Dienstag, Juli 31, 2012

Band on the Run


Wir, das heißt die Herren Mitglieder der Populärmusikkapelle Braincap, neigen ja gelegentlich ein wenig zur Selbstbeweihräucherung. Im sonstigen privaten Bereich kommt es, zumindest bei mir, ja doch eher selten vor, dass ich mich vor den Spiegel stelle und murmele "Was bist Du doch für ein schmuckes Kerlchen!". Das höchste der Gefühle ist allenfalls ein "Naja, ganz so schlimm wie auf dem Foto sieht es ja in echt nicht aus!".
Aber ich schweife ab.

Also, wir als Band bestätigen uns immer wieder gegenseitig, dass wir doch recht gut sind. Das ist natürlich ziemlich einfach, weil ja niemand da ist, der uns widersprechen könnte.
Aber jetzt sind wir endlich einmal ins kalte Wasser gehüpft und stellen uns dem Wettbewerb.
Wir haben uns nämlich beim Bandcontest von Radio1 beworben.
Das ist ein Berliner Radiosender, Teil der öffentlich-rechtlichen RBB-Familie und dank guter Moderatoren und guter Musik (ganz ohne "die größten Hits der 80er und 90er und das beste von heute"-Geschwafel) auch für Menschen meines Alters (und sogar noch älter) gut anzuhören.
Für die, die nicht in Berlin wohnen - Radio1 gibt es auch im Internet und für Rheinländer: Radio1 liegt stilistisch zwischen Einslive und WDR2.
Wer nach Berlin kommt: Terrestrische Frequenz ist die 95,8.
Aber genug der Werbung für andere.

Wie gesagt, Radio1 macht einen Bandcontest aus Anlass seines 15jährigen Bestehens und wir haben uns dort mit unseren derzeitigen Titeln beworben und sind jetzt natürlich auf ein Urteil gespannt, das nicht vom milden Blick Bekannter und Freunde ("die Jungs haben doch sonst nix, da kann ich ihnen doch nicht auch noch die Illusion zerstören, die Musik, die sie spielen, sei gut") getrübt und mit Wattebällchen ummantelt ist.
Wir werden sehen, was dabei heraus kommt.

Wonach wir aber nicht mehr sehen müssen, ist der Termin unseres nächsten Auftritts, der steht nämlich fest.
Wir werden zu hören sein am 13. Oktober im Crystal in Berlin (der kleine Bruder der ehemaligen Columbiahalle, jetzt "c-club"), wo wir die Band Gardenier supporten.
Früher nannte man sowas Vorband, heute "Support", aber die Jungs (und das Mädchen) von Gardenier haben mit ihrer gut gemachten Musik Support auch redlich verdient.

Wir sind auf jeden Fall sehr gespannt und hoffen, dass bei Beidem etwas Gutes herauskommt - drückt uns die Daumen!

