Mittwoch, Februar 24, 2010

I'm sorry

Hach, Sprache ist doch was Feines.
Schauen wir uns doch mal einfach das folgende Beispiel an:
Da hat jemand was Schlimmes getan. Also nicht jetzt so Pillepallezeug wie besoffen autofahren.
Ne, was richtig doll Schlimmes. Sagen wir mal, sowas wie Kindesmissbrauch.
Nur so als Beispiel.
Und dann geht sein Chef, der es wußte - oder hätte wissen müssen - hin und erzählt mit vor Ergriffenheit über den eigenen Mut bebenden Stimme, dass er sich und seine Firma gleich mit entschuldigt.
Ist das nicht toll?
Er kann sich selber entschuldigen!
So ruckzuck weg die Schuld.
Finde ich klasse. Sowas sollte vielmehr Schule machen.
"Angeklagter, geben Sie zu, mit einem Schnellfeuergewehr 17 Menschen erschossen zu haben?
"Ja, und dafür möchte ich mich in aller Form entschuldigen!"
Und schon kann er als freier Mann den Gerichtssaal verlassen.
Hat sich ja schließlich entschuldigt.
Alles ist gut.
Die Sonne scheint wieder.
Die Vöglein zwitschern.
Und die einzige aus unserer Regierungskasperltruppe, die genügend Arsch in der Hose hatte, den hohen klerikalen Herren mitzuteilen, dass sie ja nicht gerade die Aktivsten seien, was die Aufklärung dieser widerlichen Geschichten angeht, muss sich auch noch anpflaumen lassen.
Ok, mit welchem Recht meckert sie auch?
Der Mann hat sich ja schließlich entschuldigt!
Da kann sie ihm doch jetzt nichts mehr vorwerfen.
Wär ja auch zu gemein.
Und die Übeltäter wurden ja auch schleunigst in die Dritte Welt entsorgt, weil, der Neger merkt das ja nicht so.

Nein, die katholische Kirche darf sich nicht selbst entschuldigen. Jedes einzelne Opfer hätte es verdient, dass jeder der Würdenträger bis zu seiner Majestät Papst Ratzinger persönlich vor ihm zu Kreuze kriecht und um Verzeihung bettelt.
Und ich könnte jedes einzelne Opfer verstehen, dass diese Verzeihung verwehrt.

Der Trick mit dem Entschuldigen funktioniert übrigens nur bei Katholen. Evangelen müssen zurücktreten.
Damit wir uns da nicht falsch verstehen - alkoholisiert Auto zu fahren finde ich zum Kotzen.
Das Auto ist potenziell eine Waffe und genauso wenig, wie ein Betrunkener ein Gewehr in die Hand gedrückt bekommt, sollte er Auto fahren.
Dass zufällig nichts passiert ist, kann als Ausrede nicht gelten.
Aber die Sau, die da in den letzten Tagen medial durchs Dorf getrieben wurde, war doch ein veritables Wildschwein im Vergleich zu dem eher moderaten Ferkel, das in Folge der unzähligen aufgedeckten Fälle von Kindesmissbrauch einmal verschämt aus dem Stall lugte.
Vielleicht sollte sich Frau Käßmann einen Wechsel ins katholische Lager überlegen.
Da hätte sich dann der Papst entschuldigt und alles wär wieder gut.
Na gut, sie hätte da allenfalls in der Kirchenküche beruflich was werden können (immerhin hat Paulus schon seinerzeit festgestellt, "die Weiber sollen in der Gemeinde schweigen, denn es kann ihnen nicht gestattet werden zu reden, sondern sie haben sich unterzuordnen..."), aber wenigstens hätte sie dann nach einem ordentlichen Schluck vom Messwein hinterher nicht den ganzen Bettel hinschmeißen müssen.

