Freitag, Dezember 30, 2011

New years day

So, es ist mal wieder soweit:
An dieser Stelle möchte ich meinen vier regelmäßigen Besuchern ein wundervolles Jahr 2012 wünschen - mögen sich Eure Wünsche erfüllen und Eure Befürchtungen nicht. Kommt gut ins neue Jahr und auf ein hoffentliches Wiederlesen in 2012!
Den gelegentlichen Besuchern wünsche ich natürlich auch alles erdenklich Gute.
Und denen, die immer noch vorbeischauen, weil sie Neues über Teddybär 1-4 zu erfahren hoffen sei gesagt: Sorry, Pech gehabt!

Bis ganz bald und in alter Frische

Euer Falcon

- U2 -

Sonntag, Dezember 11, 2011

Never forget


Darf ich noch einmal höflichst erinnern?

Nicht, dass es hinterher heisst "Hätteste mal was gesagt!".

- Take That -

Donnerstag, Dezember 01, 2011

Snow

Es gibt Dinge, auf die man sich einfach verlassen kann.
Es regnet, wenn man gerade sein Auto geputzt hat.
Spritpreise steigen pünktlich zum Ferienbeginn in astronomische Höhen.
"Wetten dass" ist langweilig.
Und es fällt garantiert kein Schnee, wenn ich mich endlich dazu durchringe, einen Schneeschieber zu kaufen.
Das ist natürlich kein 08/15-Schneeschieber.
Neinnein, das ist ein Hightechgerät. Kohlefaserverstärkter Schaft, innenbeheizte Schaufel mit selbstschärfendem Ansatz, kurz, vor 40 Jahren wäre man mit sowas zum Mond geflogen.
Geeignet für arktische Wintereinbrüche.
Die natürlich jetzt im Leben nicht mehr kommen werden.
Sollte sich also jemand für den milden Winter bedanken wollen - gern geschehen!

- Red Hot Chili Peppers -

Samstag, November 12, 2011

Education

„Schastiehn, lässt du das!“
Schastiehn lässt nicht.
„Schastiehn, hörst du jetzt!“
Schastiehn hört nicht.
„Schastiehn, kommst du her!“
Schastiehn kommt nicht.
Natürlich nicht.

Und damit wieder einmal herzlich willkommen zu unserer kleinen Reihe „Prekäre Begegnungen in der morgendlichen U-Bahn“.

Schastiehn (die Namen habe ich zum Schutz der Beteiligten geändert. Schastiehn heißt zum Beispiel in Wirklichkeit Schäremmie) ist das mittlere Kind einer mehr als offensichtlich völlig überforderten Mittzwanzigerin, die Schastiehn gemeinsam mit der gut siebenjährigen Schantall und dem geschätzt dreijährigen Käwwinn durch die Stadt spediert.
Aus irgendeinem unerfindlichen Grund erwische ich regelmäßig die Bahn, in der auch die Dame samt Kinderschar fährt.
Und jedes Mal gibt es ein "Best of Erziehungsfehler" zu bestaunen.
Wenn Muttern zum Beispiel sagt "Wenn du jetzt nicht aufhörst, steh ich aber auf" und dann doch bräsig sitzen bleibt.
Oder die Tochter, die ruhig dasitzt, anschnauzt "Das hat der alles nur von dir!"
Oder damit droht "Das sag ich heute abend Papa, dass du dich nicht benommen hast. Dann gibt es auf den Arsch!"
Hach, wer möchte in dieser Familie nicht auch gerne Kind sein?
Ich, zum Beispiel.

Lieber war mir da doch die Mutter, die neulich mit ihrer kleinen Tochter zustieg.
Kavalier der alten Schule, der ich bin, wollte ich ihr gleich meinen Sitzplatz anbieten, was sie dankend mit den Worten ablehnte "Wir steigen sowieso an der nächsten aus".
Worauf hin die Tochter in ein herzzereißendes Schluchzen ausbrach und zwischen Tränen hervorstieß, dass sie aber gerne sitzen möchte.
Also bin ich ein zweites Mal aufgestanden und hab dem Mädel erklärt, dass es sich gerne auf meinen Sitz setzen kann, wenn ich ihn nach dem Aussteigen zurück bekomme.
Was die Kleine veranlasste, noch lauter zu schluchzen und zu erklären "Ich will aber keinen gebrauchten Sitz!"
Da ist man natürlich auch als Möchtegernkavalier überfordert.
Der älteren (aber noch nicht so alten) Dame, die danach einstieg, hab ich trotz Ihres vorwurfsvollen und eindeutig missbilligenden Schnaubens dann keinen Platz mehr angeboten.
Vermutlich hätte sie ihn genommen, aber weiß man es?
Wie man es macht, macht man es halt falsch.

- Pearl Jam -

Montag, November 07, 2011

Monster

So, zum Wochenbeginn gutenberge ich jetzt einfach ein wenig und klau eine Rezension aus Amazon.
Das ist aber völlig ok, denn erstens ist das Buch, das in den kommenden Zeilen wärmstens empfohlen wird, wirklich gut und zweitens stammt auch die Amazon-Rezension von mir.
"Des g'hört so", wie Frau Werwolf an dieser Stelle sagen würde.

Los geht es. Ach ja, das Buch, um das es geht ist

"Der Zombie Survival Guide: Überleben unter Untoten" von Max Brooks

Wer, angelockt vom Namen Brooks (immerhin schreibt hier der Sohn des genialen Mel) und der putzigen Titelillustration zugreifen will, weil er ein spaßig-unterhaltsames Werk erwartet, der sei gewarnt - das bekommt er hier nicht! (Zumindest was den spaßigen Teil angeht, denn unterhaltsam ist es natürlich schon.)
Statt dessen ist es tatsächlich ein Buch, das einem helfen würde, müsste man in einer von Zombies verseuchten Welt um sein Überleben kämpfen.
Von Darstellungen verschiedener Stufen möglicher Zombiekalypsen über ein Überleben in der ersten Zeit bis hin zur richtige Vorbereitung für ein Leben in einer Welt, in der die Zombies die beherrschende Rasse sind wird hier mit viel Liebe zum Detail der Leser mit allen notwendigen Kenntnissen und Hintergrundinformationen ausgestattet.
Brooks beschreibt, wo man sich am besten auf einen Neuanfang vorbereitet, wie man dorthin kommt und welche Ausrüstung man dazu griffbereit haben sollte.
Abschließend beschreibt der Autor eine Vielzahl dokumentierter Zombieangriffe in der Geschichte der Menschheit, belegt durch Höhlenmalereien aus der Steinzeit bis hin zu Polizeiberichten aus dem Amerika von heute.

Wenn man von der Prämisse ausgeht, dass es Zombies tatsächlich gibt, hätte man hier tatsächlich das ultimative Überlebenshandbuch, das jeden Möchtegernrambo schnell auf den Boden der bitteren Realität zurück holt.
Nun gibt es die Zombies ja glücklicherweise doch nur in Film und Literatur, aber lustig oder amüsant wird das Buch dadurch trotzdem nicht. Statt dessen sieht man, aller Vernunft zum Trotz seine Umwelt auf einmal mit ganz anderen Augen, geht im Kopf regelmäßig seine aktuellen Vorräte durch und überlegt auf dem Weg durch die Stadt, welche Gebäude denn Zombies möglicher Weise am Besten trotzen könnten. Und ob der eigene Gartenzaun nicht doch um etwa zweieinhalb Meter aufgestockt werden müsste.

Wie bereits erwähnt - eine Parodie ist das Ganze nur, wenn man die völlig unrealistische Ausgangssituation einbezieht. Ansonsten ist es ein unterhaltsamer und lehrreicher Ratgeber, den ich jedem Zombiefreund hiermit wärmstens ans Herz lege.
Und während der geneigte Leser jetzt schnell das Buch bestellt, werde ich noch ein paar Übungsrunden mit Pfeil und Bogen einlegen, denn die sind - und auch das lehrt uns das Buch - im Fall der Fälle weitaus empfehlenswerter als ein Schnellfeuergewehr.

- Culcha Candela -

Mittwoch, November 02, 2011

Slave to the wage

Aktuell gibt es ja wieder eine interessante Mindestlohndebatte:
Dr Angela Wendehals-Merkel will auf einmal doch, Arbeitgeberverbände, allen voran Dr. Dieter Schweine-Hundt, lehnen sie strikt ab.
Auch wenn meine Wortwahl wohl schon impliziert, wo ich mich da selber positioniere, vielleicht noch ein paar grundsätzliche Überlegungen.

Als ich vor gut 20 Jahren mal als Kabelträger beim ZDF gejobbt habe, gab es dafür 16 Mark die Stunde.
Für einen Studenten. Ohne großartige soziale Verpflichtungen. Mit Wohnheimzimmer. War also recht lukrativ.
Der jetzt ins Spiel gebrachte Mindestlohn von 6,50 Euro entspricht 12,71 Mark.
Für einen Arbeitnehmer. Ggf. mit Familie. Und Wohnung. 20 Jahre später. Ist schon recht wenig.

Macht bei einer 40-Stunden-Woche und 21 monatlichen Arbeitstagen etwa 1.100 Euro.
Ist tatsächlich recht wenig.
Schauen wir doch mal, wie der gute Herr Hundt argumentiert. Laut AFP-Mitteilung vom 31.10.2011 nämlich wie folgt:"Die CDU habe einen Mindestlohn bisher aus guten Gründen abgelehnt, sagte Hundt. Denn dieser gefährde "in beträchtlichem Umfang" Arbeitsplätze. "Die Entwicklung der letzten anderthalb Jahre zeigt, dass unsere Regelungen sehr günstig waren", sagte der BDA-Präsident. Viele Geringqualifizierte und Langzeitarbeitslose hätten wieder den Einstieg in den Arbeitsmarkt geschafft. Dies würde mit einem Mindestlohn gefährdet."
Die Regelungen waren günstig. Aha. Für wen denn genau? Doch vermutlich eher nicht für die Leute, die noch ein bischen weniger als die 1.100 Euro im Monat verdienten.
Wohl auch nicht für den Staat, der diesen Leuten dann noch einen Zuschuss geben muss, damit es ihnen trotz Vollbeschäftigung und einem vermutlich nicht allzu verschwenderischen Lebensstil möglich ist, auch am 20. des Monats noch etwas zu essen zu kaufen.
Günstig war es wohl nur für die ominöse deutsche Wirtschaft, die anscheinend ungeachtet der Tatsache, dass sie ohne den Einsatz der absoluten Billiglohnkräfte gar nicht existenzfähig ist, offenbar Sinnen und Trachten allein darauf richtet, das Wohlhaben der Spitzenkräfte zu mehren.
Das geht natürlich ganz gut, denn wenn 1.000 Leute im Niedriglohnsektor herumkrebsen, bleibt für die 5 an der Spitze schon etwas mehr übrig.

Dass die Gewinne ja gar nicht an die Arbeitnehmer ausgeschüttet werden können, weil sie gleich wieder investiert werden, um noch mehr Arbeitsplätze und noch mehr Wohlstand für alle zu schaffen, halte ich übrigens für eine Lüge.
Es gibt mit Sicherheit einige Unternehmer, die das tun. Aber es gibt mit Sicherheit nicht weniger, die den Nutzen lediglich in der Mehrung des eigenen Vermögens sehen.
Ich möchte hier auch niemandem seinen Wohlstand absprechen. Von der grandiosen Idee der Linken, man möge doch Reichen, sprich, Millionären, jedes Jahr 5% ihres Vermögens abnehmen, halte ich so dermaßen wenig, dass ich es schon kaum mehr in Worte fassen kann. Abgesehen davon, dass ich mir noch nicht so recht vorstellen kann, wie jedes Jahr ein Zwanzigstel etwa des Albrechtschen Vermögens in Volkshand übergehen soll (wird dann aus dem Aldi wieder ein HO-Markt?), wäre die Konsequenz, dass die Reichen, wenn sie sich nicht rechtzeitig in andere Länder absetzen, irgendwann auch nichts mehr haben. Nicht wirklich durchdacht, aber das erwarte ich von der Linken ja auch gar nicht.
Nein, darum geht es nicht. Es geht darum, dass nicht nur einige wenige davon in unmoralisch hohem Maß profitieren, wenn sich wirtschaftlich etwas tut, sondern dass auch die, die es erst durch ihre Arbeitsleistung ermöglichen, etwas davon haben.

Was ist aber mit dem Argument, dass zahlreiche Unternehmen nicht mehr wirtschaftlich arbeiten könnten, wenn der Mindestlohn eingeführt würde?
Mumpitz, sage ich da nur.
Wenn ein Unternehmen nur dann wirtschaftlich arbeiten kann, wenn es die Kosten für die Bereitstellung seiner Waren oder Dienstleistungen durch Minimallöhne auf niedrigstem Niveau hält, dann stimmt das Unternehmenskonzept nicht. Dann ist es nämlich einfach nicht wirtschaftlich.
Wenn ich den Preis für einen Haarschnitt auf 9 Euro drücke mit der Konsequenz, dass eine Friseurin nur 5 Euro Stundenlohn erhält, dann ist der Preis schlicht zu niedrig.
Denn diese Friseurin muss dann auf der anderen Seite beim Staat eine Aufstockung ihres Gehalts beantragen, um über die Runden zu kommen.
Wenn ein Unternehmen seine Leistungen also nur deshalb so billig anbieten kann, weil es einen Teil seiner Kosten auf andere, also den Staat und damit die Allgemeinheit abwälzt, hat dieses Unternehmen in meinen Augen keine Existenzberechtigung.
Man mag über eine Anschubfinanzierung nachdenken, aber als Dauerzustand darf das eben nicht der Fall sein.
Wenn das dann bedeutet, dass ich für einen Haarschnitt 17 Euro bezahle, dann ist das halt so - vorausgesetzt, das Mehr landet dann auch tatsächlich zumindest in Teilen bei demjenigen, der dann eben nicht mehr Zuschüsse beim Staat beantragen muss.

