Samstag, Juni 19, 2010

Mein Freund, der Baum



ist tot.

Weder Umtopfen, noch Wässern, Aufmerksamkeit oder gutes Zureden haben geholfen.
Karl-Heinz hat sich lange Jahre tapfer gehalten, aber zum Schluß hat ihn dann doch alle Lebenskraft verlassen.
Wir werden Dich nicht vergessen.


Mein Freund, der andere Baum dagegen erfreut sich allerbester Gesundheit
- soviele Kirschen wie in diesem Jahr hat er noch nie getragen. Ich fürchte fast, es sind sogar zuviele, denn sie werden mittlerweile zwar schon ziemlich rot, bleiben aber recht klein.
Trotzdem - der gute Wille zählt.

Karl-Heinz werde ich irgendwo an einem ruhigen Plätzchen beisetzen, im Schatten, denn den hat er immer so gern gehabt.
Und vielleicht, wenn ich bis zum Dezember darüber hinweg bin, werde ich mir bei Douglas einen neuen kleinen Karl-Heinz holen.

- Alexandra -

Dienstag, Juni 15, 2010

Crazy

"Also, ich wollte nur Bescheid sagen, dass Sie sich nicht wundern, wenn an ihrem Fenster Entenküken vorbeifallen!"
Um uns das zu sagen, klingelt uns der Nachbar abends um halb neun noch quasi aus dem Bett? Wir schauen ihn erwartungsvoll an, in der Hoffnung, dass er diese doch etwas kryptische Aussage etwas näher erläutert.
"Das ist nur, damit Sie nicht denken, wir würden Sachen runterschmeißen. Nein, wissen Sie, bei uns oben auf dem Balkon brütet doch eine Ente. Und es kann sein, dass sie ihre Jungen von oben runterwirft, um sie dann zum See zu bringen."
DAS klingt natürlich logisch.
"Keine Sorge, die Kleinen sind ziemlich unempfindlich, das hab ich schon ganz oft in Filmen gesehen. Denen passiert nix."
Mit diesen Worten verabschiedet er sich und marschiert in seine Wohnung zurück.
Während sich unsere Katzen bereits versonnen über die Mäulchen lecken ob des unerwarteten Futterregens schmiedet unsere Tochter Pläne, die runtergeworfenen Küken einzusammeln, um ihnen eine gute Mutter zu sein und ihnen zur rechten Zeit die Kunst des Fliegens beizubringen.
Das Kind hat ganz eindeutig zu oft "Amy und die Wildgänse" gesehen.
Wir versuchen ihr also klarzumachen, dass es gewisse Unterschiede zwischen Enten- und Gänseküken gibt und wir möglicherweise ja auch nicht immer da sind, weil wir doch zwischendurch mal in Urlaub fahren wollen.
"Kein Problem, in der Zeit kann sich ja Opa darum kümmern!", erklärt unsere Tochter.
Die Vorstellung, dass mein Vater vor einer Rotte Entenküken durch die Gegend marschiert, überzeugt mich nicht wirklich und so haben wir die Diskussion mit einem "Schaun wir doch mal, wenn es so weit ist", also einem klassischen Elternargument, an dieser Stelle abgewürgt.
***
"Bist Du verrückt? Während der WM ins Kino?", entgeistert schaut mich der Kollege an.
Ja. Gerade während der WM. Das Kino ist erfahrungsgemäß zu diesen Zeiten angenehm deppenfrei, weil die ja alle mit Fähnchen und Tröten die Biergärten belagern.

Gegeben wurde "The Crazies".

Zombies gehen eigentlich immer. Du hast partout keine Idee für einen Film? Dann mach doch was mit Zombies. So ist vermutlich auch Regisseur Breck Eisner an die Sache heran gegangen, nachdem er ja mit "Sahara" einen eher durchschnittlichen Streifen abgeliefert hat.
Die Zombiefilmliste der letzten fünf Jahre ist ja mittlerweile so lang, dass man sich fast wieder in den 70er Jahren wähnt.
Aber "The Crazies" ist einer der besseren. Im Prinzip das Remake eines Romerostreifens aus dem Jahr 1973 spielt der Film in einer verschlafenen amerikanischen Kleinstadt, deren Einwohner ganz allmählich durchdrehen und sich in gewalttätige und hirnlose Gestalten verwandeln.
Die Frage ist natürlich nicht ganz unberechtigt, ob das einen großen Unterschied zur normalen Situation in amerikanischen Kleinstädten darstellt, aber diesmal ist die Army schuld - eines ihrer Flugzeuge, beladen mit einem hochwirksamen Giftstoff, ist über dem nahegelegenen Sumpf abgestürzt und hat das Trinkwasser der Kleinstadt verseucht.
Eben diese Army versucht jetzt alles, um den Vorfall einzudämmen; die infizierten Städter werden von den gesunden getrennt und während die Infizierten in der Stadt bleiben müssen, werden die gesunden evakuiert.
Dummerweise wird die Frau des Sheriffs auch für infiziert gehalten, während er selber als gesund aus der Stadt gebracht werden soll.
Er nutzt einen plötzlich ausbrechenden Tumult, um sich unbeobachtet zu verstecken und macht sich dann gemeinsam mit seinem Hilfssheriff auf die Suche nach seiner Frau, um sich dann zum Evakuierungspunkt durchzuschlagen.
Ob das gelingt und was noch alles passiert, werde ich an dieser Stelle natürlich nicht erzählen, denn "The Crazies" ist ein Film, den man sich durchaus als Freund des Genres ansehen kann, insbesondere, wenn man Filme im Stil von "28 days later" mag - an den fühlt man sich nämlich immer wieder erinnert, obwohl ja eher das Romero-Original als Vorlage für die 28 Tage gedient haben wird.
Er bleibt durchgängig spannend und hat auch ein paar wohldosierte Schockeffekte im Angebot, die immer wieder einmal für ein erschrockenes Zusammenzucken gut sind.
Für einen Zombiefilm und in Anbetracht der FSK-18-Freigabe bleibt der Film vergleichsweise unblutig, da hat man schon durchaus Übleres gesehen; für Zartbesaitete ist er aber aufgrund einiger heftiger Szenen trotzdem ungeeignet.

