Dienstag, März 29, 2011

Neon Haze

Doktorarbeiten kann man sich heutzutage ja relativ problemlos aus verschiedensten Quellen zusammenklauen. Was aber machte man früher? Man hätte natürlich in der Universitätsbibliothek die passenden Zeilen aus diversen anderen Doktorarbeiten zusammenkleben können.
Ist aber enorm viel Arbeit, sieht scheiße aus und ist natürlich auch keine Garantie dafür, dass der Doktorvater, so er denn mit hinreichender Kenntnis seines Fachbereichs gesegnet ist und dazu auch noch nicht willens ist, gegen Stiftung eines entsprechenden Lehrstuhl zwei bis drei Augen zuzudrücken, die Arbeit auch als eines Doktortitels würdig befindet.
Die einfachste Lösung heißt daher: Selber schreiben!
Nur, worüber soll man sich da wissenschaftlich äußern?
Gerade im Medizinsektor ist es wohl aufgrund der zahlreichen Doktortitelinhaber immens schwer, ein noch nicht beforschtes Thema zu finden.
Das dachte sich wohl auch der Urologe Michael Alschibaja Theimuras und kam nach gewiss einigem Nachdenken darauf, im Jahre des Herrn 1978 eine Doktorarbeit über das Thema "Penisverletzungen bei Masturbation mit Staubsaugern" zu verfassen.
Dabei untersuchte er sechzehn Fälle aus verschiedenen Krankenhäusern, in denen die Patienten Stimulation mittels des in einem Staubsauger erzeugten Luftstroms suchten.
Dummerweise führte der im Ansaugstutzen befindliche Propeller statt zu Befriedigung viel mehr zu multiplen Quetschungen und Zerrungen.
Was dabei interessant ist, ist dass es sich in all den Fällen, in denen das Staubsaugermodell bekannt war, um ein Gerät der Marke Kobold aus dem Hause Vorwerk handelte.

Und damit habe ich endlich die Kurve gekriegt, denn wir waren entschlossen uns wieder einmal einen neuen Staubsauger, und zwar einen Kobold der Firma Vorwerk, zuzulegen.
Wobei dieser Satz schon zwei Fehler enthält. Der Entschluss kam nämlich vor allem von meiner Liebsten und "wieder einmal" stimmt nur dann, wenn man in einem alle 15 Jahre stattfindenden Staubsaugerkauf eine Regelmäßigkeit erkennen mag. Denn so ziemlich genau 15 Jahre ist es her, dass meine Frau ihren ersten Vorwerkstaubsauger erwarb. Wir hatten ja vor unserer Heirat eine klassische Teilung der Elektrogeräte - sie besaß einen kleinen Fernseher und dafür einen tollen Staubsauger, ich besaß dafür einen großen Fernseher und im Gegenzug einen Staubsauger, der nicht funktionierte (dachte ich - es lag tatsächlich nur daran, dass ich den Saugerkopf auf das falsche Ende gesteckt hatte, als dahin, wo eigentlich der Griff ist. Aber mal ehrlich - so etwas ist doch als verzeihliches Nichtwissen vertretbar. Ich mein, woher soll man denn auch wissen, dass an dem einen Ende gar nichts passiert und an dem anderen, praktisch genauso aussehenden Ende der Staubsauger wie ein junger Gott saugt?).
Wo waren wir?
Genau, der Staubsauger.
Nach 15 Jahren lässt die Saugkraft doch etwas nach, selbst wenn man den Saugerkopf am richtigen Ende befestigt, also beschloss meine Frau, ein neueres, zudem leichteres, praktischeres und (ja, ich gestehe es) optisch durchaus ansprechenderes Modell eben jener Firma zu erwerben.
Zu diesem Zwecke lud sie einen Vertreter zur Vorführung des neuen Modells in unser Haus ein.
Es hätte mich ja schon stutzig machen sollen, dass , als meine Frau ihn in dem Einkaufscenter, in dem er regelmäßig steht, zwecks Termin ansprach, er sie fragte, ob ich denn damit einverstanden sei und er ja auch gerne erst dann kommen könne, wenn ich von der Arbeit nach Hause komme.
Meine Frau, die durchaus in der Lage, so etwas selber auszuhandeln, beruhigte ihn und ich hatte mir, als sie mir davon berichtete, eigentlich vorgenommen, in den fraglichen Termin mit einem "HA, WO IST ER, DER STAUBSAUGERSCHUFT? WEIB, VERBOT ICH DIR NICHT, VERTRETER IN UNSER HAUS ZU LADEN?" in die Vorführung zu platzen.
Das hatte ich im Eifer des Gefechts ganz vergessen, allerdings war der Herr immer noch da, als ich dann tatsächlich von der Arbeit kam und pries immer noch die Vorzüge des Saugers, obwohl meine Frau ihm schon eine halbe Stunde vorher erklärt hatte, dass sie das Gerät ja nun tatsächlich nehmen wolle. Als besonderes Schmankerl ("Das biete ich nicht jedem an, aber Sie sind mir sehr sypathisch") wollte er uns dann das sechs Wochen alte Vorführgerät zum deutlich reduzierten Preis überlassen.
Auch wenn er immer wieder in meine Richtung blickte, erklärte meine Frau, dass sie den Kaufvertrag unterschreiben werde - was insofern nur logisch ist, weil sie ohnehin mehr verdient als ich.
Er blieb etwas skeptisch, steckte dann aber Vertrag und Staubsauger ein und zog nach gut zwei Stunden von dannen.
Wir amüsierten und noch etwas über das Vertretersprech und regten uns darüber auf, dass der gute Mann offenbar meiner Frau die Geschäftsfähigkeit absprechen wollte, aber nun ja, der Staubsauger war zumindest gekauft.

