Dienstag, März 23, 2010

Mein Job

"Ach, wiffen Fie, daf Gantfe ift doch eigentlif pfum Heulen!" Mitleidheischend blickte das aufgeregte kleine weiße Häschen sein stummes Gegenüber an, das ihm aufmerksam zuhörte und immer wieder verständnisvoll nickte.
Während er nach außen hin den interessierten Zuhörer mimte, verfluchte sich der Dachs im Stillen zum wiederholten Mal. "Hätte ich nur auf meine Frau gehört!" - geradezu mantraartig wiederholte er diesen Gedanken. Was war schon ein um zwei Stunden längerer Heimweg gegen die Aussicht, überhaupt nicht mehr nach Hause zu kommen. Zumindest nicht am Stück.
Tunlichst hatte er es unterlassen, das Häschen auf seine Kinder hinzuweisen, die gerade im Moment vor Angst und Kummer schier vergehen würden, wussten sie doch, welchen Pfad der Vater eingeschlagen hatte.
Das Häschen hatte sich zwischenzeitlich etwas beruhigt.
"Nein, aber mal ehrlich. Eigentlich sollte ich im Frühsommer einen neuen Job antreten. Hat man mir versprochen. Und jetzt hat der Personalchef erklärt, dass ich erst zum späteren Herbst wegkommen, weil ich bis dahin unabkömmlich sei. Und das Schlimmste dabei: Den Job, den ich eigentlich haben wollte, bekomme ich jetzt nicht mit der Begründung, dass ich ja erst so spät zur Verfügung stünde, weil ich schließlich erst im Herbst aus meinem alten Bereich heraus komme. Saftladen!"
Wieder nickte der Dachs, enthielt sich aber tunlichst jedes Kommentars.
"Ich denke jetzt daran, den ganzen Krempel hinzuschmeißen, verstehen sie? Nur raus aus dieser verdammten Eierverwertungsindustrie! Und erzählen Sie mir jetzt nichts von wegen sicherer Job und so. Hab ich schon zu Genüge gehört. 'Beschwer Dich doch nicht! Ihr Hasen habt es doch gut! Bloß ein Bisschen Eierschaukelei zu Ostern und den Rest der Zeit Nichtstun!' Sehen Sie das vielleicht auch so?" fragte das Häschen mit irre funkelnden Augen.
Der Dachs beeilte sich, energisch den Kopf zu schütteln. Insgeheim fragt er sich natürlich schon, wer so verrückt sein könnte, eine Bemerkung wie diese dem Häschen gegenüber fallen zu lassen.
Vielleicht jemand, der ohnehin mit seinem Leben abgeschlossen und nichts mehr zu verlieren hatte.
Kein Waldtier, das seine fünf Sinne beisammen hatte, hätte so etwas gewagt.
"Muss jemand mit Tollwut gewesen sein", entschied der Dachs für sich. Anders konnte er es sich nicht erklären.
Das Häschen hatte aufgehört zu reden und kam jetzt langsam auf den Dachs zugehoppelt.
"Nun ja, was belaste ich Sie mit meinen Problemen", meinte es mit freundlicher Stimme.
"Sie wollen doch sicherlich auch nach Hause zu Ihrer Familie. Reizende Kinder haben Sie übrigens! Und danke fürs Zuhören." Damit verschwand das Häschen wieder im Wald, so plötzlich, wie es aufgetaucht war.
"D-d-d-danke", murmelte der Dachs, während er hastig davonstolperte, mit immer noch zitternden Knien, aber wohl wissend, dass er jetzt um eine unglaubliche Geschichte reicher war, die noch seinen Enkelkindern in langen und dunklen Winternächten würde erzählen können.
"Opa, erzähl uns doch bitte noch einmal die gruselige Geschichte, wie Du damals dem kleinen weißen Häschen allein im Wald begegnet bist", würden sie rufen.
Und er würde sich zu ihnen setzen und anfangen, zu erzählen: "Damals, als ich eines Tages kurz vor Ostern auf dem Heimweg war und nicht, wie Großmutter es mir geraten hatte, die längere Strecke wählte, tauchte plötzlich das kleine weiße Häschen vor mir auf, das sich gerade mächtig über seinen Beruf geärgert hatte."

