Sonntag, Mai 30, 2010

Ray of light


Na also, es geht doch.
Wenn man nicht aufpasst, schubsen sich die beiden zwar noch gelegentlich, aber im Großen und Ganzen kommen sie einigermaßen miteinander klar.
Abgesehen davon sollte ich ihnen gelegentlich mal die Frontplatte abwischen, die sauen sich nämlich beide immer ganz gerne mal ein.

Eine Sache fehlt aber noch:
Während um uns herum die Welt in die visuelle Hochdefinition eintaucht und selbst in der winzigsten Studentenbude schon ein Flachbildfernseher mit wenigstens 2 1/2 Metern Diagonale steht, sehen wir immer noch analog, niedrig aufgelöst und auf mageren 63 Diagonalzentimetern fern.
Das liegt vor allem an mir.
Ich schau zwar regelmäßig bei den Elektromärkten vorbei, schleiche unschlüssig durch die Fernsehabteilung, bekomme von dienstbeflissenen Verkaufsschergen immer, aber auch immer, das jeweilige Topmodell wärmstens ans Herz gelegt, das in der Regel so um die schlappe 2.500 Euro kosten soll und verlasse den Laden dann aber genau so regelmäßig mit leeren Händen - allenfalls noch eine DVD findet den Weg in mein Einkaufskörbchen, nur um es sich dann zuhause mit all den anderen ungesehenen Filmen in einem der zahllosen DVD-Regale gemütlich zu machen.
Ich gestehe, das ist ein für mich eher untypisches Verhalten. Normalerweise zögere ich ja nicht, diverse Scheinchen für irgendwelchen Elektronikkrempel über die Theke zu schieben - beim Fernseher funktioniert das aber irgendwie nicht.
Zum einen natürlich, weil der alte noch funktioniert. Er hat zwar ein paar Macken, aber eigentlich läuft er noch ganz gut. Und irgendwie widerstrebt es mir gewaltig, ein funktionsfähiges Gerät wegzuschmeißen. Da geht es mir wie mit Autos, die ich bislang auch immer gefahren habe, bis dann gar nichts mehr ging.
Außerdem habe ich eine emotionale Bindung zu dem Gerät aufgebaut, das immerhin schon seit knapp dreizehn Jahren in unserem Besitz ist.
Ich weiß es noch wie heute, als ich den Fernseher gekauft habe - es war der 6. September 1997.
Praktisch zu merken, weil an eben jenem Tag auch Lady Di zu Grabe getragen wurde.
Und während man das an all den Fernsehgeräten der Nation verfolgte, schleppte ich derweil unter Blut, Schweiß und Flüchen den immens schweren Fernseher aus dem Laden in meine Wohnung, verfolgt von "Candle in the Wind", das ich an jenem Tag zu hassen gelernt habe.

Die Fernsehindustrie wird sich also noch etwas gedulden müssen, bevor ich ihr unser sauer verdientes Geld in den Rachen schmeiße.
Sie wird es wohl überstehen, denn anders als wir scheinen sich noch genügend Menschen ein jährliches Fernseherupdate zuzulegen.

Ich bin dafür jetzt auch im Besitz einer dieser vielgeschmähten Deppenfähnchen. Ich konnte aber nichts dafür, denn die gab es zum Sechserpack Milchreis von Müller, den unsere Tochter so gerne mag, gratis dazu. Und zwar in die Packung eingeschweißt, so dass man sie auch nicht dezent irgendwo om Laden hätte fallen lassen können.
Ich denke, ich werde mir die Fahne an die Brille schrauben. Oder einer unserer Katzen an den Rücken binden.
Kreative anderweitige Vorschläge nehme ich aber auch gerne entgegen.
Nur ans Auto kommt sie mir definitiv nicht!

- Madonna -

Freitag, Mai 21, 2010

My Baby Baby Balla Balla

Wenn trotz Vulkanausbruch, Ölpest, Eurokrise und Angela Merkel die Größte Sorge Der Deutschen TM ist, dass Michael Ballack nicht in der Nationalmannschaft spielen kann, dann kann es uns nicht wirklich schlecht gehen.
Apropos "uns" - wieso eigentlich "unsere Jungs"? Weder die Herren, die sich um eine kleine, mit Luft befüllte Kunststoffkugel schlagen noch die, die sich am Hindukusch rumprügeln, gehören mir.
Im Gegenteil - wenn es nach mir ginge, würde ich die eine wie die andere Veranstaltung abblasen.
Das Geld, das man dann spart, könnte man sicher in sinnvollere Projekte stecken.
Oder gleich mir geben.
Aber bleiben wir doch kurz beim Fußball. Meine letzte praktische Erfahrung habe damit ich vor gut 30 Jahren gemacht. Die begann in der C-oder-sonstwie-Jugendmannschaft unseres Dorfvereins und endete noch am selben Tag, weil ich mir beim Spielen aufgrund zu enger Fußballschuhe (ich wusste damals noch nicht, dass man Adidasschuhe immer eine Nummer größer kaufen sollte als die Treter anderer Hersteller) den Nagel meines rechten großen Zehs bis herunter zum Nagelbett eingerissen hatte.
Die Schuhe habe ich dann gegen eine Mundharmonika getauscht. Ein weiser Entschluss aus heutiger Sicht, denn die Mundharmonika tuts immer noch, während die Schuhe mittlerweile wohl längst den Weg alles Vergänglichen gegangen sind.
Meine Liebe zur Musik ist mir also erhalten geblieben, meine Abneigung gegen Fußball ebenso.
Ich hab ihm noch einmal eine Chance gegeben - das war 1996, als ich mir ein Panasonic 3DO mit Fifa Soccer geholt habe.
Aber selbst in dieser Form konnte ich nicht überzeugt werden und hab dann endgültig den Ballsport zu den Akten gelegt.
Dementsprechend graust es mir auch wieder vor diesem Sommer, wenn an den Autofenstern auf ein Neues die Deppenfähnchen gehisst werden und sieges- und sonstwie trunkene Fans in Massen Berlin unsicher machen, um dann auf der Straße des 17. Juni in dumpfer, aber immerhin trauter Eintracht auf riesige Leinwände zu starren und Deutschland wieder einmal einen Sieg im Felde, und sei es auch nur das Fußballfeld, zu wünschen.
Ohne mich, Herrschafften!
Ich verabschiede mich dann schon mal für die Zeit vom 11. Juni bis zum 11. Juli aus dem öffentlichen Leben, wünsche aber allen, die es ebenso sehen, aber nicht um eine Teilnahme herumkommen, alles Gute und denen, die sich sogar freiwillig hineinstürzen, wenigstens eine gute Besserung.

- Rainbows -