Montag, September 21, 2009

Smells like teen spirit

Ja, wir haben wieder Lebkuchen im Haus.
26 Grad Aussentemperatur ist zugegebenermaßen nicht die ideale Grundlage dafür, aber es gibt Dinge, zu denen muss man sich einfach überwinden. Immerhin ist bald schon wieder Weihnachten und da muss man ja schließlich in Stimmung kommen.
Leider sind die guten Schoko-Nuss-Nikoläuse von Milka noch nicht erhältlich; zurzeit müsste man sich eher auf Halloween-Süßwaren stürzen, aber die finde ich durch die Bank nicht so prickelnd. Die haben sowas Amerikanisches, denen fehlt jeder besinnliche Touch, wie ihn ein Schokonikolaus nunmal verströmt.
Ich hab immer noch praktisch keine Geschenke, weiß aber immerhin schon, was ich mir so alles wünschen könnte.
Das heißt, genau genommen habe ich im Moment zwei Dinge für meine Liebste und zwei Dinge, die ich auf meinen Wunschzettel schreiben kann. Das Kind hat sich noch gar nicht geäussert.
Das ist nicht gerade viel und es sind nur noch 95 Tage bis Weihnachten. Könnte eng werden.

Was gibt es sonst noch?
Die S-Bahn in Berlin fährt praktisch immer noch nicht, dafür sind alle anderen Berliner Nahverkehrsmittel so ziemlich ausgelastet. Es ist recht kuschelig zurzeit in der Bahn, unabhängig von der Aussentemperatur. Die Steh- und Sitznachbarn gestatten mir einen tiefen Einblick in ihren Musikgeschmack und nicht selten auch in ihre Ess- und Hygienegewohnheiten.
Wenn ich wieder einmal feststellen muss, dass die Dame neben mir gestern abend wohl einen Knoblauch-Zwiebel-Auflauf zu sich nahm und der junge Herr schräg gegenüber anscheinend seit mehreren Tagen mit einem Duschendefekt zu kämpfen hat, stelle ich mir doch die Frage, warum die Wissenschaft nicht schon längst einen Walkman für die Nase entwickelt hat.
Die Ohren kann man gegen lästige Geräusche abschotten, warum nicht auch die Nase?
Einfach die Nasenstöpsel einführen und schon wird man während der ganzen Zeit von Wohlgerüchen umschmeichelt.
Lebkuchen, zum Beispiel.
Also, liebe Wissenschaftler, arbeitet mal dran. Ich würde euch dann auch für den Nobelpreis vorschlagen.
Oder mindestens das Bundesverdienstkreuz.

- Nirvana -

Freitag, September 18, 2009

Ich bau Dir ein Schloss

Manchmal habe ich das Gefühl, dass es Berlin nur deshalb gibt, damit der Menschheit ein Beispiel für glühende Unfähigkeit im öffentlichen Sektor präsentiert werden kann.
Dabei will ich jetzt gar nicht auf den im Rest der Republik weitestgehend unbeachtet gebliebenen Totalausfall der S-Bahn hinaus, der einer grandiosen Kombination aus Gier, Rücksichtslosigkeit und Unfähigkeit zu verdanken ist - nein, ich bin da unlängst auf etwas anderes gestossen.
Ich hol mal ein bisschen aus:
In Berlin gab es bis vor nicht allzu langer Zeit ziemlich mittig gelegen ein Schloss, dass den seinerzeitigen Herrschern als Wohnsitz diente. Nachdem schon der Irrsinn des gut zwölf Jahre dauernden tausendjährigen Reiches dafür gesorgt hatte, dass dieses Schloss nicht'mehr so ganz intakt war, hat dann der darauf folgende Staat gleich Nägel mit Köpfen gemacht, den Rest auch noch eingeebnet und an seiner Stelle einen nicht gerade ansehnlichen Bau errichtet, der von manchen "Palazzo Prozzo", von anderen wiederum "Erichs Lampenladen", von den meisten aber als "Palast der Republik" bezeichnet wurde.
Eben jener Bau war nach dem Ende eben jener Republik zahlreichen Leuten ein Dorn im Auge, weswegen man den Abriss beschloss ("Rückbau" hieß das im Fachjargon). Die Asbestfunde in dem Bau waren ein willkommenes Zusatzargument.
Um aber den riesigen Platz nicht zur Brache verkommen zu lassen, beschloss man ebenfalls, an Stelle des DDR-Palastes das Humboldtforum zu erreichten, auf dass dieses ein kulturelles Zentrum im Zentrum Berlins werden möge.
Und da sich die neue Berliner Republik doch ein wenig gestrig gewandt gibt, verfügte man gleichermaßen, dass eben jener Neubau ein Fassade bekommen möge, die dem ursprünglichen Bau, nämlich dem Berliner Stadtschloss entspräche. Das Geld hierfür, schlappe 80 Millionen, wollte ein privater Verein durch das Anschnorren der Bürgerschaft eintreiben. Immerhin, 11 Millionen hat man seit 2004 beisammen, die restlichen 69 Millionen bis 2010 zu beschaffen kann ja nicht allzu schwer sein.
Was aber jetzt das das Ganze (soweit überhaupt noch möglich) in noch Absurdere dreht, ist die Tatsache, dass man unter dem Gelände, auf dem das Schloss (mit der neuen alten Fassade) gebaut werden soll, Kellerräume des echten alten Schlosses in durchaus gutem Zustand fand.
Statt nun aber zu sagen "Oh, wie fein, echte alte Sachen! Kein Berliner Disneyland, sondern das Original. Das werden wir unbedingt für die Nachwelt erhalten!" geht man hin und erklärt "Ähem, tja, echtes Altes ist ja nun mal gar nicht vorgesehen. Wir haben doch schon das küntliche Alte. Weg mit dem Gerümpel!"
Sprich, die Keller sollen noch archäologisch dokumentiert und dann aber beseitigt werden, obwohl eine Einbeziehung in den Bau durchaus möglich wäre.
Man könnte ja zum Beispiel, wenn es denn ums Geld geht, auf die künstlich alte Fassade verzichten und dafür mit den eingesparten Mitteln denecht alten Keller konservieren. Wäre durchaus denkbar. Wird aber wohl nicht passieren. Ich verstehe es nicht und weiß auch nicht, ob es jemanden gibt, der mir die innere Logik dieses Vorgehens vermitteln kann.