Dass der Mindestlohn für einige eher Wenige den Gewinn schmälert, führt zu nachvollziehbaren Protestreaktionen von deren Seite, kann und darf aber letzten Endes nicht ausschlaggebend dafür
sein, von einer Entscheidung zugunsten einer Einführung des Mindestlohnes abzusehen.
Ich hoffe nur, dass nicht an dieser Stelle wieder die Lobbypolitik über die Interessen des gesamten Staates siegt.

- Placebo -

Sonntag, Oktober 30, 2011

Mony Mony

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- Billy Idol -

Montag, Oktober 24, 2011

Born to be wild

Gibt es eigentlich noch Mofas?
Zu meiner Zeit war es ja für einen Fünfzehnjährigen eines der am meisten erstrebenswerten Ziele, endlich motorisiert (wenn auch vermutlich schwächer als der durchschnittliche Benzinrasenmäher - dafür aber garantiert lauter) durch die Gegen, nun ja, zu heizen.
Während die coolen Typen auf Zündapps, ich glaube, es waren CS25er, unterwegs waren, die wenigstens von ganz weit weg ein ganz kleines Bisschen fast wie ein echtes Motorrad aussah, war der Herr F. damals mit einer Honda Camino motorisiert, die ich dank Omas Zuschuss zum Schnäppchenpreis einer älteren Dame abkaufte.
Genauso betulich, wie sich das jetzt liest, fuhr sich das Gerät natürlich auch.
Nix mit Kickstarter, Schaltung oder sonstigem Schnickschnack. Nicht mal die Zahl der Ritzel konnte man zu Beschleunigungszwecken manipulieren, weil die Gurke ja keilriemenbetrieben war.

Eines Tages habe ich dann herausgefunden, dass mein Mofa schneller wurde, wenn ich den Benzinhahn auf die Hälfte zwischen normalem Tank und Reserve stellte - vermutlich weil das kleine Ding in dem rührenden Versuch, bei gefühlt leerem Tank noch die nächste Tankstelle erreichen zu wollen, noch einmal das Letzte aus sich herausholte.
Schließlich funktionierte aber selbst das nicht mehr und bei Spitzengeschwindigkeiten von geschätzten 17 Stundenkilometern war es nicht mehr der Fahrtwind, der mir unterwegs die Tränen in die Augen trieb.
Rettung brachte eine neue Auspuffwanne - anscheinend hatten sich die ganzen nicht so wirklich verbrennbaren Stoffe des damaligen Benzins so sehr im Auspuff festgesetzt, dass dieser immer weniger Abgas herauslassen konnte. Man frage mich jetzt bitte nicht, warum das dann zu einer Drosselung der Geschwindigkeit geführt hat - hätte mich diese Frage interessiert, hätte ich Maschinenbau studiert.
Tatsache ist aber, dass das kleine Ding nach Auspufftausch beim lokalen Mofadealer des Vertrauens mich mit ungeahnten 35 Stundenkilometern nahezu durch die Gegend katapultierte.
Einen ähnlichen Geschwindigkeitsrausch hatte ich erst wieder, als ich bei einer meiner Fahrstunden zum ersten Mal mit Tempo 80 (Achtzig!!! Gefühlt nah an Lichtgeschwindigkeit!) über die Landstraße preschte.
Trotzdem habe ich sie irgendwann offensichtlich irgend einem anderen Menschen, dem Preis über Design ging verkauft und mir statt dessen ein Auto zugelegt, das immerhin 36 mal mehr PS hatte, als die gute alte Camino.
Was mich aber zu der Eingangsfrage zurück bringt.
Gibt es heute noch Mofas? Bzw. fährt abseits von Mofarennen noch irgendwer mit den Dingern im Straßenverkehr herum?
Als wir am Wochenende durch eine Gartenanlage in der näheren Umgebung streiften, versuchte tatsächlich noch eine Gruppe Jugendlicher zwei uralte Mofas vom Typ Simson und Peugeot anzuschmeißen - mit bescheidenem Erfolg. Während die Damen der Gruppe bereits nach kurzer Zeit das Handtuch warfen, strampelten die drei jungen Herren abwechselnd und mit hochroten Köpfen, aber keineswegs gewillt, vor den Mädchen aufzustecken, auf den widerspenstigen Geräten die Straßen auf und ab, ohne dass sich die motorisierten Oldtimer zu einem Start hätten überreden lassen.
Unsere Tochter besah sich die Geräte interessiert und erklärte im Anschluss, dass sie dann doch lieber auf ein richtiges Motorrad sparen wolle.
Rein rational kann es ja nachvollziehen, erinnere mich aber trotzdem noch immer gerne und mit etwas Wehmut an die Zeit vor einem guten Vierteljahrhundert, als ich mich, gerade 15 geworden, auf so einem motorisierten Fahrrad fühlte wie der König der Route 66.

- Steppenwolf -

Dienstag, September 20, 2011

Papa don't preach

Habemus papam! Oder, auf deutsch: Wir sind Papst!
Zugegebenermaßen sind wir das natürlich schon seit ein paar Jahren, seit 2005 genauer gesagt.
Aber davor waren wir es immerhin 482 Jahre lang nicht.
Da darf der Jubel auch schon mal ein wenig länger daueren.
Vor allem, wenn der Papst Deutschland besucht.
Springer (wir erinnern uns - die mit der Bild, dem Zentralorgan für dicke Brüste, tabulose Kontaktanzeigen und Volksbibeln) ist ob dieser Tatsache gleich einmal in haltlos hirnlose religiöse Hysterie verfallen und hat sein gesamtes Hochhaus in Berlin mit der Bildschlagzeile aus dem Jahr 2005 dekoriert.
Das sieht dann so aus:

Unglaublich, aber wahr.

Genauso unglaublich finde ich es aber auch, dass über 100 Abgeordnete von SPD, Grünen und Linken die Rede des Papstes im Bundestag boykottieren wollen.
Nur noch mal zur Klarstellung: Ich bin vor einigen Jahren aus der Kirche ausgetreten, weil ich in dem, was die katholische Kirche aktuell vertritt, wenig bis keine Berührungspunkte zu meinem Leben sehe.
Aber das Verhalten der Abgeordneten ist beschämend.
Man sollte nicht vergessen, dass da zwar ein Kirchenoberhaupt, aber auch ein Staatsoberhaupt spricht.
Und in so einem Fall dem Auftritt fernzubleiben ist im freundlichsten Fall ein kindisches Verhalten, bei weniger wohlwollender Betrachtung aber ein diplomatischer Eklat.
Man boykottiert nicht das Parlament, wenn ein eingeladenes Staatsoberhaupt spricht. Genauso wenig würde diese Abgeordnetengurkentruppe, die sich jetzt vermutlich auch noch verklärt als kirchenkritische Rebellen sieht, doch einer Rede von Elizabeth II. fernbleiben (wir erinnern uns - die ist auch Staats- und Kirchenoberhaupt). Wenn jemand der Abgeordneten ein Problem mit der katholischen Kirche hat (was ich durchaus verstehen könnte), dann empfehle ich ihm, alles zu tun, was in seiner politischen Macht steht, um die Verflechtung von Staat und Kirche in Deutschland aufzudröseln und zu beenden, von der Erhebung einer Kirchensteuer bis hin zum Einsatz waffensegnender Miltärbischöfe.
Aber dieses trotzige Verlassen des Bundestages anlässlich der Papstrede ist schäbig, würdelos, auf Kindergartenniveau.
Und es ist wohlfeil, ausgerechnet hier einmal auf sein Gewissen und seine plötzlich entdeckte Moralität zu verweisen, die beide ansonsten bei vielen Entscheidungen derselben Abgeordneten gut versteckt in der hintersten Schublade ihres Schreibtischs Staub anzusetzen scheinen.

- Madonna -

Montag, September 19, 2011

The Look

An dieser Stelle kein inhaltsschwangerer Post zur Berlin Wahl. Wozu auch, das können andere deutlich fundierter - oder behaupten es zumindest.
Ich halte mich heraus und freu mich darüber, dass in dem Bezirk, in dem meine Frau und ich gewählt haben, das von mir gewünschte Ergebnis - eben auch dank meiner Stimme - erzielt wurde.
Ansonsten verweise ich heute mal auf den von Herrn Womble und mir betriebenen gemeinsamen Blog über Computerspiele und das ganze große Drumherum, der seit gestern in neuem und, wie wir finden, durchaus ansprechenden Glanz erstrahlt.
Jetzt werden wir dort auch wieder einmal häufiger etwas posten und, wer weiß, vielleicht kriegen wir sogar einmal einen Podcast auf die Reihe.

Mal schauen.

- Roxette -

Donnerstag, September 15, 2011

Killing Joke

Ich verstehe mein Kind nicht mehr.
Ich glaube, es ist ein untrügliches Zeichen dafür, dass man alt wird, wenn das Humorverständnis des Kindes so völlig von dem eigenen abweicht.
Gestern kam sie mit Lachtränen in den Augen zu mir und erklärtde, ich möge jetzt unbedingt und auf der Stelle auf Youtube die ASDFMovies aufrufen (nein, ich verlink das jetzt nicht).
Und während sie dann kaum noch das Wasser halten konnte vor lauter Lachen saß ich mit relativ steinerner Miene daneben. Bis auf ein bis zwei Schmunzler (igitt - "Schmunzler". Schon die Verwendung dieses Wortes signalisiert eine gewisse Vergreisung) ist das nämlich nicht lustig.
Ü-BER-HAUPT nicht.
Tut mir leid, Tochter.
Die Menge an "Find ich toll"-Klicks unterstützt wieder einmal meine These, dass im Internet das Mittelmaß für den Unterdurchschnitt produziert.
Oder eben für Zwölfjährige.
Vermutlich hat allerdings mein Vater mit ebensoviel Unverständnis auf mein damaliges Humorverständnis reagiert - leider blieb ihm die Gelegenheit verschlossen, sich im Internet in epischer Breite über den idiotischen Humor seines Sohnes auszulassen.
Ich kann das glücklicherweise und tue das hiermit auch.
Und stelle außerdem noch fest, dass weder die "Lamas mit Hüten" noch "Bambee" lustig sind. Mag sich die Internetfangemeinde auch noch so kichernd über den Boden rollen. Nein, keine Links.

Zum Schluß konnten mein Kind und ich dann aber doch noch humorkritisches Einvernehmen erzielen:
Über Dennis & Jesko lachen wir beide und "Nur ein Ork" ist wirklich lustig.
Deshalb verlinke ich das jetzt auch.
Ansehen! Lustig finden! Andere Videos von Dennis & Jesko anschauen!
Hopphopp!

So, und ganz zum Schluss erkläre ich jetzt auch noch die Lebkuchensaison für dieses Jahr für eröffnet.
Das Wetter wird jetzt eh immer schlechter, die Teetassen werden entstaubt und dazu gibt es dann die dezent winterliche Stimmung erzeugenden Herzen, Sterne und Brezeln. In zartbitter.
Schön.

- Die Ärzte -

Und damit das Lesen dieses Posts nicht in völlig verschwendete Zeit mündet, hier der nächste Ostbegriff:
Der Traps.
In Verbform hört Selbiges der Berliner die Nachtigall tun, als Substantiv aber bezeichnet damit der Einwohner Sachsens, Thüringens, Brandenburgs, Sachsen-Anhalts sowie Mecklenburg-Vorpommerns und der östlichen Berliner Stadtteile den allseits geschätzten Syphon, also dieses krumme Ding aus Kuststoff oder verchromtem sonstigen Metall, das sich unter dem Waschbecken tummelt und durch das sich das Händewaschwasser winden muss, will es in die Kanalisation.
Seht ihr - wieder was gelernt.

Montag, September 12, 2011

Where Were You (When The World Stopped Turning)

Ja, es ist schrecklich, was vor zehn Jahren und einem Tag in den USA geschehen ist.
Ich weiß, dass ich damals sprachlos vor dem Fernseher gesessen und diese Bilder gesehen habe, die aussahen, wie aus einem völlig unglaubwürdigen Katastrophenfilm.
Och erinnere mich auch an die Sorge in Folge der Anschläge, ob so etwas nicht jederzeit und überall noch einmal passieren könnte.
Was ja dann, wenn auch in deutlich kleinerem Masstab, hier und hier tatsächlich auch geschah.
Ich erinnere mich aber auch daran, wie die Bilder schon bald zu einem fürchterlichen Betroffenheitsdreck, unterlegt mit Enya's "Only Time" verrührt wurden.
Als wäre das Geschehen nicht schon schrecklich genung, musste wohl noch einmal zusätzlich auf die Tränendrüse gedrückt werden.
Wie es weiter ging, ist hinreichend bekannt: Die USA begannen ihren Krieg gegen den Terror zunächst im Irak, gefolgt von einer „Koalition der Willigen“ - Deutschland hielt sich noch heraus, gab aber dann, als Afghanistan als nächstes Ziel anstand, seine Zurückhaltung auf und schickte Bundeswehrsoldaten an den Hindukusch.
Was ich von diesem Irrsinn halte, habe ich schon öfter einmal kundgetan und brauche es nicht zu wiederholen. Nur Eines dazu: Wer glaubt, dass nach dem Abzug der internationalen Truppen in Afghanistan Frieden und Freiheit herrscht, dem möchte ich an dieser Stelle zu seiner herzergreifenden Naivität gratulieren.

