Donnerstag, November 22, 2012

19th nervous breakdown



"Jahaha, da können Sie doch jetzt ganz zufrieden sein - die eine Panne, die ein Hyundaifahrer statistisch gesehen hat, haben Sie jetzt schon hinter sich!"
Hab ich es schon mal erwähnt?
Autoverkäufer stehen evolutionsbiologisch zwar deutlich über Immobilienmaklern, aber immer noch ebenso deutlich unter den Acanthocephalae und sie bemühen sich redlich, ihre Position auch weiterhin zu behaupten.

Vielleicht ganz kurz zum Hintergrund: Wir haben ein neues Auto. Das alte, ein knapp elf Jahre alter Mazda Demio war doch schon deutlich in die Jahre gekommen und nachdem die Werkstatt meines, nun ja, Vertrauens mir beim Reifenwechsel mitteilte, dass die Kupplung praktisch hinüber sei und der Mittelschalldämpfer es wohl auch nicht mehr lange machen würde, standen wir vor der Frage, ob wir noch einmal richtig viel Geld in die Hand nehmen sollten, um ein altes Auto wieder fit zu machen oder ob wir richtig viel Geld in die Hand nehmen sollten, um ein neues zu kaufen.
Den Ausschlag gab, dass die Reparatur des alten Autos letzten Endes nur zu einem reparierten, aber immer noch alten Auto geführt hätte, bei dem man nie gewusst hätte, welche Kosten dann als nächstes auf uns zukommen würden. Und dass die Kosten der Reparatur den Fahrzeugwert deutlich überstiegen hätten.

Also neues Auto. Was gar nicht so einfach ist, denn zuerst sollte man sich im Klaren sein, was für Modelle überhaupt infrage kommen (Frau Vau schlug sich jüngst mit ganz ähnlichen Problemen herum). Es sollte definitiv größer als das bisherige sein (schon weil das Töchterlein mit ihren mittlerweile knapp 1,70 Meter sich immer unschön auf der Rückbank zusammenfalten musste), sollte verbrauchstechnisch nicht durch die Decke gehen, sinnvolle Extras an Bord haben und vor allem bezahlbar sein.
Ich persönlich habe ja längere Zeit mit dem Prius von Toyota geliebäugelt, vor allem in Anbetracht der Benzinpreise, die vermutlich nicht wieder auf 1,20 € fallen werden. Meine Frau wurde mit dem Teil aber so gar nicht warm, und da es nur in neu zu Mondpreisen oder aber mit Laufleistungen zwischen 60.000 und 100.000 Km. verfügbar war, was dann nun so gar keine Verbesserung zu unserem bisherigen Auto gewesen wäre, haben wir die Idee wieder fallen gelassen.

Ford und Opel haben wir ganz außen vor gelassen (Ford aufgrund schlechter Erfahrungen mit einem Escort vor langer Zeit, aber so was prägt halt und Opel aus einem eher undefinierbaren Gefühl heraus. Dabei war der Opel, den wir mal hatten, eigentlich ziemlich gut, aber genau genommen war es ja auch ein Isuzu); Renault wäre in die nähere Auswahl gekommen, aber da der Händler nur zu obskuren Zeiten geöffnet hatte (sprich: Wochentags bis 18.00 Uhr und samstags machte er um 14.00 Uhr dicht) und die Wagen, die draußen standen, alle für meinen Geschmack exorbitant hohen Durst hatten, schied auch Renault aus.
Bei Daimler sind wir pro forma mal über den Ausstellungsplatz gewandert, haben angesichts der Preise erst geschluckt, dann kurz und trocken gelacht und sind dann wieder gefahren und Mazda schied wegen meiner Unzufriedenheit mit dem monopolistischen Berliner Autohaus auch aus. Außerdem hätte ich dann ja auch gleich einen Ford kaufen können.
Bei VW haben wir seltsamerweise gar nicht geschaut und BMW würde ich im Leben keinen kaufen (obwohl ich schon einmal einen gefahren bin, aber das nur aus einer gewissen Notlage heraus).