Am nächsten Abend dann ein Anruf, den ich entgegen nahm.
Es entspann sich folgender Dialog:
"Herr F., hier ist ihr fröhlicher Staubsaugervertreter. Ich hoffe, ich störe nicht Ihren wohlverdienten Feierabend. Ich hatte es ja schon Ihrer Frau gesagt, aber ich wollte das lieber noch einmal mit Ihnen besprechen; Das Vorführgerät hätte ich Ihnen leider nich verkaufen dürfen, aber ich kann Ihnen ein Neugerät für ein paar Euro mehr anbieten."
"Herr Vertreter, meine Frau sagt mir gerade, dass sie das heute bereits mit Ihnen ausführlich am Telefon besprochen hat, so dass für Sie keine Notwendigkeit besteht, dass auch mir noch einmal zu erzählen." "Ja, aber Ihre Frau sollte das doch mit Ihnen besprechen!" "Trauen Sie meiner Frau nicht zu, dass sie eine solche Entscheidung alleine treffen kann? Ich denke, an dieser Stelle brauchen wir uns nicht weiter zu unterhalten - ich wünsche noch einen schönen Abend."

Vom Kaufvertrag ist meine Frau dann umgehend zurück getreten, aber wir schütteln immer noch den Kopf über diese Idioten, die herumlaufen und selbst heute noch meinen, dass der Lieblingsplatz der Frau in unmittelbarer Nähe des Herdes zu sein hat und sie die Küche allenfalls zum Staubsaugen verlassen darf. Mit einem Gerät, dass selbstverständlich der Mann gekauft hat.

- UB40-

Freitag, März 25, 2011

Telefon

Wenn neben Dummheit auch Inkompetenz körperliches Unbehagen verursachen würde, müssten die Damen und Herren von der Telekom eigentlich 24 Stunden täglich schreiend vor Schmerzen durch die Gegend laufen.
Ich bin ja ohnehin überrascht, dass sie noch selbstständig in der Lage sind, ein Telefon zu bedienen - meine Vermutung geht nämlich eher in die Richtung, dass sie ständig auf den Fluren beim Gang zur Toilette ineinander rumpeln und dann solange mit den Beinen strampelnd auf dem Rücken liegen, bis ihnen ein weniger minderbemittelter Kollege wieder auf die Füße hilft.
Was meiner Meinung nach recht lange dauern wird, da solche Kollegen im Unternehmen eher spärlich gesät sein dürften.

Merkt man wieder, dass ich ein wenig gereizt in Sachen Telekom bin?
Welch Wunder, gab es doch exakt in dieser Reihenfolge
- die Übersendung eines Paketes zur Rücksendung der geliehenen Hardware durch die Telekom
- eine Bestätigung der Kündigung durch die Telekom
- noch eine Bestätigung der Kündigung durch die Telekom
- die Rücksendung der geliehenen Hardware durch mich
- die Benachrichtigung von Alice, dass die Telekom ihnen mitgeteilt habe, der Vertrag zwischen ihr und mir gelte noch bis 2013
- ein Anruf der Telekom mit dem Hinweis, ich hätte eine Störung des DSL-Anschlusses gemeldet und der Frage, ob denn das Lämpchen an der geliehenen Hardware rot leuchtet.
- meinen Hinweis, dass ich die Hardware bereits letzte Woche zurückgesandt habe, weil ich eine Kündigungsbestätigung erhalten habe.

