Mittwoch, Oktober 14, 2009

I Want To Conquer The World

In unserem Haushalt sind wir zu 66 Komma Periode 6 der festen Überzeugung, dass mit zwei Katzen und einer gelegentlich durchs Wohnzimmer schlendernden Spinne ausreichend Haustiere vorhanden sind.
Die restlichen 33 Komma Periode 3 Prozent werden vertreten von unserer Tochter, die meint, ein weiteres Lebewesen könne ja wohl kaum schaden, schließlich seien die zwei Katzen ja schon für die Eltern reserviert und eine Spinne keineswegs ihr Wunschhaustier.
Nachdem wir Hund, Hamster, Fische und Erdmännchen vehement abgewehrt haben, hat sich unsere Tochter jetzt aufs Wissenschaftliche verlegt.
Langjährige Leser dieses Blogs (oder solche, die in den Archiven stöbern) werden sich erinnern, dass ich vor etwa 3 1/2 Jahren schon einmal einen famosen Plan zur Eroberung der Welt ausgetüftelt hatte. Unterstützung hatte ich mir seinerzeit von Üpps mit Gimmick erhofft, und zwar in Form einer vielköpfigen Urzeitkrebsarmee, mit der ich zunächst Berlin zu überrollen gedachte und hernach die Weltherrschaft übernehmen wollte.
Das Ganze scheiterte damals daran, dass ich anscheinend ein Päckcken mit faulen Krebseiern erwischt hatte.
In dem stylischen Aquarium wuchs nur ein weißliches Klümpchen heran, das sich dazu auch nicht im Geringstens bewegen wollte. Im Nachhinein vermute ich ja fast, dass dieser scheibare Urzeitkrebs letztlich nur der Tatsache zu verdanken war, dass unsere Katze einmal ins Aquarium geniest hatte.

Unsere Tochter ist da weitaus cleverer. Statt auf den Zeitschriftenmarkt zu bauen, hat sie gleich eine ordentliche Summe ihres Taschengeldes in eine Kosmos-Krebszuchtanlage investiert, den Herrn Vater zur Beschaffung von destilliertem Wasser und echt griechischem Meersalz bewogen und damit das Ganze auf wesentlich solidere Beine gestellt als ich seinerzeit.
Nach dem Einrühren der Eier in das ordentlich gesalzene Wasser begann eine zweitägige Phase zähen Wartens, bis sie jetzt feststellen konnte:

SIE LEBEN!

Man denke sich an dieser Stelle zuckende Blitze im Hintergrund und ein stark verhalltes und ausgesprochen diabolisches Lachen, das selbst Vincent Price vor Neid hätte erblassen lassen.
Ich würde es ja gerne im Bild demonstrieren, aber erstens schafft unser Fotoapparat es nicht, das Gewusel hunderter, kaum einen Milimeter großer weißer Striche hinreichend scharf abzubilden, ausserdem darf ich auf Geheiß unserer Tochter auch den Blitz nicht einsetzen, weil die Kleinen ja verschreckt werden könnten.

Während meine Frau und ich schon über die Genießbarkeit von Urzeitkrebsen diskutieren und im Internet nach Rezepten für Krebssüppchen und Krebsauflauf à la Mesozoikum fahnden, kümmert sich unsere Tochter mit hinreißender Fürsorge um die Kleinen, die laut Bastelanleitung wohl zurzeit nur ein Auge (und das auf dem Rücken!) und einen ausgelagerten Mund haben.
Irgendwann sollen sie dann auch etwas weniger wie Plankton aus Spongebob Schwammkopf aussehen und bis zu einem Zentimeter groß werden.
Bis dahin werden wir uns wohl auch entschieden haben, ob wir sie jetzt essen oder uns lieber mit ihrer Hilfe die Welt untertan machen wollen.

Ich sag dann rechtzeitig vorher bescheid.

