Dienstag, September 20, 2011

Papa don't preach

Habemus papam! Oder, auf deutsch: Wir sind Papst!
Zugegebenermaßen sind wir das natürlich schon seit ein paar Jahren, seit 2005 genauer gesagt.
Aber davor waren wir es immerhin 482 Jahre lang nicht.
Da darf der Jubel auch schon mal ein wenig länger daueren.
Vor allem, wenn der Papst Deutschland besucht.
Springer (wir erinnern uns - die mit der Bild, dem Zentralorgan für dicke Brüste, tabulose Kontaktanzeigen und Volksbibeln) ist ob dieser Tatsache gleich einmal in haltlos hirnlose religiöse Hysterie verfallen und hat sein gesamtes Hochhaus in Berlin mit der Bildschlagzeile aus dem Jahr 2005 dekoriert.
Das sieht dann so aus:

Unglaublich, aber wahr.

Genauso unglaublich finde ich es aber auch, dass über 100 Abgeordnete von SPD, Grünen und Linken die Rede des Papstes im Bundestag boykottieren wollen.
Nur noch mal zur Klarstellung: Ich bin vor einigen Jahren aus der Kirche ausgetreten, weil ich in dem, was die katholische Kirche aktuell vertritt, wenig bis keine Berührungspunkte zu meinem Leben sehe.
Aber das Verhalten der Abgeordneten ist beschämend.
Man sollte nicht vergessen, dass da zwar ein Kirchenoberhaupt, aber auch ein Staatsoberhaupt spricht.
Und in so einem Fall dem Auftritt fernzubleiben ist im freundlichsten Fall ein kindisches Verhalten, bei weniger wohlwollender Betrachtung aber ein diplomatischer Eklat.
Man boykottiert nicht das Parlament, wenn ein eingeladenes Staatsoberhaupt spricht. Genauso wenig würde diese Abgeordnetengurkentruppe, die sich jetzt vermutlich auch noch verklärt als kirchenkritische Rebellen sieht, doch einer Rede von Elizabeth II. fernbleiben (wir erinnern uns - die ist auch Staats- und Kirchenoberhaupt). Wenn jemand der Abgeordneten ein Problem mit der katholischen Kirche hat (was ich durchaus verstehen könnte), dann empfehle ich ihm, alles zu tun, was in seiner politischen Macht steht, um die Verflechtung von Staat und Kirche in Deutschland aufzudröseln und zu beenden, von der Erhebung einer Kirchensteuer bis hin zum Einsatz waffensegnender Miltärbischöfe.
Aber dieses trotzige Verlassen des Bundestages anlässlich der Papstrede ist schäbig, würdelos, auf Kindergartenniveau.
Und es ist wohlfeil, ausgerechnet hier einmal auf sein Gewissen und seine plötzlich entdeckte Moralität zu verweisen, die beide ansonsten bei vielen Entscheidungen derselben Abgeordneten gut versteckt in der hintersten Schublade ihres Schreibtischs Staub anzusetzen scheinen.

- Madonna -

Montag, September 19, 2011

The Look

An dieser Stelle kein inhaltsschwangerer Post zur Berlin Wahl. Wozu auch, das können andere deutlich fundierter - oder behaupten es zumindest.
Ich halte mich heraus und freu mich darüber, dass in dem Bezirk, in dem meine Frau und ich gewählt haben, das von mir gewünschte Ergebnis - eben auch dank meiner Stimme - erzielt wurde.
Ansonsten verweise ich heute mal auf den von Herrn Womble und mir betriebenen gemeinsamen Blog über Computerspiele und das ganze große Drumherum, der seit gestern in neuem und, wie wir finden, durchaus ansprechenden Glanz erstrahlt.
Jetzt werden wir dort auch wieder einmal häufiger etwas posten und, wer weiß, vielleicht kriegen wir sogar einmal einen Podcast auf die Reihe.