Ich schwanke zwischen Verzweiflung ob soviel geballter Inkompetenz, völliger Hilflosigkeit, da offenbar eine Vertragskündigung nicht akzeptiert wird, obwohl die Telekom massiv und nachweisbar Mist gebaut hat (und auch weiter fleißig baut) und einem irren Kichern, weil ja sowieso nichts hilft.

- Haindling -

Montag, März 21, 2011

Living next door to Alice

Puh, die Sache mit der Telekom scheint ausgestanden zu sein.
In Ihrem typischen telekomsprech teilte sie mir jetzt nämlich mit, dass "der gekündigte Anschluss zu dem Termin der tatsächlichen Schaltung im Laufe dieses Tages zu dem aufnehmenden Teilnehmernetzbetreiber geschaltet" wird.
Wer an dieser Stelle verwirrt "Häh?" sagt, den versteh ich völlig. Ich selber lese daraus:"Wir hören auf, sobald es bei Alice losgeht".
Allerdings würde ich bei der Telekom weder Leib noch Leben darauf verwetten, dass das richtig ist, aber immerhin haben sie mir gleich zwei Briefe dieses Inhalts geschickt. Den unnützen Speedport habe ich auch schon zurückgeschickt - der Spaß hat nochmal sieben Euro gekostet, aber wenn der andere Spaß dafür zuende ist, bin ich doch bereit, das auch noch zu bezahlen.
Warum jetzt Alice?
Dafür gibt es ein paar Gründe.
Erst einmal ist die Dame natürlich ein erfreulicherer Anblick als der Herr D'Avis, dazu kommt noch, dass wir als O2-Kunden (zu denen Alice gehört) künftig gratis auf unseren Hausanschluss und von da aus auf unsere Handys telefonieren können.
Und zu guter Letzt ist der Anschluss auch vergleichsweise preiswert.
Jetzt schauen wir mal, wann es tatsächlich losgeht.
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Am Wochenende war Kultur angesagt; meine Liebste und ich gingen zu Tim Fischer, einem Chansonsänger (das ist nur eine mittelmäßig treffende Beschreibung, aber etwas Besseres will mir gerade nicht einfallen), der mit Stücken von Hildegard Knef im Berliner "Tipi" auftrat.
Das Tipi, soviel sollte man wissen, ist eine der Berliner Bühnen, die sich in einem gewissen subversiven Charme gefällt, auch wenn sie (vielleicht von den Anfangstagen einmal abgesehen) nichts weniger als das ist.
Das Tipi ist einem Zirkuszelt nachempfunden (oder war sogar schon einmal eines) und steht im Tiergarten in unmittelbarer Nähe zum Kanzleramt.
An sich eine reizvolle Location (wie wir Künstler sagen), aber gesegnet mit einigen gigantischen Nachteilen: Zum Einen sitzt man nicht mit Blick auf die Bühne. Man sitzt vielmehr an Tischen, die im rechten Winkel zur Bühne stehen (soweit man nicht einen der wenigen Rundtische ergattert hat) und die man sich im ungünstigsten Fall mit vier bis sechs fremden Personen teilt.
Das führt dann dazu, dass man, wenn man nicht gerade am Kopfende eines solchen Tisches sitzt, seinen Stuhl nur mäßig in Richtung Bühne drehen kann und im Zweifelsfall eben die ganze Zeit über stramm nach links bzw. rechts schauen muss, um etwas mitzubekommen. Komfortabel ist anders.
Zum Anderen kann man im Tipi essen. Klingt ja an sich ganz nett, so ein Komplettpaket aus Essen und Konzert, ist in der Praxis aber einfach nur scheiße. Das führt nämlich dazu, dass man rings um sich Teller stehen hat, auf denen die Reste des bis kurz vor Beginn der Vorstellung servierten Essens bis zur Pause auf das Abräumen warten. Wirklich schön ist es für den Rest der Besucher dann natürlich nicht, in einer Duftmischung aus Käsevarianten, Rinderschmorbraten und Lammfilet eingehüllt das Konzert zu erleben.
Um es kurz zu machen - wir sind zur Pause gegangen, obwohl das Konzert wirklich klasse war. Tim Fischer singt hervorragend und hat drei wirklich gute Musiker (Klavier, Gitarre und Cello) an seiner Seite. Wenn er irgendwo in der Nähe auftritt empfehle ich, hinzugehen.
Ich glaube nur, wir sind mittlerweile einfach zu ...(hier ergänze man ein Adjektiv seiner Wahl), um eine Veranstaltung in dieser Form noch genießen zu können.
Ein Konzert im Tipi empfiehlt sich damit nur hartgesottenen Zuhörern oder dann, wenn es das wirklich einzige Deutschlandkonzert eines lange verschollen geglaubten und seit frühesten Kindertagen bewundrten Stars ist.
