können.

Gelegenheit, Kohle loszuwerden (teils im Tausch gegen Glas oder Keramik) hat man jede Menge, an manchen Geldabgabestellen kommt man sich auch ein wenig wie unnützer Ballast vor ("Legen Sie doch den Geldbeutel einfach da vorne hin und gehen wieder, ich nehm dann schon, wenn ich was brauche!"), aber es ist ein sonniger Tag, die Gärten haben was sehr Anheimelndes und es lässt sich entspannt durch den nicht allzu großen Ort schlendern.
Unsere Tochter hat dann noch stolz selber eine Glaskugel geblasen und der Zupfkuchen war auch wirklich lecker.


Ach ja, den Edeka haben wir dann doch noch gefunden. Der Wegweiser war nicht völlig falsch, man musste ich nur etwa 7 Kilometer folgen (Störche einfach rechter Hand liegen lassen) und schon war man da.

- Freddie -

Ps.: Worte, die man nicht vergessen sollte: ~ Protze ~

Psps: Kino. Ein paar Mal in letzter Zeit. Neben Harry Potter (ok bei einigen Längen), Hangover (witzig) zuletzt in "Coraline".
Machen wir es kurz: Wem "Nightmare before Christmas" und "Corpse Bride" gefielen, der wird auch diesen Film mögen. Die Stop-Motion-Technik ist auf hohem Niveau, die Handlung auf gehobenem Kinderbuchniveau (ein kleines Mädchen, das sich von seinen Eltern vernachlässigt fühlt, gelangt durch eine geheimnisvolle kleine Tür in eine parallele Welt, in der seine "anderen" Eltern ihm jeden Wunsch erfüllen und immer für es da sind. Dummerweise muss das Mädchen feststellen, dass in dieser wunderbaren Welt doch nicht alles so schön ist, wie es zuerst zu sein scheint.) und die Charaktere allesamt sehr skurril - besonders gefallen haben mir die beiden ehemaligen Schauspielerinnen, für die es leider immer nur zu zweitklassigen Rollen gereicht hat ("King Leer", "Julius Sees Her") und die jetzt ihre Zeit damit verbringen, sich gegenseitig anzugiften, Engelsflügeldeckchen für ihren vermutlich bald von ihnen scheidenen Schnauzer zu häkeln und ansonsten eine veritable Sammlung bereits verblichener, aber ausgestopfter und mit eben jenen Engelsflügeln versehener Hunde ihr eigen nennen. Hübsche Idee.
Kann man also ganz beruhigt auch als Erwachsener anschauen. Am Besten in 3D, soweit möglich.
Kinder unter zehn sollten allerdings draußen bleiben, auch wenn die FSK das etwas anders sieht.