Zehn Jahre sind die Anschläge jetzt her und in diesem Jahr hat man dann sicherheitshalber schon gleich zwei Monate vor dem Termin mit dem Gedenken angefangen. Keine Zeitung, die etwas auf sich hält (und selbst die, die das nicht tun) hat auf Dokumentationen nach dem Motto "Wo warst Du, als..." verzichtet, im Fernsehen wurden die Bilder wieder und wieder gezeigt, Nicholas Cage durfte sich als tapferer Polizist durch die Trümmer des World Trade Centers kämpfen, kurz - es war widerlich, wie seit Wochen in sämtlichen Medien das Thema durchexerziert wurde.

Und nein, ich habe den Tag nicht in stillem Gedenken verbracht. Es ist jedem unbenommen, das für ignorant, dumm oder oberflächlich zu halten, aber ich frage mich ja schon wieviele von denen, die am 11. September vor Betroffenheit Schnappatmung kriegen, denn all der anderen Toten in Folge dieses Tages gedenken. Und nein, das waren beileibe nicht nur irgendwelche Gotteskrieger, die ihr Hirn abgelegt haben, als sie in den heiligen Krieg zogen.
Sind die weniger wert, weil sie nicht so medienpräsent gestorben sind?

Nur nochmal zur Klarstellung: Ich möchte niemandem seine Trauer und/oder Betroffenheit angesichts der Ereignisse am 11. September 2001 absprechen.
Aber ich verwehre mich dagegen, dass hier quasi eine Vereinnahmung des Datums durch eine Betroffenheitsindustrie entsteht, die auf all jene verächtlich herabschaut, die an diesem Tag keine Trauer empfinden oder sie nicht öffentlich zur Schau tragen.

- Alan Jackson -

Montag, September 05, 2011

To be on the stage

Herrschaften, es ist nach langer Zeit endlich wieder einmal soweit - Braincap wird life und in Farbe erlebbar sein, und zwar am
17.12.2011 ab 22.00 Uhr im JWD in Berlin Spandau.
Wir sind natürlich jetzt schon total aufgeregt und verspielen uns beim Üben laufend - echte Menschen, echtes Publikum!
Ein ganz neues Gefühl!
Wer dieses Gefühl auch erleben möchte (dann allerdings auf der anderen Seite der Bühne, quasi als Teil eines großen Ganzen, einer mitreißenden Bewegung, einer symbiotischen Musiker-Zuhörer-Beziehung), sollte sich diesen Abend unbedingt freihalten und rechtzeitig gen Berlin aufbrechen, das natürlich auch ansonsten eine Reise wert ist.
Und jetzt erst recht und sowieso.

Wer das Ganze via Facebook (ich weiß, böse, böse) verfolgen und/oder kommentieren möchte, folgt einfach diesem Link.

Isch freu misch drauf!

- Braincap -

Sonntag, August 28, 2011

Its a crime

Wow - eine so offene Aufforderung, an Geldwäsche mitzuarbeiten, hab ich in all meinen Internetjahren aber auch noch nicht erlebt:


Arbeit für Dich!


Gut bezahlte Arbeit

Wir bieten Dir die Möglichkeit, einfach von 2000 bis 8000 Euro im Monat zu verdienen. Du kannst diese Arbeit mit Deinem jetzigen Job vereinbaren! Für die Arbeit bei uns wirst Du nicht mehr als 2-3 Stunden pro Tag 1-2 Mal in der Woche aufwenden. Für jeden erledigten Auftrag, der bei Dir nicht mehr als 3 Stunden in Anspruch nehmen wird, wirst Du von 600 bis 1600 Euro erhalten.

So wird alles ablaufen:

1. Wir überweisen von 3000 bis 8000 Euro auf Dein Bankkonto.
2. Nachdem das Geld Deinem Konto gutgeschrieben wurde, hebst Du das Geld ab.
3. Du hast schon 20 % von dem erhaltenen Betrag verdient! 600-1600 Euro behältst Du für Dich!
4. Den restlichen Betrag übermittelst Du uns.
5. Wir tätigen die nächste überweisung auf Dein Bankkonto.

Die Beträge und die Anzahl der überweisungen können beliebig sein, alles hängt nur von Deinem Wunsch und von Deinen Möglichkeiten ab! Diese Tätigkeit ist absolut legal und verletzt keine Gesetze der EU und Deutschlands.

Wenn Du Interesse hast und diese Tätigkeit ausprobieren willst, schreibe uns auf die E-Mailadresse: [Hab ich gelöscht]Wir kontaktieren Dich in kürzester Zeit und beantworten alle Fragen.

Beeile Dich, die Anzahl der Stellenangebote ist begrenzt!


Ihre E-Mailadresse haben wir aus offenen Quellen genommen. Wir bitten Sie um Entschuldigung, wenn unsere E-Mail Sie gestört hat. Falls Sie Ihre E-Mailadresse aus unserem Verteiler löschen möchten, senden Sie eine leere E-Mail auf folgende E-Mailadresse: [Hab ich gelöscht]


- Sade -


Freitag, August 26, 2011

Never Can Say Goodbye

So, ich hab es jetzt vier Tage lang geschafft (und so soll es auch bleiben), mich nicht zum Tode Loriots zu äußern. Das haben im Übrigen schon weit berufenere (und auch weit weniger berufene) Menschen in elektronischer und gedruckter Form zur Genüge getan.
Manchmal so fix, dass ich sicher bin, dass der Nachruf bei vielen schon fertig verfasst in der Schublade lag (die ARD hat das ja sogar zugegeben)- was natürlich bei jemandem, der sich nachdrücklich aus der Medienöffentlichkeit zurück gezogen hat (und auch privat keinerlei Skandale produziert hat - was mancher vielleicht schon wieder an sich für einen Skandal halten mag), nicht allzu schwer ist.
Wahrscheinlich ist der für Steve Jobs auch schon geschrieben - drinstehen wird dann das Übliche sein: Visionär, Revolutionär, Machtmensch. Ach ja - nicht zu vergessen die Garage von Steve Jobs' Eltern, in der er zusammen mit Steve Wozniak den ersten Apple - Blablabla. Die Journalisten werden ihm danken, dass sie jetzt nicht noch ständig ihre Nekrologe um die Vorstellung der neuesten iPod- und iPad-Generationen ergänzen müssen und auch auf die Berücksichtigung neuer Keynotespeeches verzichten können.

Schwieriger ist es ja bei denen, die sich aus der Öffentlichkeit verabschieden, nur um dann nach (einer gefühlt) viel zu kurzen Zeit wieder in die Kameras grinsen und die Öffentlichkeit erneut beglücken.
Besonders Musiker sind da ganz groß.
Die Stones werden vermutlich immer noch Abschieds- und Comebacktourneen veranstalten, wenn ich selber schon längst in die Grube gefahren bin.
Roland Kaiser ist erschreckender Weise auch wieder da, den Scorpion glaube ich die Abschiedtournee auch nicht so wirklich und die Flippers wird man vermutlich auch noch in zehn Jahren in diversen Musikantenstadln begegnen können, so man sich diese Sendungen denn überhaupt anschaut.
Ich tu das ja nicht, aber ich sag lieber mal nicht nie, denn wer weiß, ob nicht in 25 Jahren Marillion, Alan Parsons oder Mike Oldfield auf die volkstümliche Schiene umgeschwenkt sind und dann täte ich sie mir ja schon mal gerne anhören.
Zum Schluss aber noch ein Lob an Wolfgang Petry: Der Mann ist konsequent. Mag seine Musik auch des häufigen einen Würgereiz auslösen - seinen Rückzug ins Privatleben hat er so konsequent durchgezogen, dass man tatsächlich schon mal anfangen könnte, einen Nachruf zu verfassen in der Hoffnung, dass man da für die Zeit an 2006 nicht mehr allzu viel zu tun hätte.

Wären alle so rücksichtsvoll, hätten die Journalisten ein entspannteres Leben, könnten gelegentlich sogar sorgfältiger recherchieren und der Leser hätte damit vielleicht die Chance, nicht überall nahezu identisch getextete Nachrufe lesen zu müssen.
Wär ja mal was.

- Gloria Gaynor -

Montag, August 22, 2011

Le Moustique

Wenn es dunkel wird, kann ich sie draußen hören, wie sie versuchen, in unser Haus zu kommen.
Wieder und wieder stoßen sie an die Gitter, während wir drinnen bei ausgeschaltetem Licht sitzen und hoffen, dass sie halten werden.
Im Erdgeschoß haben wir alle Fenster und Türen schon auf diese Weise gesichert, die Gitter vor den Kellerfenstern sind aus V2A-Stahl - stabil genug, wie uns damals versichert wurde. Ich hoffe nur, der Mann, der sie uns damals eingebaut hat, behält Recht. Wie es ihm wohl gehen mag? Er war so stolz auf seinen Fensterschutz, aber ich glaube, dass sie auch ihn mittlerweile erwischt haben.
So wie auch unsere Nachbarn. Die Tochter haben sie am Samstag bekommen, als das Mädchen unvorsichterweise bei Einbruch der Dämmerung in den Garten ging.
Die Eltern waren dann kurz danach an der Reihe, als sie nach ihrer Tochter schauen wollten.
Im ersten Stock haben wir leider zwei Fenster vergessen. Es scheint also nur noch eine Frage der Zeit zu sein, wann der erste klug genug ist, dort seinen Weg in das Haus zu finden und über uns herzufallen. Einen von uns könnte es wohl im Schlaf erwischen. Und kurz darauf werden sie uns alle bekommen.
Scheiss Mücken.

Wenden wir uns lieber etwas Erfreulicherem zu.
Nach nunmehr über zwanzig Jahren wächst jetzt doch so langsam zusammen, was zusammen gehört.
Auch sprachlich.
Aber ein kleines Häuflein unbeugsamer Begriffe aus dem Wortschatz der untergegangenen DDR hält sich hartnäckig in den östlichen Gefilden und entlarvt damit jeden, der sie bei seinem Urlaub in den (durchweg empfehlenswerten) neuen Bundesländern nicht oder nicht adäquat verwendet, als Wessi alter Schule.
Um dem geneigten Westleser diese Schmach zu ersparen, werde ich an dieser Stelle in lockerer Reihenfolge Begriffe präsentieren, mittels deren Verwendung er sich selbst in Leipzig, Erfurt oder Dessau völlig ungezwungen und unerkannt bewegen kann.

Los gehts:
Sage niemals Plastik!
Zu verwenden ist stets das Wort Plaste.
Im Supermarkt verlange nach einer Plastetüte, auf dem Campingplatz habe einen Plastebecher zur Hand.
Der Einwand, dass Plastik die korrekte Form sei, weil man ja auch nicht von Physe, Informate oder Ästhete spreche, mag zutreffend sein, hilft aber an dieser Stelle absolut nicht weiter.
Es empfiehlt sich, die Verwendung des Wortes ein paarmal vor Reiseantritt zu üben, damit es in entsprechenden Situationen locker von der Zunge geht und man beim nächsten Grillabend in froher Runde die Plasteschüssel mit dem Kartoffelsalat ohne Zögern herumreichen kann.

- Joe Dassin -

Dienstag, Juni 28, 2011

Talk talk

"Plapperplapperplapperplapperplapperplapperplapperplapperplapperplapper
Pokémonplapper plapperplapperplapperplapperDialgaplapperplapperplapper!
Plapperplapperplapperplapperplapperplapperplapperplapperplapperplapper?
Plapperplapperplapperplapperplapperplapperplapperplapperplapperplapper
plapperplapper, plapperplapperplapperplapperplapperPokémonplapperplapper.
Plapperplapperplapperplapperplapperplapperplapper! Plapperplapperplapperplapper.
PlapperplapperPokémon? Plapperplapperplapperplapperplapperplapperplapperplapper;
plapperplapperplapperplapper: PlapperPalkiaplapperGiratinaplapperplapper!
Plapperplapperplapperplapperplapperplapper - plapperplapperplapperplapper.
Plapperplapperplapperplapperplapperplapperplapperplapper.
PlapperplapperplapperplapperplapperplapperplapperplapperPokémonplapper
plapper. Plapper."
"Ki-hind?" "Plap -ja?"
"Kannst Du jetzt mal die Klappe halten? Ich würde gerne ein paar der Dialoge im Film mitbekommen!"
"Na gut"
Beleidigtes Schweigen.
Knapp 40 Sekunden lang.
"Plapperplapperplapperplapperplapperplapperplapperplapperplapper
Pokémonplapper!"
"Ok, Schluss für heute. Ab ins Bett!"
"Ich geh ja schon - PlapperplapperplapperplapperplapperplapperPokémonplapper"

Und da wundert sich mein Chef, dass ich so schlecht zuhöre, wenn er mir etwas sagt - das liegt einzig und allein an der Hornhaut, die sich auf meinem Trommelfell gebildet hat, nachdem der Schorf abgefallen ist.

- Talk Talk -

Samstag, Juni 25, 2011

Whisky in the jar

"Und merk dir immer, mein Kind", doziere ich gegenüber meinem Töchterlein, "nicht zum Genusse, sondern allein zum Zwecke der Bildung trinke ich. Sláinte!"
Und mit diesen salbungsvollen Worten setze ich die Whiskeyflasche an und mach sie leer.
Natürlich nur zum Wohle der Tochter.
Denn die hatte für die Schule einen Vortrag über Irland vorbereitet, den sie damit abschließen möchte, jedem ihrer Mitschüler ein Gläschen aus Papas Whiskeypulle anzubieten.
Jetzt kann man natürlich durchaus der Meinung sein, dass 12 ein gutes Alter in Sachen Whiskey ist.
Ich hab durchaus den ein oder anderen zwölfjährigen Whiskey daheim stehen.
Wenn es aber das Alter des Trinkers ist, sollte man doch etwas vorsichtiger sein. Also diente die Flasche als reine Deko, wurde sorgsam ausgespült und hernach mit Apfelsaft aufgefüllt.
Der anschließende Erfolg gab dem Kind recht, auch wenn der eine oder andere Mitschüler es bedauerte, dass "nur" Saft in der Flasche war. Immerhin der gute Apfelsaft vom Lidl.
Da weiß man, was man hat.

