Montag, Februar 27, 2012

Wenn du eine Schwiegermutter hast

Ahja, die Schwiegermutter wars. Hat der darbenden Familie Wulff mal fix 2.500 Euro zugesteckt, damit sie nicht länger am Hungertuch nagen muss.
Und der damals noch niedersächsische Ministerpräsident stopft das Geld für schlechte Zeiten in seinen Kopfkissenbezug, statt damit sein tief in den roten Zahlen befindliches Girokonto zumindest wieder etwas auszugleichen.
Das hatte dann aber den Vorteil, dass er das Geld gleich passend im Haus hatte, als sein Kumpel aus dem Filmsektor ihm mal eben die Kohle für einen Urlaub vorgeschossen hatte, weil Bettina seine Brieftasche verlegt hat.
Soso.
Ne, klar, das ist endlich die logische Erklärung, die noch gefehlt hatte.
Ich hätte zwar im Vorfeld eher auf anonyme jüdische Erblasser getippt (soll ja schon mal funktioniert haben), aber Schwiegermutter ist auch nicht schlecht.
Und wenn es ganz hart auf hart kommt und auch diese Geschichte platzt, kann er sich ja immer noch auf sein Ehrenwort gegenüber dem Finanzier seines Lebensstils berufen.
Denn wer Ehrensold und einen ehrenvollen Abschied von den Kameraden der Bundeswehr bekommt, dessen Ehrenwort zählt ja noch was, heutzutage.

- Willi Ostermann -

Samstag, Februar 11, 2012

The Voice

Se woiß off tschörmänie ist zuende. Tatsächlich zu meinem Bedauern.


Im Vorfeld ging es mir wie so manch Andere(r/m) - och nö, nicht noch eine Castingshow. Und dann auch noch mit einem so dämlich eingesprochenen Trailer.
Wieder so ein Scheiß, den die Welt nicht braucht.
Bis ich das erste Mal reingeschaut habe. Und feststellen musste, dass der Typ, der da gerade stand, tatsächlich singen konnte. Der danach übrigens auch. Und die danach. Und die nächste.
Die Kandidaten waren weder komplett merkbefreit noch wurden sie von einem widerlich arroganten, zum Poptitan hochstilisierten Juror der Lächerlichkeit preisgegeben.
Keine Homestories in gedämpften Farben und unterlegt mit traurigem Klaviergeplänkel, in dem erklärt wird, dass dies nun wirklich die allerletzte Chance für den gleich auftretenden 16-jährigen ist, im Leben überhaupt noch etwas zu schaffen. Und dass das Leben keinen Sinn mehr hätte, würde man nicht mit einem gelben "Recall"-Wisch und ein paar warmen Worten aus Bohlens 3-Begriffe-Fundus ("Hammer, Megageil, Bombe") aus dem Raum geschickt.
Dass das zu Beginn besonders angepriesene Konzept der "Blind Auditions", sprich, die Juroren sehen die Kandidaten nicht, sondern hören nur ihre Stimme, natürlich wirklich nur fürs erste Anhören funktionieren kann, dürfte klar sein. Sonst hätte man ja gleich eine Radioshow draus machen können.
Dass die Juroren aber nicht bloß bewerten, sondern sich ihre Teams zusammenstellen (und die Sänger durchaus die Chance haben, selber zu entscheiden, mit wem sie ins Rennen gehen wollen) ist nicht ganz neu, aber wird hier konsequent durchgezogen.
Wirklich neu ist aber der Tonfall, in dem das ganze stattfindet. Die Juroren - oder besser Coaches - honorieren auch die Leistung der anderen und pflaumen sich bestenfalls gegenseitig an. Wird gelästert, geht das nie auf Kosten der Kandidaten.

Das ist seltsam. Man ist im deutschen Fernsehen und ganz besonders im Privatfernsehen eigentlich nur noch einen ruppigen, prolligen Tonfall gewohnt.
Da wird sich gegenseitig angeblökt, heruntergeputzt, fertig gemacht. Und nun kommt eine Sendung, in der sich die Menschen eigentlich nur so benehmen, wie man es von zivilisierten Wesen erwarten sollte.
Da aber mittlerweile die Erwartungshaltung aufgrund der bisherigen Erfahrungen so sehr gesunken ist, empfindet man das eigentlich Normale schon als das Außergewöhnliche.
Und wünscht sich, dass das Außergewöhnliche wieder das Normale wird.
Dass diese herumprollenden Shows langsam, aber sicher (oder gerne auch schnell, hauptsache sicher) in die Bedeutungslosigkeit rutschen und zusammen mit all den Scripted-reality-Formaten auf die Müllhalde der Fernsehgeschichte wandern, wo sie auch hingehören.
Dort mögen sie dann bleiben, tabu für alle Wiederbelebungsversuche, aber als mahnendes Beispiel dafür, wie es bitte nicht wieder sein soll.
"The Voice of Germany" geht derweil in die zweite Staffel.

Für diese Sendung wünsche ich mir nur, dass ihre Sieger, aber auch die Zweit-, Dritt- und Vierplazierten nicht in der Vergessenheit landen mögen wie so viele Castingshowgewinner vor ihnen, dass das Team der Coaches wieder erneut zusammen findet (es ist immerhin bemerkenswert, dass mit "The BossHoss" die nach Nena musikalisch limitiertesten Coaches offenbar trotzdem das Beste aus ihrem Schützling Ivy Quainoo herauskitzeln konnten) und dass die Sendung nicht totgeritten wird.
Wenn man der Meinung ist, dass es bei den nächsten oder übernächsten Kandidaten kein Potential gibt, dann lässt man es halt bleiben und macht nicht aus Krampf trotzdem eine Show daraus - das hätte diese tatsächlich großartige Sendung nämlich nicht verdient.

- John Farnham -