Montag, August 22, 2011

Le Moustique

Wenn es dunkel wird, kann ich sie draußen hören, wie sie versuchen, in unser Haus zu kommen.
Wieder und wieder stoßen sie an die Gitter, während wir drinnen bei ausgeschaltetem Licht sitzen und hoffen, dass sie halten werden.
Im Erdgeschoß haben wir alle Fenster und Türen schon auf diese Weise gesichert, die Gitter vor den Kellerfenstern sind aus V2A-Stahl - stabil genug, wie uns damals versichert wurde. Ich hoffe nur, der Mann, der sie uns damals eingebaut hat, behält Recht. Wie es ihm wohl gehen mag? Er war so stolz auf seinen Fensterschutz, aber ich glaube, dass sie auch ihn mittlerweile erwischt haben.
So wie auch unsere Nachbarn. Die Tochter haben sie am Samstag bekommen, als das Mädchen unvorsichterweise bei Einbruch der Dämmerung in den Garten ging.
Die Eltern waren dann kurz danach an der Reihe, als sie nach ihrer Tochter schauen wollten.
Im ersten Stock haben wir leider zwei Fenster vergessen. Es scheint also nur noch eine Frage der Zeit zu sein, wann der erste klug genug ist, dort seinen Weg in das Haus zu finden und über uns herzufallen. Einen von uns könnte es wohl im Schlaf erwischen. Und kurz darauf werden sie uns alle bekommen.
Scheiss Mücken.

Wenden wir uns lieber etwas Erfreulicherem zu.
Nach nunmehr über zwanzig Jahren wächst jetzt doch so langsam zusammen, was zusammen gehört.
Auch sprachlich.
Aber ein kleines Häuflein unbeugsamer Begriffe aus dem Wortschatz der untergegangenen DDR hält sich hartnäckig in den östlichen Gefilden und entlarvt damit jeden, der sie bei seinem Urlaub in den (durchweg empfehlenswerten) neuen Bundesländern nicht oder nicht adäquat verwendet, als Wessi alter Schule.
Um dem geneigten Westleser diese Schmach zu ersparen, werde ich an dieser Stelle in lockerer Reihenfolge Begriffe präsentieren, mittels deren Verwendung er sich selbst in Leipzig, Erfurt oder Dessau völlig ungezwungen und unerkannt bewegen kann.

Los gehts:
Sage niemals Plastik!
Zu verwenden ist stets das Wort Plaste.
Im Supermarkt verlange nach einer Plastetüte, auf dem Campingplatz habe einen Plastebecher zur Hand.
Der Einwand, dass Plastik die korrekte Form sei, weil man ja auch nicht von Physe, Informate oder Ästhete spreche, mag zutreffend sein, hilft aber an dieser Stelle absolut nicht weiter.
Es empfiehlt sich, die Verwendung des Wortes ein paarmal vor Reiseantritt zu üben, damit es in entsprechenden Situationen locker von der Zunge geht und man beim nächsten Grillabend in froher Runde die Plasteschüssel mit dem Kartoffelsalat ohne Zögern herumreichen kann.

- Joe Dassin -

11 Kommentare:

Frau Vau hat gesagt…

Danke schön! Ich bin schon fortgeschritten, ich sag schon "Einraumwohnung" und "Erdmöbel".
Ja, die Mücken sind ne fiese Plage, unterm Dach besonders, da hab ich noch keinen passenden Schutz gefunden. Vielleicht hilft es, wenn Sie ihre Tochter mit im Bett schlafen lassen?

Falcon hat gesagt…

Wir haben ja tatsächlich überall feste Netze einbauen lassen und sind im Haus praktisch mückenfrei. Aber am Samstag war es draußen beim Grillen ganz schön heftig.
Ob unsere Tochter so begeistert wäre, als Mückenfänger herzuhalten, weiß ich aber nicht.
Dass Sie mit dem Ostwortschatz schon einigermaßen vertraut sind, ist erfreulich, ich setze aber darauf, dass auch Sie noch Neues lernen.

