Freitag, August 26, 2011

Never Can Say Goodbye

So, ich hab es jetzt vier Tage lang geschafft (und so soll es auch bleiben), mich nicht zum Tode Loriots zu äußern. Das haben im Übrigen schon weit berufenere (und auch weit weniger berufene) Menschen in elektronischer und gedruckter Form zur Genüge getan.
Manchmal so fix, dass ich sicher bin, dass der Nachruf bei vielen schon fertig verfasst in der Schublade lag (die ARD hat das ja sogar zugegeben)- was natürlich bei jemandem, der sich nachdrücklich aus der Medienöffentlichkeit zurück gezogen hat (und auch privat keinerlei Skandale produziert hat - was mancher vielleicht schon wieder an sich für einen Skandal halten mag), nicht allzu schwer ist.
Wahrscheinlich ist der für Steve Jobs auch schon geschrieben - drinstehen wird dann das Übliche sein: Visionär, Revolutionär, Machtmensch. Ach ja - nicht zu vergessen die Garage von Steve Jobs' Eltern, in der er zusammen mit Steve Wozniak den ersten Apple - Blablabla. Die Journalisten werden ihm danken, dass sie jetzt nicht noch ständig ihre Nekrologe um die Vorstellung der neuesten iPod- und iPad-Generationen ergänzen müssen und auch auf die Berücksichtigung neuer Keynotespeeches verzichten können.

Schwieriger ist es ja bei denen, die sich aus der Öffentlichkeit verabschieden, nur um dann nach (einer gefühlt) viel zu kurzen Zeit wieder in die Kameras grinsen und die Öffentlichkeit erneut beglücken.
Besonders Musiker sind da ganz groß.
Die Stones werden vermutlich immer noch Abschieds- und Comebacktourneen veranstalten, wenn ich selber schon längst in die Grube gefahren bin.
Roland Kaiser ist erschreckender Weise auch wieder da, den Scorpion glaube ich die Abschiedtournee auch nicht so wirklich und die Flippers wird man vermutlich auch noch in zehn Jahren in diversen Musikantenstadln begegnen können, so man sich diese Sendungen denn überhaupt anschaut.
Ich tu das ja nicht, aber ich sag lieber mal nicht nie, denn wer weiß, ob nicht in 25 Jahren Marillion, Alan Parsons oder Mike Oldfield auf die volkstümliche Schiene umgeschwenkt sind und dann täte ich sie mir ja schon mal gerne anhören.
Zum Schluss aber noch ein Lob an Wolfgang Petry: Der Mann ist konsequent. Mag seine Musik auch des häufigen einen Würgereiz auslösen - seinen Rückzug ins Privatleben hat er so konsequent durchgezogen, dass man tatsächlich schon mal anfangen könnte, einen Nachruf zu verfassen in der Hoffnung, dass man da für die Zeit an 2006 nicht mehr allzu viel zu tun hätte.

Wären alle so rücksichtsvoll, hätten die Journalisten ein entspannteres Leben, könnten gelegentlich sogar sorgfältiger recherchieren und der Leser hätte damit vielleicht die Chance, nicht überall nahezu identisch getextete Nachrufe lesen zu müssen.
Wär ja mal was.

- Gloria Gaynor -

6 Kommentare:

Frau Vau hat gesagt…

Das mit den vorgefertigten Nachrufen ist (morbide zwar, aber verständlich..) übliche Praxis. Ich glaube, der einzige Promi, über den es keinen Fertigen gibt ist Jopie Heesters. An dessen Tod glaubt inzwischen ja eh niemand mehr.

Falcon hat gesagt…

Aber gruselig ist es schon irgendwie. Und wirkt dazu noch wie Fließbandarbeit...

Orinoko hat gesagt…

Jo und Howard Carpendale der ewige Wiedergänger, den wird man sicher auch mit nem schweren Stein fixieren müssen (nur zur Sicherheit).

Hello again!

Falcon hat gesagt…

Au ja, den hab ich ja ganz vergessen!

mkh hat gesagt…

Ich würde ja meinen, gerade um schlechte Recherchen im plötzlichen Todesfall einer öffentlichen Perönlichkeit zu vermeiden, legt man sich die Eckdaten des journalistischen Abgesangs bereits vorab in die Schublade. Wenn dann dennoch schlecht recherchiert worden wäre, so wäre dies natürlich ein besonderes Armutszeichen. Vermutlich wird jeder Journalist aber auch seine subjektiven Schwerpunkte setzen, was ihm zum Leben und Werk eines verstorbenen wichtig erscheint. Schwallschwallschwall, Herr mkh, und natürlich hat das auch alles mit der Schnelllebigkeit zu tun. Welchselbige im Sterbefall irgendwie eine ganz besondere Nuance bekommt. Anyway, tschüss, Loriot, jetzt ist zwar wieder Platz in der Wanne, trotzdem schade; aber so ist das halt im Leben ...

Falcon hat gesagt…

Du hast natürlich Recht - besser etwas gut Vorbereitetes als etwas schnell Dahingeschludertes. Aber irgendwie finde ich den Gedanken doch gruselig, dass die ganzen Nachrufe auf Personen des öffentlichen Lebens schon fertig produziert in der Schublade liegen.