Mittwoch, November 24, 2010

In the army now

"Boh, voll krass, ey! Muss isch zur Musterung, Alde! Hab isch doch extra verweigert, weil, ey, kann isch doch nisch schießen, so mit Knarre und so!"
Die Dame am Telefon erklärt mir geduldig, dass eine Bemusterung etwas anders abläuft, ganz ohne stillstehen und ausziehen bis auf die Unterhose.
Da bin ich doch sehr erleichtert, das wär ja schließlich auch ganz schön peinlich, vor der Hausbaufirma fast nackicht dazustehen.
Aber Bemusterung muss sein - das Haus, das wir gekauft haben, hat Außenwände und Zimmerwände. Und harrt ansonsten unseres Tätigwerdens.
Wobei ich vielleicht besser nicht sagen sollte "das Haus, das wir gekauft haben", denn als wir zur Musterung aufbrachen, hatten wir vor, das Haus zu kaufen, unterschrieben war noch nichts.
Von einer Kollegin bekam ich im Vorfeld fröhlich eine Horrorgeschichte nach der nächsten aufgetischt, was denn so alles bei Bemusterungen schiefgehen könne, bis hin zum darauf folgenden Termin beim Scheidungsrichter, weil man sich bei der Auswahl der Türklinken bis aufs Blut zerstritten hat.
Mit einigermaßen gemischten Gefühlen brachen wir also auf ins Bayerische, wo die Bemusterung stattfinden sollte. Nach einer halbwegs entspannten Nacht in einem örtlichen Hotel, das seine vier Sterne nicht zwingend verdient hatte (Frühstücksbrot, das schon am Abend vorher aufgeschnitten im Frühstücksraum drapiert wurde, Brötchen, die in einer komplizierten Aktion im lokalen Supermarkt nachgekauft werden mussten), standen wir dann am nächsten in den Startlöchern, um unser Haus mit den wichtigen Dingen auszustatten. Bzw. austatten zu lassen.
Ok, Fußbodenbeläge, klar, weiß man ja. Und Tapeten.
Und Wandfliesen. Und Türen.
Und Waschbecken. Badewanne. Duschen. Waschtischarmaturen.
"Möchten Sie die Wandsteckdosen in der Ausführung U.S.S. Enterprise oder lieber Millenium Falcon?", wollte die freundliche Dame wissen. (Millenium Falcon, was auch sonst?)
"Umlaufende Bordüre oder einzelne Schmuckfliesen im Bad?" (Beides - das eine in unserem Badezimmer, das andere in dem unseres Töchterleins.)
"Türklinken mit eingebauter Doppelmuffe in Bronzierung matt oder lieber dreiseitig angeflanscht in zweifach gebürstetem Aluminium-Halbprofil?" (Häh? Wir haben dann die Klinken alle durchprobiert und uns für die entschieden, die am Besten in der Hand liegt.)
Am Ende des gut dreistündigen Bestückungsmarathons waren wir wie gerädert, aber bis auf eine kurze Diskussion über die Optik der Bodenfliesen in Küche und Eingangsbereich, bei der wir uns recht schnell auf einen Kompromiss einigten, mit dem wir beide bestens leben konnten, gab es weder Streit noch sonstige Unstimmigkeiten.
Auf der Fahrt zurück ins heimische Berlin hatten wir zwar schon weitestgehend vergessen, was wir denn alles ausgesucht hatten, aber sei es drum - wir werden ja noch viele Jahre Zeit haben uns über unsere Entscheidungen zu freuen.
Außerdem mussten wir uns jetzt schon auf die nächsten, nicht minder wichtigen Termine vorbereiten - den beim Notar zur Vertragsunterzeichnung und den bei der Bank, damit wir das Haus auch bezahlen können.

- Status Quo -

Samstag, November 20, 2010

Why

Kurzer Exkurs: Der Herr OliveR witterte dunkle Mächte, mindestens aber ein Komplott von CIA, BKA und HSV hinter der Tatsache, dass die urpsrüngliche Interessentin das Haus nun doch nicht gekauft hat, obwohl alles in trockenen Tüchern zu sein schien.
Die Wahrheit ist viel banaler, weit weniger schillernd aber dafür, zumindest für die ursprüngliche Interessentin vermutlich ziemlich deprimierend:
Sie hatte sich von ihrem Mann getrennt und beabsichtigte nun, das bisher gemeinsam bewohnte Haus zu verkaufen, um von ihrem Anteil dann die Finanzierung eines neuen Hauses für sich sicher zu stellen.
Dummerweise hatte ihr Ex wohl nicht in den Verkauf des Hauses eingewilligt, mit der Folge, dass die Dame nun kein Geld für den Hauskauf hatte und deswegen von ihrer Kaufabsicht zurücktreten musste.

Das ist auch schon alles.
Keine Geheimdienste, keine Illuminaten, stattdessen einfach nur eine Trennungsgeschichte.