Sonst nicht.
Harmonisch dagegen das anschließende Currywurstessen im Freien.
In Berlin gibt es drei Wurstschmieden, die miteinander um die Gunst der besten/bekanntesten wetteifern:
Einmal Biers 195 am Kurfürstendamm 195. Ein wie ich finde, übertrieben dekadenter Laden, in dem zur Currywurst gerne auch mal ein Prosecco getrunken wird. Wer meint, unbedingt mal auf einen Prominenten stoßen zu müssen, hat hier recht gute Chancen, wer auf der Suche nach guter Currywurst ist, wird hier nur in Maßen fündig.
Dann eher bei Konopke an der Schönhauser Allee 44A. Ob es hier die beste Wurst gibt, darüber kann man streiten, zumindest ist es die bekannteste.
Meine klare Nummer 1 ist aber Curry 36 am Mehringdamm 36 - die ewig lang wirkenden Schlangen schrumpfen immer schnell, so dass man nie wirklich lange warten muss, die Currywurst (ich empfehle die Curry ohne Darm) ist lecker, die Preise sind moderat und die Bedienung auch um drei Uhr morgens noch freundlich. Mittlerweile kann man sogar Biowurst vom Havelländer Apfelschwein bekommen - werde ich bei Gelegenheit auch einmal probieren. Ganz klare Empfehlung also und ein schöner Ausklang eines leider nicht so glücklich begonnenen Abends.
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Gestern dann wieder einmal den Beweis angetreten, wie eng Licht und Schatten beieinander liegen können. Nämlich in Form von zwei Filmen.
Auf den ersten hab ich mich richtig gefreut: Tanz der Teufel in der neuen Fassung.
Hätte mich das "neue Fassung" auf dem Cover stutzen lassen sollen?
Vermutlich ja, aber Naivling, der ich bin, dachte ich mir:"Neue Fassung? Hm, wohl neu im Vergleich zur böse geschnittenen letzten Fassung. Die war ab 16, diese DVD ist ab 18, also her damit!"
War ein Fehler, na klar. Die Fassung ist nämlich nach wie vor die geschnittene, jetzt nur mit einer FSK18-Freigabe. Warum, ist mir schleierhaft, denn außer ein paar blutgetränkten Bettlaken und ein paar albern geschminkten Darstellern ist nichts besonders Gruseliges zu sehen.
Gruselig ist dafür die Bildqualität, unterirdisch der Ton.
Eine Frage, die ich mir ungeachtet dieser Schnittorgie stelle, ist allerdings die, ob der Film ungeschnitten wirklich besser ist oder ob das nicht einer der Streifen ist, die von dem Mythos zehren, dass sie der Freund eines Freundes eines Freundes damals mit 16 auf einer verbotenerweise angefertigten Kopie einer Kopie auf einem VHS-Recorder des Nachts geschaut hat und den Film irrsinnig unheimlich fand. Oder unheimlich irrsinnig.
Ich fand ihn nämlich auch unheimlich - unheimlich langweilig. Die Darstellerleistungen sind selbst für einen Pionier des Teenie-Horrors schäbig, die Effekte leider im wahrsten Wortsinne billig und die Handlung selbst - naja, sagen wir mal so: Sam Raimi hat durchaus bessere Filme gedreht.
Also eindeutig 70 Minuten verschwendete Zeit. Geht beim nächsten Flohmarkt für 2,50 Euro weg.
Keineswegs verschwendet empfand ich die für Film zwei aufgewandte Zeit: Shooter mit Mark Wahlberg. An den bin ich ja erst einmal ohne größere Erwartungen herangegangen -er ist eben einer der zahlreichen Filme, die noch in ihrem Cellophanmäntelchen des Anschauens harren.
Zur Story in Kürze: Scharfschütze verliert bei verpatztem Auftrag in Äthiopien seinen Assistenten. Er zieht sich zurück und wird nach drei Jahren im Beinaheruhestand gebeten, mitzuhelfen, ein Attentat auf den amerikanischen Präsidenten zu verhindern. Er willigt ein und wird dadurch in ein ganz übles Komplott gezogen.
Der Film hat durchaus die eine oder andere Logiklücke, bietet aber soviel Action und Spannung auf, dass man sich daran nicht großartig stören muss. Unterhaltsames Kino, fast schon ein bisschen zu gut, um als bloßes Popcornkino abgeschrieben zu werden. Der Film ist ab 18, zu Recht, wie ich finde, auch wenn er auf die überzogene Blutrünstigkeit mancher Volljährigen-Filme verzichtet und diese - wie ich finde - auch gar nicht braucht.
Lohnt sich.

