Gibt es eigentlich noch Mofas?
Zu meiner Zeit war es ja für einen Fünfzehnjährigen eines der am meisten erstrebenswerten Ziele, endlich motorisiert (wenn auch vermutlich schwächer als der durchschnittliche Benzinrasenmäher - dafür aber garantiert lauter) durch die Gegen, nun ja, zu heizen.
Während die coolen Typen auf Zündapps, ich glaube, es waren CS25er, unterwegs waren, die wenigstens von ganz weit weg ein ganz kleines Bisschen fast wie ein echtes Motorrad aussah, war der Herr F. damals mit einer Honda Camino motorisiert, die ich dank Omas Zuschuss zum Schnäppchenpreis einer älteren Dame abkaufte.
Genauso betulich, wie sich das jetzt liest, fuhr sich das Gerät natürlich auch.
Nix mit Kickstarter, Schaltung oder sonstigem Schnickschnack. Nicht mal die Zahl der Ritzel konnte man zu Beschleunigungszwecken manipulieren, weil die Gurke ja keilriemenbetrieben war.
Eines Tages habe ich dann herausgefunden, dass mein Mofa schneller wurde, wenn ich den Benzinhahn auf die Hälfte zwischen normalem Tank und Reserve stellte - vermutlich weil das kleine Ding in dem rührenden Versuch, bei gefühlt leerem Tank noch die nächste Tankstelle erreichen zu wollen, noch einmal das Letzte aus sich herausholte.
Schließlich funktionierte aber selbst das nicht mehr und bei Spitzengeschwindigkeiten von geschätzten 17 Stundenkilometern war es nicht mehr der Fahrtwind, der mir unterwegs die Tränen in die Augen trieb.
Rettung brachte eine neue Auspuffwanne - anscheinend hatten sich die ganzen nicht so wirklich verbrennbaren Stoffe des damaligen Benzins so sehr im Auspuff festgesetzt, dass dieser immer weniger Abgas herauslassen konnte. Man frage mich jetzt bitte nicht, warum das dann zu einer Drosselung der Geschwindigkeit geführt hat - hätte mich diese Frage interessiert, hätte ich Maschinenbau studiert.
Tatsache ist aber, dass das kleine Ding nach Auspufftausch beim lokalen Mofadealer des Vertrauens mich mit ungeahnten 35 Stundenkilometern nahezu durch die Gegend katapultierte.
Einen ähnlichen Geschwindigkeitsrausch hatte ich erst wieder, als ich bei einer meiner Fahrstunden zum ersten Mal mit Tempo 80 (Achtzig!!! Gefühlt nah an Lichtgeschwindigkeit!) über die Landstraße preschte.
Trotzdem habe ich sie irgendwann offensichtlich irgend einem anderen Menschen, dem Preis über Design ging verkauft und mir statt dessen ein Auto zugelegt, das immerhin 36 mal mehr PS hatte, als die gute alte Camino.
Was mich aber zu der Eingangsfrage zurück bringt.
Gibt es heute noch Mofas? Bzw. fährt abseits von Mofarennen noch irgendwer mit den Dingern im Straßenverkehr herum?
Als wir am Wochenende durch eine Gartenanlage in der näheren Umgebung streiften, versuchte tatsächlich noch eine Gruppe Jugendlicher zwei uralte Mofas vom Typ Simson und Peugeot anzuschmeißen - mit bescheidenem Erfolg. Während die Damen der Gruppe bereits nach kurzer Zeit das Handtuch warfen, strampelten die drei jungen Herren abwechselnd und mit hochroten Köpfen, aber keineswegs gewillt, vor den Mädchen aufzustecken, auf den widerspenstigen Geräten die Straßen auf und ab, ohne dass sich die motorisierten Oldtimer zu einem Start hätten überreden lassen.
Unsere Tochter besah sich die Geräte interessiert und erklärte im Anschluss, dass sie dann doch lieber auf ein richtiges Motorrad sparen wolle.