Womit wir aber auch beim Thema wären. Wie vor knapp einem Monat angekündigt folgt jetzt nämlich ein Foto jener Pflanze, bei der wireben nicht wissen, was wir da haben.
Sie schaut ja ganz hübsch aus, aber für den Fall, dass es ein giftig Kräutlein sein sollte, würde ich mir doch lieber die Gärtnerhandschuhe überstülpen und sie ausrupfen. Was sich mittlerweile als durchaus schwierig herausstellen könnte, da sie schon gut einen Meter zwanzig hoch ist und ihre Wurzeln vermutlich längst untrennbar mit der Hauswand verbunden sind.
Ausserdem hat sie anscheinend Nachwuchs bekommen, denn mittlerweile ist eine zweite Pflanze gleichen Aussehens aufgetaucht. So langsam kriege ich doch etwas Angst.
Also hier die Frage:
Kennt jemand diese Pflanze?


Das Pflanzen-Muttertier


Sein Sprössling

Und weil es so schön ist, noch eine Bonusfrage:
Vor gut 15 Jahren gab es ein Duschgel der Firma Fabergé mit dem hübschen Namen "Hero".
Das kam in einer eckigen roten Verpackung mit grau abgesetztem oberen Bereich daher, roch (meiner unmaßgeblichen Meinung nach) ziemlich gut und wurde damals mit Bonnie Tylers' "Holding out for a hero" beworben. Anno '97 habe ich anlässlich eines Berlin-Besuchs noch drei Flaschen in einem obskuren Woolworth aufgetan, die sich aber nun doch so langsam dem Ende zuneigen (jaha, es geht eben nichts über regelmäßige Körperpflege!). Nein, mal im Ernst: Die Flaschen sind leider schon seit langem alle und das Zeug habe ich seitdem auch nie wieder gesehen.
Also, meine Frage ist die, ob es irgendjemanden gibt, der etwas über den Verbleib dieses Duschgels weiß oder gar (ich traue mich kaum, es zu sagen) weiß, ob und wo man es heute noch bekommen kann?
Mein ewiger Dank wäre ihr oder ihm sicher.

- Thin Lizzy -

Mittwoch, Juni 22, 2011

Free electric band

Naja, irgendwann hättet Ihr es ja sowieso herausbekommen.
Da kann ich es genausogut gleich zugeben.
Ich bin jetzt auch bei Facebook erreichbar.
Allerdings nur aus dem einzigen Grund, besser mit den Herren aus meiner Band kommunizieren zu können.
Man kann prima die Probetermine mit allen gleichzeitig absprechen und muss nicht für teuer Geld telefonieren, nachfragen, den Nächsten anrufen, nachfragen, den Ersten wieder anrufen, weil der Zweite nicht kann und schon sind 10 Euro durchtelefoniert.
Bei vier Proben im Monat geht das ganz schön ins Geld.
Nun kann man natürlich zurecht sagen, dass dafür kein Facebook nötig ist. Geht auch per Mail.
Aber: Der Chat ist eine gute Idee. Da geht die Abstimmung dann ganz direkt und ohne Umwege.
Und man kann auch gleich über abstruse Ideen diskutieren.
So wie wir gestern.
Nämlich die Idee einer öffentlichen Probe.
Ich mein, wenn wir schon nicht auftreten, können ja wenigstens interessierte Zuhörer gleich bei uns im Proberaum vorbeikommen und uns vor Ort hören.
Also quasi die Sache mit dem Berg und dem Propheten. Nur umgekehrt, oder so.

Für die interessierten Nicht-Facebooker daher noch einmal direkt und für alle nachlesbar:
Wir proben diesen Freitag öffentlich, d.h., wer in Berlin ist und Lust hat, kann ab 19.30 Uhr bei uns vorbeischauen. Geprobt wird in Wilmersdorf, genaue Adresse gibt es auf Nachfrage per Mail.

Also los - die 1600 Besucher von der Hamburger Geburtstagsfeier sollten wir doch wohl hinbekommen.
Obwohl - 16 wären ja auch schon ganz schön...

Ach ja, wer mag, kann mich natürlich gerne auf Facebook suchen - einfach mal "Emil Tischbein" eingeben.
Viel mehr als meinen echten Namen wird man da aber nicht finden - ich bin einfach zu alt, um mich noch für diesen Internetexhibitionismus zu erwärmen.

- Albert Hammond -

Mittwoch, Juni 15, 2011

Ding dang dong

Und es begab sich also zu jener Zeit, dass vom Kaiser ein Gebot ausging, alle Welt möge sich schätzen lassen, so dass der Kaiser darob die Zahl seiner Untertanen kenne.
So zogen denn auch die heiligen drei Könige Bim, Bom und Bum zu dem Orte hin, der ihnen schon vor langer Zeit in der Prophezeihung geweissagt ward.
Genau genommen waren sie keine Könige, sonder eher von einfachem Stand. Sie der Heiligkeit zu zeihen, wäre ehrlich gesagt auch dezent übertrieben, denn bisweilen war ihr Leben doch ein recht lasterhaftes.
Hatte ich schon erwähnt, dass Bim, Bom und Bum nicht ihre wirklichen Namen waren?
Und wenn ich jetzt ganz ehrlich sein soll, waren es auch nicht drei, sondern nur zwei, die gerade nach der Arbeit unterwegs auf ein Feierabendbierchen in die nächstgelegene Kneipe waren. Ganz ohne jede vorgeschobene Prophezeihung.
Da so eine Geschichte aber natürlich eher uninteressant ist, habe ich mir gewisse künstlerische Freiheiten erlaubt.
Schade nur, dass dann natürlich keine Sau mehr interessiert ist, obwohl das mit der Volkszählung ja zumindest stimmt.

Pah, dann lass ich es halt bleiben!

Prost auch.

- Les Rita Mitsouko -

Montag, Juni 06, 2011

New Classic

"Wow, das ist ja ein echter Klassiker!".
Wenn so etwas jemand auf der Straße über Dein Auto sagt, kannst Du Dich glücklich schätzen und im günstigsten Fall die Kiste an irgend einen Dummen für einen Haufen Kohle verscherbeln.
Wenn Du so einen Satz aber im Telefonladen hörst, wo Du nach einem neuen Akku für Dein - zugegebenermaßen schon etwas älteres - Handy fragst, fühlst Du Dich, als wärst Du aus der wilhelminischen (oder zumindest helmutianischen) Zeit in die Gegenwart teleportiert worden.
Dabei habe ich dem Verkäufer keineswegs einen vierzig Jahre alten Bakelit-Kloben unter die Nase gehalten, sondern mein gutes und zuverlässiges N-Gage, das im Übrigen gerade mal schlappe 7 Jahre auf dem Buckel hat und mit dem es sich immer noch telefonieren lässt, wie ein junger Gott. Oder wie Gott in Frankreich. Oder so.
Nur der Akku macht mittlerweile immer häufiger schlapp und nachdem das Gerät schon zweimal mitten im laufenden Betrieb alle Viere von sich gestreckt hat, wird es doch so langsam Zeit für einen neuen Akku.
Den muss man aber langwierig bestellen und dann wird er vermutlich zur Mitsommerwende von einer alten hutzeligen Finnin aus zwei Teilen Waltran und einem Teil Dorschleber mundgeklöppelt - halt so, wie man das bei den frühen Mobiltelefonen eben machte.
Also nix mit Akku. Dafür haben wir aber festgestellt, dass unsere alten Mobilfunkverträge (meine Frau und ich hatten einen Partnervertrag) zwar auf dem Papier gut aussahen (nur 5 Euro pro Nase im Monat und die können dann auch noch abtelefoniert werden), bei näherer Betrachtung sich das Ganze aber als ein dermaßen übler Altvertrag entpuppte (0,69 Euro Minutentarif!!!) , dass selbst die Übereinkunft des guten Herrn Dr. Faustus ("Wolle Seele kaufen?") mit dem etwas weniger guten Herrn Mephistopheles ("Wauwau!") deutlich vorteilhafter wirkte.
Der langen Rede kurzer Sinn: Wir haben jetzt zwei neue Verträge, deren einer (der für meine Frau) bei 8 Euro im Monat 100 Inklusivminuten beinhaltet, alldieweil meiner zwar zehn Euro im Monat kostet, dafür aber neben den 100 Inklusivminuten auch noch 100 SMS im Preis enthalten sind.
Da kann ich jetzt quasi simsen, bis die Finger (bzw. der Stift, denn ich hab nun doch wieder mein auch schon zweieinhalb Jahre altes Zweithandy - dessen Akku im Übrigen auch nicht der fittesten einer ist - herausgekramt) qualmen.

Ansonsten bin ich allerdings für Tipps in Sachen neues Handy (als Alternative zum neuen Akku) dankbar - entweder soll es ein Gerät sein, dass außer Telefon und SMS nichts bietet oder aber eines mit Unmengen an Schnickschnack (allerdings ohne angebissenes Obst auf der Rückseite).
Ich bin gespannt.

- Selena Gomez -

Freitag, Juni 03, 2011

Himmelfahrt

...und Himmelfahrt ist Vatertag
im Wonnemonat Mai.
Naja, stimmt nicht ganz. Ist aber dem Reime geschuldet. Es stimmt ja auch nicht mit den vier freien Tagen.
Zumindest für meine Frau und mich nicht, die Tochter hat aber schulfrei und genießt es.
Was aber stimmt, ist die Sache mit dem Vatertag.
Herrentag, im Osten.
Wobei auch das eine gelegentlich und das andere ganz sicher unzutreffend ist.
Denn feiern tun da auch solche, die bestenfalls potentielle Väter sind, aber wie Herren benehmen sie sich dann ganz sicher nicht.
Darauf hab ich dann doch lieber verzichtet und statt dessen einen ruhigen Tag zuhause verbracht und die Zeit genutzt, um mit dem Töchterlein zum Erdbeerpflücken zu fahren und am Abend dann entspannt tote Tiere ins Feuer zu halten.
Dazu Salat. Scheiß auf EHEC.
Dazu, als leise Hintergrundkulisse, die Gespräche unserer Nachbarn, ebenfalls grillenderweise. Er, seines Zeichens Feuerwehrmann, hatte offenbar Kollegen eingeladen und nun tauschte man sich über die jeweils erste gefundene Leiche aus.
Bis unser Fleisch gut war, hatte man aber dankenswerter Weise zu einem anderen Thema gewechselt.
Meine Frau und meine Tochter indes nutzten den Vatertag, um meine Vorräte wieder aufzustocken; meine Tochter meinen Vorrat an Lakritzschnecken, meine Frau meinen Konzertkartenvorrat.
Denn die Liebste schenkte mir eine Karte für ein Doppelkonzert von Saga und Marillion im November.
Marillion waren ja eh die musikalischen Helden meiner späten Jugend und Saga stehen für feinsten Prog-Rock, dem ich seit Genesis' frühen Platten verfallen bin.
Ich freu mir also jetzt schon diverse Löcher in den Bauch im Hinblick auf das Konzert (auch, wenn es erst am 22.11. ist) und sag auch an dieser Stelle nochmal ein riesiges Dankeschön an meine beiden Liebsten.


- Bläck Fööss -

Sonntag, Mai 29, 2011

Down by the sally gardens

"EHEC? Ham wa nich. Is jrad aus", wie der typische pampige Berliner Kellner in seinem typisch pampigen Berliner Kellernerjargon sagen würde.
Und damit wir es vorsorglich auch erstmal nicht kriegen, verzichten wir zurzeit auf Salat.
Erstmal, halt. In schätzungsweise 2 Monaten sollte unsere Paprika die ersten Früchte tragen. Wenn dann die Tomaten immer noch munter vor sich hin reifen (17 Tomaten sind schon an den beiden Pflanzen. 17! Meine Frau meinte schon, dass wir offensichtlich zur höheren Gartenkunst berufen sind, denn während Tomate und Paprika eifrig wachsen, streckt das Schnittlauch gerade mal kümmerliche 5 Halme in die Höhe. Vermutlich ist es abgeschreckt von der imposanten Paprikapflanze gleich nebenan.). Wo war ich?
Ah ja. Also Paprika noch nicht, Tomate schon bald, aber hoffentlich danach auch noch ein paarmal.
Dann gibt es nämlich einen schmackhaften Tomate-Paprika-Salat.
Vielleicht sollten wir doch noch Gurken anbauen. Und Zuchini. Die wachsen nämlich wie Hölle und das praktisch das ganze Jahr lang ab Beginn der Schneeschmelze.
Und Mais noch. Der schmeckt nämlich auch gut im Salat.
Wenn wir den Garten in ein riesiges Gemüsebeet verwandeln würden, müssten wir uns außerdem keine Sorgen um den teilweise sehr spärlich wachsenden Rasen mehr machen.
Gut wachsen tut im Moment vor allem (neben Paprika, Tomaten und Tagetes, zumindest zum Teil) auch eine Pflanze im Vorgarten.
Keine Ahnung, was es für eine ist, aber sie ist schon einen guten Meter hoch.
nach längeren Diskussionen mit den Nachbarn sind wir mittlerweile zwar alle der Meinung, dass es wohl ein Unkraut ist, aber ein hübsch anzuschauendes Unkraut wenigstens.
Deswegen wird sie auch keineswegs dem schnurrenden Rasenmäher geopfert, sondern fein säuberlich ummäht und nicht umgemäht.
Ich werde dieser Tage mal ein Foto in den Blog stellen, vielleicht ist einer der hier Mitlesenden botanisch so bewandert, dass er (oder sie) mir sagen kann, was da in unserem Vorgarten wächst.
Würd mich freuen.