- Smokie -

Dienstag, März 15, 2011

High Energy

Wenn
- die deutschen Atomkraftwerke, auch die alten, praktisch die weltweit höchsten Sicherheitsstandards erfüllen
- sie einen Flugzeugabsturz praktisch schadlos überstehen würden
- ein schweres Erdbeben in Deutschland praktisch gar nicht vorkommen kann
- also eigentlich praktisch überhaupt keine Gefahr besteht,

warum bitteschön werden sie dann jetzt ganz plötzlich vom Netz genommen?

Und welche Risiken sind denn jetzt auf einmal neu zu bewerten? Heißt das, dass der Beschluss einer Laufzeitverlängerung im letzten Jahr auf der Grundlage eines lückenhaften Kenntnisstandes erfolgt ist?
Das wäre nicht gerade ein Ruhmesblatt für die Bundesregierung.
Oder soll es heißen, dass der damalige Kenntnisstand zwar vollständig war, aber trotz aller eingeschalteten Experten falsch bewertet wurde (ob absichtlich oder nicht, sei für den Moment einfach einmal dahingestellt)?
Auch das nicht weniger bedenklich.
Oder ist auf einmal ein ganz neues Risiko aufgetaucht, dass letzten Herbst noch in keinem Zusammenhang mit irgendwelchen Atomkraftwerken zu stehen schien?
Nämlich das, dass die schwarz-gelbe Regierung reihenweise Landtagswahlen verlieren könnte, weil sich sie mit ihrer Politik über den Willen eines Großteils der Bevölkerung hinweg langsam aber sicher völlig in ein machtpolitisches Abseits manövriert hat?
Falls das wirklich der Fall ist - und dieser Verdacht drängt sich mir immer stärker auf - bin ich doch mehr als versucht, dieser machtgeilen und arroganten Truppe einen baldmöglichen politischen Super-GAU an den Hals zu wünschen.

