Montag, April 26, 2010

Living in the past

Du weißt, dass Du alt wirst, wenn Du beim samstäglichen Hausputz den wirklich coolen Gag mit dem Staubsauger und dem Schrei "Kreuzt die Strahlen! Ihr müsst die Strahlen kreuzen!" bringst und Deine Tochter Dich nur verständnislos anschaut.
Ausserdem fallen mir so langsam die Haare aus. Nicht überall, aber so blöd, dass meine Stirn immer früher anfängt.
Meine Frau schlug ob dieses Ungemachs vor, ich könne doch einfach die Nackenhaare länger wachsen lassen und selbige dann schwungvoll nach vorne über die kahlen Stellen werfen.
So wirklich verlockend kling das zwar nicht, aber bevor ich auf ein Toupet ausweiche...

Was gibt es sonst noch Neues?
  • Die FDP plant Steuerentlastungen in Höhe von 16 mrd. Euro.
    Wie sie das machen wollen, verraten sie aber nicht, ich vermute, das soll eine Überraschung werden.
  • Unsere Band probt künftig donnerstags. Wenn also irgendein Bassist die Freitagsprobe als einzigen Hinderungsgrund gesehen hat, um bei uns mitzuspielen, kann er sich jetzt beruhigt melden.
  • Die Hasengeschichte ist nicht vergessen. Nur für den Fall, dass es noch jemanden interessieren sollte. Immerhin bin ich noch die Auflösung schuldig, wen die Eule kontaktiert hat. Außerdem habe ich immerhin eine vage Idee, wie es weitergehen könnte. Ich muss nur noch ein paar Fotos machen. Wenn ich mich denn mal dazu aufraffen könnte.
Sonst noch was?
Ach ja, ich schmeiß gerade einen Riesenhaufen alter Computerspielezeitschriften weg. Das fällt nur dummerweise kaum auf, weil noch soviel anderes Gerümpel hier herumsteht.
Aber ich gehe zum Flohmarkt und versuche, das Zeug zu verkaufen. Gerade im Moment habe ich mich verbindlich angemeldet - was ich ja schon seit etwa einem Dreivierteljahr immer wieder mal vorhatte. Man drücke mir die Daumen, dass ich das eine oder andere Teil tatsächlich loswerde.

Puh, ist das ein langweiliger Post. Quasi der Jostein Gaarder unter den Posts. Muss man nicht lesen. Bringt keinerlei Erkenntnisgewinn. Kostet nur Lebenszeit.
Aber Obacht! Geld zurück ist nicht!
Wo wir gerade bei Belanglosigkeiten sind: Mit allerallergrößtem Wohlgefallen habe ich heute gesehen, dass "Kleine Haie" wieder regulär auf DVD zu kaufen ist und man deswegen also nicht die Wucherpreise von bis zu 60 Euro für den Film hinlegen muss. Auch wenn er es tatsächlich wert wäre. Aber 16,95 ist natürlich noch viel viel schöner.
Wer den Film noch nicht gesehen hat, der eile hinfort und erwerbe ihn im nächsten Elektrofachmarkt seines Vertrauens.
Wer ihn aber schon gesehen hat, tue Selbiges.
Ausreden lasse ich keine gelten!

So, damit sind wir für heute fertig. Einen schönen restlichen Montag wünsche ich noch und viel Vergnügen bei der Begehung der Restwoche.

- Jethro Tull -

Samstag, April 17, 2010

Room with a view

Es gibt in den meisten Supermärkten ja diese Wände, an denen man seine private Kleinanzeige anpinnen kann.
In der Regel ist das nicht wirklich interessant, aber manchmal stößt man auch auf Perlen, bei denen man sich wünscht, dass die Handy-Kamera doch qualitativ bessere Bilder schießen würde.
Naja, man kann es ja erkennen.

Was die Dame natürlich vergaß zu schreiben, war die Tatsache, dass dem Vermieter vermutlich die Liveübertragungen aus ihren zahlreichen Kristallkugeln, das Flappen der Tarot-Karten und der Räucherstäbchenduft wahrscheinlich innerhalb kürzester Zeit deutlich stärker auf den Sack gehen wird, als der lautstarke parallele Betrieb von Fernseher, Radio und PC.
Ich bin jedenfalls dankbar, zu den aufgezählten Sternzeichen zu gehören.