- Wings -

Samstag, Juli 14, 2012

The first cut is the deepest


Sorry, ich muss jetzt doch mal. Sonst müsste ich nämlich kotzen. Wär ja auch nicht schön.
Also: Das Landgericht Köln hat festgestellt, dass die Beschneidung von Jungen eine strafbare Handlung darstellt. Dem war wohl eine Konstellation vorher gegangen, bei der ein kleiner Junge durch die Beschneidung erheblich verletzt wurde.
Und jetzt heult die gesamte Nation auf.
Tenor im Großen und Ganzen:
Beschneidung ist
a) sowieso keine Körperverletzung
b) ein ritueller und seit hunderten, wenn nicht tausenden von Jahren praktizierter Akt des Glaubens und außerdem sei das Urteil ja nur dazu da, Muslime und Juden in Deutschland an den Pranger zu stellen.
In Kreisen des Judentums entblödet man sich nicht, das ganze schon mit dem Holocaust auf eine Stufe zu stellen klick, die allseits präsenten Grünen Künast und Beck erklären mal fix, dass die Beschneidung zwar eine Verletzung des Körpers, aber keine Straftat sei, weil sie in religiösem Kontext erfolgt klick, Politiker aller Orten ebenso wie die Gewehr bei Fuß stehenden christlichen Kirchen kritisieren die unabhängige deutsche Gerichtsbarkeit und selbst der Deutsche Botschafter in Tel Aviv schreibt fix einen offenen Brief, in dem er Israel beruhigt und die Entscheidung eines Deutschen Gerichts als Einzelfallentscheidung und erklärt die Beschneidung als Ausdruck religiöser Vielfalt in Deutschland geschützt klick.
Und das bringt mich zu meiner kleinen Frage:
Habt ihr sie eigentlich noch alle?
Bzw. tickt ihr noch ganz sauber?
Oder aber habt ihr noch alle Tassen im Schrank?
Ja, die freie Religionsauübung ist in Deuschland geschützt. Aber nur insoweit, als dass sie nicht  Rechte anderer  verletzt.
Und sorry, das Recht auf körperliche Unversehrtheit wird da verletzt.
Es ist beinahe rührend zu sehen, wie die Circumcision, wie wir alten Mediziner es nennen, jetzt kleingeredet wird. Ist ja nur ein ganz kleines bisschen Körperverletzung und deswegen gar nicht so schlimm.
Jaha, würde da einer mit dem Messer nochmal nachschnibbeln, wäre das was anderes. Aber so?
Ein bisschen Körperverletzung. Aha.
Ich zitier mal kurz aus Wikipedia:
"Eine Körperverletzung ist der Eingriff in die körperliche Unversehrtheit einer Person in Form einer körperlichen Misshandlung oder einer Gesundheitsschädigung.[1] Auch jede ärztliche Behandlung zu Heilzwecken, bei der auf irgendeine Weise in den Körper des Patienten eingedrungen wird, ist nach herrschender Meinung eine Körperverletzung, die nur dann nicht rechtswidrig ist, wenn in sie (auch konkludent) eingewilligt wird oder ein rechtfertigender Notstand vorliegt."
Eine Körperverletzung ist es also, die Frage ist nur, ist sie rechtswidrig - schließlich willigen ja offenbar die Eltern in die Durchführung des nicht medizinisch erforderlichen Eingriffs ein.
Und da bin ich vollkommen bei den kölner Richtern. Denn die argumentieren, dass in der Bewertung das Grundrecht eines Kindes auf körperliche Unversehrtheit überwiegt. Die Religionsfreiheit und das Erziehungsrecht der Eltern würden nicht unzumutbar beeinträchtigt, wenn sie abwarten müssten, ob sich das Kind später selbst für eine Beschneidung entscheide.
Ja, das mag gegen das Selbstverständnis einer Religion verstoßen, die daran interessiert ist, möglichst früh ihre Hände auf die Seelen oder  was auch immer ihrer Schäfchen zu legen.
Aber was eine Religion will, hat den Staat eben da nicht mehr zu interessieren, wenn durch dieses Wollen das Grundrecht eines anderen verletzt wird. Und da wünsche ich dem Gericht und den sicherlich auch angerufenen folgenden Instanzen genug Rückgrat, um bei dieser Einschätzung zu bleiben.
Denn wir müssen überlegen, was wir in Deutschland wollen - einen Staat, der vor den Religionen kuscht oder einen, der jedem Menschen durchaus seine individuelle Freiheit, an das zu glauben, was er für richtig hält, belässt, aber gleichzeitig auch in vollem Umfang all diejenigen schützt, die durch diesen Glauben unzumutbar beeinträchtigt werden, ob sie sich nun selber dazu äußern können oder, wie im Falle eines Säuglings, eben noch nicht.
Mir ist die zweite Alternative durchaus die liebere und ich möchte nicht in einem Land leben, dass sich den Forderungen von Religionsgemeinschaften, von denen lustigerweise sich auch noch jede für die einzig Wahre hält, so beugt.

weiter lesen: http://www.gmx.net/themen/gesundheit/kind/249ei1w-oberster-mediziner-warnt-aerzte-beschneidung#.A1000146

- Cat Stevens -

Und noch ein Nachtrag - gut und zutreffend uns außerdem mit weit mehr Rechtskenntnis, als ich sie je haben werde, geschrieben.