- Evelyn Thomas -

Freitag, März 11, 2011

You're My Best Friend

Im Moment erfreut wieder einmal so eine hübsche Berliner Plakataktion mein Auge.
Da stehen adrette junge Menschen beiderlei Geschlechts, gewandet in typische Kleidung von des Ruches besonderer Homosexuellengeeignetheit vollkommen abholder Berufe vor emmafarbenem Hintergrund und verkünden dem geneigten Betrachter: "Ich bin schwul" (wahlweise auch "lesbisch", soweit es sich um eine junge Dame handelt) "und Berlin steht hinter mir".
Initiator der Aktion ist das von der Stadt Berlin ins Leben gerufene "Bündnis gegen Homophobie".
Einerseit erfreut mich so eine Aktion natürlich, ist sie doch ein sicheres Zeichen dafür, dass die notorisch klamme Stadt Berlin immer noch irgendwo ein geheimes Säckel zu besitzen scheint, in dessen hinterster Ecke ein paar Euros darauf warten, ausgegeben zu werden.
Andererseits weckt diese Aktion dann doch in mir die Frage "Was zum Teufel soll der Scheiß nun wieder?".
Oder um es etwas diplomatischer auszudrücken: "Was soll damit erreicht werden?"
Schauen wir uns doch zunächst einmal das Bündnis gegen Homophobie an.
Das wurde nach Auskunft auf seiner Website am 23. September 2009 auf Initiative des LSVD Berlin-Brandenburg e.V. im Roten Rathaus gegründet. Als Erstunterzeichner haben sich in dem Bündnis 24 relevante gesellschaftliche Organisationen, Institutionen und Unternehmen zusammengetan, um ein klares Zeichen zu setzen gegen Homosexuellenfeindlichkeit, Diskriminierung und Gewalt.
Vertreten sind darin neben der Stadt Berlin etliche große Unternehmen von der AOK bis zum Roten Kreuz.
So weit, so gut.
Und ich bin auch keineswegs ein Freund der Diskriminierung Homosexueller.
Aber mal ernsthaft - was soll denn diese Plakataktion bewirken?
Erst einmal halte ich solche pauschalierenden Aussagen ohnehin für nicht ganz unbedenklich. Denn wenn Berlin tatsächlich hinter dem Herrn oder der Dame auf dem Plakat stünde, wäre diese ganze Aktion nicht notwendig.
Offensichtlich steht Berlin also nicht, was einerseits diese Aktion offenbar notwendig macht, gleichzeitig aber auch die Aussage als unwahr darstellt. Wer soll denn jetzt bitteschön damit erreicht werden?
Jeder normaldenkende Mensch wird ohnehin sagen: "Schwul, lesbisch, hetero? Scheißegal! Soll doch jeder die Art der sexuellen Erfüllung finden, die ihm am genehmsten ist, solange es im Einvernehmen mit seinem/r/n Partner/in/n/innen passiert."
Wer bislang durch die Welt marschiert ist und gedacht hat "Huch, schwul! Jetzt aber fix die Hände gewaschen, sonst steck ich mich noch an!", der wird von so einer Aktion keines besseren belehrt.
Und die dumpfen braunen Idioten, die am liebsten wieder rosa Winkel verteilen würden, werden jetzt wohl auch kaum hingehen und sagen "Na, wenn das so ist - da hab ich wohl die ganze Zeit falsch gelegen!".
Warum ist es überhaupt nötig, die sexuelle Orientierung als ein solches offenbar den Menschen bestimmendes Charaktermerkmal hervorzuheben.
Weder wird ein Mensch dadurch besser, dass er schwul oder lesbisch ist, noch wird er schlechter dadurch.
Arschlöcher gibt es unter Heterosexuellen genauso wie unter Schwulen /Lesben, sympathische Menschen ebenso.
Der richtige Text für eine solche Aktion wäre meiner Meinung nach eher "Ich bin schwul und es ist völlig egal".
Nur diese Einstellung führt dazu, dass man die Menschen als Menschen behandelt, kein "Schwul ist cool"-Spruch. Das ist es nämlich eben nicht.
Es ist Teil eines Menschen, genauso wie seine Vorliebe für Pizza Primavera oder die Farbe grün.
Nur weil ich blau schöner finde, lehne ich doch deswegen nicht alle Freunde anderer Farben ab. Und genau diesen Punkt sollten wir auch im Bereich sexueller Orientierung erreichen. Das geht aber nicht, solange eine Stigmatisierung in dieser Beziehung stattfindet.
Genau das aber macht diese Plakataktion.
Sie stigmatisiert, zwar positiv, aber nichtsdestoweniger.

Und das hilft nun wirklich keinem.

- Queen -

Dienstag, März 08, 2011

Wicked Game

Fangen wir doch einmal mit einem kleinen Quiz an:
Wie nennt man den Ort, an dem Männer mittleren Alters sonntags nachmittags ihre leicht gereizten Ehefrauen und die dezent desinteressierten Kinder schleifen, um von der Position des Besserwissers aus unaufgefordert Weisheiten abzusondern?
Na?
Genau: Computerspielemuseum.
Genau da waren wir vorgestern. Wir heißt in diesem Fall nur mein Töchterlein und ich, weil meine Frau in weiser Voraussicht dessen, was passieren würde, dankend den Vorschlag, uns zu begleiten abgelehnt hat.
Zumal wir vorher noch einen Flohmarktbesuch planten, bei dem das Kind nach Pokémon-Artikeln und ich nach Videospielen Ausschau halten wollten.
Erfolglos, aber das gehört hier nicht hin.
Also, Computerspielmuseum. Davon gibt es wohl auf der ganzen Welt nicht allzu viele und eines davon steht in Berlin.
Der Eintritt beträgt acht Euro für Erwachsene und fünf für Kinder - vergleichsweise akzeptable Preise.
Und was erwartete uns denn nun? War es gut? Nice place to be?
Ich muss gestehen, ich bin da jetzt etwas zwiespältig.

