Dienstag, Oktober 19, 2010

Die Wunderwelt der Technik

Sehr geehrte Damen und Herren,

nach diversen Briefen und Anrufen, in denen Sie mir jedes Mal versicherten, wie wichtig ich Ihnen doch als Kunde bin und wie ungern Sie mich verlieren würden, weswegen Sie mir ein hervorragendes Angebot unterbreiten, das mich zum Bleiben bewegen soll, erhielt ich heute auch noch eine SMS gleichen Inhalts.
Aber wissen Sie was? Ich wäre als Kunde noch viel begeisterter, wenn Sie auf meine Störungsmeldung reagieren und dafür sorgen würden, dass ich endlich wieder ins Internet gehen kann.
Ehrlich, so etwas würde meine Kundezufriedenheit dramatisch steigern.
Im Gegensatz zu Anrufen und Textnachrichten, in denen ich jedes Mal erneut gefragt werde, warum ich denn gekündigt habe.
Ich schreibe es Ihnen aber zur Sicherheit noch einmal: Ich habe gekündigt, weil ich bis zum Zeitpunkt der Kündigung bestenfalls mit unwilligen und unfrendlichen Servicemitarbeitern zu tun hatte, die weder Willens noch in der Lage zu sein schienen, mein Problem zu beheben.
Und jetzt erwarte ich, dass Sie umgehend dafür sorgen, dass mein Internetzugang wieder funktioniert - wie das geht, sollte Ihnen ja von den letzten Malen her bekannt sein.
Ansonsten widerspreche ich ausdrücklich jeder weiteren Kontaktaufnahme zu Werbezwecken oder dem Versuch, mich als Kunden zu halten.
Selbstverständlich dürfen Sie mich aber gerne kontaktieren, um mir mitzuteilen, dass mein Internetzugang wieder möglich ist.
Im Übrigen beziehe ich mich auf die von Ihnen angepriesene Garantie:
"So beheben wir zum Beispiel Störungen, die bis 12 Uhr mittags gemeldet werden, oft noch am gleichen Tag, spätestens jedoch am nächsten Werktag. Ansonsten erlassen wir Ihnen eine monatliche Grundgebühr."
Sollte die Ihnen gestern per Mail mitgeteilte Störung nicht im Laufe des heutigen Tages behoben werden, gehe ich davon aus, dass ich für den Monat keine weitere Grundgebühr zu zahlen habe.

Mit freundlichen Grüßen

Herr Falcon


Ich hab natürlich mit meinem richtigen Namen unterschrieben.
Mal schauen, ob sie dieses Mal reagieren.

Nachtrag: 1&1 hat sich gemeldet. Man vermutet das Problem, wie jedes Mal, im Splitter. Außerdem konnte die Dame nicht verstehen, dass wir uns regelmäßig im Netz an- und abmelden.
Der Hinweis meiner Frau, dass dies vermutlich darauf zurückzuführen sei, dass wir keine völligen Internetjunkies seien und daher tatsächlich das DSL-Modem ab und an einmal vom Netz trennen (genau genommen immer dann, wenn wir den PC herunter fahren) wurde mit einer Mischung aus Unverständnis und blankem Entsetzen zur Kenntnis genommen. Aber immerhin versprach die zunehmend unfreundlicher werdende Dame die Weitergabe des Problems an die Telekom.

Die sich daraufhin mit mir in Verbindung setzende andere Dame war zumindest von Anfang an unfreundlich und genervt. Ein Techniker werde die Leitung prüfen, versprach sie, und müsse dazu eventuell in unsere Wohnung. Und zwar zwischen 14.00 und 20.00 Uhr. Meine Antwort, dass das ja prima sei, wir aber voraussichtlich erst ab 18.00 Uhr zuhause sein werden, so dass es ab dann ginge, quittierte sie mit einem "Nein, irgendwann zwischen 14.00 und 20.00 Uhr". Als ich fragte, ob sie damit ernsthaft sagen will, dass ich mir einen halben Tag Urlaub nehmen muss, nur weil eventuell und noch gar nicht sicher irgendwann vielleicht einmal ein Techniker in unsere Wohnung möchte, beantwortete sie mit einem genervten "ja, anders geht es nicht".

Ich muss gestehen, ich bin ein wenig ungehalten. Ich bin der Kunde, der fleißig zahlen darf, aber bei Problemen wie ein Bittsteller auftreten muss. Ist das deren Ernst? Oder ist das mittlerweile einfach Standard und ich lebe noch zu sehr in meiner Vorstellungstraumwelt?
"Bezahl gefälligst und halt ansonsten das Maul!"
Dann würde ich natürlich jedem in vollem Umfang recht geben, der die Servicewüste Deutschland beklagt.

- Welle Erdball -

Donnerstag, Oktober 07, 2010

Der Junge mit der Mundharmonika

Prüüüt-Pröööt
Prüüüt-Pröööt

Irritiert schaue ich von meinem Buch auf.

"Guten Morgen!"
Prüüüt-Pröööt
Prüüüt-Pröööt

Der Herr in der U-Bahn ist recht manierlich gekleidet, aber hat sich zum Schrecken aller Fahrgäste mit einer Mundharmonika bewaffnet, der er nun lautstark aber völlig unmelodisch durch bloßes Einsaugen und Auspusten der Luft Töne entlockt. Musikalische Absicht ist nicht dahinter zu entdecken.