Ansonsten ist eine Selbstversorgung (wenn auch nur mit aktuell 17 Tomaten) immer eine gute Sachen, denn wenn eines Tages ein Zombieangriff kommt, muss man nicht in den nächsten Supermarkt stürmen, um da die Konserven zu plündern, sondern kann komfortabel mit den Lebensmitteln aus heimischer Zucht über die Runden kommen.
Zumindest solange, wie die Zombies brauchen, um herauszufinden, dass ein 80 cm hoher Maschendrahtzaun kein wirkliches Hindernis darstellt.

Wie man mit so einer Situation umgeht, soll aber heute nicht Thema sein - dazu werde ich mich demnächst einmal äussern.

- Clannad -

Dienstag, Mai 24, 2011

A little unfair

Und dann gibt es solche Tage, an denen du darüber nachdenkst, wie ungerecht das Leben doch sein kann.
Weil es eine gerade mal 34 Jahre alte Kollegin mit zwei kleinen Kindern an Krebs sterben lässt.

- Willie Nelson -

Sonntag, Mai 22, 2011

Smells like teen spirit

Der Frühling geht langsam, aber merklich in den Sommer über.
Das ist schön.
Die Blumen riechen toll (der Lavendel in unserem Garten riecht nicht nur gut, sondern hält auch die Mücken fern).
Das ist auch sehr schön.
Weniger schön ist das Fahren in den Berliner Nahverkehrsmitteln. Da riecht es bisweilen auch, leider nicht nach Blumen. Bestenfalls nach dieser einen.
Man hat dann doch gelegentlich das Gefühl, der Herr (und nicht selten auch die Dame) neben einem kennt die Wirkung von Wasser und Seife nur vom Hörensagen.
Abends, nach einem langen und ggf. harten Arbeitstag kann ich sowas entschuldigen, aber wer schon morgens miefend in die U-Bahn steigt, sei es, weil er (ich benutze jetzt mal der Einfachheit halber männliche Pronomen, schließe aber die Damenwelt ausdrücklich nicht aus) sich nicht geduscht hat oder weil er einfach noch einmal die Klamotten vom Vortag überwirft, darf sich meines Mitleides nicht sicher wähnen.
Ausnehmen tu ich natürlich all diejenigen, die aufgrund einer Drüsenfehlfunktion trotz morgendlicher Dusche schon bald wieder verschwitzt sind, aber soviele, wie einem Stinktiere in der U-Bahn begegnen, können es beim besten Willen nicht sein.

Womit ich beim Thema wäre - Düfte. Insbesondere Deodorants. Genau genommen Deodorants in der Fernsehwerbung. Da gab es nämlich in letzter Zeit drei Spots, die ich ganz besonders schlimm fand.

Auf Platz drei der für "Rightguard". 72 Stunden Deoschutz bietet das Spray. Behauptet die Werbung.
Hat mal jemand das nachgerechnet? Das sind volle drei Tage!
Soll damit tatsächlich den Leuten erzählt werden, dass sie nach Auflegen dieses Gebräus drei Tage lang keine weitere Körperpflege mehr betreiben müssen?
Jemand, der das tatsächlich nutzt und nicht, sagen wir mal, als Extrembergsteiger in der Nordwand des Mount Everest hängt und gerade keine Dusche zur Hand hat oder sich vielleicht auf dem Weg zum Nordpol befindet (zu Fuß, alle Hunde bereits erfroren), hat ein ganz anderes Problem als ein zu früh versagendes Deo.
Ganz übel.

Platz zwei kriegt von mir der Spot für Brise Raumspray. Auch eine Art Deo.
Die Brise-Werbungen sind ja generell schon extrem unsympathisch - es ist mir einfach nicht nachvollziehbar, wie sich eine Rotte klotzamerikanischer Hausfrauen halbtot freuen kann, dass ein vollkommen sythetischer Gestank jetzt in einem hässlichen Kunststoffklotz, der wohl den Eindruck eines echten Steins erwecken soll, auf harmlose Passanten lauert, aber den Spot meine ich gar nicht.
Ich habe gerade den vor Augen, in dem eine (wiederum amerikanische) Hausfrau das hochmodern, aber dennoch ausgesprochen geschmacklos eingerichtete Haus einer anderen betritt und erfreut feststellt, dass das von ihr mitgebrachte Raumspray ob seiner modernen Optik doch prima den Anblick der versammelten Einrichtungsscheußlichkeiten ergänzt.
Jetzt mal ernsthaft - möchte ich mit jemandem befreundet sein, der mir zum Einzug erstmal ein Raumdeo übergibt ("damit es in deiner Hütte nicht immer so mieft", wie der unausgesprochene Vorwurf dahinter anklingt)?
Ganz sicher nicht - die Dame in der Werbung scheint sich aber ein Loch in den Bauch über soviel taktlosigkeit zu freuen - soll sie ruhig, aber diese Brise wird wohl nicht durch unser Heim wehen.
Würde es sich hier um Lebensmittel handeln, wäre die Werbung aufgrund der Unmenge falscher Versprechungen (Glück, Freunde, Wohlgeruch) ein klassischer Fall für Foodwatch.

Die können sich dafür aber mit Platz eins beschäftigen. Da geht es nämlich um Schokolade. Genau genommen um ein Deo, das damit wirbt, unwiderstehlich wie Schokolade zu sein - Axe Dark Temptation.
Über die Unwiderstehlichkeit dunkler Schokolade möchte ich an dieser Stelle gar nicht diskutieren, aber der Werbespot ist einfach gräßlich. Im wahrsten Sinne des Wortes. Für die, die ihn gerade nicht mehr vor Augen haben:
Ein junger Mann sprüht sich mit dem Zeug ein und verwandelt sich prompt in Schokolade, sie die versammelte Damenwelt zum Anbeißen findet. Behauptet die Reklame.
Ich aber behaupte: Der wird zum Untoten!
Wer es nicht glaubt, mög sich den Spot noch einmal genau anschauen - der Gestalt wird in das Gesäß gebissen und sie lächelt lediglich. Ein starres Lächeln, etwa dem einer Totenmaske vergleichbar.
Eher ein untotes Grinsen.
Dabei sieht er aus, wie das übelste Abbild des schwarzen Mannes aus den unheimlichsten Träumen, die Kinder heimsuchen können. So, wie man sich den schwarzen Mann in Stephen Kings "The Stand" am liebsten gar nicht vorstellen mag, weil die Vorstellung zu gräßlich wäre.
Zum Schluss wird ihm sogar der Arm abgerissen, und er lächelt weiter als wäre nichts passiert.
Nein, tut mir leid, aber diese Werbung macht mir Angst.
Damit wir uns richtig verstehen - ich würde niemanden, der das Zeug benutzt, deswegen von meiner Freundesliste streichen, aber ich werde das Zeug ganz sicher nicht kaufen, allein die Vorstellung der Nebenwirkungen lässt mich schaudern.

- Nirvana -

Mittwoch, Mai 18, 2011

Norwegian Wood

So, das Haus steht tatsächlich.
Naja, eigentlich ist es ja nur ein Häuschen.
1,70 mal 2,30 innen.
Aber es reicht für die Fahrräder, die Biergarnitur, die Schubkarre und den Rasenmäher.
Das hoffe ich wenigstens, denn bis jetzt steht noch nichts drin außer zwei Pflanzstäben für die Tomatenpflanzen (die der Herr Papa spendiert hat und die es in Sachen Größe anscheinend mit Godzilla aufnehmen wollen. Macht mir Angst) und einem Steckregalsystem, das ich noch zusammenbauen muss.
Egal, das Häuschen steht erst einmal. Rechtzeitig vor dem vorgestrigen Regenschauer (der die ganze Nacht durchschauerte) sind die beiden Hausaufbauer fertig geworden. Ich alleine (bzw. selbst mit der tatkräftigen Hilfe meiner Gemahlin) hätte wahrscheinlich wenigstens doppelt so lange gebraucht.
Dafür wurde der Herr nicht müde, mir immer wieder eine Elegie über die Instabilität des preiswerten Häuschens zu singen.
So, wie er es erzählte, konnte ich schon froh sein, dass es gestern morgen überhaupt noch stand.
Bislang macht es aber glücklicherweise noch keine Anstalten, einzustürzen, was mich natürlich sehr erleichtert hat.
Heute ist schon Tag drei und es wackelt noch nichts. Wie ich feststellen musste, hat sich der mit dem Aufbauen betraute Herr aber auch nicht so ganz exakt an die Anleitung gehalten und einfach die Bretter der Palette, auf der die Hauskomponenten geliefert wurden, gleich mit vernagelt.
Das hat nun einerseits den Nachteil, dass es die Optik etwas beeinträchtigt und ich die eigentlich unserem Nachbarn fürs Feuermachen versprochenen Bretter nicht mehr habe, andererseits hat es die Stabilität des Ganzen nochmal deutlich erhöht.
Ist ja auch was.
So, jetzt aber genug zu diesem Thema; an dieser Stelle noch kurz die Mitteilung, dass ich mein Experiment "Ich spiele in zwei Bands gleichzeitig" mit sofortiger Wirkung für beendet erkläre.
Angefangen habe ich ja ohnehin damit nur, weil die Kollegen aus Band 1 nicht so recht in die Puschen kamen und Auftritte seit gut zwei Jahren auf sich warten lassen.
Also eine zweite Band.
Das Ganze hat sich dann aber vor Allem aus zwei Gründen als ausgesprochen unbefriedigend herausgestellt:
Zum Einen bin ich ohnehin abends in der Regel erst so gegen sieben zuhause. Das wird nicht besser, wenn ich an zwei Abenden erst dann komme, wenn meine beiden Liebsten schon lange schlafen (meine vier, rechnet man die Katzen mit; der Hamster zählt nicht, der ist ja nachtaktiv und schaut mich immer ganz interessiert an, wenn ich halb zwölf zur Türe hereinkomme).
Zum Anderen waren zwei von den letzten drei Auftritten scheiße. Ich würde es gerne anders umschreiben, aber das trifft leider den Kern.
Beim vorletzten fehlte der neue zweite Gitarrist (andere Termine), also sprang der alte zweite ein und sorgte mit der Standardeinstellung seines Gitarrenverstärkers (Volume auf Stufe 11 von zehn möglichen) dafür, dass die Gitarre gut hörbar war - sonst aber nichts. Man kann antürlich auch rein nach Optik spielen, das heißt, man sieht, was man spielt, hört es aber nicht, aber so wirklich gut funktioniert das nicht. Nicht umsonst ist Beethoven einer der wenigen großen tauben Musiker der Geschichte. Außerdem hat er komponiert und die Stücke dann nicht zusammen mit seinem Orchester aufgeführt.
Beim nächsten Auftritt war dann der neue zweite Gitarrist dabei, hat sich aber vor dem Konzert so massiv die Kante mit Whiskylikör gegeben, dass das spielerische Gesamtergebnis nur minimal über "zum Kotzen" lag.
Aber wirklich nur ganz minimal.
Beim demnächst anstehenden Auftritt wird er wiederum fehlen, dafür springt der ehemalige zweite Gitarrist erneut ein.
Und ich ab. Ich hatte noch angeboten, den Auftritt mitzuspielen, da es ja nicht ganz einfach ist, einen neuen Musiker 1 1/2 Monate vor einem Auftritt in die Band zu holen, aber die Kollegen hatten sich entschieden, meinen Vorvorgänger zu fragen, der ja einen großen Teil der Stücke schon kennt.
Damit muss ich kein schlechtes Gewissen haben, weil ich möglicherweise einen Auftritt vermasselt habe und die Band hat den Vorteil, dass sie keine neuen Fotos auf der Homepage einstellen muss - da stehen nämlich ohnehin immer noch die Bilder des vorvorletzten Tastenmenschen.
Eindeutig eine win-win-Situation.
Und mir ist wieder einmal klar, dass man bei einem Hobby unbedingt einen Schlussstrich ziehen sollte, wenn es aufhört, Spaß zu machen.
Auch wenn die Entscheidung vielleicht schwerfällt.
Aber Ärger und Stress kann man sich im restlichen Leben schon zur Genüge antun, da muss das nicht auch noch in der Freizeit sein.