Rein rational kann es ja nachvollziehen, erinnere mich aber trotzdem noch immer gerne und mit etwas Wehmut an die Zeit vor einem guten Vierteljahrhundert, als ich mich, gerade 15 geworden, auf so einem motorisierten Fahrrad fühlte wie der König der Route 66.
- Steppenwolf -
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6 Kommentare:
Oja! Das waren Zeiten! Beim Lesen deines mofalgischen Textes (eine Variante von nostalgisch, du verstehst, gell) kam unwillkürlich eine Ahnung aus frühesten Vorzeiten in mir hoch, wie das damals doch war, dieses erste Route-66-Mobilitätserlebnis, das mit permanentem Benzingemischgeruch und jenseits der Pedalkraft ... Bei mir war es eine Starflite. Lanweilig. Ein Freund kam mit seinem Mofa locker auf wilde, dröhnende, quietschende und unfassbare 45. Dagegen stieg ich aber bald (gefühlte Jahrzehnte später, aber eigentlich wars im Folgejahr, mit 16, klar) auf die bullige CY 50 um. Und die hatte dann schon einen ziemlich fühlbaren Motorradaspekt. Den ich gefühlte Jahrzehnte später wiederum verzehnfachen konnte. 500 Kubikmeter auf zwei Rädern war jetzt absolute King-of-the-road-Klasse. Und Mofas? Was war das doch gleich? Daran konnte ich mich ab 18 nicht mehr erinnern.
Ich hatte es auch lange verdrängt, aber als ich die Kiddies sah, die engagiert versuchten, die alten Maschinen nochmal zum Laufen zu bekommen, wurde mir ja ganz warm ums Herz.
Aber Deine CY 50 ist ja schon deutlich näher am Motorrad.
Bei mir ist es nie über das Mofa rausgekommen - ich hatte zwischenzeitlich mal mit dem Kauf einer Uralt-Maschine (BMW-Nachbau aus den 60ern in Kasachstan, sagte man mir) geliebäugelt, aber da hatte meine Frau doch einige sehr gute Argumente, warum das nicht gerade eine meiner besten Ideen war...
Ohne deine anderen besten Ideen, und davon gibt es sicher sehr viele, schmälern zu wollen: das WAR schon eine gute Idee! Motorradfahren blieb über viele, viele Jahre hinweg eines meiner besonderen Erlebnisse. Mittlerweile ist definitiv Pause. (Und vielleicht nervt mich auch langsam die Masse.) Aber mein vierjähriger Sohnemann beginnt allmählich schon damit, mich ein bisschen zu drängeln, wenn er die alte Honda staubig in der Scheune stehen sieht ...
(also nicht die CY, sondern die verzehnfachte Honda)
Ich hatte eine Vespa Gilera.. allerdings nur ein paar Wochen, denn bei so was bin ich eigentlich ein Schisser..... und ich war 20!
Meinem Sohn hab ich den Mofaführerschein angeboten, fand er jetzt wohl zu piefig --> abgelehnt.
Einer seiner Freunde fährt Mofa (frisiert..) und sieht aus wie Affe auf Schleifstein. Dann lieber Fahrrad..
@mkh: Du hast die Maschine nicht gesehen. Und ich sollte vielleicht noch erwähnen, dass nicht nur das Motorrad aus Kasachstan stammte, sondern ich auch meinen Motorradführerschein (haha!) in Kasachstan hätte machen müssen. Definitiv keine gute Idee.
@Frau Vau: Fahrrad ist ja auch definitiv gesünder. Und für Mädels ist (zumindest heute) ein durchtrainierte Knabe auf dem Fahrrad attraktiver als jemand, der sich auf dem Mofa den Hintern plattsitzt. Ab Leichtkraftrad/Motorrad und der Möglichkeit, auch mal jemanden mitzunehmen, dürfte sich das natürlich wieder ändern.
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