Dienstag, November 12, 2013

Sonntag, August 18, 2013

Secret

In der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung ist diesmal ein langer Artikel zum Thema "Staatliche Spionage", deren Nutzen und Sinnhaftigkeit sowie zu einigen grandios verhauenen Überwachungsaktionen abgedruckt.
Enden tut der Artikel mit Tipps, wie sich der Bürger schützen kann.
An der Stelle bin ich hellhörig geworden.
Der Bürger muss sich mittlerweile vor dem Staat schützen?
Also vor dem Gebilde, das sich eigentlich aus der Gesamtheit seiner Bürger zusammensetzt?
Ich muss also aufpassen, dass nicht irgendwelche staatlichen Institutionen mich überwachen, meine Daten und Informationen über mich bewusst oder aus Dummheit und Inkompetenz falsch verwenden?
Ja Herrschaften, geht es noch?
Wen schützt der Staat, der eigentlich mich schützen soll, denn tatsächlich noch, wenn er mich und meine Mitbürger überwacht und kontrolliert? Und diese Überwachung wiederum jeglicher Kontrolle durch rechtsstaatlich legitimierte Institutionen entzieht, indem er diese Institutionen einfach nicht informiert und hofft, dass sie es schon nicht merken werden.

Ich weiß, es gibt Staaten, die sind um ein Vielfaches schlimmer und ich möchte auch nicht mit diesen Staaten tauschen.
Aber unser Staat, der seit Jahrzehnten so stolz darauf ist, ein demokratisch legitimierter Rechtsstaat zu sein - dieser Staat bzw. Institutionen innerhalb dieses Staates untergraben gerade (oder auch schon seit langen) dieses Prinzip, weil ein paar Typen in entsprechenden Positionen der Meinung sind, sie könnten zum Wohle des Staates bestimmen, welche Rechte gerade gelten dürfen und welche nicht.

Ich sag es noch einmal: "Zum Wohle des Staates", also zum Wohle von uns allen glauben sie, systematisch unser aller Rechte aushöhlen zu dürfen, uns zu überwachen und das Recht zu haben, bei Bedarf (oder auch nur gefühltem Bedarf) entsprechende weiterführende Maßnahmen zu ergreifen.

Und da möge sich jetzt bitte auch niemand hinstellen und erzählen, dass es ihn ja nicht betreffe, weil er ja nichts zu verbergen habe - das interessiert die Damen und Herren aus diesen ganzen Vereinen mit den drei Buchstaben am Allerwenigsten.

- Madonna -

Samstag, Juli 27, 2013

36 Grad

Samstag morgen, kurz vor sieben. Genau der richtige Zeitpunkt für die von der Stadt Berlin beauftragten Aushilfslandschaftsgärtnergesellenanwärter, das von irgendwem einmal in maßloser Überschätzung der tatsächlichen Gegebenheiten als Landschaftsschutzgebiet eingestufte Stück versteppter Grünfläche rasenkosmetisch zu behandeln.
Hierzu wird neben Mähtraktoren und benzinmotorbetriebenen Kantenschneider alles Gerät aufgefahren, das den Freund lärmintensiver Grünanlagenpflegemaßnahmen genießerisch mit der Zunge schnalzen lässt. Gegen neun ist man fertig und während das getane Tagwerk mit einem Feierabendbierchen in der Kabine des Transportfahrzeugs begossen wird, reicht man das Grasmähstaffelholz an unseren autistischen Nachbarn weiter.

Genau genommen ist er ja nicht wirklich autistisch, er scheint nur biologisch außerstande zu sein, einen ihm entbotenen Gruß mit angemessener Höflichkeit zu erwidern - statt dessen schaut er in so einem Fall immer betreten und stumm zur Seite. Sozial-Autist wäre wohl treffender.
Nachdem er seine Mäharbeiten zu seiner vollsten Zufriedenheit abgeschlossen hatte, hab ich meiner Frau angeboten, dass ja jetzt ich zumindest den Rasen vor dem Haus mähen könnte, damit das Beklopptheitslevel in unserer Gegend nicht allzu rapide absinkt.

Da mich meine Liebste aber schon für den Vorschlag als hinreichend verrückt eingestuft hat, bleibt der Mäher dann wohl doch in Warteposition, ich in meinem angenehm temperierten Kellerraum und der Rest von Berlin auch weiterhin irrsinnig hohen Temperaturen ausgesetzt, bei denen man froh sein kann, wenn die sonnenglutverschmorten Hirne nichts Schlimmeres als Rasenmähpläne und wirre Blogposts produzieren.

Wollen wir mal hoffen, dass es dabei bleibt.

- 2raumwohnung -

Dienstag, Mai 14, 2013

Hit me

"Das Händchen, das den Vater schlägt, wird in der Hölle abgesägt!"

Früher konnte man mit derlei sinnigen Sprüchen noch durchaus ansehnliche pädagogische Ergebnisse beim Kind erzielen, seitdem sie sich aber mehr oder weniger dem Atheismus zugewandt hat, hat der Himmel viel von seinem Charme, die Hölle im Gegenzug einiges an Bedrohlichkeit für sie eingebüßt. Und der arme Papa kassiert wieder Schläge. Grün und blau bin ich.
Na gut, das ist jetzt um des Effektes und des Mitleidheischends Willen doch arg gelogen. Natürlich hat das Kind noch gar nicht die Kraft, mir dauerhaft blaue Flecken zu verpassen. Ganz im Gegensatz zu einer gewissen Holzkellertreppe im Rheinland, die ich anlässlich meines Besuches im elterlichen Haus zum ersten Mal seit gut 30 Jahren wieder einmal heruntergefallen bin.