- The Beatles -

Freitag, Mai 13, 2011

Lies

Meine Güte, was ist dieser Mensch doch für ein armseliges Würstchen.
Selbst in dem Moment, in dem ihm, sozusagen schwarz auf weiss und ohne, dass das Resultat irgendwo abgeschrieben worden wäre, nachgewiesen wird, dass er bewusst getäuscht hat, hat er noch immer nicht genügend Arsch in der Hose - oder, um es seiner Stellung in altem Adel entsprechend auszudrücken - genügend Anstand und Würde, sich hinzustellen und seine Betrügereien als aus seiner eigenen Geltungssucht heraus begründet zuzugeben.
Nein, statt dessen sei es "die Erwartungshaltung der Familie, die bestehenden Anforderungen erfolgreich zu bewältigen. Ihm sei deutlich gemacht worden, dass die Qualität der unterschiedlichen Engagements keinesfalls leiden dürfe und eine begonnene Arbeit auch zu Ende zu bringen sei. Außerdem habe Guttenberg seinen Doktorvater Peter Häberle nicht enttäuschen wollen." (Spiegel online vom 11.05.2011, man will ja korrekt sein)
Immer die anderen.
Nie er selbst.
Aber wenn dieses hilflose Gestammel tatsächlich der Wahrheit entspräche, er also nicht bloß ein schamloser Betrüger wäre, der seine Position skrupellos ausnutzt - was für ein erbärmliches Bild zeichnet eine solche Aussage dann von ihm?
Ein Bild, dass sich hoffentlich bei allen Befürwortern seiner etwaigen Rückkehr in die Politik eingräbt.
Das Bild eines Menschen, der sich auch mit Mitte 30 noch so sehr dem Druck Anderer ausgesetzt fühlt, dass er sogar bereit ist, nur um ihnen zu gefallen, im illegalen Raum zu agieren.
Ich möchte eigentlich lieber nicht wissen, wie er dann in seinem Beruf agiert, wenn er dort Druck ausgesetzt ist.
Das heißt, eigentlich weiß ich es ja schon - er manövriert andere in die Schusslinie, um selber mit weißer Weste oder wenigstens als (fast) unschuldiges Opfer der Umstände dazustehen. Vermutlich hat er schon in der Schule, wenn er beim Abschreiben erwischt wurde, die Schuld auf seinen Nebenmann geschoben, der sein doofes Matheheft ja absichtlich so hingelegt hat, dass er gar nicht anders konnte, als hineinzuschauen.
Will man so jemanden tatsächlich noch einmal in einer herausgehobenen Stellung sehen?
Ich für meinen Teil kann diese Frage mit einem ganz klaren und definitiven Nein beantworten.
Sehen die Anderen das genau so?
Hier zögere ich. Und fürchte, dass ich auf diese Frage bestenfalls mit "zumindest der Teil, der sich nicht von falschen Versprechen und strahlend weißen Zähnen blenden lässt" antworten muss.

- Evanescence -

Ps: Ich hatte den Entwurf gespeichert, so dass mich der Blogger-Ausfall nicht sonderlich getroffen hat. Eure Kommentare seit gestern sind leider weg, danke aber trotzdem fürs Besuchen und Kommentieren.

Montag, Mai 09, 2011

The Trip

Mutter: "Was machen wir eigentlich in der Woche, in der das Kind auf Klassenfahrt ist?"
Kind: "Ihr könntet ja mal so richtig die Sau rauslassen!"
Vater: "Wie denn? Du bist doch auf Klassenfahrt!"

Es hat weh getan, aber es war jeden einzelnen blauen Fleck wert.

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So, das Gartenhäuschen ist endlich auch da. Bei unserem konstanten Glück mit Berliner Firmen hatte sich ja herausgestellt, dass das von uns angezahlte Häuschen zwischenzeitlich weiterverkauft worden war und wir am (lange vorher) geplanten Liefertermin in die Röhre schauten. Unschön vor allem, weil extra mein Herr Papa aus dem Rheinland angereist war, um beim Aufbau zu helfen.
Das hatte ich auch dem Herrn im Baumarkt verklickert, der mir als Entschädigung lediglich einen neuen Liefertermin anbieten wollte - nachdem ich im Schweiße meines Angesichts bereits ein Loch gebuddelt hatte, damit das Fundament rechtzeitig zum Aufbau fertig wäre (Loch). Nach zähen Verhandlungen erklärte sich dann der Baumarkt bereit, das Haus durch einen eigenen Handwerker und auf eigene Kosten aufzubauen.
Und anzustreichen - schließlich hatten wir die unbehandelte Variante gekauft, die noch lasiert werden muss.
Und mit etwas Glück steht das Haus dann bis Ende der Woche.
Oder nächster Woche.
Auf jeden Fall aber noch im Mai.
Hoffentlich.

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Zum Schluss noch ein Buchtip.
Nein, eine Empfehlung.
Nein, eigentlich eine unbedingte Verpflichtung, das Buch zu kaufen und zu lesen:
"Einzelgänger, männlich" von Geoffrey Household.
Das Buch stammt aus dem Jahr 1939 und handelt von einem Briten, der in Europa nur so, um zu sehen ob es möglich ist, mit einem Gewehr mit Zielfernrohr auf den Staatsführer eines Landes gezielt hat und dabei erwischt wurde.
Beinahe zu Tode gefoltert kann er fliehen und schafft es zurück nach England, wo man ihn, so hofft er, nicht aufspüren wird.
Dummerweise hat er sich getäuscht...

Das handelnde Personal ist überschaubar, die Geschichte aber mächtig spannend und das Buch liegt wegen seines Umfangs auch an warmen Sommertagen nicht allzu belastend in Händen.
Gibt es für relativ schmales Geld als Haffmanns Taschenbuch gebraucht im Amazon Marketplace oder für die, die es ganz dicke haben auch in neu aus dem Kein&Aber-Verlag.
Dann muss man aber mit dem dämlichen Untertitel "Er jagte den Tyrannen, der die Welt bedrohte" leben.

So oder so: Kaufen!

- Donovan -

Dienstag, April 26, 2011

Sunset Grill

Herrschaften -









die Grillsaison ist eröffnet!

- Don Henley -

Mittwoch, April 20, 2011

Wrong Way

Na gut...

Stunde um Stunde, Tag um Tag, Woche um Woche, Monat um Monat war der Uhu geflogen.
Weiter und weiter führte seine Reise ihn, hinfort über unbekannte Orte, unergründliche Seen, Landschaften voller Wunder. Nur wenig Ruhe gönnte er sich auf ihrem Flug, denn er wusste um die Wichtigkeit seiner Mission.
Und die ganze Zeit war DIE STIMME bei ihm. DIE STIMME trieb ihn vorwärts, sagte ihm, wohin er fliegen sollte und gab ihm jedes Mal neue Kraft, weil sie immer zu wissen schien, wo der Uhu gerade war und nicht den Hauch eines Zweifels an der Richtigkeit seines Weges aufkommen ließ.
Der Uhu trotzte den Gewitterstürmen in der Atmosphäre, flog mit ermattenden Kräften in der sengenden Sonne und mit zusammengekniffenen Augen durch Schneestürme.
Doch schließlich sagte ihm DIE STIMME, dass er am Ziel angekommen sei.
Aber da war nichts. Der Uhu schaute verzweifelt auf die weiße, von wirbelndem Schnee durchzogene Landschaft.
Nichts.
Überhaupt nichts.
Eine ganze Woche kreiste er über der Ebene, immer noch in der Hoffnung, dass sein Ziel auf wundersame Weise auftauchen möge.
Nichts.
Sollte ihn DIE STIMME getäuscht haben? Konnte sie tatsächlich den Uhu auf einen falschen Weg geleitet haben?
Der Uhu kehrte heim. Flog nordwärts, erfüllt von so abgrundtiefer Enttäuschung, wie er auf dem Flug in den Süden von Hoffnung erfüllt war.
Schließlich kam er wieder in ihrem Wald an, wo ihn die anderen Waldbewohner schon gespannt erwarteten.
„Und?“, fragte der Specht.
„Nichts. Da war gar nichts“, antwortete der Uhu betrübt. „Ich bin der STIMME nach Süden gefolgt, aber als sie mir sagte, dass ich am Ziel sei, gab es nichts außer einer weißen Wüste.“
„Siehste!“, quiekte der Feldhamster. „Ich hab doch gleich gesagt, dass diese Billig-Navis aus dem Supermarkt nichts taugen. Nach Süden?“ Der Hamster spie die Worte förmlich aus. „Du hättest ja auch nach Norden fliegen müssen, Du Depp! Aber nein, der feine Herr wollte ja unbedingt die 50 Euro mehr für ein gescheites Gerät sparen!“
Der Uhu sah beschämt zur Seite. Der Hamster hatte tatsächlich recht. Er konnte einem Schnäppchen halt nicht widerstehen und das Navi war einfach zu verlockend, als dass er noch lange vor dem Kauf hätte Testberichte wälzen wollen.
Und wer hätte schon ahnen können, dass diese Billiggeräte in der Sprachausgabe öfter schon einmal den Norden mit dem Süden verwechseln.
„Komm, nimm meines“, bot der Kranich großzügig an. „Das hat mich auf all meinen Touren noch nicht einmal im Stich gelassen. Ich hätte es allerdings schon ganz gerne in einem Stück wieder. War schließlich teuer genug.“
Der Uhu schaute in die Runde. Keines der anderen Waldtiere schien Anstalten machen zu wollen, ihm diese Reise abzunehmen.
Schließlich seufzte er einmal abgrundtief, nahm das Navi des Kranichs entgegen (ein tatsächlich deutlich hochwertigeres Gerät als es sein eigenes war, wie er innerlich zugeben musste), programmierte das Ziel ein und schwang sich, der NEUEN STIMME folgend, in die Luft Richtung Norden.

- Creed -

Dienstag, April 19, 2011

Blue Moon

Whoah, irgendwer hat mir einen Wattesack über den Schädel gestülpt und haut jetzt beständig mit einem Hammer dagegen.
Ist allerdings unsichtbare Watte und ein unsichtbarer Hammer.
Wenn ich es mir recht überlege, könnte es aber auch einfach nur der Schlafmangel sein.
Was natürlich kein Wunder wäre, hat mich doch wohl der andernorts aufs Freundlichste besungene Vollmond böswillig am Einschlafen gehindert. Die mit Herrn Womble durchzockte Nacht (dem Internet sei es gedankt) hat mich zuvor zwar rechtschaffen müde gemacht, aber anscheinend nicht so müde, dass ich gleich die Äuglein hätte schließen können.
Besonders wenig hilfreich war da natürlich die SMS, die mich um 3.18 Uhr erreichte, kurz nachdem ich wohl gerade selig eingeschlummert sein muss (dazu sollte man wissen, dass ich mich von meinem Handy wecken lasse - dem einzigen technischen Gerät, das in der Lage ist, mich morgens aus dem Tiefschlaf zu reißen und das deswegen immer des Nachts auf meinem Nachttisch liegt).
Unser Sänger teilte mit, dass er gerade stolzer Vater geworden ist.
Per SMS.
Um 3 Uhr 18 in der Früh!
Erinnert mich daran, dass ich ihn schlage, wenn ich ihn das nächste Mal sehe.
Bis dahin aber von mir einen riesengroßen Glückwunsch an ihn, seine Liebste und die große Schwester!
Und jetzt leg ich mich wieder hin.
Mein Chef sollte das doch wohl verstehen.

- Sam Cooke -

Sonntag, April 17, 2011

Garden Party

"Jo, höhö, schaun wir mal, wo die Chinesen dieses Mal das Etikett hingepackt haben!". Der Mensch an der Baumarktkasse, Typ "hippe studentische Hilfskraft", also eher der untypische "Wie-Wo-Was-Weiß-"Baumarktmitarbeiter, sucht zentimeterweise den Artikel ab. Endlich wird er fündig. "So, macht dann 24 Euo. Viel Spaß damit!"
Ich schaue ihn entgeistert an. "Spaß? Mit 'ner Schubkarre? In welcher Welt leben Sie denn?" Er zuckt nur mit den Schultern, wünscht mir ein schönes Wochenende und ich klemme mir also die in Einzelteile zerlegte Schubkarre unter die Arme und breche auf gen Heimat.
Da wartet nämlich ein 2 Meter mal 2 Meter 80 großes Loch darauf, von mir gefunden zu werden. Irgendwo im hinteren Teil des Gartens. Da, wo in Kürze unser Gartenhäuschen stehen soll.
Das braucht nämlich ein Fundament. Wenn man dem freundlichen Mitarbeiter des Baumarktes, in dem wir das Haus gekauft haben, Glauben schenken darf, sollte dieses Fundament wenigstens 60 Zentimeter tief sein, zunächst mit einer 40 Zentimeter hohen Granulatschicht befüllt werden, darauf dann 20 Zentimeter Sand und dann die eigentlichen Bodenplatten. Ich hatte den Herrn vorsichtig darüber aufgeklärt, dass auch im Osten Berlins vermutlich keine Permafrostschicht umgangen werden muss und ich auch nicht vorhabe, einen Kriechkeller unter der Hütte anzulegen und hab mich für ein 20 Zentimeter tiefes Loch entschieden. Das auszuheben reicht mir schon völlig.
Vor allem, wenn der alte Nachbar links von uns daneben steht und dumme Komentare in die Luft bläst.
"Das ist aber ganz schön tief!" "Mhmm" "Da brauchen Sie aber schon einiges an Material, um das Loch wieder aufzufüllen." "Weiß ich. Ich kann Volumen ausrechnen!" "Also wir haben nur die obere Grasschicht abgetragen." "Mhmm*" "Das Grundstück ist hier übrigens 2 Meter 40 breit." "Deswegen mach ich das Loch ja auch nur 2 Meter breit" "An die andere Seite des Zauns könnten Sie näher ran, da kommen Sie auch von der Auffahrt dran. Aber hier an der Seite sollte man etwas weiter Weg vom Zaun, damit man auch noch an dieses Seite kommt." Demonstrativ quetscht er sich in die 25 Zentimeter breite Lücke zwischen dem Gartenzaun und der Seitenwand seines Häuschens "Da brauchen Sie dann wohl eine Bodenplatte!" "Ja, ich werde hier auf 2 Meter mal 2 Meter 80 Waschbetonplatten auslegen." "Aha. Also keine Bodenplatte aus Beton gießen?" "Hatte ich eigentlich nicht vor." "Und das Haus stellen Sie dann einfach so auf die Platten?" "Das ist so grob der Plan." "Also wir haben extra noch Balken gekauft, um sie unter den Boden das Häuschens zu legen." "Dafür lege ich ja die Betonplatten hier dicht aus." "Naja"
Werte Leserschaft, Sie kennen dieses "Naja", oder?
Es ist eine Kurzform von "Sebstverständlich weiß ich besser als Du, wie man so etwas richtig macht. Da ich aber der Klügere von uns beiden bin, werde ich an dieser Stelle das Gespräch beenden. Du wirst schon sehen, was Du davon hast!"
Mein Vater ist auch jemand, der im handwerklichen Bereich vieles besser weiß.
Das treibt mich gelegentlich zur Weißglut.
Aber bei meinem Vater weiß ich, dass seine Ratschläge auf einer gewissen Erfahrung beruhen. Und dass er, wenn er meint, etwas besser zu wissen, mir das auch direkt sagt und sich nicht auf diese überhebliche "Ich weiß es besser als Du, sag es Dir aber nicht direkt, Du Wurm!"-Position zurückzieht.
Ich glaube, ich werde hier auch ohne den Ärger mit der Telekom noch eine Menge Freude haben.
Boldly buddel, where no man has buddelt before:
Das schwarze Loch

*Die richtige Antwort an dieser Stelle wäre selbstverständlich gewesen: "Natürlich ist das Fundament unseres Gartenhauses stabiler als das bei Euch. Unser Haus muss ja auch schließlich noch wenigstens dreimal so lange halten wie Eures, alter Sack!" Aber was tut man nicht alles zur Pflege guter Nachbarschaft.