Mal schauen.

- Roxette -

Donnerstag, September 15, 2011

Killing Joke

Ich verstehe mein Kind nicht mehr.
Ich glaube, es ist ein untrügliches Zeichen dafür, dass man alt wird, wenn das Humorverständnis des Kindes so völlig von dem eigenen abweicht.
Gestern kam sie mit Lachtränen in den Augen zu mir und erklärtde, ich möge jetzt unbedingt und auf der Stelle auf Youtube die ASDFMovies aufrufen (nein, ich verlink das jetzt nicht).
Und während sie dann kaum noch das Wasser halten konnte vor lauter Lachen saß ich mit relativ steinerner Miene daneben. Bis auf ein bis zwei Schmunzler (igitt - "Schmunzler". Schon die Verwendung dieses Wortes signalisiert eine gewisse Vergreisung) ist das nämlich nicht lustig.
Ü-BER-HAUPT nicht.
Tut mir leid, Tochter.
Die Menge an "Find ich toll"-Klicks unterstützt wieder einmal meine These, dass im Internet das Mittelmaß für den Unterdurchschnitt produziert.
Oder eben für Zwölfjährige.
Vermutlich hat allerdings mein Vater mit ebensoviel Unverständnis auf mein damaliges Humorverständnis reagiert - leider blieb ihm die Gelegenheit verschlossen, sich im Internet in epischer Breite über den idiotischen Humor seines Sohnes auszulassen.
Ich kann das glücklicherweise und tue das hiermit auch.
Und stelle außerdem noch fest, dass weder die "Lamas mit Hüten" noch "Bambee" lustig sind. Mag sich die Internetfangemeinde auch noch so kichernd über den Boden rollen. Nein, keine Links.

Zum Schluß konnten mein Kind und ich dann aber doch noch humorkritisches Einvernehmen erzielen:
Über Dennis & Jesko lachen wir beide und "Nur ein Ork" ist wirklich lustig.
Deshalb verlinke ich das jetzt auch.
Ansehen! Lustig finden! Andere Videos von Dennis & Jesko anschauen!
Hopphopp!

So, und ganz zum Schluss erkläre ich jetzt auch noch die Lebkuchensaison für dieses Jahr für eröffnet.
Das Wetter wird jetzt eh immer schlechter, die Teetassen werden entstaubt und dazu gibt es dann die dezent winterliche Stimmung erzeugenden Herzen, Sterne und Brezeln. In zartbitter.
Schön.

- Die Ärzte -

Und damit das Lesen dieses Posts nicht in völlig verschwendete Zeit mündet, hier der nächste Ostbegriff:
Der Traps.
In Verbform hört Selbiges der Berliner die Nachtigall tun, als Substantiv aber bezeichnet damit der Einwohner Sachsens, Thüringens, Brandenburgs, Sachsen-Anhalts sowie Mecklenburg-Vorpommerns und der östlichen Berliner Stadtteile den allseits geschätzten Syphon, also dieses krumme Ding aus Kuststoff oder verchromtem sonstigen Metall, das sich unter dem Waschbecken tummelt und durch das sich das Händewaschwasser winden muss, will es in die Kanalisation.
Seht ihr - wieder was gelernt.

Montag, September 12, 2011

Where Were You (When The World Stopped Turning)