Was gibt es sonst noch Neues?

Im hiesigen Media Markt habe ich mir einmal ausführlich einen neuen 3D-Fernseher angeschaut, der mit der gleichen Technik wie im Kino arbeitet, sprich, man sieht das Bild durch eine Polarisationsbrille; ohne hätte man zwei leicht gegeneinander verschobene Einzelbilder.
Gegeben wurde "Monsters vs. Aliens".
Was soll ich sagen, der Effekt ist beeindruckend. Tatsächlich wie im Kino.
Aaaber - und das bitte ich als ganz großes ABER zu lesen - das Gefühl, das man dabei hat, ist das, das man als Kind beim Schauen der Augsburger Puppenkiste hatte. Man schaut in einen Raum hinein, der tatsächlich sehr schön dreidimensional wirkt, aber mit ganz engen Grenzen ausgestattet ist, nämlich da, wo der Fernseher nun mal seinen Rahmen hat.
Und da ist das 3D dann auch schon wieder vorbei.
Im Kino überwältigt das Bild durch seine schiere Größe, im Fernseher ist davon selbst bei einer Diagonale von 46" einfach nichts mehr übrig.
Wer das Erlebnis zuhause nachempfinden möchte, soll einfach einen Schukarton nehmen, eine quadratische Öffnung in den Deckel schnitzen und im Karton eine Western-Szene mit Playmobilfiguren aufbauen. So wirkt das Bild auf einem 3D-Fernseher.
Das ist daher nicht halb so beeindruckend, wie es die Hersteller suggerieren wollen.
Abgesehen davon ist die Auswahl an 3D-tauglichem Material noch sehr eingeschränkt; selbst wenn für dieses Jahr 40 Filme (und, man staune, die Fußball-WM) in diesem Format angekündigt sind.
Dazu braucht man ausserdem noch einen entsprechenden (heißt: neuen) Blu-Ray-Player, weil die älteren Modelle den erst im letzten Jahr verabschiedeten Standard noch nicht beherrschen.
Die PS3 soll es nach Softwareupdate aber übrigens können.
Im Moment daher also ganz klar - noch - keine Empfehlung, zumal die Anschaffung ohnehin derzeit wohl nur für Menschen überlegenswert ist, die schon einen ganz krummen Rücken vom Herumschleppen der vielen schweren Geldbündel haben.


- Tony Carey -

Donnerstag, April 15, 2010

Dienstag, April 13, 2010

That's The Way I Like It

Es war aber nun in alten Tagen so, dass man Vietnamesen in Berlin überwiegend in den Bereichen Blumenhandel (legal) und Zigarettenhandel (preiswert) sah.
Und so begab es sich, dass vor einiger Zeit das VietHaus in Berlin-Mitte unterstützt mit Mitteln der immer schon großzügigen Stadt Berlin antrat, dieses Image zu ändern.
Mit vieler Hände fleißiger Arbeit baute man nun einen Laden mit Preziosen vietnamesicher Provenienz und ein Restaurant, das "Sen-Restaurant" .
Der Laden bestach damit, dass er in seinen Fenstern regelmäßig 15 Prozent Rabatt auf seine Artikel, überwiegend Vasen, Teller und imitierte Barbiepuppen in imitiert original vietnamesischer Kleidung, in Aussicht stellte.
Diese Rabattaktion war stets streng befristet und wurde unmittelbar verlängert, sobald sie ablief, was das Ganze natürlich etwas unglaubwürdig machte. Jetzt ist der Laden zu - aus betrieblichen Gründen, wohl ein anderes Wort für Pleite - was in Anbetracht der durch die Bank eher scheußlichen Artikel wenig verwundert.
Blieb noch das Restaurant.
Das lockte zur Eröffnung mit einem zweimal wöchentlich stattfindenden "All-you-can-eat"-Buffet zu preiswerten 7,50 Euro, wobei die nicht ganz so preiswerten Getränke sicher dafür sorgten, dass die Inhaber ihren Schnitt machten.
Der Laden brummte, die Bedienung war nicht die fixeste, aber freundlich und das Essen war zum gebotenen Preis ganz ok.
"Das lässt sich doch steigern", müssen die Besitzer gedacht haben und schmissen als erstes die freundliche Bedienung raus.
Jetzt war die Bedienung immer noch eher langsam, dafür aber auch etwas unfreundlicher - wenn sie denn überhaupt den Gast bemerkte. Es sollen schon Gäste gesichtet worden sein, bei denen die Kellnerin das erste Mal zum abschließenden Kassieren auftauchte.
"Da geht noch mehr", meinten die Besitzer und sorgten als nächstes aus Gründen der Gewinnmaximierung dafür, dass nicht mehr ganz so oft auf dem Buffet nachgelegt wurde. Der Name hätte nun zwar korrekter Weise in "All-you-can-eat-if-you-find-something-to eat" geändert werden müssen, aber das hätte nun wiederum nicht mehr aufs Werbeplakat gepasst. Als seltsam mögen es die Eigentümer vielleicht empfunden haben, dass das ursprünglich immer volle Restaurant nun merklich leerer wurde, aber auch hier hatten sie eine Lösung:"Erhöhen wir doch einfach den Preis!" Was sie auch prompt taten, und zwar auf 9,90 Euro. Nun ist das immer noch nicht zuviel für ein reichhaltiges Buffet in angenehmer Atmosphäre, nur war mittlerweile weder das Buffet reichhaltig eingedeckt, noch war die Bedienung gut, noch war die Atmosphäre nett.