Kommt man in den Museumssvorraum, erwarten einen auf der Treppe erst einmal lebensgroße Statuen von Link (Legend of Zelda), Jak (Jak and Dexter) und Solid Snake (Metal Gear Solid).
Der geneigt Blick des Besuchers in der eigentlichen Ausstellungshalle fällt alsbald auf einen originalen Pong-Automaten. Leider wird der nur für besondere Anlässe eingeschaltet. Genauso, wie der VR-Automat (Spielhallengänger in den frühen Neunzigern erinnern sich - dieses Teil, in dem man mit einer Brille auf dem Kopf in einen Kunststoffkreis steht und sich in 3D im Raum bewegen kann). Oder der ComputerSpace-Automat.
Verständlich zwar, weil die Hardware zum Teil schon mehrere Jahrzehnte alt ist, aber nichtsdestoweniger unbefriedigend. Genau wie die Tatsache, dass dem "Nimrod" einige Lämpchen abhanden gekommen sind, der Joystick des Polyplay sich nicht mehr nach rechts bewegen lässt und "Centipede" gerade defekt war. Dass zum "Zaxxon"-Video die Battlezone-Tonspur lief, will ich jetzt gar nicht mehr groß erwähnen.

Schön war die "Wall of Hardware" (auch wenn ein Großteil davon, wenn auch nicht so schön drapiert, auch in unserem Keller zu finden ist) und auch die interaktive Vorstellung von Videospielklassikern von Archon über "Defender of the crown" bis zu modernen Titeln, deren Spielevideo jeweils mittels eines per Joystick gesteuerten Lichtkreuzes ausgewählt wird, gefällt.

Ein paar Spiele können natürlich auch angespielt werden, darunter Perlen wie "Space Invaders", "Secret of Monkey Island" oder auch "Die Siedler" auf einem Amiga.
Dazu gibt es ein paar Hintergrundinfos zur Entstehung eines Computerspiels (das eher unbekannte "Paraworld") zur Geschichte des (elektronischen) Spiels und außerdem noch ein paar Hintergrundvideos, in denen Spieleprogrammierer zu Wort kommen.
Das ist alles nicht unspannend, aber herzlich unspektakulär.

Video- und Computerspiele leben nun einmal davon, gespielt zu werden und das ist hier nur sehr eingeschränkt möglich - es fehlt ganz klar an Platz (das Gedränge war doch teilweise erheblich) wie auch an Geräten, die für das Spielen zur Verfügung stehen.
Ich hoffe da doch sehr auf einen flotten Ausbau der zusätzlichen Etage.
Was mir auch etwas fehlt, ist eine kritische Auseinandersetzung mit dem Medium Computerspiel - Spiele ab 18 sucht man selbst als Randnotiz vergeblich und die Wirkung von Spielen auf den Spieler wird auch praktisch nicht thematisiert.
Da ist noch erhebliches Potenzial, das so hoffe ich wenigstens, in naher Zukunft ausgeschöpft wird.
Computerspiele als Kunst finden ebenfalls nur ganz peripher Eingang in die Ausstellung.
Die aktuelle Mischung aus Platzmangel und dezenter Konzeptlosigkeit machen das Museum daher im Moment nur eingeschränkt besuchenswert. Beides kann geändert werden und beides sollte auch geändert werden.
Bis dahin bleibe ich doch lieber in meinem Keller, da kann ich aktuell mehr verschiedene Computer und Spielekonsolen bespielen als in dem Museum.

Noch ganz zum Schluß: Meine drei Highlights waren ein Apple IIc (darauf hab ich Anno 1985 meine ersten Programmierversuche in Pascal gemacht), leider hinter Glas, ein Video einer Sendung "Telespiele" mit dem ganz jungen Thomas Gottschalk und, völlig unscheinbar, eine Ausgabe der Telematch aus dem Jahr 1983. Aber das allein ist natürlich nicht 8 Euro wert.

Ach ja, und liebes Museum: "Ninja Spirit" ist immer noch ein Spiel für die PC-Engine, nicht für das Neo Geo, auch wenn Du es auf eine große bunte Tafel druckst.

So, soviel zum Thema, demnächst wieder weniger nerdige Inhalte.

- Chris Isaak -

Donnerstag, März 03, 2011

Working For The Weekend

Ups, schon wieder Donnerstag. Gefühlt übrigens Freitag, was daran liegt, dass meine Frau den Wocheneinkauf am Dienstag statt wie sonst üblich am Mittwoch gemacht hat. Das bedeutet, dass unser traditionelles Mittwochabendessen schon Dienstag abend stattfand, weswegen ich mich Donnerstag also zwangsläufig wie Freitag fühle. Zumal auch noch die Bandprobe statt am Dienstag bereits am Montag stattfand. Ich habe derzeit also eine Art Wochentagsjetlag, was dazu führt, dass der Wochenrückblick schon einen Tag früher erfolgen muss.