- Bad Religion -

Freitag, Oktober 09, 2009

Give peace a chance

Ich schätz mal, ich bin nicht der erste, der mitbekommen hat, dass der Herr Obama den Friedensnobelpreis bekommen soll.
Kann man natürlich drüber streiten.
Bzw. mehrfach geteilter Meinung sein.
Zum Beispiel darüber, dass er nominiert wurde, als er keine zwei Wochen im Amt war.
Oder darüber, dass er bis jetzt weder in Afghanistan noch im Irak den Krieg beendet hat (was wohl auch für ihn nicht ganz einfach sein dürfte).
Darüber, dass auf Kuba immer noch der ein oder andere Mensch, der zum Beten gen Osten blickt, möglicherweise zu Unrecht das schöne Wetter dort genießen darf.
Kann man drüber diskutieren, klar.
Ich finde es trotzdem gut.
Dass er so früh nominiert wurde, ist für mich ein Zeichen dafür, welche große Hoffnung in ihn gesetzt wurde. Eine Option auf eine zwar noch ungewisse, aber dringend herbeigesehnte Änderung.
Und dass er jetzt den Preis bekommt, sollte zumindest einem Teil der Idioten in seinem eigenen Land, die von der Theorie, dass er ja eigentlich gar kein echter Amerikaner ist, weil er ja in Afrika geboren wurde und dann vermutlich per Anhalter ins Land of hope and glory kam bis hin zur Überzeugung, dass er sowieso mindestens gesteinigt gehört, weil er mit der Einführung einer Pflichtkrankenversicherung für alle Bürger ja statt der Förderung des amerikanischen Gesundheitswesens vielmehr die Ausrottung der Rentner im Sinn habe jeder noch so abstrusen Wahnvorstellung nachhängen, weil es einfach nicht in ihr Weltbild passt, dass ein linksliberaler Schwarzer jetzt die Geschicke von god's own country leiten soll, das Maul stopfen und ihm Rückenwind geben.
Ausserdem ist der Zug politisch recht geschickt, weil er jetzt gar nicht mehr anders kann, als einen Kurs einzuschlagen bzw. fortzusetzen, der die Welt wenigstens wieder ein bisschen friedlicher macht, als sie es zur Zeit ist.
Klar kann man auch drüber streiten, ob der Nobelpreis so aktuell und politisch sein soll.
Auch hier finde ich: Ja, das soll er.
So schön es ist, das Menschen für ihr Lebenswerk geehrt werden, so viel schöner ist es doch, wenn mit einer solchen Ehrung Weichen für ein Lebenswerk gestellt werden, dass allen einmal nutzen könnte.

Nennt mich einen Träumer, aber ich glaube, da bin ich nicht der Einzige.

- The Beatles -

Mittwoch, Oktober 07, 2009

White Christmas

ICH.
WILL.
WEIHNACHTSMARKT.
UND.
SCHNEE.

JETZT.

Das ist doch furchtbar - draußen ist schwülstes Sommerwetter, mal ist der Himmel blau (wie gerade jetzt), mal ist er grau (wie gerade jetzt), zwischendrin schüttet es mal und über allem ist es auch noch eklig warm.
So kann das ja wohl nicht weitergehen, Herrschaften!
Anderswo darf man um diese Zeit schon den ersten Frost von der Scheibe kratzen und hier muss man noch mal das Netz-Muscleshirt vom Sommer aus dem Schrank kramen.
Ich möchte jetzt Lebkuchen und heissen Pfefferminztee mit Honig und Zitrone, aber unsere Tochter hat meine Frau beauftragt, Zutaten für ein Sommererfrischungsgetränkt einzukaufen.
Anfang Oktober!

Baumkuchen!
Röstkastanien!
Dicke Männer mit weißen Bärten in roten Mänteln, die Dreijährige in Angst und Schrecken versetzen!
Das will ich.
Und zwar ein bisschen plötzlich!

Bis es soweit ist, werden wir übernächste Woche nochmal für ein paar Tage in den Spreewald fahren - nur falls wir uns vorher nicht mehr lesen.
Wahrscheinlich wird genau das die Initialzündung für kaltes, nasses und trübes Herbstwetter sein.
Natürlich nur, bis wir wieder zurück kommen.

- Bing Crosby -

Montag, Oktober 05, 2009

Bourgeois Shangri-La

Boah, näh, Werbung.
Hört mir auf damit.
Im Moment laufen im Fernsehen wieder einige Werbespots, die, um es einmal etwas direkter auszudrücken, mir nicht nur auf den Sack gehen, sondern gleich einen ganzen Steptanz dort aufführen.
Werbung ist ja fast generell widerlich. Die, die nicht widerlich ist, ist idiotisch.
Da frage ich mich schon manchmal, welche Zielgruppe damit geködert werden soll.
Und ob die Schwachköpfe, die sich die Werbung ausdenken, im Leben auf die Idee kämen, aufgrund ihrer Werbung das zu kaufen, was da beworben wird.
Mindestens genau so dämlich sind natürlich die Verantwortlichen, die hoffen, mit dieser Art von Werbung Käuferschichten anzusprechen.
Und die Dritten im Dämlichkeitsbunde sind eben jene Käufer, die durch solche Spots tatsächlich zum Kauf des Produktes animiert werden.
Genug des Geredes, hier meine aktuellen Top 3 der übelsten Werbespots, die aktuell laufen:

Auf Platz 3:
Die Sackratte, die Packratte.
Der Sachschaden, der Dachschaden.
Mach es zu Deinem Projekt!