Ein schmerzliches Erlebnis, das gönnt man selbst seinem Feind nicht. Obwohl - dem würde ich das natürlich schon gönnen. Und zwar von der ersten bis zur letzten Stufe (ich selber hab ja dann in der Mitte der Treppe abgebremst).
Der Feind, der im Nachbarhaus sitzt, ist ein unglaublich sturer, arroganter und von sich selbst überzeugter alter Sack mit einer Gattin, die dank identischer Charakterzüge wunderbar zu ihm passt.
Darf man solchen Leuten einen Treppensturz wünschen? Einerseits nicht, weil in ihrem Alter ja auch ein nicht ganz geringes Risiko besteht, dass sie sich danach nicht mehr aufrappeln.

Andererseits doch. Genau deswegen.

Aber zurück zum Rheinland, aus dem ich nach einem langen Ritt über deutsche Autobahnen bepackt mit 2 Kilo Spargel, 6 Kilo Kaffee und rund 15 Kilo Comics zurückgekehrt bin: Schön war es, die Familie, die man entfernungsbedingt nicht ganz so häufig sieht, mal wieder persönlich zu besichtigen. Nicht so schön ist der Verkehr auf deutschen Autobahnen vor Feiertagen.
Da muss man dann doch gelegentlich mal etwas langsamer bis gar nicht fahren, was mich zum Abschluss dazu bringt, für solche Strecken die Bahn zu empfehlen. Man ist nicht so flexibel wie mit dem eigenen Auto und nicht so flink wie mit dem Flugzeug, aber es ist ein entspanntes Fahren, die CO2-Bilanz ist positiv und man spart sich die Zeit im Stau. Für ein nettes Hörbuch reicht die Fahrt dann trotzdem und man kann beim Hören sogar die Augen schließen - etwas, das bei der Autofahrt nicht so wirklich empfehlenswert ist, zumindest, wenn man hinter dem Lenkrad sitzt.

Ich wünsche eine frohe Woche!

- Falco -

Samstag, April 06, 2013

Bell

27.12.2010 - 06.04.2013






Schlaf gut, kleiner Hamster

Donnerstag, März 28, 2013

Crazy

Meine Herren, das ist mal ein Deppenfangversuch allererster Güte...

- Gnarls Barkley -

Dienstag, März 26, 2013

Hallelujah

Sehr geehrter Herr Falcon,

vielen Dank für Ihre E-Mail vom 24. März 2013.

Sie fragen uns, warum wir Ihnen noch den vollständigen monatlichen Betrag für Ihren Anschluss berechnen, obwohl Sie diesen bereits zum 18. Februar 2013 gekündigt haben.

Wir können gut nachvollziehen, dass dies für Sie wie ein Fehler wirkt und gehen daher gern näher auf den Sachverhalt ein.

Selbstverständlich brauchen Sie nur bis zu dem Tag zahlen, an dem Ihr Vertrag endet. Es ist so, dass unser Abrechnungssystem das monatliche Entgelt immer für den ganzen Monat im Voraus abrechnet. Daher korrigieren wir die Abrechnung im Nachhinein.

Die entstandenen Mahngebühren haben wir selbstverständlich storniert. Auf die reklamierte Telefonrechnung haben wir eine kostenfreie Zahl- und Mahnsperre gesetzt. In Kürze erhalten Sie von uns noch eine Schlussrechnung. Darin schreiben wir den Anteil des monatlichen Betrags gut, den wir zu viel berechnet haben. Sollte ein Guthaben vorhanden sein, zahlen wir Ihnen dieses aus. Bitte setzen Sie sich dazu separat mit uns in Verbindung. Herzlichen Dank!

Haben Sie hierzu weitere Fragen? Bitte zögern Sie nicht, uns anzurufen. Sie erreichen unsere Mitarbeiter im Kundenservice täglich unter 0800 33 01000.

Mit freundlichen Grüßen

Kundenservice

XXX

- Leonard Cohen -

Donnerstag, Februar 28, 2013

Bastard

Es hört auf, wie es begonnen hat - mit meinem vermutlich aussichtslosen Versuch, irgendetwas zu erreichen. Irgendwie diese watteweiche, aber dennoch unzerstörbare Wand aus Ignoranz, Arroganz und abgrundtiefer Verachtung für die Kunden zu durchdringen.

Kurz zur Vorgeschichte: Ich hatte ja der Telekom, diesem blasierten Drecksverein, endlich den Rücken kehren können und bin, zumindest zum aktuellen Zeitpunkt noch, zufriedener O2-Nutzer. Dummerweise musste ich der Telekom noch eine letzte Anschlussgebühr zahlen, nämlich die für den Februar. Der war aber, wie wir dem letzten Post entnehmen können, keineswegs mehr ein voller Monat, da ja der Telekom-Vertrag bereits zum 17.02. endete, die Grundgebühr aber für den vollständigen Monat Februar berechnet wurde. Um Rücküberweisung des zuviel gezahlten Betrages in Höhe von gut 13 Euro habe ich daher mit zu diesem Zeitpunkt noch höflichem Schreiben gebeten.