- Massive Töne -

Freitag, März 19, 2010

White Rabbit

"Fotos? Und wo, verdammte Scheiße, soll ich Fotos hernehmen? Kann mir das mal einer von Euch Pennern sagen?" Das kleine weiße Häschen rümpfte sein Stupsnäschen.
Immer, wenn es sich ärgerte, sah es ausgesprochen niedlich aus. Außerdem war sein Sprachfehler dann besonders gut zu hören.
Nicht, dass sich die anderen Tiere des Waldes darüber lustig gemacht oder es auch nur erwähnt hätten - zu gut war ihnen noch vor Augen, was damals mit dem Fuchs passiert war.
Der wollte eigentlich nur helfen, als er dem Häschen vorschlug, es solle doch vielleicht einmal einen Logopäden...
Nein, der Anblick dessen, was früher einmal ein stolzer und fröhlicher Fuchs war, war den anderen Waldbewohnern noch viel zu präsent vor Augen.
"Ähem, ich meine ja nur, weil manche Leser sich vielleicht davon abgeschreckt fühlen, dass hier fast immer nur Texte...", murmelte der Bär und machte sich dabei gleichzeitig so klein, wie es einem mehr als zwei Meter großen Lebewesen nur möglich ist.
"Ja, und das Layout ist auch schon seit fast fünf Jahren unverändert!", piepste ein vorwitziger Spatz.
Er war neu im Wald und wußte noch nicht, wann der Punkt erreicht war, an dem man besser nichts mehr sagen sollte.
Das würde er aber jetzt gleich erfahren - es fragte sich nur, ob er selber noch in der Lage sein würde, aus seinem Fehler zu lernen, oder ob er nur noch als abschreckendes Beispiel für die anderen Tiere dienen könnte.
"Soso, unverändertes Layout seit fünf Jahren wird also Defizit empfunden", sagte das Häschen mit einer merkwürdigen Ruhe, während es sich dem Spatzen zuwandte. Der hatte erkannt, dass er zu weit gegangen war und wollte gerade etwas zur Entschärfung der Situation sagen, als ihn ein Sonnenstrahl blendete, der von den messerscharfen Schneidezähnen des Hasen reflektiert wurde.
Die anderen Tiere zogen sich leise ins Zwielicht des Unterholzes zurück...

Verlassen wir an dieser Stelle die Szenerie, die sehr unschön zu werden droht und stellen fest, dass praktisch keinerlei Parallelen zu diesem Blog, in dem Sie, liebe Leser, gerade sicherlich mit funkelnden Äuglein, ein Lächeln der Beigeisterung auf Ihren Zügen, lesen.
Hier werden doch sicherlich die wenigen Bilder keineswegs als Problem erkannt und die Tatsache, dass dieser Blog seit fast fünf Jahren praktisch gleich aussieht, eher als Zeichen der Ruhe und Konstanz und keineswegs als gähnende Langeweile gedeutet.

Oder haben Fie irgendwelfe Probleme damit? Dann können Fie ef mir gerne fagen!

Schönes Wochenende noch!

- Jefferson Airplane -

Mittwoch, März 17, 2010

I see you

Heute mal ganz monothematisch:
Man mag es ja kaum glauben, aber nur 3 Monate nach dem Kinostart hab ich es gestern tatsächlich geschafft, mir "Avatar" anzuschauen.
In 3D natürlich.
Und bin ein wenig gespalten.
Wenn man die Bilder weglässt, bleibt als Handlungsgerüst eine Mischung aus "Der mit dem Wolf tanzt" und "Der letzte Samurai".
Nichts also, was man nicht schon einmal gesehen hätte.
Gehört übrigens auch. Wenn das zentrale musikalische Thema ansetzt, denkt man automatisch "My heart will go on". Titanic? Hier, im Dschungel?
Ein Teil der Kreaturen (vermutlich die Walker) stammen noch von Stan Winston (oder zumindest aus seinem Studio - er selber wird zurzeit eher weniger die Möglichkeit haben, nochmal Hand anzulegen) und lassen einen unweigerlich an bestimmte Szenen aus Terminator denken.
Cameron hat sich also vielfältig inspirieren lassen. Oder, unfeiner ausgedrückt: Er hat ordentlich geklaut. Bei anderen, aber auch bei sich selbst. Was ja streng genommen dann schon kein Diebstahl mehr ist.
Eher Recycling.