Na klar, das ist - Jippijahjahjippijippijeah - der Hornbach-Baumarkt.
Schon aufgrund dieses Spots sollte man nur noch bei Obi kaufen, hätten die nicht die unsägliche "Wie, wo was, weiß OBI"-Werbung am Start.
Alles in allem ein guter Anlass, wieder mehr Arbeiten von echten Handwerkern machen zu lassen und diese Do-it-yourself-Märkte großräumig zu meiden.

Auf Platz 2:
"Haben Sie schon einmal an einer wissenschaftlichen Studie teilgenommen? Ich gerade jetzt erst. Nämlich zum Thema "Ich habe ein dummbatziges Grinsen im Gesicht - wer möchte mir spontan in die Fresse hauen?"

Ich würde mich da durchaus eine halbe Stunde für anstellen.
Schon für den Spruch "Probieren geht über studieren" hätte die Actimel-Grinsebacke eine ordentlich Tracht Prügel verdient. Sollte das tatsächlich ein echter Student sein, kann man nur hoffen, dass ihn seine Kommilitonen Tag für Tag so lange lauthals auslachen, bis er das Studium schmeißt und seinen wohlverdienten Platz unter einer Brücke einnimmt. Sollte er ruhig mal versuchen, wie das so ist - ich sag nur "probieren geht über studieren!".

Auf Platz 1 unangefochten:
Du bist nicht da, um zu schweigen. Informiere Deine Umwelt über Dein Leben, Deine Erfahrungen auf der Sonnenbank, Deinen Stuhlgang. Auch wenn Sie es nicht wissen will. Auch wenn Sie Dir nicht aus dem Weg gehen kann, weil Du lautstark in der U-Bahn in Dein Handy blökst.
Das ist Deine Zeit!

Ganz gräßlich. Schon die Einblendung von Sascha Lobo, dem hahnenkammbewehrten Internet-Dummschwätzer verursacht starke Übelkeit bei mir, die auch keineswegs dadurch gemildert wird, dass eine grausliche Coverversion von David Bowies "Heroes" im Hintergrund abgenölt wird.
Nein danke, da nehme ich doch lieber Verbindungsabbrüche bei 1&1 in Kauf, bevor ich zum König der Telefonzufriedenheit, Vodafone wechseln würde.

"Mannmannmann, ist der Herr F. aber wieder in grummeliger Stimmung", mag da manch einer murmeln.
"Kann ihn denn nichts aufheitern?"

Doch, kann es. Einen Werbespot gibt es, bei dem krieg ich regelmäßig gute Laune.
Nämlich der für den neuen iPod Nano.
Nicht des Gerätes wegen - ich mein, ein MP3-Player, der Filme drehen kann.
Wow.
Unglaublich.
Sowas wollte ich immer schon haben.

Nein, ist gelogen. Das scheint mir so ziemlich eine der allerunnotwendigsten Funktionen zu sein, die ein MP3-Player an Bord haben müsste.

Aaaaber - die Musik da Hintergrund, die macht einfach gute Laune. Bei mir zumindest.
Und zwar so gut, dass der Fernseher selbst dann heil bliebe, wenn vorher Hornbach, Actimel und Vodafone beworben worden wären.
Das Stück heißt übrigens wie dieser Post, Stammt von einer Dame namens Miss Li und ist gerade im kalt-trüben Herbst wärmstens anzuempfehlen.

Ebenfalls wämstens anempfehlen möchte ich noch eine kleine Comedy-Sendung, die der NDR zwar immer recht geschickt in seinem dritten Programm verbirgt, und zwar sonntags abends kurz vor Mitternacht,
die ich aber trotzdem beireits mehrfach zu sehen geschafft habe und die mir zumindest bislang immer ein amüsantes Viertelstündchen - denn länger ist sie leider nicht - bereitet hat.
"Dennis und Jesko" heißt sie und zu sehen ist sie immer irgendwann am späten Sonntag Abend auf Nord 3.
Lohnt sich.

- Miss Li -

Ps: Noch zwei Dinge anzumerken, mit einem weinenden und einem lachenden Auge: Das weinende steht für den Herrn Trainbuk, der zumindest blogtechnisch von uns gegangen ist. Ich hoffe, dass er sich im echten Leben allerbester Gesundheit und auch aller sonstigen Wonnigkeiten des Lebens erfreut und vielleicht gelegentlich einfach mal so hier vorbei schaut.
Das lachende Auge gilt der Frau Daria, die neu in die Liste gerutscht ist ("Vorsicht, bissig!"). Auch wenn sie keineswegs immer meine Meinung teilt (was mir natürlich völlig unverständlich ist), trägt sie doch viel zu anregenden Diskussionen bei. Ein Besuch bei ihr sei hiermit anempfohlen.