Ja, es ist schrecklich, was vor zehn Jahren und einem Tag in den USA geschehen ist.
Ich weiß, dass ich damals sprachlos vor dem Fernseher gesessen und diese Bilder gesehen habe, die aussahen, wie aus einem völlig unglaubwürdigen Katastrophenfilm.
Och erinnere mich auch an die Sorge in Folge der Anschläge, ob so etwas nicht jederzeit und überall noch einmal passieren könnte.
Was ja dann, wenn auch in deutlich kleinerem Masstab, hier und hier tatsächlich auch geschah.
Ich erinnere mich aber auch daran, wie die Bilder schon bald zu einem fürchterlichen Betroffenheitsdreck, unterlegt mit Enya's "Only Time" verrührt wurden.
Als wäre das Geschehen nicht schon schrecklich genung, musste wohl noch einmal zusätzlich auf die Tränendrüse gedrückt werden.
Wie es weiter ging, ist hinreichend bekannt: Die USA begannen ihren Krieg gegen den Terror zunächst im Irak, gefolgt von einer „Koalition der Willigen“ - Deutschland hielt sich noch heraus, gab aber dann, als Afghanistan als nächstes Ziel anstand, seine Zurückhaltung auf und schickte Bundeswehrsoldaten an den Hindukusch.
Was ich von diesem Irrsinn halte, habe ich schon öfter einmal kundgetan und brauche es nicht zu wiederholen. Nur Eines dazu: Wer glaubt, dass nach dem Abzug der internationalen Truppen in Afghanistan Frieden und Freiheit herrscht, dem möchte ich an dieser Stelle zu seiner herzergreifenden Naivität gratulieren.

Zehn Jahre sind die Anschläge jetzt her und in diesem Jahr hat man dann sicherheitshalber schon gleich zwei Monate vor dem Termin mit dem Gedenken angefangen. Keine Zeitung, die etwas auf sich hält (und selbst die, die das nicht tun) hat auf Dokumentationen nach dem Motto "Wo warst Du, als..." verzichtet, im Fernsehen wurden die Bilder wieder und wieder gezeigt, Nicholas Cage durfte sich als tapferer Polizist durch die Trümmer des World Trade Centers kämpfen, kurz - es war widerlich, wie seit Wochen in sämtlichen Medien das Thema durchexerziert wurde.

Und nein, ich habe den Tag nicht in stillem Gedenken verbracht. Es ist jedem unbenommen, das für ignorant, dumm oder oberflächlich zu halten, aber ich frage mich ja schon wieviele von denen, die am 11. September vor Betroffenheit Schnappatmung kriegen, denn all der anderen Toten in Folge dieses Tages gedenken. Und nein, das waren beileibe nicht nur irgendwelche Gotteskrieger, die ihr Hirn abgelegt haben, als sie in den heiligen Krieg zogen.
Sind die weniger wert, weil sie nicht so medienpräsent gestorben sind?

Nur nochmal zur Klarstellung: Ich möchte niemandem seine Trauer und/oder Betroffenheit angesichts der Ereignisse am 11. September 2001 absprechen.
Aber ich verwehre mich dagegen, dass hier quasi eine Vereinnahmung des Datums durch eine Betroffenheitsindustrie entsteht, die auf all jene verächtlich herabschaut, die an diesem Tag keine Trauer empfinden oder sie nicht öffentlich zur Schau tragen.

- Alan Jackson -

Montag, September 05, 2011

To be on the stage

Herrschaften, es ist nach langer Zeit endlich wieder einmal soweit - Braincap wird life und in Farbe erlebbar sein, und zwar am
17.12.2011 ab 22.00 Uhr im JWD in Berlin Spandau.
Wir sind natürlich jetzt schon total aufgeregt und verspielen uns beim Üben laufend - echte Menschen, echtes Publikum!
Ein ganz neues Gefühl!
Wer dieses Gefühl auch erleben möchte (dann allerdings auf der anderen Seite der Bühne, quasi als Teil eines großen Ganzen, einer mitreißenden Bewegung, einer symbiotischen Musiker-Zuhörer-Beziehung), sollte sich diesen Abend unbedingt freihalten und rechtzeitig gen Berlin aufbrechen, das natürlich auch ansonsten eine Reise wert ist.
Und jetzt erst recht und sowieso.

Wer das Ganze via Facebook (ich weiß, böse, böse) verfolgen und/oder kommentieren möchte, folgt einfach diesem Link.

Isch freu misch drauf!

- Braincap -