Und so saßen die Eigentümer tagein, tagaus einsam an ihren Tischen im ansonsten leeren Restaurant und wunderten sich, warum denn keiner mehr den kulinarischen Verlockungen Asiens erliegen wollte.
Und wenn sie nicht gestorben sind, sitzen sie da noch heute und können von neugierigen Besuchern dabei bestaunt werden, immer montags und donnerstags im "Sen-Restaurant", Leipziger Straße 55 in Berlin-Mitte.

So, was haben wir noch? Ach ja, eine Idiotenregel. "Nihil, nisi bene", wie der Ägypter sagt. Oder, um es ins Deutsche zu bringen:"Über die Toten nur Gutes".
Deswegen laufen jetzt überall Gestalten mit medienwirksam in Trauerfalten gelegten Gesichtern herum und drücken der polnischen Nation namens aller Deutschen das tiefste Mitgefühl aus.
Was für eine Heuchlerbande!
Zu Lebzeiten haben sie Kollege Kazcynski ob seiner erzreaktionären Geisteshaltung Pest und Cholera an den Hals gewünscht (und ihn vermutlich gleichzeitig darum beneidet, dass er in seinem Land so etwas ungestraft machen darf) und jetzt wird er ob der gleichen Äußerungen auf einmal als großer Patriot gewürdigt.
Und warum? Weil man über Tote entweder gar nichts oder nur Gutes sagen soll?
Was für ein, sorry, Scheiß!
Muss ich jetzt lobhudeln, nur weil jemand nicht mehr lebt?
"Och, der Haider war ja gar nicht so schlecht, immerhin hat er Autobahnen - ach ne, das war ja jemand anderes."
Sollte ich irgendwann einmal zum Fan von Westerwelle werden, nur, weil er gestorben ist?
Oder Merkel eines Tages lobpreisen aus demselben Grunde?
Nein, das ist mir doch zu verlogen - der Flugzeugabsturz ist eine Kastastrophe, der Tod von 100 Menschen ist schrecklich, aber niemand wird ein besserer Mensch durch seinen Tod - und niemand wird mein Freund dadurch, dass er stirbt.
Jetzt so zu tun, als ob das anders wäre, mag im Sinne der diplomatischen Beziehungen sein, aber es zeigt auch wieder einmal, wie unaufrichtig Menschen sind, wenn sie glauben, dass es ihrer Sache dient.

KC & The Sunshine Band

Freitag, April 02, 2010

Meh' Bier


"Heude blau, un, un morn blau, un übermorn sowieso!"
Das kleine weiße Häschen torkelte lallend und pöbelnd durchs Waldesdickicht.
Zu allem Überfluss hatte es sich auch noch sein Buschmannkostüm vom letzten Karneval übergezogen.
"Wieder mal breit?", fragte der Specht.
"Voll wie eine Strandhaubitze", nickte ihm der Uhu weise zu.
"Tannenzäpfle?", wollte der Specht wissen.
"Mhm", murmelte der Uhu.