Wer sich aber dem allgemeinen WM-Trubel entziehen möchte und statt verschwitzter Gestalten beim Public Viewing eher auf eine gepflegte Gänsehaut in einem angenehm leeren Kino steht, dem sei dieser Film ans Herz gelegt.
Und Breck Eisner hat offensichtlich seinen etwas ramponierten Ruf wieder soweit hergestellt, dass er zumindest für ein Remake der "Klapperschlange" im Gespräch ist.
Über die Sinnhaftigkeit einer solchen Idee kann man dann aber wieder durchaus geteilter Meinung sein.
***
So, und wo wir gerade noch beim Thema "Durchdrehen" sind.
Durchdrehen könnte ich auch das Arschloch, das die komplette rechte Seite unseres Autos zerkratzt und verbeult und sich dann aus dem Staub gemacht hat.
Und zwar durch einen Fleischwolf.
Wir sitzen jetzt nämlich auf einem Schaden von mehreren tausend Euro.
Wir sind zwar versichert, aber die Versicherung wird sich natürlich ohne greifbaren Schuldigen das Geld über die Jahre durch Erhöhung der Versicherungsprämie bei uns wieder holen.
Fair ist das nicht, schön ist das nicht.
Und ändern können wir es auch nicht.
Unsere einzige Hoffnung ist, dass die Polizei vielleicht doch noch herausfindet, wer es war.
Immerhin, so erklärte und die den Schaden aufnehmende Polizistin, sei es ja bei der Berliner Polizei wie bei "CSI, die haben nur die besseren Computer." Und da bei CSI bis jetzt noch jeder Fall in gut 45 Minuten aufgeklärt wurde, können wir ja zumindest noch ein wenig Hoffnung haben, auch wenn das für Aussenstehende ziemlich crazy scheinen mag.

- Gnarls Barkley -

Donnerstag, Juni 03, 2010

Deine Spuren im Sand



Normalerweise keine Videos.
Aber das hier ist so beeindruckend, dass es sein musste.
Stammt aus der Ukraine, aus einer Fernsehsendung, die das Äquivalent zum deutschen "Supertalent"ist, thematisiert die deutsche Invasion in der damaligen Sowietunion und zeigt ausserdem wieder mal, welche Talente es anderswo schaffen, während in Deutschland mittelmäßige Mundharmonikaspieler das Rennen machen.
Nehmt Euch ruhig die 8 1/2 Minuten, es lohnt sich.
Im Vollbild.
Mit Ton.

Mein Dank an Fabian von "Ganz kleines Kino" - dort bin ich darauf gestoßen.

- Howard Carpendale -

Mittwoch, Juni 02, 2010

Oh no no

Bitte, bitte, bitte sagt mir doch, dass es sich bei Merkels Erklärung, Zensursula als Bundespräsidentenanwärterin ins Rennen schicken zu wollen, nur um den ganz furchtbar fehlgeschlagenen Versuch eines ausserordentlich schlechten Scherzes handelt.
Ich meine, in der guten alten Zeit lief es wenigstens noch so ab, dass man zuerst Bundespräsident wurde, sich erst dann durch Inkompetenz auszeichnete ("Meine Damen und Herren, liebe Neger!", "Hoch auf dem gelben Wagen", "Lasst uns die Handelsrouten freischießen!") und damit das Amt der Lächerlichkeit preisgab. Soll das heute tatsächlich umgekehrt sein?
Und gibt es in der ganzen großen Bundesrepublik Deutschland denn keinen Politiker unter 80 mehr, der auch nur ansatzweise das Format eines Richard von Weizsäcker besitzt?
Müssen tatsächlich Knallchargen wie Jürgen "Rent-a-president" Rüttgers, Edmund "durchrasste Gesellschaft" Stoiber oder Joseph Martin "mit-Verlaub-sie-sind-ein-Arschloch" Fischer ins Gespräch gebracht werden?
Warum dann nicht gleich Guildo Horn zum Bundespräsidenten ernennen?
Das hätte immerhin den Vorteil, dass zumindest die Visitenkarten nicht neu gedruckt werden müssten, was in Zeiten heutiger Sparzwänge weiß Gott nicht zu unterschätzen ist.
In knapp 30 Tagen werden wir es aber genauer wissen, auch wenn sich vermutlich dank der gleichzeitig stattfindenden Fussball-WM vermutlich keine Sau dafür interessieren wird.
Andererseits - der praktische Nährwert des Präsidentenamtes ist ja, von wenigen Ausnahmen abgesehen, ohnehin eher gering. Soll es doch machen, wer Lust dazu hat.
Aber bitte nicht Ulla.

- Bernie Paul -