Die Antwort des Kundenservices (schon diese Bezeichnung spuckt ins Gesicht der Kunden) der Telekom lautete darauf hin wie folgt (wörtlich inkl. Schreibfehler):

"Sehr geehrter Herr ...,

vielen Dank für Ihre E-Mail.

Sie sind mit der Berechnung des Grundpreises nicht einverstanden.

Gern haben wir dies für Sie überprüft. Unsere Recherche hat ergeben, dass Sie sich an Ihren anderen Anbieter wenden müssen.
Dieser muss sich dann mir uns in Verbindung setzen.

Uns ist bewusst, dass Sie sich eine andere Antwort gewünscht haben. Umso mehr hoffen wir, dass Sie unsere Argumentation nachvollziehen können.

Herzliche Grüße

Kundenservice

Maria Kühnemann"

Da lass ich mich doch nicht lumpen. Meine Antwort war die Folgende:

"Sehr geehrte Damen und Herren,

diese Antwort ist doch wohl nicht Ihr Ernst?

Sie haben einen zu hohen Betrag in Rechnung gestellt und ich soll mich in dieser Angelegenheit an meinen neuen Telekommunikationsanbieter wenden?
Ich erkläre es aber gerne noch einmal:
Sie haben mir einen Grundpreis in Höhe von 34,95 Euro für den Zeitraum vom 01.02.2013 bis zum 28.02.1013 in Rechnung gestellt. Tatsächlich endete mein Vertragsverhältnis mit der Deutschen Telekom aber bereits zum 17.02.2013.
Es liegt somit eine Überzahlung in Höhe von 13,73 Euro vor.
Ich erwarte die umgehende Rückerstattung dieses Betrages auf mein Konto bei der XXX-Bank
BLZ XXX
KTO XXX

..."

Wie es weiter geht?

Ich bin selber gespannt, aber dankbar für das Ventil, dass der Blog mir bietet - ansonsten müsste ich in Anbetracht dieser dreckigen Idiotenbande vermutlich platzen.

- Subway to Sally -

Kleines Update:

"Sehr geehrter Herr ...,

vielen Dank für Ihre Information.

Da Sie mit Ihren Anschluss zu einen anderen Anbieter portiert sind, muss sich der andere Anbieter mit uns in Verbindung setzen um die Portierung durchzuführen.

Wir bitten Sie daher um Verständnis.

Wir danken Ihnen für Ihre Unterstützung.

Herzliche Grüße

Kundenservice

Maria Kühnemann"

Ja, sie wollen mich in den Wahnsinn treiben.
Nein, das werden sie nicht schaffen. 

Dienstag, Februar 19, 2013

Caught in a web

Eine kurze Bemerkung in eigener Sache (nicht, dass nicht alles hier irgendwie in eigener Sache wäre): Ich hatte ja bekanntlicherweise nach unserem Umzug in unser Häuschen die eine oder andere Differenz mit der Deutschen Telekom. Um es kurz zu machen: Ein unorganisierter Sauhaufen wäre eine arg freundliche Umschreibung für die Geschäftspraxis der Telekom, was sich ja zu guter Letzt noch darin äußerte, dass sie sich weigerte, uns aus einem Vertrag zu lassen, den zu erfüllen sie selber gute vier Monate nicht in der Lage war.

Nun ja, gestern war dann der magische Moment - die Telekom ließ uns aus ihren ranzigen, schrumpeligen und stinkigen Klauen und Alice hätte uns in die Arme nehmen sollen.
Dumm nur, dass es Alice ja gar nicht mehr gibt - sie heißt jetzt O2 und wirbt statt mit hübschem Fotomodell mittlerweile mit einem seltsamen Kerl in der Badewanne und einem animatronischen Biber.

Aber machen wir es kurz: Der Wechsel scheint reibungslos geklappt zu haben - die einzigen zwei Kritikpunkte sind, dass unser Telefon derzeit je Minute Festnetztelefonat eine Gebühr von 50 Cent (oder Pfennig?) anzeigt, wobei ich hoffe, dass das tatsächlich nur eine Fehlanzeige des Telefons ist, denn eigentlich haben wir eine Festnetzflat und ich mich natürlich nicht mehr bei Alice einloggen kann, weil es Alice nicht mehr gibt - und O2 unser Login nicht kennt. Aber das sollten wir noch in den Griff bekommen.
Ansonsten flutscht zumindest das Internet jetzt mit einer dreimal so hohen Geschwindigkeit wie bisher durch die Leitung (den Herrn Womble, der beim gemeinsamen Spiel immer ewig warten musste, bis ich die erforderlichen Updates heruntergeladen hatte, wird es freuen) und wir zahlen 15 Euro weniger als bei den Telekom-Geiern.
Insgesamt eine erfreuliche Entwicklung; drückt die Daumen, dass uns dieser Zustand erhalten bleibt!

- Dream Theater -

Sonntag, Februar 17, 2013

New York, Rio, Tokyo


Jetlag ist schon was Fieses. Vor allem nach langen Flügen Richtung Osten schlägt er voll zu.
Tapfer, wie wir waren, hatten wir ja am ersten Abend vergleichsweise lange durchgehalten und damit halbwegs in den Rythmus gefunden, wie wir dachten, aber unsere Gastgeber wussten uns ohnehin zu beruhigen: "Keine Sorge, der Jetlag schlägt erst in der zweiten Nacht durch. Da werdet Ihr dann gegen drei wach und könnt nicht mehr einschlafen", munterten sie uns auf.