Gibt es denn gar nichts Schönes zu berichten?
Doch, ich war mal wieder im Kino.
"Heroes Night" ward gegeben. Heißt, ein Film läuft einen Tag früher. Manchmal Mist, dieses Mal "Shutter Island".
Ich mag Leonardo diCaprio nicht besonders.
Weder mit "Romeo und Julia" noch mit "Titanic" konnte er mein Herz erobern (was nicht zuletzt aber auch an der grausigen Musikuntermalung beider Filme liegt).
Dieser Film ist anders. DiCaprio spielt hier einen Polizisten im Amerika der 50er Jahre, der mit seinem Partner in eine auf einer Insel gelegene Nervenheilanstalt reist, um dort das Verschwinden einer Patientin aufzuklären.
Während er seiner Arbeit nachgeht, wird er mehr und mehr von Ereignissen heimgesucht, die ihn zuerst an der Lauterkeit des Klinikpersonals, dann allmählich aber auch an seinem eigenen Verstand zweifeln lassen.
Der Film ist eindringlich gespielt und spannend bis zum Ende - und Leonardo ist tatsächlich ein guter Schauspieler.
Wenn jetzt noch die Typen in den Reihen hinter einem, die wahlweise Idiotenwitze reißen oder alternativ lautstark über ihre Sexpraktiken diskutieren sowie ihre ebenso halt- wie hirnlos gackernden weiblichen Begleiterinnen Kinoverbot auf Lebenszeit bekämen, wäre der Genuß komplett.
Aber man kann ja nicht alles haben.
Trotzdem: Reingehen!

- Brenda Lee -

Dienstag, Februar 16, 2010

Hallelujah

Ich darf hier vielleicht einmal aus der heutigen Internetausgabe der "Augsburger Allgemeinen" zitieren (Hintergrund sind die seit kurzem bekannt gewordenen Fälle, in denen Priester Jugendliche missbraucht haben):

"Der Augsburger Bischof Walter Mixa hat sich im Interview mit unserer Zeitung von den Missbrauchsfällen tief berührt gezeigt. „Es gibt wenige Nachrichten, die mich so erschüttern und betroffen machen“, sagte er. Nahe gehe ihm, dass selbst Priester „in entsetzlicher Weise schuldig werden können“. Solche Täter versündigten sich an der Psyche ihrer Opfer und gegen die Kirche. Allerdings sei sexueller Missbrauch von Minderjährigen ein verbreitetes gesellschaftliches Übel, das auch in Familien, Schulen oder Sportvereinen auftrete.

Bischof Mixa betonte, an diesen „abscheulichen Verbrechen“ sei die „sogenannte sexuelle Revolution sicher nicht unschuldig“. „Wir haben in den letzten Jahrzehnten gerade in den Medien eine zunehmende Sexualisierung der Öffentlichkeit erlebt, die auch abnorme sexuelle Neigungen eher fördert als begrenzt“, sagte Mixa. „Besonders progressive Moralkritiker“ hätten sogar eine Legalisierung von sexuellen Kontakten zwischen Erwachsenen und Minderjährigen gefordert."

Muss ich dieses verlogene Verhalten noch kommentieren?
Sollte ich etwas zum Thema "Splitter im Auge des Nachbarn, Balken im eigenen Auge" sagen?
Ich glaube, nicht.

Nur soviel: In diesen Momenten weiß ich wieder einmal, dass mein Kirchenaustritt die richtige Entscheidung war.

- Leonard Cohen -

Samstag, Februar 13, 2010

Politics

Hartz IV ist anstrengungsloser Wohlstand?
Na, ich will es mal so sagen:
Ich habe dieses arrogante Arschloch nicht gewählt.
Und allen, die es getan haben und jetzt jammern, das hätte man doch nun wirklich nicht ahnen können, möchte ich nur eines empfehlen: Haltet doch einfach die Fresse!

- Korn -

Mittwoch, Februar 10, 2010

Winter

Bääh.
Draußen sieht es jetzt so aus.