Meise hat gesagt…

Zombies!
Dachte ich.
Natürlich.
Gut, dass es nur Mücken sind. ;)

Ich bemerke immer wenn ich im Osten bin, dass mein rheinischer Zungenschlag sich deutlich mehr zeigt als zuhause. Da nützt auch "Plaste" nix. Ich klinge einfach wie ein Wessi. :(

Falcon hat gesagt…

Eher Vampire - schon schlimm genug.
Zombies kommen später mal dran.
Das Verwenden ostdeutscher Begriffe zeigt aber generell eine kulturelle Aufgeschlossenheit, die die Bevölkerung freut. Quasi so, als ob Du in Frankreich französisch sprichst.

Meise hat gesagt…

Oh Gott. In Frankreich französisch? O_O
Rien ne va plus.
Okay. Ich versuch's beim nächsten Mal mit Plaste. Versprochen!!

mkh hat gesagt…

Rien ne va Plaste, heißt das doch, wertes Meischen. Und, mein guter Falcon, das Intro hast du aber derart spannend erzählt, dass ich beinah eine Gänsehaut bekommen hätte und mir ernstlich um euer Wohl Sorgen machte ... Aber dann bloß die Schnaken, gähn - ja, mein Gott, die wollen halt ein bissel Blut; gar nichts gegen unsere Wespen hier! Die haben meines Erachtens nämlich sogar alle Mücken schon aufgefressen. Und jetzt, wo´s keine Mücken mehr gibt, beginnen sie natürlich, uns Menschen zu attackieren. Hitchcock, sag ich nur. Hitchcock!!! (Wär übrigens auch mal was für ein Zitat, liebe Meise, oder?)

Falcon hat gesagt…

Zombies? Pah, harmlose Gesellen, verglichen mit diesen widerlichen Blutsaugern - uns alle jucken immer noch die Stiche om letzten Samstag.

mkh hat gesagt…

Wespen - harmlose Gesellen? - Nein, jetzt im Ernst ... Natürlich haben es die Blutsauger faustdick hinter den Ohren und ich beneide euch nicht. Solche Wespenmassen wie diesen Sommer habe ich hier vor Ort zwar auch noch nicht erlebt, aber ich wollte das eine nicht mit dem anderen eintauschen.

Falcon hat gesagt…

Du hast natürlich recht - Wespen sind auch ganz schön unangenehm.
Zumindest zuhause sind wir bis jetzt davon glücklicherweise verschont geblieben; Du kannst aber in keine Bäckerei/Konditorei mehr gehen, ohne dass dort Unmengen herumschwirren.
Den Kuchen mag ich dann gar nicht mehr kaufen, wenn ich darüber nachdenke, dass die darauf herumlungernden Wespen ja eigentlich auch Aasfresser sind - ich würde ja auch kein Stück Fleisch kaufen, auf dem sich die Fliegen tummeln.

mkh hat gesagt…

Die vergangenen Wochen herrschte hier um´s Haus und - wenn man nicht die Fenster schloss oder mit der Fliegenpatsche rabiat zur Sache ging - auch im Haus ungefähr die Wespendichte einer Berliner Bäckerei. Dies verstehe ich unter "Wespenplage" und der Status hat die Lebensqualität nicht gerade gehoben, insbesondere auch durch wespengiftallergische Anwandlungen in der Vergangenheit. Aber ich muss ihnen zu Gute halten, dass sie mich mit nur einem Stich bislang gnädig behandelten. Und so langsam scheinen es hier auch weniger schwarzgelbe Tagschwärmer zu werden ...

Falcon hat gesagt…

Eine hat mich auch bisher erwischt - in den linken kleinen Finger. Schmerhafte Angelegenheit und ein weit bleibenderes Andenken als jeder Mückenstich.