Die zweite Nacht lag aber noch lang genug entfernt von uns, dazwischen wartete nämlich erst einmal der Tokioter Sonntag auf uns.
Los ging es mit einer Tour zum Meiji-Schrein. Der dem gleichnamigen Kaiser gewidmete und in eine ausgedehnte Parkanlage gebettete Schrein sieht, wie so vieles in Tokio, recht alt aus, hat aber tatsächlich noch keine 60 Jahre auf dem Buckel.  Was natürlich wenig überraschend ist, wenn mansieht, was nach der Bombardierung Tokios im zweiten Weltkrieg zum Ende hin noch stand.
Der Meiji-Schrein ist dem Kaiser gleichen Namens gewidmet, der seinerzeit Japan auf mehr oder minder sanften Druck der USA (Stichwort Kanonenbootdiplomatie) gen Westen öffnete.

Aber was schreib ich hier eigentlich für 'nen Quatsch - wer sich dafür interessiert, kann das alles wunderbar auf Wikipedia nachlesen.
Deswegen folgen an dieser Stelle statt viel Text einfach Fotos mit ein paar Erklärungen. Das ist weniger anstrengend zu schauen und deutlich erbaulicher für Leib und Seele.
Naja, zumindest für die Seele, zum Leib kommen wir dann in einem späteren Post.

Lassen wir die Bilder sprechen!

Der Haupteingang zum Meije-Schrein. Wie man sieht, ist es für Tokioter Verhältnisse eher menschenleer. In den ersten zwei Tagen des neuen Jahres sieht es da schon deutlich anders aus.

Das zweite Tor zum Schrein. Obwohl eines DER japanischen Symbole, stammt das Holz für den Querbalken aus Korea - es gab in Japan zum Zeitpunkt der Errichtung keinen Baum, der groß genug gewesen wäre.

Der Schrein selber. Innen zu fotografieren ist nicht erwünscht.

Nicht ganz Tokio, aber fast. Etwa 50 Kilometer von Tokio entfernt liegt Kamakura. Und da sitzt der große Buddha. Immerhin 12 Meter hoch. Im Sitzen.

Wäre das Photo schärfer, wäre die Blüte noch beeindruckender. Aber auch so - immerhin befinden wir uns in der ersten Februarwoche. Da blüht in Deutschland gar nix.

Das kleine Eichhörnchen beim großen Buddha.

Auf dem Weg durch die japanische Wildnis zum Sasuke Inari Schrein - unsere Tochter hatte von dem Fuchsschrein gelesen und wollte ihn gerne sehen. Der "Elfen Lied"-Kenner wird von ihm gehört haben.
Noch etwas unwegige Wildnis

Im Schrein selber stehen Hunderte von kleinen Porzellanfüchsen.

Nachdem wir uns dem Schrein durchs Unterholz und über verschlungene Pfade genähert hatten, durften wir feststellen, dass auf der anderen Seite eine komfortable Treppe aus einem Wohngebiet heraufführte.

Das wusste dieser Fuchs natürlich, was auch sein Grinsen erklärt.
Und noch ein Schrein.
Zurück in Tokio. Was hier so putzig aussieht, hat einen tragischen Hintergrund: Jede der Steinstatuen am Zojo-Ji-Tempel steht für ein verstorbenes, getötetes (oder auch abgetriebenes) Kind. Erst wenn der rote Umhang oder Mantel verblichen ist, ist es in der Lage, den mythologischen Fluss Sanzu auf seinem Weg zur Unterwelt zu überschreiten.
Noch ein Eindruck desselben Tempels - an dieser gut 15 Tonnen schweren Glocke wird das neue Jahr mit 108 Schlägen eingeleitet. Eine hübsche Alternative zum hirnlosen Geballer, wie es alljährlich in Deutschland an Silvester zelebriert wird.
Kennt man auch aus dem Phantasialand - gruselig anzuschauende Geisterfiguren. Hier aber im Original. Bitte fragt nicht, wer genau das ist.



Kennt man auch aus japanischen Monsterfilmen - gleich biegt Godzilla um die Ecke, um sich mit Mothra am Turm zu balgen.

So, bevor jetzt jemand noch anfängt, zu schrein (für dieses Wortspiel habe ich eine halbe schlaflose Nacht benötigt), beende ich an dieser Stelle unsere kleine Schrein- und Tempel-Tour.
Beim nächsten Mal wird es darum gehen, dass Tokio gar nicht so klein ist, wie mancher glauben mag.

Bis dann dann.

- Trio Rio -

Dienstag, Februar 12, 2013

In the air tonight


Also denn – 13:35 Uhr, Boarding geht los.
Oder halt, nein. Es geht nicht los. Das ist natürlich etwas unschön in Anbetracht der Tatsache, dass der Flieger Richtung Moskau um 14:05 Uhr starten sollte. Und wir bei ursprünglicher Planung knappe anderthalb Stunden Zeit gehabt hätten, um aus dem einen Flugzeug aus- und in das andere einzusteigen, inklusive Pass- und Sicherheitskontrolle. In Russland, wohlgemerkt. Flughafen Scheremetjewo, Moskau.
Als um fünf nach zwei das Boarding immer noch nicht gestartet ist, werde ich doch ernsthaft nervös.
Eine Stunde zum Aussteigen, Terminal suchen und Einsteigen. Beim Russen! Und das Gepäck sollte ja möglichst auch noch umgeladen werden.