- Bronski Beat -

Donnerstag, November 18, 2010

This House

Wenn ich eines in den letzten Wochen gelernt habe, dann, dass man nicht launige Texte über vertrackte Sachverhalte anfangen sollte, wenn man sich nicht sicher sein kann, dass alles gut ausgeht.
Aber da ich ja eh schon einmal damit angefangen habe, kann ich auch weitermachen.
Also, los gehts:

Eine feste Zusage ist natürlich eine schöne Scheiße. Heißt sie doch nichts anderes, als dass man raus ist aus dem Spiel. Eigentlich. Denn genau das war das Wort, dass der Verkäufer uns gegenüber benutzte: "Eigentlich".
Eigentlich sei das Haus ja fest zugesagt und er werde es deswegen in den kommenden zwei Wochen für die potentielle Käuferin reservieren. Wir könnten aber trotzdem in etwa zwei Wochen noch einmal anrufen; falls sich unwahrscheinlicherweise eine Änderung ergeben würde, kämen wir gegebenenfalls zum Zuge.
Nun haben meine Frau und ich nicht Appretur gemacht und sind im Anschluß noch auf die Unität gegangen (meine Liebste mit wesentlich mehr Durchhaltevermögen als ich, aber das ist jetzt eine völlig andere Geschichte), um nicht zu erkennen, wenn noch ein Hoffnungsschimmer am Horizont zu erkennen ist.
Also rief ich zwei Wochen später nochmal an, nur um zu erfahren, dass die potentielle Käuferin jetzt schon zur Bemusterung (später mehr dazu) gefahren sei.
Aaaber: Der Notartermin finde erst kommenden Mittwoch statt, wenn ich denn wolle, könne ich ja am darauf folgenden Donnerstag einfach nochmal anrufen, auch wenn die Chance ja gleich Null sei. Wo wir aber doch so hartnäckig seien, wolle man uns wenigstens noch die Gelegenheit zur finalen Absage geben.
Eine durchzitterte Woche später klingelte ich ein weiteres Mal beim Verkäufer durch und hörte die magischen Worte:"Ich habe gerade an Sie gedacht. Der Vertrag ist nämlich nicht zustande gekommen. Wenn Sie noch interessiert sind, könnten sie..."

Und ob wir wollten!

-Alison Moyet-

Dienstag, November 09, 2010

Our House

"Also ich glaub ja, die kaufen erst was, wenn mal ausgezogen bin!"
Mit diesen Worten beschwerte sich unser elfjähriges Töchterlein bei meinem Herrn Papa ob der Tatsache, dass wir zwar schon viele Häuser angeschaut hatten, uns bis jetzt aber noch nicht zum Kauf durchringen konnten.
Nun ist der Berliner Hausmarkt ja nicht gerade überfüllt mit Angeboten, die für uns infrage kämen (so um die 110 Quadratmeter, mit Keller, bezahlbar), einige Häuschen hatten wir uns aber schon einmal zur Brust genommen - lustig sind dabei schon die Abweichungen in den Vorstellungen von Verkäufer und Käufer.

Da war zum Beispiel dieses Einfamilienhaus.Erster Eindruck: Recht hübsch. Der in Berlin obligatorische Makler (Makler rangieren für mich auf der biologischen Skala ohnehin irgendwo zwischen Parasit und Kakerlake. Fühlt sich einer auf den Schlips getreten? Persönliches Pech, kann ich da nur sagen, aber diese Einschätzung basiert auf einer Vielzahl leidvoller Erfahrungen) wurde nicht müde, uns zu erzählen, dass wir uns schleunigst zum Kauf entschließen sollten, weil quasi schon diverse Russen mit gezückten Geldbündeln nur darauf warteten, dass wir die Besichtigung beenden und das Haus verlassen. Nahezu nonchalant gingen dann allerdings Makler wie Hauseigentümer über die diversen Mängel hinweg. Wie etwa über den in einer Höhe von dreißig Zentimeter im gesamten Keller verlaufenden braunen Streifen. Der darauf zurückzuführen war, dass es im Keller mal eine Toilette gab. Und dadurch sei dann die Kanalisation nach einem etwas heftigeren Regen mit einigen alten Bekannten zurückgekommen.
Warum man sowas dann nicht in Ordnung bringt, sondern lieber in einem Haus lebt, in dem der Keller eine Markierung ähnlich einer Hochwasserpegelanzeige, nur halt in braun, trägt, war uns ein Rätsel.
Genau wie das schräge Dachfenster, dessen Rahmen im letztjährigen Winter vom Frost gesprebgt wurde. "Ist aber noch tiptop, muss frühestens nächstes Jahr gewechselt werden", beeilte sich der Verkäufer, uns zu erklären.
Ahja.
Wir beschlossen also, das Haus den Russen mit den dicken Geldbündeln zu überlassen.

Genau wie das, bei dem praktisch die S-Bahn unterhalb des Schlafzimmerfensters vorbeifuhr. Da die Berliner S-Bahn ohnehin nur unregelmäßig fährt, wäre das wahrscheinlich kaum störend.
Oder das, bei dem zwar wie gewünscht ein Keller vorhanden war, in dem dann aber Küche und Badezimmer eingebaut waren.
Oder das, das zwar sehr billig war, aber in dem, wie sich herausstellte, nach einem Brand praktisch nur noch die nackten Innenwände standen.

Ja, vielleicht sind wir da ein wenig anspruchsvoll, aber so dringend wollten wir dann nun auch nicht aus unserer derzeitigen Wohnung raus.
Nach langem Suchen sind wir aber schließlich doch noch fündig geworden: Ein Häuschen mit 110 Quadratmetern, Keller und dann auch noch bezahlbar. Schade nur, dass es zwei Tage vor unserem Anruf einem anderen Interessenten fest zugesagt wurde.

- Madness -