- Marillion -

Samstag, April 16, 2011

I bins net

I a.

Denn:
WIR SIND ON!!!!!

- Wolfgang Ambros -

Montag, April 04, 2011

Media Overkill

Wenn man nicht wirklich etwas mitzuteilen hat, kann man immer noch darauf ausweichen, über seinen Medienkonsum zu referieren.
Fangen wir also kurz mit den Mitteilungen an:
Das Wochenende war klasse. In Berlin herrschte zwei Tage lang eitel Sonnenschein, denn wir am Samstag für ein erstes Grillen im eigenen Garten und am Sonntag für einen Besuch in der Eisdiele genutzt haben.
Die war natürlich rappelvoll, aber nachdem ich lange genug demonstrativ mit meinem Taschenmesser spielend am Tisch einer verschüchterten Kleinfamilie gestanden habe, zog diese es vor, das Feld zu räumen, so dass wir gemütlich sitzend wirklich gutes Eis und angenehme Sonnenwärme genießen konnten.
Nebenbei erklärte uns die freundliche Bedienung, dass man künftig doch besser einen Tisch reservieren solle. Möglichst drei bis vier Tage im Voraus. In der Eisdiele! Auf Reservierungen beim Friseur habe ich mich ja mittlerweile eingestellt (und kaum, dass ich es akzeptiert hatte, schaffte mein Stammfrieseur sie wieder ab), aber für ein Eis? Dann reservier ich Donnerstags bei strahlendem Sonnenschein einen Tisch für den Sonntag und muss dann in pladderndem Regen draußen ein Eis essen, nur weil sonst das nächste Mal die reservierung abgelehnt wird? Meine Frau empfahl ja, unter jeweils anderen Namen zu reservieren, aber dann könnte es natürlich zu Problemen kommen, wenn zweimal nacheinander dieselbe Familie unter Nennung eines jeweils anderen Namens versucht, einen Tisch zu besetzen.
Wie man es auch dreht, es ist nicht einfach.

Einfach wäre es hingegen für Westerwelle gewesen, statt des FDP-Vorsitzes das Außenamt aufzugeben. Zum Einen wäre er der FDP-Führung erhalten geblieben und hätte damit zuverlässig dafür Sorge getragen, dass die FDP in keinen Landtag mehr einzieht, zum Anderen hätten wir dann vielleicht Chancen auf einen Außenminister, der nicht weltweit den Ruf einer Witzfigur hat. Aber wie so vieles Andere in letzter Zeit hat er natürlich auch das wieder einmal falsch gemacht.

Stand Telekom ist unverändert.

So, jetzt zum Medienkonsum. Machen wir es doch wie in diesen Personality-Fragebögen.

In meinem DVD-Player: Buffy, Season 1
Ja, ich hör das Gelächter. Auch wenn leise gelacht wird. Und ich stehe immer noch dazu, dass diese Serie bei weitem besser ist, als die ganzen Vampir- und teenagerschmonzetten, die ihr nachfolgten.
Meine Frau und ich sehen es immer noch gerne. Und ja, die ganze Twilight-Bande ist nicht würdig, den Staub von Buffy Summers' Stiefeln zu lecken.
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In meinem BluRay-Player: The Book of Ely
Netter Film im Geiste von Mad Max. Glaube ich. Weiß ich aber nicht so genau, weil ich schon zweimal beim Einschauen eingeschlafen bin. Das, was ich gesehen habe, macht aber einen ganz ordenlichen Eindruck.
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In meinem HD-DVD-Player: Crank 2
Na gut, das ist keine HD-DVD, aber da Buffy ja im DVD-Player liegt, musste Crank ausweichen. Definitiv nicht mein Film. So vollkommen überdreht, dass es nur noch albern ist. Teil eins war schon beknackt, Teil zwei setzt noch gehörig einen drauf. Definitiv ein Flohmarktkandidat.
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In meinem CD-Player: Alan Parsons, Ammonia Avenue
Mit 15 hab ich mir die Kassette gekauft (wegen "Don't answer me", ich gebs ja zu) und finde die Musik auch heute noch hörenswert. Das Album ist kein Geniestreich, aber solide gemacht und unterhaltsame Popmusik, teils etwas kitschig, gefällt mir aber durch die Bank nach wie vor gut.
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Auf meinem Plattenteller: Mike Oldfield, Tubular Bells
Muss ich nix zu sagen, oder? Fantastisches Album. über dreißig Jahre alt und stellt immer noch einen Großteil der seitdem erschienenen Platten und den Schatten. Genial.
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In der U-Bahn: Jefferson Bass, Anatomie der Schuld
Wer die Bücher von Simon Beckett mag, wird vermutlich auch die Bücher dieses Autorenteams gut finden. Wieder einmal ein forensicher Anthropologe (diesmal gleich der Gründer der Body Farm), wieder einmal Fälle mit einem gewissen Ekelpotential und wieder einmal gut und unterhaltsam geschrieben. Ich bin noch bei Band 1, Band 2 liegt schon griffbereit und Band drei und vier werden wohl demnächst auch in mein Warenkörbchen bei Amazon wandern. Danke an OliveR für den Tipp!
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In der XBox: Defense Grid
Schon xmal durchgespielt, aber immer wieder gerne geladen - ein schickes Tower-Defense-Spiel mit feiner Grafik, cleveren Gegnern einem fordernden, aber nie unfairen Schwierigkeitsgrad und einem bombastischen Soundtrack. Gibt es via Steam auch für den PC, eine klare Empfehlung meinerseits.
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Auf dem DS: Pokémon Platin
Ja, ich weiß. Aber ich muss auch zugeben, dass sich unter dieser furchtbar süßen Knuddelschnutziwutzi-Schale ein ganz gradliniges klassisches Rollenspiel mit rundenbasierten (Zufalls-)Kämpfen befindet, wie ich es seit "The Bards Tale" selten gefunden habe. Die Pokémon-Schönheitswettbewerbe ignoriere ich einfach, die Musik dreh ich ab und dann lässt es sich sehr entspannt durch die Welt der kleinen Monster ziehen. Außerdem sind so Gespräche mit meiner Tochter auf Augenhöhe möglich und wie oft kann man so etwas schon behaupten?

So, damit wäre der Wochenanfangspost auch geschrieben; weitere Anregungen aus den oben genannten Bereichen nehme ich aber gerne entgegen.

- Scorpions -

Dienstag, März 29, 2011

Neon Haze

Doktorarbeiten kann man sich heutzutage ja relativ problemlos aus verschiedensten Quellen zusammenklauen. Was aber machte man früher? Man hätte natürlich in der Universitätsbibliothek die passenden Zeilen aus diversen anderen Doktorarbeiten zusammenkleben können.
Ist aber enorm viel Arbeit, sieht scheiße aus und ist natürlich auch keine Garantie dafür, dass der Doktorvater, so er denn mit hinreichender Kenntnis seines Fachbereichs gesegnet ist und dazu auch noch nicht willens ist, gegen Stiftung eines entsprechenden Lehrstuhl zwei bis drei Augen zuzudrücken, die Arbeit auch als eines Doktortitels würdig befindet.
Die einfachste Lösung heißt daher: Selber schreiben!
Nur, worüber soll man sich da wissenschaftlich äußern?
Gerade im Medizinsektor ist es wohl aufgrund der zahlreichen Doktortitelinhaber immens schwer, ein noch nicht beforschtes Thema zu finden.
Das dachte sich wohl auch der Urologe Michael Alschibaja Theimuras und kam nach gewiss einigem Nachdenken darauf, im Jahre des Herrn 1978 eine Doktorarbeit über das Thema "Penisverletzungen bei Masturbation mit Staubsaugern" zu verfassen.
Dabei untersuchte er sechzehn Fälle aus verschiedenen Krankenhäusern, in denen die Patienten Stimulation mittels des in einem Staubsauger erzeugten Luftstroms suchten.
Dummerweise führte der im Ansaugstutzen befindliche Propeller statt zu Befriedigung viel mehr zu multiplen Quetschungen und Zerrungen.
Was dabei interessant ist, ist dass es sich in all den Fällen, in denen das Staubsaugermodell bekannt war, um ein Gerät der Marke Kobold aus dem Hause Vorwerk handelte.

Und damit habe ich endlich die Kurve gekriegt, denn wir waren entschlossen uns wieder einmal einen neuen Staubsauger, und zwar einen Kobold der Firma Vorwerk, zuzulegen.
Wobei dieser Satz schon zwei Fehler enthält. Der Entschluss kam nämlich vor allem von meiner Liebsten und "wieder einmal" stimmt nur dann, wenn man in einem alle 15 Jahre stattfindenden Staubsaugerkauf eine Regelmäßigkeit erkennen mag. Denn so ziemlich genau 15 Jahre ist es her, dass meine Frau ihren ersten Vorwerkstaubsauger erwarb. Wir hatten ja vor unserer Heirat eine klassische Teilung der Elektrogeräte - sie besaß einen kleinen Fernseher und dafür einen tollen Staubsauger, ich besaß dafür einen großen Fernseher und im Gegenzug einen Staubsauger, der nicht funktionierte (dachte ich - es lag tatsächlich nur daran, dass ich den Saugerkopf auf das falsche Ende gesteckt hatte, als dahin, wo eigentlich der Griff ist. Aber mal ehrlich - so etwas ist doch als verzeihliches Nichtwissen vertretbar. Ich mein, woher soll man denn auch wissen, dass an dem einen Ende gar nichts passiert und an dem anderen, praktisch genauso aussehenden Ende der Staubsauger wie ein junger Gott saugt?).
Wo waren wir?
Genau, der Staubsauger.
Nach 15 Jahren lässt die Saugkraft doch etwas nach, selbst wenn man den Saugerkopf am richtigen Ende befestigt, also beschloss meine Frau, ein neueres, zudem leichteres, praktischeres und (ja, ich gestehe es) optisch durchaus ansprechenderes Modell eben jener Firma zu erwerben.
Zu diesem Zwecke lud sie einen Vertreter zur Vorführung des neuen Modells in unser Haus ein.
Es hätte mich ja schon stutzig machen sollen, dass , als meine Frau ihn in dem Einkaufscenter, in dem er regelmäßig steht, zwecks Termin ansprach, er sie fragte, ob ich denn damit einverstanden sei und er ja auch gerne erst dann kommen könne, wenn ich von der Arbeit nach Hause komme.
Meine Frau, die durchaus in der Lage, so etwas selber auszuhandeln, beruhigte ihn und ich hatte mir, als sie mir davon berichtete, eigentlich vorgenommen, in den fraglichen Termin mit einem "HA, WO IST ER, DER STAUBSAUGERSCHUFT? WEIB, VERBOT ICH DIR NICHT, VERTRETER IN UNSER HAUS ZU LADEN?" in die Vorführung zu platzen.
Das hatte ich im Eifer des Gefechts ganz vergessen, allerdings war der Herr immer noch da, als ich dann tatsächlich von der Arbeit kam und pries immer noch die Vorzüge des Saugers, obwohl meine Frau ihm schon eine halbe Stunde vorher erklärt hatte, dass sie das Gerät ja nun tatsächlich nehmen wolle. Als besonderes Schmankerl ("Das biete ich nicht jedem an, aber Sie sind mir sehr sypathisch") wollte er uns dann das sechs Wochen alte Vorführgerät zum deutlich reduzierten Preis überlassen.
Auch wenn er immer wieder in meine Richtung blickte, erklärte meine Frau, dass sie den Kaufvertrag unterschreiben werde - was insofern nur logisch ist, weil sie ohnehin mehr verdient als ich.
Er blieb etwas skeptisch, steckte dann aber Vertrag und Staubsauger ein und zog nach gut zwei Stunden von dannen.
Wir amüsierten und noch etwas über das Vertretersprech und regten uns darüber auf, dass der gute Mann offenbar meiner Frau die Geschäftsfähigkeit absprechen wollte, aber nun ja, der Staubsauger war zumindest gekauft.

Am nächsten Abend dann ein Anruf, den ich entgegen nahm.
Es entspann sich folgender Dialog:
"Herr F., hier ist ihr fröhlicher Staubsaugervertreter. Ich hoffe, ich störe nicht Ihren wohlverdienten Feierabend. Ich hatte es ja schon Ihrer Frau gesagt, aber ich wollte das lieber noch einmal mit Ihnen besprechen; Das Vorführgerät hätte ich Ihnen leider nich verkaufen dürfen, aber ich kann Ihnen ein Neugerät für ein paar Euro mehr anbieten."
"Herr Vertreter, meine Frau sagt mir gerade, dass sie das heute bereits mit Ihnen ausführlich am Telefon besprochen hat, so dass für Sie keine Notwendigkeit besteht, dass auch mir noch einmal zu erzählen." "Ja, aber Ihre Frau sollte das doch mit Ihnen besprechen!" "Trauen Sie meiner Frau nicht zu, dass sie eine solche Entscheidung alleine treffen kann? Ich denke, an dieser Stelle brauchen wir uns nicht weiter zu unterhalten - ich wünsche noch einen schönen Abend."