Meine Frau beruhigt mich per SMS und dann geht das Boarding doch noch los. Das Flugzeug überrascht mich – keine Antonov, wie bei Aeroflot befürchtet, sondern ein moderner Airbus, die Stewardessen sprechen neben russisch auch noch englisch, Bordprogramm gibt es leider keines.
Ist aber kein Problem, ich hab ja meine PS Vita mit diversen Spielen in der Tasche, das Kind den 3DS und ein Flug von knappen drei Stunden Dauer kriegt man schon rum.

In Moskau dann der Kulturschock – hier Marmor, Glas, Chrom und moderne Ausstattung, da ein muffiges Gebäude, veraltete Technik und marode Sanitäranlagen. Dumm nur, dass „hier“ der Moskauer Flughafen ist, gegen den Schönefeld schon ein ziemliches Loch ist. Macht aber kaum etwas, weil wir in nicht mal fünf Jahren ja einen schönen neuen Flughafen in Berlin haben werden.

Eventuell vielleicht. Oder später, oder so.

Machen wir es kurz – das Umsteigen hatte geklappt, der Flieger, ein weiterer Airbus modernster Bauart und Ausstattung flog uns und unser Gepäck in den nächsten 10 Stunden sicher nach Tokio.
Und ich muss jetzt mal echt eine Lanze für Aeroflot brechen – nicht nur, dass es die mit Abstand preiswerteste Fluglinie ist, der Service ist außerdem sehr gut und freundlich, das Onboard-Entertainment ganz hervorragend (nicht nur eine Serge-Eisenstein-Retrospektive, sondern fast 50 Filme bis hin zu aktuellen Blockbustern, inkl. „The Dark Knight rises“, „Ice Age 4“, „Prometheus“ und diversen anderen Kinohits des letzten Jahres und der Jahre davor standen zum Abruf bereit) und bei der technischen Ausstattung hat mich besonders begeistert, dass an jedem Sitz ein USB-Anschluss verbaut war, mit dem man seine während des Fluges leergespielten Geräte wieder aufladen konnte.
Genug der Schwärmerei.

In Tokio kamen wir dann trotzdem eine knappe Stunde später als geplant an, weil in Moskau noch die Tragflächen enteist werden mussten, dafür liefen Gepäckabfertigung und Passkontrolle mit typisch japanischer Höflichkeit und Effizienz ab, so dass wir letzten Endes zwar mit etwas Verspätung und ziemlich übermüdet, aber trotzdem recht zufrieden von unseren Gastgebern in Empfang genommen werden konnten.

Die brachten und dann erst mal zum Auspacken der Koffer in ihre Wohnung, danach ging es nochmal in die Stadt, und zwar nach Shibuya, wo unbedingt natürlich erst einmal das Denkmal des treuen Hachiko besichtigt wurde, bevor es dann in den Tokioter Trubel ging.

Hachiko, ein irre treuer Hund. Auf dem Bild ist leider nicht mehr der Echte zu sehen
Wer als Nichtjapaner eine Vorstellung von den über die Straßen flutenden Menschenmassen haben möchte, sollte sich einmal eine beliebige Einkaufsstraße in einer beliebigen deutschen Großstadt am 3. Adventssamstag vorstellen und die dort anwesende Besucherzahl verdoppeln – voilá!

Shibuya crossing, alle Ampeln auf grün - zumindest die für die Fußgänger

Für japanische Verhältnisse belebt, aber nicht überfüllt. Samstagabend halt. Kennt man ja.

Von diesen Shops gibt es in Tokio mehrere - niedliche Jungtiere zu extrem überhöhten Preisen. Sehr putzig anzuschauen zwar, aber es geht das Gerücht, dass die Tiere, wenn sie nicht mehr jung und niedlich und damit unverkäuflich geworden sind, eingeschläfert werden.
Nicht die Hohe Straße in Köln im Advent

Eine feine Sache für alle des Japanischen nicht mächtigen: Das Essen wird originalgetreu modelliert im Schaufenster ausgestellt, der hungrige Gast zeigt nur noch auf die Speise seiner Wahl. Was dann kommt, sieht auch genau so aus wie das Modell.
Nach ein paar ersten Tokioter Eindrücken ging es dann noch in ein original japanisches Teigtaschenrestaurant („Gyoza“ sagt der Kenner dazu – schmecken übrigens ganz hervorragend) und dann zurück in die Wohnung, wo nach ein bisschen Plauderei (und insgesamt gut 30 Stunden Wachsein am Stück) das Bett und damit die erste japanische Nacht auf uns wartete.

- Fortsetzung folgt –

- Phil Collins -

Donnerstag, Januar 31, 2013

Leaving on a jetplane

Morgen ist es soweit.
Dann fliegen das Kind und ich dahin

über

Weswegen wir verständlicher Weise schon ziemlich aufgeregt sind.
Immerhin fliegen wir mit Aeroflot - das macht die ganze Sache noch ein wenig abenteuerlicher.
Mit Zwischenstop in Moskau - wenn schon denn schon.