Ich gestehe, das ist viel Geschreibsel und viel Aufregung, die man in anderen Teilen Deutschlands vielleicht gar nicht so nachvollziehen kann. Aber es ist wieder einmal so symptomatisch für das Handeln in Berlin, bei dem es die oberste Maxime zu sein scheint, das Hirn unbedingt auszuschalten, bevor man sich an die Arbeit macht.
Ach, noch eine kleine Anmerkung für alle die, die nicht in Berlin wohnen:
Der Neubau soll insgesamt 550 Millionen kosten, 440 davon steuert der Bund bei. Wenn Ihr also in Zukunft mal nach Berlin kommt, freut Euch - Ihr seid jetzt Schlossherren und -damen.

Allerdings ohne Keller.

- Neue Heimat -

Ps.: Ich sitze jetzt hier vor meinem Yes-Torty und puste die vier Kerzen aus, die darin stecken. Gestern ist der Blog nämlich vier geworden und ich möchte mich an dieser Stelle bei allen bedanken, die hier (mehr oder minder regelmäßig) hereinschauen und (mehr oder minder regelmäßig) Kommentare hinterlassen, auch wenn ich in den Frühzeiten (dem Blog-Paläozoikum quasi) durchaus aktiver war.
Nun ja, man wird nicht jünger und das Schreiben will auch nicht immer so leicht aus den gichtigen Fingern fließen wie damals noch.
Trotzdem danke für die Treue und bleibt mir weiterhin gelegentlich gewogen.

Euer Falcon

Psps:
Im Kino war ich leider nicht; offensichtlich haben etliche Lichtspielhäuser in meiner Nähe nicht an den Erfolg von Inglourious Basterds geglaubt und diese daher gar nicht erst ins Programm aufgenommen. Schade, aber im Zweifelsfall gibt es ja spätestens zu Weihnachten die DVD.
Dann jetzt also einen anderen Programmhinweis:
Sollte man seine elektronischen Geräte danach aussuchen, wie gut sie sich werfen lassen, wenn sie mal nicht funktionieren? Und falls ja - was macht man dann, wenn der Drucker nicht druckt, aber zu schwer zum Werfen ist?
Welche Gedanken gehen einem durch den Kopf, wenn dieser zwischen den Stäben eines denkmalgeschützten Brückengeländers festklemmt?
Und kann man eine Camcordertasche anziehen, wenn man seine Mütze nicht findet?
Wer sich mit solchen und ähnlichen elementaren Fragen bislang vergeblich auseinandergesetzt hat, findet jetzt die Lösung:
Horst Evers liest!
Und gibt neben den Antworten auf die oben genannten Fragen auch noch Lebenshilfe in Sachen "Was wäre, wenn ich Paris Hilton wäre?", "Wieso empfiehlt es sich, gerade dann Urlaub auf dem Reiterhof zu machen, wenn man selber nicht reitet?" und "Kann man eine Antivirensoftware auf einem Wasserhahn installieren?".
Lebenshilfe pur also.
So der gute Herr Evers zu Gast in einem Mittelzentrum in der Nähe des einen oder anderen Lesers ist, sei der Besuch seiner Veranstaltung hiermit dringend angeraten.
Auch, wenn natürlich nicht jeder soviel Glück hat wie ich und eine Karte zu dieser recht langen, aber äusserst kurzweiligen Veranstaltung von seiner Liebsten zum Geburtstag geschenkt bekommen zu haben.
Lohnt sich aber auch dann, wenn man den Eintritt selber bezahlen muss.

Pspsps.: Worte, die man nicht vergessen sollte: ~ Rädelsführer ~