Prüüüt-Pröööt
Prüüüt-Pröööt

"Darf ich kurz um Ihre Aufmerksamkeit bitten?"

Prüüüt-Pröööt

"Ich verkaufe hier das Magazin 'Straßenfeger', die Obdachlosenzeitung aus Berlin."

Prüüüt-Pröööt

Als ob es die Obdachlosenzeitung in Berlin gäbe!
Hier konkurrieren mindestens 3 verschiedene Magazine miteinander; inhaltlich geben die sich nichts, nur am Namen kann man noch unterscheiden, ob man jetzt die 'Motz', die 'Straßenzeitung' oder die 'Stütze' gekauft hat.
Aber mal ganz ehrlich - lesen tue ich diese Zeitungen ohnehin nicht. Dafür sind sie in der Regel entweder zu larmoyant oder schlicht zu langweilig und eine Zeitung, die ich nicht lese, brauch ich auch nicht zu kaufen. Da drück ich lieber dem Verkäufer zwei Euro in die Hand.

Prüüüt-Pröööt

Es folgt die obligatorische Einzelschicksalsdarstellung das Verkäufers, der durch sein penetrantes Mundharmonikagetute mittlerweile gut 3/4 der Mitreisenden zu Lynchgedanken verführt.

Verkauft hat er dann keine einzige Zeitung, was nicht wirklich verwunderlich ist, denn um halb acht morgens ist vermutlich niemand begeistert davon, mit schrägen Mundharmonikaklängen penetriert zu werden. Ich denke, er sollte sein Geschäftsmodell nochmal überdenken.

Prüüüt-Pröööt

Überdacht hat wohl die 1&1 ihr Geschäftsmodell. Seit meiner Kündigung bin ich offensichtlich als Kunde wieder attraktiv geworden, denn ich bekomme in letzter Zeit eine Unmenge an Schreiben und Anrufen, in denen die AG ihr Bedauern über meine Kündigung ausdrückt, nachfragt, warum ich das denn täte und mich mittels zahlloser unmoralischer Angebote zum Bleiben überreden will.
Ich habe im letzten Telefonat darauf hingewiesen, dass ich sicherlich noch Kunde der einsundeins wäre, hätte man sich in den letzten fünf Jahren mit solchem Engagement um mich bemüht, wie man es jetzt an den Tag legt - dagegen konnte dann auch der freundliche Herr (die waren tatsächlich alle freundlich und höflich!), der mir gleich noch versicherte, dass es den guten Marcell D'Avis tatsächlich gebe und dieser regelmäßig durch das Gebäude stromert, nichts sagen, ausser dem Angebot, dass ich, sollte ich doch noch einmal wechseln wollen, unbedingt die Angebote seiner Firma in Betracht ziehen möge.
Jetzt bekommt aber erst einmal die Telekom eine Chance und ich hoffentlich einen Rundumsorglosanschluss mit allem, was so dazu gehört. Ich werde berichten, ob es tatsächlich funktioniert, wie ich mir das jetzt noch vorstelle.
Aber wenn nicht, kündige ich einfach - spätestens dann kümmert man sich um mich.

- Bernd Clüver -

Freitag, Oktober 01, 2010

Hit me baby one more time

Nein, ich muss ja zugeben, ich bin echt begeistert.
War ich bis vor 3 Monaten noch der Ansicht, dass es Molotowcocktail und Pflastersteine werfender Chaoten bedarf, bevor unsere Freunde und Helfer in Grün und Blau endlich einmal ein wenig Initiative zeigen, weiß ich seit gestern, dass durchaus auch schon gefählich ihre Dritten bleckende Pensionäre oder wild mit dem Füller fuchtelnde Schüler ausreichen, um die deutsche Polizei aus ihrer Lethargie zu reißen.
Und bitte nicht immer nach Entschuldigungen suchen wie etwa "Die Demonstranten sind mit Pflastersteinen auf Polizeifahrzeuge losgegangen". Das ist nämlich blöd, wenn man solche Behauptungen später zurückziehen muss, weil sie sich als haltlos und unwahr erweisen.
Neinnein, es sollte schon Grund genug sein, dass diese sinistren Gestalten nicht schafsgleich alles das abnicken, was die führenden Köpfe unserer Nation hinter verschlossenen Türen (und wenn schon nicht zum Wohle aller, dann doch wenigstens zum Wohle einiger weniger) ausgeheckt haben.
Das lässt doch auch für die anstehenden Proteste rund um Gorleben hoffen - ob man da den finalen Rettungsschuss an der jungen Mutter bewundern darf, die ihren Kinderwagen mit unerhörter Agressivität im Rahmen der Demonstration vor sich herschob?
Vielleicht sollten wir auch sicherheitshalber eine Art deutsches Guantanamo für renitente Demonstranten einrichten? Baden-Württemberg als Standort und Kollege Heribert Rech als Lagerleiter wären doch bestimmt eine gute Entscheidung.
Und dann würde doch auch bestimmt unsere Angela einmal alle vierzehn Tage vorbeischauen und die Inhaftierten ihrer großen Betroffenheit versichern.

Nein, ich bin echt begeistert. Oder wie nennt man das, wenn man dieser Bande am Liebsten mittels Wasserwerfer und Pfefferspray das ganze großkotzige und selbstherrliche Gehabe austreiben möchte?

- Britney Spears -