Eine Woche werden wir in Tokio sein, dort eine Kollegin und ihren Mann besuchen (falls sie hier mitlesen: Nein, Schokohasen gab es leider immer noch keine in adäquater Qualität) und uns die Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt geben, vom Pokémoncenter (der geneigte Leser darf jetzt dreimal raten, wer dahin möchte. Die ersten beiden Versuche zählen nicht) über die Gebrauchtvideospielläden in Akihabara (auch hier darf wieder geraten werden, wessen Idee das war. Auch hier zählen Rateversuch eins und zwei nicht) bis hin zu Kamakura und dem Ghibli-Museum.
Die Links schenke ich mir an dieser Stelle, damit in diesem Blog nicht einfach nur konsumiert, sondern auch ein wenig geistige Transferleistung erbracht wird.
Man sollte in der Beziehung ja auch im Alter rege sein.

Ich versuche auf jeden Fall, ziemlich viele Bilder zu machen, von denen einige dann auch hier landen werden.
Mein Fotoapparat gewährt mir 576 Aufnahmen und es wäre ja schon fast eine Sünde, so etwas nicht blogtechnisch auszuschlachten.

Bis ich dann etwas zur Reise schreibe, wird wohl noch einige Zeit vergehen; zur Überbrückung derselben darf ich auf den "Mann mit Botschaft" rechts in meiner Blogroll verweisen - der lebt nämlich jetzt schon einige Zeit in Tokio und weiß dementsprechend, wie der Pikachu läuft.
Und schreibt sehr lesenswert darüber.

Bis dann dann - wir lesen uns.

- John Denver -

Noch eine kurze Anmerkung für die Statistiker unter uns: Das ist jetzt Post Nr. 600 - ich hätte 2005 nicht geglaubt, dass es mal so viele (und hoffentlich noch viele mehr) werden würden.

Montag, Januar 28, 2013

Such a shame

Ja, es ist eine Schande.
Im August kann man in jedem mehr oder minder gut sortierten Supermarkt die ersten Lebkuchen kaufen und spätestens Mitte September gesellen sich weihnachtliche Schokoladenhohlfiguren, vulgo Schoko-Weihnachtsmänner, und die stille sowie heilige Nacht, gesungen vom Tölzer Knabenchor, in der Endlosschleife hinzu.
Sprich, der Einzelhandel hat durchaus die Zeichen der Zeit erkannt.
Wer jetzt aber glaubt, dass das nach Weihnachten entsprechend weiter geht, dem kann ich nur sagen: Pustekuchen!
Es gibt noch keine Schoko-Osterhasen zu kaufen!
da wartet der Handel jetzt erst einmal schamvoll den Karneval ab, um erst danach, in der enthaltsamen Fastenzeit, die Schokospezereien, die vermutlich schon seit Sankt Martin bei Milka und Co lagern, in seine Regale zu stellen.
Auf einmal wird das Gewissen entdeckt, natürlich zu einem Zeitpunkt, wo ich es so gar nicht brauchen kann.
Denn wie bereits angekündigt steht eine (entfernungstechnisch) längere Reise an, an deren Ziel wir bei einer lieben Kollegin und ihrem Ehemann Unterschlupf finden. Und was böte sich als Mitbringsel in ein fernes Land Besseres an, als heimische Osterleckereien?
Nur, woher nehmen und nicht stehlen?

Wir haben zwar noch einen Schmunzelhasen vom letzten Osterfest auf dem Klavier stehen, aber erstens schenkt man keine Geschenke weiter, zweitens ist das Tier aus Vollmilch-Nuss-Schokolade statt der sehnsüchtig erhofften Vollmilch, und drittens ist vermutlich selbst die seinerzeit lecker-frische Vollmilch-Nuss dank diverser Temeperaturschwankungen im Jahreskreis zu recht bröckeliger weißer Schokolade mutiert. Ich traue mich gar nicht, nachzuschauen.
Bleibt also nur die Hoffnung, dass ein Supermarkt ein Einsehen hat und noch rechtzeitig vor unserem Abflug am Freitag die Schokohasen aus dem Lager in die Verkaufsräume schafft.

Drückt mir die Daumen.

- Talk Talk -

Donnerstag, Januar 24, 2013

Check mich aus

"Epiphany ist ein freier Webbrowser. Er ist aus Galeon hervorgegangen und heute der offizielle Browser des Gnome-Projekts.
Epiphany wird unter der GNU GPL Lizenz veröffentlicht. Seit 2009 verwendet er für die Darstellung von Webseiten WebKit,[1] die Rendering-Engine von Safari und anderen Browsern.
Ziel der Entwickler ist es, einen Browser mit einer möglichst einfachen Benutzeroberfläche zu schaffen, der sich an die Human Interface Guidelines (HIG) des GNOME-Projektes hält, in die GNOME-Desktopumgebung integriert ist und die relevanten Standards befolgt."

Da geht mir doch nur ein Gedanke durch den Kopf:

DAFUQ?

Was soviel bedeutet wie: "Ach du meine Güte, nun bin ich schon ein wenig verdutzt!"
Ich hab nämlich seit langer Zeit mal wieder in meine Blog-Statistik geschaut.
Neben der Erkenntnis, dass erstaunlich viele fehlgeleitete Gestalten immer noch in meinem Blog nach Hinweisen suchen, wie man aus Waschpulver eine Bombe baut (offenbar die Deppenfalle schlechthin), hat der Ruf nach Teddybär 1-4 (oder "Teddybär 14", wie die jüngere und unwissende Generation sucht) doch mittlerweile mehr Leute auf den Blog geführt.
Wobei ich mir noch nicht so ganz im Klaren bin, ob mir verwirrte Fans deutscher Truckermusik wirklich die liebere Leserschar als verwirrte Möchtegernanarchisten sind.
Lieb und teuer sind mir aber alle die, die im Internet gezielt nach "Stilvoll altern" gesucht und daraufhin, wenig überraschend, meinen Blog gefunden haben.
Das sind nämlich Menschen von edler Gesinnung und mit klaren Zielen. Solche Leser kann man sich nur wünschen.