Aber - oh! - die Bilder. Die sind tatsächlich sehr beeindruckend.
Die Landschaften sind fantastisch - das ist mal wirklich ein Planet, der zwar dem Auge mit Dschungel und Meer Vertrautes bietet, aber trotzdem fremdartig und wild wirkt.
Die Animationen der Charaktere (auch und gerade der Gesichter) sind so gut gelungen, dass man gar nicht mehr glauben mag, dass sie aus dem Computer stammen. Was aber recht wahrscheinlich ist, denn drei Meter große blaue und leicht katzenartige Wesen, die sich geschmeidig durch einen fantastischen Dschungel bewegen, sind im Moment nur so realisierbar.
Anders ist das im Filmplot - der spielt im Jahr 2154 und da ist man in der Lage, eben diese Wesen aus Alien-DNA zu erzeugen und sie dann über einen Menschen, dessen Gene ebenfalls in dem Klon stecken, steuern zu lassen. Diese Wesen sind "Avatare", sie können nur die Basisfunktionen des Lebens eigenständig ausführen und werden mittels komplizierter Technik von Menschen, deren Geist auf sie übertragen wird, ferngesteuert.
Und warum das Ganze? Die beteiligten Wissenschaftler (darunter Sigourney Weaver) sagen, um die fremde Kultur zu erforschen.
Militär und Großunternehmen sehen das etwas pragmatischer - sie wollen die Wesen ausspionieren und anschließend umsiedeln, da sich unter ihrem derzeitigen Wohnsitz ein gigantisches Vorkommen eines Metalls ("Unobtanium") befindet, das irrsinnig wertvoll ist. Was es kann, außer zu schweben, erfährt man zwar nicht so genau, aber nehmen wir das einfach mal so hin.
Jake Sully (Sam Worthington, der so langsam der Action-Darsteller im amerikanischen Kino wird), ein querschnittgelähmter Marine, steuert eines dieser gentechnisch erzeugten Wesen. Eigentlich hätte das sein Zwillingsbruder tun sollen, aber der ist dummerweise kurz vor Beginn des Einsatzes erschossen worden.
Da Jack und er genetisch praktisch identisch sind, stellt es aber kein Problem dar, dass Jack jetzt das Wesen übernimmt.
Am Anfang spielt er ein doppeltes Spiel, gewinnt das Vertrauen der Außerirdischen und berichtet gleichzeitig dem Militär über sie.
Je vertrauter er aber mit der Kultur der Wesen wird, desto mehr erkennt er, wie falsch es ist, die Natur einfach so auszubeuten, wie die Menschen es beabsichtigen (eine Erkenntnis, die natürlich nicht neu ist, aber zum ersten Mal in Gestalt eines solchen Blockbusters dem Kinopublikum aufs Auge gedrückt wird).
Zum Ende wendet er sich von den Menschen ab und kämpft auf der Seite der Außerirdischen für deren Überleben und deren Planeten.

Man sieht, das gab es alles schon mal, aber noch nie in dieser Opulenz und optischen Brillianz.
Was gleichzeitig auch ein Problem des Films werden wird - auf DVD, in 2D und auf einem vergleichsweise kleinen Bildschirm wird der Film es schwer haben. Dann wird man mehr auf die Handlung achten und das könnte dem Film Schwierigkeiten bereiten.
Ab 100 cm Bildschirmdiagonale (oder mit einem funktionierenden Beamer, gnihihi) könnte es schon eher funktionieren.
Wer sich aber für den Film interessiert und ihn noch nicht gesehen hat, sollte es aber auf jeden Fall tun, solange er noch im Kino läuft - da wirkt er einfach am Besten. Dass er da noch einige Zeit zu sehen ist, halte ich nicht für unwahrscheinlich, immerhin war auch gestern das Kino wieder rappelvoll.

Übrigens, noch eine Warnung: Menschen mit Gleichgewichtsstörungen sollten auf die 2D-Fassung ausweichen - die beiden Damen neben mir verließen gestern fluchtartig das Kino, weil ihnen übel wurde.

- Leona Lewis -

Samstag, März 13, 2010

A view to a kill

Gar kein schöner Anblick:

Erst recht kein schöner Ablick:

Schöner Anblick:


Schaun wir einfach mal, wie lange es diesmal hält.

- Duran Duran -

Donnerstag, März 04, 2010

Leave the light on

Sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren, liebe Kinder!

Kennen Sie das?
Man hat rein beruflich gesehen schon eine Scheißwoche.
Und dann fläzt man sich des späten Abends auf das Sofa, zieht die Katze, auf die man sich gerade versehentlich gesetzt hat, unter sich heraus, startet Skype auf dem Laptop, den Beamer und Call of Duty auf der Xbox , erschießt ein paar Russen, plauscht ein wenig mit dem Herrn Womble dabei und auf einmal tut es einen lauten Knall und die Lampe vom Beamer ist durchgebrannt. Knapp 7 Monate nach der letzten.
Kostet ja auch fast nix, so eine Lampe.
Nur schlappe 250 Euro, wenn man sie billig bekommt.
Macht in einem Jahr dann etwa 500 Euro, wenn man weiter spielen möchte.
Kennen Sie das auch?
Kennen Sie nicht?
Schätzen Sie sich glücklich!

- Beth Hart -