Dass es dann ein Hyundai wurde, war eigentlich reiner Zufall. Vielleicht auch die unterschwellige Macht der Werbung - wer kann das schon sicher sagen (die Protagonisten in der sehr, sehr empfehlenswerten Serie "The walking Dead" fahren einen Hyundai, und ein Wagen, der liebgewonnene Charaktere vor der Zombiekalypse schützt, kann ja so schlecht nicht sein). Vielleicht lag es auch daran, dass das Autohaus direkt neben meiner langjährigen Autowerkstatt beheimatet ist und im Gegensatz zu anderen Autohäusern wochentags bis 22.00 Uhr potentielle Kunden an die Autos lässt.
Wer kann das schon sagen?

Auf jeden Fall stand er dann da - der i30 cw, ein für unseren Geschmack recht apartes Auto, sofort verfügbar, hübsch anzuschauen, mäßig durstig und vor allem eines: Bezahlbar.
Und riesig. Zumindest, wenn man von einem Mazda Demio umsteigt. Gefühlt hört der Wagen zu keiner Seite hin jemals auf, weder in Richtung Beifahrer noch in Richtung Front. Und der Blick in den Rückspiegel vermittelt den Eindruck, man würde in ein mittelalterliches Kirchenschiff schauen, so riesig scheint alles zu sein.
Man merkt, ich bin begeistert.
Die Begeisterung verflüchtigte sich dann aber schlagartig, als am Tag 7 der Wagen seinen Dienst verweigerte. Der Anlasser röhrte noch freundlich, aber der Motor sprang schlicht nicht an. Batterie war voll, Tank laut Anzeige wenigstens noch halb voll, nur das Auto wollte nicht mehr. Unschön, wenn so was am Donnerstagmorgen passiert, das Kind dringend in die Schule muss und man selber zu einer Besprechung schon rechtzeitig auf Arbeit sein sollte.
Sogar sehr unschön.
Der herbeigerufene Pannendienst (immerhin bietet Hyundai eine 5 Jahre lange Mobilitätsgarantie) wusste den Fehler auch nicht zu finden, also retour zum Autohaus mit angeschlossener Werkstatt. Dank eines energischen Telefonats meiner Frau stellte man uns dort, wenn auch murrend, einen kostenlosen Ersatzwagen zur Verfügung und nach kaum vier Tagen war das Problem gefunden und gelöst - der Tankanzeigengeber war der Übelwicht.
Das ist das Gerät, das anzeigt, wie viel Benzin noch im Tank ist. Und weil das wohl im Werk falsch montiert worden war, sah es so aus, als hätte man uns das Auto mit einem zu ¾ vollen Tank übergeben - der dann immer noch scheinbar halbvoll war, als der Wagen die Mitarbeit verweigerte, tatsächlich aber vollkommen leer gefahren war.
Als ich den Wagen dann repariert zurück bekam, gesellte sich der fröhliche Autoverkäufer zu mir und bedachte mich mit dem hübschen Spruch aus dem Beginn dieses Posts. Meine Begeisterung darüber fiel allerdings nur mäßig aus und ich bedachte ihn, das Autohaus und Hyundai im Allgemeinen mit ein paar Begriffen, die ich hier aus Rücksichtnahme auf die Tatsache, dass meine Tochter eines Tages auf diesen Blog stoßen könnte, lieber nicht hinschreiben möchte.

Nun ja, Ende gut, alles gut könnte man sagen, aber ich muss gestehen, dass ein Rest Zweifel jetzt immer noch da ist - der Tank ist ordnungsgemäß befüllt, die Tankanzeige und alle sonstigen Instrumente scheinen auch brav ihren Dienst zu verrichten, aber trotzdem nagt da irgendwo die Frage, ob nicht so etwas (oder etwas Anderes) unvermutet wieder auftreten könnte - und dann vielleicht nicht beim Versuch, aus der Hauseinfahrt zu kommen, sondern mitten auf der Autobahn, im Berufsverkehr oder beim Einfahren in eine vielbefahrene Straße.
Zumindest da hoffe ich, dass der Autohansel mit seiner einen Panne Recht hatte, aber ein bisschen Daumendrücken ab und an kann ganz sicher auch nicht schaden.

- Rolling Stones -