Ach ja, die obskure Einleitung hängt mit den Browsern zusammen, von denen aus hier zugegriffen wurde.
Neben dem schon erwähnten "Epiphany" waren das auch "Silk-" und "Trident-"Nutzer schon hier zu Besuch; ein paar sogar mittels iPod.
Erstaunlich.
Um die alle bei Laune zu halten, sollte ich wohl wieder etwas mehr bloggen als im letzten Jahr, das mit seinen 19 Posts natürlich ein ganz schwaches Bild abgibt.
Zum Beispiel über die große Reise, die ich kommenden Freitag gemeinsam mit dem Töchterlein antreten werde.

Demnächst mehr.

- Fler -

Donnerstag, Januar 17, 2013

Black


"Raider" ist "Twix",  "Calgonit" ist "Finish" und "Negerkönig" heißt jetzt "Südsee-König", zumindest bei Pipi Langstrumpf.
Sagt der Oetinger-Verlag.
Und der Thienemann Verlag streicht das N-Wort aus der kleinen Hexe, tauscht gleich noch ein paar andere Begriffe aus und erläutert dazu:

"Wir stehen als Verlag von Kinder- und Jugendliteratur in einer Verantwortung für die von uns veröffentlichten Texte. Auch die Bücher von Otfried Preußler werden häufig schon von Kindern allein gelesen und es ist nicht selbstverständlich davon auszugehen, dass ein Erwachsener dem lesenden Kind Begriffe erklärt oder die Umstände der Entstehung kennt. Nur in den wenigsten Fällen – und sicherlich nicht in der wohligen Vorlesesituation – führen Anmerkungen oder Fußnoten zu schwierigen Begriffen zu einem Diskurs mit Kindern. Deshalb sollte ein Text für Kinder möglichst nicht falsch verstanden werden können. Sprache beeinflusst das Bewusstsein und wo ein diskriminierender Begriff vermieden werden kann, halten wir es für vernünftig ihn wegzulassen." (Link zum gesamten Text)

Der große Denkfehler, der hier m.E. gemacht wird ist der, dass man glaubt, dass Rassismus in dem Moment aus den Köpfen verschwindet, in dem rassistische Begriffe verschwinden.
Ein Umdenken erreicht man doch nicht durch Umbenennung oder Ersatz von Begriffen durch andere. Solange in den Köpfen gar nicht so weniger Menschen immer noch präsent (oder auch nur latent vorhanden) ist, dass dunkelhäutige Menschen minderwertiger sind, ist es doch völlig unerheblich, wenn noch irgendwo in einem Kinderbuch von einem "Negerlein" die Rede ist.
Im Gegenteil: Streicht man solche Begriffe, nimmt man doch die Gelegenheit, sich damit kritisch auseinandersetzen zu können. Und wenn Eltern tatsächlich so besorgt sind ob der Verwendung eines solchen Begriffes, sollten sie die Chance nutzen, ihren Kindern zu erläutern, warum der Begriff rassistisch sein kann, was Rassismus ist und wie man ihn verhindert.
Wer natürlich dazu zu bequem ist, für den ist die schlichte Lösung, das Wort "Negerlein" nicht mehr in den Büchern lesen zu müssen, die komfortabelste.
Aber auch die schlechteste.


- Pearl Jam -

Montag, Januar 14, 2013

American Pie


Wow, jetzt haben wir in drei Wochen schon genau so viele Filme im Kino gesehen wie im ganzen restlichen Jahr 2012 insgesamt.
Los ging es an Heiligabend mit dem Hobbit.
Seitdem wir in Berlin leben (was ja auch schon seit 2005 der Fall ist), ist es zur schönen Tradition geworden, die Zeit vor der Bescherung mit einem passenden Film im Kino zu verbringen.

Jaja, ich weiß, früher ging man mit dem Kind auf dem Schlitten durch den verschneiten Tannenwald und horchte auf das Glöckchen des Weihnachtsmannes/Christkindes, das ankündigte, dass ein Berg von Geschenken unter dem heimatlichen Tannenbaum lauert.
Bei aller Vergangenheitsverklärung kann ich mich aber an einen Heiligabend erinnern, in denen der Schnee nur aus Nieselregen bestand und ich mit dem Herrn Vater per Auto durch den dunkler werdenden Nachmittag gegondelt bin, bis dann die Frau Mama das Christkind daheim die Geschenke angerichtet hatte (ich weiß übrigens noch genau, was ich damals bekommen habe, nämlich diese Burg

und ein Bilderbuch im Stil von "10 kleine Negerlein" (darf man das heute überhaupt noch sagen? Der Oetinger-Verlag behauptet "Nein" und streicht solche Begriffe prophylaktisch aus seinen Kinderbuchklassikern, aber das ist eine andere Geschichte), aber mit den Figuren aus Disneys "Robin Hood", also quasi "10 kleine Vagabunden" oder so. Aber ich schweife ab.).
Also kein Schnee letztes Weihnachten und mit einem 13-jährigen Kind hinten auf dem Schlitten ("13 1/2" würde meine Tochter sagen) durch einen Wald ohne Schnee zu stapfen bereitet ohnehin nur mäßiges Vergnügen.