Und so.

Und das schon seit über einem Monat.
Es ist so kalt und trüb, dass man gar nicht mehr vor die Tür möchte.
Warum sollte man auch, wenn man doch daheim die hat?

Die hat nämlich zu meiner großen Freude die Frau Lily für mich gefertigt.
Weil ich doch ob meiner kalten Füße gejammert habe und mehr noch ob der Tatsache, dass meine beiden Liebsten mit handgefertigten Socken verwöhnt wurden, nur ich nicht.
Und dass ich, selbst wenn man mich verwöhnen wollte, dies doch nicht geschehen lassen könne, da ich eine furchtbare Schurwollallergie habe und alles ganz übel zu jucken anfängt, wenn es mit Schafwolle in Kontakt gerät.
Und da hat sich die Frau Lily meiner erbarmt und rasch ein paar kleine Synthetics geschoren, um mir aus deren Fell Socken zu fertigen.
Mundgeklöppelt sind sie, soweit ich weiß.
Und passen wie eine Eins.
Wie man hier sehen kann.

Und wärmen die Füßchen dermaßen gut, dass man den Winter gar nicht mehr wegwünschen mag.
Also nochmal ein riesengroßes Dankeschön aus dem fernen Osten in den wilden Westen.

Was gibt es noch Erwähnenswertes?
Die Berliner S-Bahn fährt immer noch unregelmäßig, wer also nicht dringend nach Berlin muss, soll seinen Besuch auf wenigstens diesen Sommer verschieben.
Da ist es dann auch deutlich wärmer - schließlich hat ja auch nicht jeder so aparte Socken zur Hand wie ich, wenn es ihn an den Zehen friert.

Weiterhin habe ich im Rahmen einer wissenschaftlichen Versuchsreihe festgestellt, dass es deutlich einfacher ist, das Innenohr einer Katze mit hellem Fell per Kugelschreiber mit einem Smiley zu verzieren als das einer Katze mit dunklem Fell - bei der sieht man nämlich so schlecht etwas.
Besser geht es noch mit einem feinen CD-Marker, abzuraten ist hingegen von einem Druckbleistift.
Und ja, die Katze hat mich immer noch lieb, zumindest war sie heute morgen wieder sehr aufdringlich.

Ja, ich geb es zu, der anhaltende Winter lässt einen auf dumme Gedanken kommen. Ich würde mich ja gerne auch anderweitig beschäftigen, zum Beispiel ins Kino gehen, aber "Surrogates" läuft nur noch in der 23.00 Uhr-Spätvorstellung am Wochenende und von "Avatar" ist jede verdammte Vorstellung immer noch restlos ausverkauft. Vielleicht nächste Woche.
Apropos Kino.
War ich natürlich trotzdem.
Und zwar in "Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen".
Sehr schöner Film, wieder einmal für Kinder genauso gut geeignet wie für Erwachsene - vorausgesetzt, die Erwachsenen waren in den 80ern Kinder oder zumindest Jugendliche und erkennen damit einen Atari-Joystick als solchen. Und die weiteren Anspielungen im Film auch als solche.
Die Handlung ist schlicht - der junge Flint, der auf einer den USA vorgelagerten Insel groß wird, sieht sich selber als begnadeten Erfinder. Leider sind seine Erfindungen eher wenig alltagstauglich; Rattenvögel und Fernseher, die, um bedient zu werden, zu ihrem Besitzer laufen können, sich dann aber aus dem Staub machen, sind nicht wirklich das, worauf die Welt gewartet hat.
Als gerade der wirtschaftliche Niedergang der Insel, die ihren Wohlstand aus dem Sardinenfang zog, bis jemand feststellte, wie eklig Sardinen eigentlich sind, besiegelt zu sein scheint, schlägt Flints große Stunde.
Er hat nämlich eine Maschine entwickelt, die aus Wasser jedes beliebige nahrungsmittel synthtisieren kann - eine neue Attraktion für die Insel, vor allem, weil er die Maschine versehentlich in den Himmel geschossen hat und das Essen jetzt herabregnet.
Welche Rolle in der Geschichte ein gefräßiger Bürgermeister, ein hyperaktiver Polizist, ein Vater, der immer in Fischereimetaphern redet und ein südamerikanischer Kameramann, der gleichzeitig auch Arzt, Pilot und Kernphysiker ist, spielen, sei an dieser Stelle nicht verraten - nur soviel: Es macht Spaß, diesen Film zu schauen und es herauszufinden.
Also, klare Empfehlung.
3D ist dabei eine nette Dreingabe, nicht zwingend erforderlich, aber dank einiger gut eingesetzter Effekte den Aufpreis wert.