Vom Kaufvertrag ist meine Frau dann umgehend zurück getreten, aber wir schütteln immer noch den Kopf über diese Idioten, die herumlaufen und selbst heute noch meinen, dass der Lieblingsplatz der Frau in unmittelbarer Nähe des Herdes zu sein hat und sie die Küche allenfalls zum Staubsaugen verlassen darf. Mit einem Gerät, dass selbstverständlich der Mann gekauft hat.

- UB40-

Freitag, März 25, 2011

Telefon

Wenn neben Dummheit auch Inkompetenz körperliches Unbehagen verursachen würde, müssten die Damen und Herren von der Telekom eigentlich 24 Stunden täglich schreiend vor Schmerzen durch die Gegend laufen.
Ich bin ja ohnehin überrascht, dass sie noch selbstständig in der Lage sind, ein Telefon zu bedienen - meine Vermutung geht nämlich eher in die Richtung, dass sie ständig auf den Fluren beim Gang zur Toilette ineinander rumpeln und dann solange mit den Beinen strampelnd auf dem Rücken liegen, bis ihnen ein weniger minderbemittelter Kollege wieder auf die Füße hilft.
Was meiner Meinung nach recht lange dauern wird, da solche Kollegen im Unternehmen eher spärlich gesät sein dürften.

Merkt man wieder, dass ich ein wenig gereizt in Sachen Telekom bin?
Welch Wunder, gab es doch exakt in dieser Reihenfolge
- die Übersendung eines Paketes zur Rücksendung der geliehenen Hardware durch die Telekom
- eine Bestätigung der Kündigung durch die Telekom
- noch eine Bestätigung der Kündigung durch die Telekom
- die Rücksendung der geliehenen Hardware durch mich
- die Benachrichtigung von Alice, dass die Telekom ihnen mitgeteilt habe, der Vertrag zwischen ihr und mir gelte noch bis 2013
- ein Anruf der Telekom mit dem Hinweis, ich hätte eine Störung des DSL-Anschlusses gemeldet und der Frage, ob denn das Lämpchen an der geliehenen Hardware rot leuchtet.
- meinen Hinweis, dass ich die Hardware bereits letzte Woche zurückgesandt habe, weil ich eine Kündigungsbestätigung erhalten habe.

Ich schwanke zwischen Verzweiflung ob soviel geballter Inkompetenz, völliger Hilflosigkeit, da offenbar eine Vertragskündigung nicht akzeptiert wird, obwohl die Telekom massiv und nachweisbar Mist gebaut hat (und auch weiter fleißig baut) und einem irren Kichern, weil ja sowieso nichts hilft.

- Haindling -

Montag, März 21, 2011

Living next door to Alice

Puh, die Sache mit der Telekom scheint ausgestanden zu sein.
In Ihrem typischen telekomsprech teilte sie mir jetzt nämlich mit, dass "der gekündigte Anschluss zu dem Termin der tatsächlichen Schaltung im Laufe dieses Tages zu dem aufnehmenden Teilnehmernetzbetreiber geschaltet" wird.
Wer an dieser Stelle verwirrt "Häh?" sagt, den versteh ich völlig. Ich selber lese daraus:"Wir hören auf, sobald es bei Alice losgeht".
Allerdings würde ich bei der Telekom weder Leib noch Leben darauf verwetten, dass das richtig ist, aber immerhin haben sie mir gleich zwei Briefe dieses Inhalts geschickt. Den unnützen Speedport habe ich auch schon zurückgeschickt - der Spaß hat nochmal sieben Euro gekostet, aber wenn der andere Spaß dafür zuende ist, bin ich doch bereit, das auch noch zu bezahlen.
Warum jetzt Alice?
Dafür gibt es ein paar Gründe.
Erst einmal ist die Dame natürlich ein erfreulicherer Anblick als der Herr D'Avis, dazu kommt noch, dass wir als O2-Kunden (zu denen Alice gehört) künftig gratis auf unseren Hausanschluss und von da aus auf unsere Handys telefonieren können.
Und zu guter Letzt ist der Anschluss auch vergleichsweise preiswert.
Jetzt schauen wir mal, wann es tatsächlich losgeht.
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Am Wochenende war Kultur angesagt; meine Liebste und ich gingen zu Tim Fischer, einem Chansonsänger (das ist nur eine mittelmäßig treffende Beschreibung, aber etwas Besseres will mir gerade nicht einfallen), der mit Stücken von Hildegard Knef im Berliner "Tipi" auftrat.
Das Tipi, soviel sollte man wissen, ist eine der Berliner Bühnen, die sich in einem gewissen subversiven Charme gefällt, auch wenn sie (vielleicht von den Anfangstagen einmal abgesehen) nichts weniger als das ist.
Das Tipi ist einem Zirkuszelt nachempfunden (oder war sogar schon einmal eines) und steht im Tiergarten in unmittelbarer Nähe zum Kanzleramt.
An sich eine reizvolle Location (wie wir Künstler sagen), aber gesegnet mit einigen gigantischen Nachteilen: Zum Einen sitzt man nicht mit Blick auf die Bühne. Man sitzt vielmehr an Tischen, die im rechten Winkel zur Bühne stehen (soweit man nicht einen der wenigen Rundtische ergattert hat) und die man sich im ungünstigsten Fall mit vier bis sechs fremden Personen teilt.
Das führt dann dazu, dass man, wenn man nicht gerade am Kopfende eines solchen Tisches sitzt, seinen Stuhl nur mäßig in Richtung Bühne drehen kann und im Zweifelsfall eben die ganze Zeit über stramm nach links bzw. rechts schauen muss, um etwas mitzubekommen. Komfortabel ist anders.
Zum Anderen kann man im Tipi essen. Klingt ja an sich ganz nett, so ein Komplettpaket aus Essen und Konzert, ist in der Praxis aber einfach nur scheiße. Das führt nämlich dazu, dass man rings um sich Teller stehen hat, auf denen die Reste des bis kurz vor Beginn der Vorstellung servierten Essens bis zur Pause auf das Abräumen warten. Wirklich schön ist es für den Rest der Besucher dann natürlich nicht, in einer Duftmischung aus Käsevarianten, Rinderschmorbraten und Lammfilet eingehüllt das Konzert zu erleben.
Um es kurz zu machen - wir sind zur Pause gegangen, obwohl das Konzert wirklich klasse war. Tim Fischer singt hervorragend und hat drei wirklich gute Musiker (Klavier, Gitarre und Cello) an seiner Seite. Wenn er irgendwo in der Nähe auftritt empfehle ich, hinzugehen.
Ich glaube nur, wir sind mittlerweile einfach zu ...(hier ergänze man ein Adjektiv seiner Wahl), um eine Veranstaltung in dieser Form noch genießen zu können.
Ein Konzert im Tipi empfiehlt sich damit nur hartgesottenen Zuhörern oder dann, wenn es das wirklich einzige Deutschlandkonzert eines lange verschollen geglaubten und seit frühesten Kindertagen bewundrten Stars ist.
Sonst nicht.
Harmonisch dagegen das anschließende Currywurstessen im Freien.
In Berlin gibt es drei Wurstschmieden, die miteinander um die Gunst der besten/bekanntesten wetteifern:
Einmal Biers 195 am Kurfürstendamm 195. Ein wie ich finde, übertrieben dekadenter Laden, in dem zur Currywurst gerne auch mal ein Prosecco getrunken wird. Wer meint, unbedingt mal auf einen Prominenten stoßen zu müssen, hat hier recht gute Chancen, wer auf der Suche nach guter Currywurst ist, wird hier nur in Maßen fündig.
Dann eher bei Konopke an der Schönhauser Allee 44A. Ob es hier die beste Wurst gibt, darüber kann man streiten, zumindest ist es die bekannteste.
Meine klare Nummer 1 ist aber Curry 36 am Mehringdamm 36 - die ewig lang wirkenden Schlangen schrumpfen immer schnell, so dass man nie wirklich lange warten muss, die Currywurst (ich empfehle die Curry ohne Darm) ist lecker, die Preise sind moderat und die Bedienung auch um drei Uhr morgens noch freundlich. Mittlerweile kann man sogar Biowurst vom Havelländer Apfelschwein bekommen - werde ich bei Gelegenheit auch einmal probieren. Ganz klare Empfehlung also und ein schöner Ausklang eines leider nicht so glücklich begonnenen Abends.
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Gestern dann wieder einmal den Beweis angetreten, wie eng Licht und Schatten beieinander liegen können. Nämlich in Form von zwei Filmen.
Auf den ersten hab ich mich richtig gefreut: Tanz der Teufel in der neuen Fassung.
Hätte mich das "neue Fassung" auf dem Cover stutzen lassen sollen?
Vermutlich ja, aber Naivling, der ich bin, dachte ich mir:"Neue Fassung? Hm, wohl neu im Vergleich zur böse geschnittenen letzten Fassung. Die war ab 16, diese DVD ist ab 18, also her damit!"
War ein Fehler, na klar. Die Fassung ist nämlich nach wie vor die geschnittene, jetzt nur mit einer FSK18-Freigabe. Warum, ist mir schleierhaft, denn außer ein paar blutgetränkten Bettlaken und ein paar albern geschminkten Darstellern ist nichts besonders Gruseliges zu sehen.
Gruselig ist dafür die Bildqualität, unterirdisch der Ton.
Eine Frage, die ich mir ungeachtet dieser Schnittorgie stelle, ist allerdings die, ob der Film ungeschnitten wirklich besser ist oder ob das nicht einer der Streifen ist, die von dem Mythos zehren, dass sie der Freund eines Freundes eines Freundes damals mit 16 auf einer verbotenerweise angefertigten Kopie einer Kopie auf einem VHS-Recorder des Nachts geschaut hat und den Film irrsinnig unheimlich fand. Oder unheimlich irrsinnig.
Ich fand ihn nämlich auch unheimlich - unheimlich langweilig. Die Darstellerleistungen sind selbst für einen Pionier des Teenie-Horrors schäbig, die Effekte leider im wahrsten Wortsinne billig und die Handlung selbst - naja, sagen wir mal so: Sam Raimi hat durchaus bessere Filme gedreht.
Also eindeutig 70 Minuten verschwendete Zeit. Geht beim nächsten Flohmarkt für 2,50 Euro weg.
Keineswegs verschwendet empfand ich die für Film zwei aufgewandte Zeit: Shooter mit Mark Wahlberg. An den bin ich ja erst einmal ohne größere Erwartungen herangegangen -er ist eben einer der zahlreichen Filme, die noch in ihrem Cellophanmäntelchen des Anschauens harren.
Zur Story in Kürze: Scharfschütze verliert bei verpatztem Auftrag in Äthiopien seinen Assistenten. Er zieht sich zurück und wird nach drei Jahren im Beinaheruhestand gebeten, mitzuhelfen, ein Attentat auf den amerikanischen Präsidenten zu verhindern. Er willigt ein und wird dadurch in ein ganz übles Komplott gezogen.
Der Film hat durchaus die eine oder andere Logiklücke, bietet aber soviel Action und Spannung auf, dass man sich daran nicht großartig stören muss. Unterhaltsames Kino, fast schon ein bisschen zu gut, um als bloßes Popcornkino abgeschrieben zu werden. Der Film ist ab 18, zu Recht, wie ich finde, auch wenn er auf die überzogene Blutrünstigkeit mancher Volljährigen-Filme verzichtet und diese - wie ich finde - auch gar nicht braucht.
Lohnt sich.

- Smokie -

Dienstag, März 15, 2011

High Energy

Wenn
- die deutschen Atomkraftwerke, auch die alten, praktisch die weltweit höchsten Sicherheitsstandards erfüllen
- sie einen Flugzeugabsturz praktisch schadlos überstehen würden
- ein schweres Erdbeben in Deutschland praktisch gar nicht vorkommen kann
- also eigentlich praktisch überhaupt keine Gefahr besteht,

warum bitteschön werden sie dann jetzt ganz plötzlich vom Netz genommen?

Und welche Risiken sind denn jetzt auf einmal neu zu bewerten? Heißt das, dass der Beschluss einer Laufzeitverlängerung im letzten Jahr auf der Grundlage eines lückenhaften Kenntnisstandes erfolgt ist?
Das wäre nicht gerade ein Ruhmesblatt für die Bundesregierung.
Oder soll es heißen, dass der damalige Kenntnisstand zwar vollständig war, aber trotz aller eingeschalteten Experten falsch bewertet wurde (ob absichtlich oder nicht, sei für den Moment einfach einmal dahingestellt)?
Auch das nicht weniger bedenklich.
Oder ist auf einmal ein ganz neues Risiko aufgetaucht, dass letzten Herbst noch in keinem Zusammenhang mit irgendwelchen Atomkraftwerken zu stehen schien?
Nämlich das, dass die schwarz-gelbe Regierung reihenweise Landtagswahlen verlieren könnte, weil sich sie mit ihrer Politik über den Willen eines Großteils der Bevölkerung hinweg langsam aber sicher völlig in ein machtpolitisches Abseits manövriert hat?
Falls das wirklich der Fall ist - und dieser Verdacht drängt sich mir immer stärker auf - bin ich doch mehr als versucht, dieser machtgeilen und arroganten Truppe einen baldmöglichen politischen Super-GAU an den Hals zu wünschen.

- Evelyn Thomas -