"Hassu was gesacht? OPPU WAS GESACHT HAS, FRACH ICH!"
Die beiden Vögel zuckten zusammen, nur um dann festzustellen, dass das Häschen bloß die alte Eiche anbrüllte, die schon seit über zweihundert Jahren in der Mitte des Waldes wuchs und, wie es nun mal Art der Eichen ist, völlig unbeeindruckt von den Anwürfen des Häschens einfach nur dastand.

"Letzte Nacht ist er wieder mal beim Förster eingestiegen und hat sich über dessen Biervorräte hergemacht", erklärte das Wildschwein den beiden Vögeln über ihm.
Wie auch sie war es durch den Lärm angelockt worden, den das Häschen verursachte.
"Wissen wir," meinte der Uhu.
"Einmal im Monat packt es ihn und dann säuft er sich die Hucke zu. Ist wohl nur noch eine Frage der Zeit bis der Förster ihn wie einen, wie einen..." Der Specht suchte nach den passenden Worten.
"Tollwütigen Hasen", warf das Wildschwein ein.
"Genau, tollwütigen Hasen über den Haufen schießt. Wäre er nicht an sich so ein unsyphatischer Zeitgenosse, könnte man ihn richtig gehend bedauern", meinte der Specht.
"Er kommt mit der Situation nicht klar - jetzt in dieser Zeit Stress bis über beide Ohren und den Rest des Jahres Nichtstun. Ich meine, er kann ja schlecht nach Ostern gleich schon anfangen, die Eier fürs nächste Jahr zu bemalen", erklärte der Uhu.
"Aber Alkohol ist doch nun wirklich keine Lösung", sagte der Feldhamster salbungsvoll, der gerade bei seinem Cousin im Wald zu Besuch war.
Die anderen Tiere verdrehten die Augen. Das Verhalten des Häschens war schon unschön genug, aber der Feldhamster, dessen Missionierungsversuche allen gehörig auf den Sack gingen, war beinahe noch unerträglicher.
Früher war er auch dem ein oder anderen Bierchen nicht abgeneigt, aber nachdem sich sein Großvater eines Tages volltrunken mit einem Mähdrescher angelegt - und natürlich verloren - hatte, hatte er sich geschworen, im Leben keinen Tropfen Alkohol mehr anzurühren und versuchte seitdem, auch alle anderen Tiere dazu zu bekehren.
"Ach, halt doch die Klappe!", raunzte das Wildschwein ihn an.
Beleidigt trollte sich der Hamster zurück in den Bau seines Cousins.

Das Häschen übergab sich derweil lautstark hinter einem Baum.

"Morgen wird er noch unausstehlicher als sonst sein", meinte der Specht.
"Dicker Schädel und dann das, was heute liegen geblieben ist, aufarbeiten müssen."
"Er sollte dringend mal einen Psychologen besuchen", grunzte das Wildschwein. "So kann das doch nicht weitergehen."
"Und - sagst Du ihm das?", fragte der Uhu.
Das Wildschwein schaute ihn entsetzt an. "Bin ich etwa lebensmüde? Wie wäre es denn mit einem von Euch? Ihr könntet es ihm doch aus der Luft zurufen! Da kriegt er Euch nicht."
"Irgendwann müssen wir auch mal landen. Ich sag nur 'Spatz'", antwortete der Uhu.
"Dann haben wir also nur noch eine Möglichkeit?, der Specht schaute fragend in die Runde.
Die beiden anderen schwiegen lange, dann nickte das Wildschwein.
"Wir müssen IHM Bescheid sagen."
Der Uhu seufzte. "Also gut, ich mach mich dann mal auf den Weg."
Und so lautlos, wie sie zusammen gekommen war, löste sich die kleine Versammlung auch wieder auf.

Nur aus der Ferne war noch leise das undeutliche Geschimpfe des kleinen weißen Häschens zu hören.

- Fettes Brot -