So, kurzer Blick auf meine Liste. Ich wär dann durch für heute.
Noch Fragen irgendwer? Dann bitte ab damit in die Kommentare.

- Tori Amos -

Montag, Februar 08, 2010

Two Hearts

Wen es interessiert, warum ich nicht so genau weiß, ob ich "Modern Warfare 2" nun toll oder furchtbar finde, der darf sich gerne hier über meinen Zwiespalt informieren - und natürlich auch seinen Kommentar dazu abgeben.

- Phil Collins -

Dienstag, Februar 02, 2010

Eins und eins, das macht zwei

Ich hab da ein Problem.
Mein DSL-Anschluss zickt ja bisweilen rum. Auch meine Internet-Telefonie will nicht so, wie ich es gerne wollen täte. Sprich, die Leitung ist nach zwei bis drei Minuten einfach so weg.
Unschön, das.
Genau wie die tägliche Leitungsunterbrechung gegen 1 Uhr des morgens.
Meine ehemaligen WoW-Mitstreiter können da ein Liedlein von singen.
Oder der Herr Womble und der Herr Supermark, mit denen ich gerne schon einmal die XBox unsicher mache und die dann plötzlich ohne Scharfschütze im Hintergrund dastehen.
Auch nicht schön.
Nun ist ja mein Internetz, wie bereits hinlänglich beklagt, von der Firma 1&1.
Die hatte sich ja zum Teil durch einen eher ruppigen Kundendienst nicht gerade weiter empfohlen.
Andererseits leben wir ja in der vielbeklagten Servicewüste Deutschland, da muss das vielleicht so sein.
Aber was jetzt passiert, macht mir dann doch Angst.
Kurz nach meinen eher unterdurchschnittlich positiven Erfahrungen mit der 1&1-Servicehotline beschließt man dort, den Herrn D'Avis zu meinem persönlichen Ansprechpartner zu ernennen.
So weit, so gut, so fein.
Aber der jüngste Werbespot macht mir nun doch Angst. Da erklärt eben dieser Herr D'Avis (Marcell, für seine Freunde), dass man für den Fall, dass sich ein Problem nicht aus der Ferne lösen ließe, persönlich vorbei komme und nicht eher gehe, als bis dieses Problem gelöst sei.
Und da bin ich nun doch sehr erschrocken.
Was, wenn das Problem mit dem Telefon ein schwerwiegendes ist?
Dann hab ich hinterher Marcell bei mir rumsitzen und werd ihn nicht mehr los.
Die Vorstellung, dass da so ein missmutig brummelnder Servicetechniker in unserer Wohnung hockt, meine Whiskey-Vorräte wegsäuft und nachts mit blutunterlaufenen Augen durch die Küche auf der Suche nach etwas Essbarem schleicht, finde ich wirklich gruselig.

Ich glaub, ich kündige einfach den Vertrag und wechsel zur Telekom. Deren Service ist zwar auch nicht besser, aber wenigstens muss ich da keine Angst haben, dass Rene Obermann eines Tages bei uns vor der Tür steht, wenn mal wieder nichts geht.

- Hildegard Knef -