Und diese Woche ist ja so Einiges passiert. Vielleicht das Allerwichtigste zuerst:
Unsere Heizung läuft wieder einwandfrei. Grund für den Ausfall einiger Heizkörper (und den damit verbundenen Temperaturabfall auf schattige 17 Grad (Celsius)) waren weder defekte Heizkessel noch lecke Zuleitungen, sondern vielmehr Ablagerungen, die sich in den Heizkörpern festgesetzt hatten und damit verhinderten, dass sich fröhlich heißes Wasser zum Erwärmen von Herz und Wohnung in die Heizkörper ergießen wollte. Nach einer Spülung aller Heizkörper ist das Problem nun beseitigt und wir sitzen wieder in gemütlich warmen Räumen. Der Winter kann jetzt also kommen.
Tut er natürlich nicht. Stattdessen hat ein Techniker der - man ahnt es - Telekom sein Kommen angekündigt, um den DSL-Anschluss lauffähig zu machen. Ich habe ihm freundlich dankend abgesagt. Gestern hatte ich dann einen verpassten Anruf auf dem Handy, der sich als Kontakaufnahmeversuch der Telekom mit mir entpuppte. Am Nachmittag rief mich dann noch ein Telekomcomputer an, der mir mitteilte, dass er ein Telekomcomputer sei und im Auftrag eines echten Telekommitarbeiters anrufe, der vergeblich versucht habe, mich zu erreichen. Was es heutzutage nicht alles gibt!
Um hier einmal ein hübsches Zitat abzuwandeln: "Ich habe schon alles zum Thema Rücktritt vom Vertrag gesagt, aber offenbar noch nicht jedem Telekommitarbeiter." Das scheint das Unternehmen so zu stören, dass sie diesen Missstand beheben wollen, indem sie jetzt der Reihe nach alle Telekombediensteten bei mir anrufen lassen.

Bei meinem Versuch, den Urheber des Ursprungszitats zu ermitteln, habe ich übrigens in Google statt "gesagt" "gesabgt" eingegeben. Das gibt immerhin 311 Treffer - man sollte gar nicht glauben, dass sich so viele Leute genau so verschreiben. Wunderwelt der Technik, sag ich da nur.

Weiter zur Woche. Was ist noch passiert?
Unsere verstorben geglaubten alten Nachbarn sind wieder da - sie waren den ganzen Februar im Urlaub.
Rentner müsste man sein. Jetzt versucht mich der alte Herr vom Kauf eines Gartenhäuschens zu überzeugen, das dem ihrigen Modell entspricht - "der Einheitlichkeit der Optik wegen". Ich bin jetzt natürlich versucht, eine moderne Scheußlichkeit aus Glas und Stahlbeton zu errichten, nur um mich nicht dem Zwang des Reihenhauses zu unterwerfen. Aus Kostengründen wird es dann aber wohl doch vermutlich nur für das Modell "Friedrichswerder" aus nicht lackierter Kiefer reichen. Die streich ich dann aber rot-weiß, damit es im Garten wenigstens ein Bisschen nach Pipi Langstrumpf aussieht.
Sonst noch etwas?
Unsere alte Katze hat sich das erste Mal rausgetraut. Allerdings nur ganz kurz. Aber immerhin.
Und der Papiermüll ist noch nicht abgeholt worden, obwohl gestern der Termin war.
Das wars glaub ich.

Achso, ja, da war noch der Abgang von diesem Friedmann, Dieckmann, ne, Quatsch, Guttenberg. Ich kann die mit ihren Frisuren ja nicht so wirklich auseinander halten.
Ich fand, das hätte ruhig ein wenig theatralischer sein dürfen, zum Beispiel mit "Time to say goodbye" im Hintergrund (live gespielt von der Bigband der Bundeswehr natürlich). Ich fürchte nur, dass dieser eitle Fatzke zum Jahresende in sämtlichen Rückblicken durchgereicht wird. Spätestens dann wird es aber auch an der musikalischen Untermalung nicht fehlen.

So, das dürfte es jetzt aber auch wirklich alles gewesen sein. Außer, morgen tut sich noch etwas. Was dann aber zumindest gefühlt schon in der nächsten Woche passiert und damit in diesem Rückblick rein gar nichts zu suchen hätte.

- Loverboy -

Ps.: Noch eine Leseempfehlung für die literarisch schlichten Gemüter: "Verwesung" von Simon Beckett. Wieder einmal mit dem forensischen Pathologen Dr. David Hunter (ich glaube mal, der den Doktortitel redlich erworben), wieder einmal spannend geschrieben. Kein Werk für die literarische Ewigkeit, aber angenehm zu lesen und sehr unterhaltsam.