Deswegen Kino. Letztes Weihnachten "Der Hobbit" - sehr schöne Verfilmung, auch wenn sich mir derzeit die Frage stellt, was denn jetzt in den noch fehlenden zwei Teilen passieren mag, da das ohnehin nicht dicke Kinderbuch vom ersten Teil schon bis gut zur Hälfte erzählt wurde. Man tippt in meiner Umgebung auf die Story um den Totenbeschwörer - wir werden sehen.

Also, der Hobbit.

Schön gemachter Film, gut erzählt mit erstaunlich wenigen Längen.
Tolle Bilder, wie nicht anders von Herrn Jackson gewohnt und deutlich humorvoller als die "Herr der Ringe"-Trilogie, was natürlich auch der Vorlage geschuldet ist.
Anschauen lohnt sich - in 3D auf jeden Fall; ob man die HFR-Version sehen sollte, vermag ich mangels eigener Erfahrung nicht zu beurteilen.
Ich hab zwei exakt gegenläufige Meinungen dazu gehört und halte beide für nachvollziehbar. Vielleicht sollten man den Film einfach zweimal anschauen, einmal in jeder Version - wenn denn das Geld reicht, denn Kino ist, wie ich immer wieder feststellen muss, ein extrem teurer Spaß geworden.

Natürlich nicht für mich, denn den nächsten Film - "Ralph reichts" hab ich mir zu Silvester dank einer noch vorhandenen Freikarte gratis besuchen können.

Und auch hier gibt es eine ganz klare Empfehlung - vielleicht erst noch einmal kurz etwas zur Handlung, die nicht ganz so geläufig sein dürfte wie die vom Hobbit:
Ralph ist der Bösewicht in einem 30 Jahre alten Videospiel - er demoliert ein Haus und der Held des Spiels, Fix it Felix jr. muss es dann wieder aufbauen.
Klar, dass die Hausbewohner Felix ziemlich gut leiden können, während Ralph abends nach Schließung der Spielhalle, in der sein Automat zusammen mit zahlreichen anderen Geräten steht, sein trauriges Dasein auf einer Müllhalde fristen muss.
Als er dann auch noch nicht zum 30 Geburtstag des Spiels eingeladen wird, reicht es ihm. Er will endlich auch einmal der Held sein, der von allen bewundert wird. Das geht aber nur, indem er eine Heldenmedaille gewinnt. Und wo könnte so etwas leichter sein, als in einem modernen Egoshooter.
Ralph betritt also über die Steckerleiste, an der alle Automaten angeschlossen sind, den hochmodernen Shooter "Heroes Duty", gewinnt mit einem Trick tatsächlich die Medaille und dann geht aber alles schief, was schief gehen kann.
Der Film ist liebevoll (computer-)animiert, enthält zahllose Anspielungen auf Videospiele, die den Nerd in mir ein ums andere Mal jauchzen lassen und hat neben einer zuckersüßen Handlung, die Kinder und Erwachsene mit einem Faible für diese Art Film gleichermaßen begeistert, auch noch einen abgrundtiefen Bösewicht, eine toughe Kommandantin mit "unglaublichen Texturen", aber tragischer Hintergrundgeschichte und das obligatorische Außenseitergespann, das zu Helden wird, im Angebot.
Auch hier gilt: Anschauen.
3D muss aber nicht.

Das gilt beim letzten Film nicht so:
"Life of Pi" kann und sollte man sich durchaus in 3D antun.

Basierend auf dem Buch "Schiffbruch mit Tiger" (so auch der Untertitel) von Yann Martel wird die Geschichte eines jungen Inders erzählt, der eigentlich "Piscine Molitor" heißt, diesen Namen aber aus nachvollziehbaren Gründen in "Pi" geändert hat und mit seinen Eltern in Pondicherry lebt, wo ihnen der Zoo gehört.
Pi ist religiös sehr offen und nimmt daher gleich mal jede Religion an, die er kennen lernt, so dass er, obwohl von seinen Eltern eher als Rationalist erzogen, doch schon mit 16 Hindu, Christ und Moslem gleichermaßen ist.
Da seine Eltern wenig Zukunftschancen in Indien sehen, beschließt man, per Schiff nach Kanada auszuwandern und die Tiere, die man mit auf das Schiff nimmt, in Amerika zu verkaufen, um mit dem Geld eine neue Existenz aufzubauen.
Das Schiff sinkt aber in einem Sturm; lediglich Pi und der Zootiger mit dem seltsamen Namen "Richard Parker" überleben und treiben nun 227 Tage auf dem offenen Meer.
Nach anfänglich großen Problemen gewöhnen sich Tiger und Mensch aneinander und lernen, miteinander klarzukommen - dass Pi den Schiffbruch schließlich überleben wird, ist kein Geheimnis, da die Rahmenhandlung daraus besteht, dass der inzwischen gealterte Pi einem Schriftsteller mit Schreibblockade seine Lebensgeschichte erzählt.
Das alles wird von Regisseur Ang Lee in fantastische Bilder gegossen - nie sah der Ozean bedrohlicher aus als  beim Schiffsunglück, nie war der Himmel weiter und sternenreicher als bei ruhiger See, nie wurden auf einer seltsamen Insel größere Erdmännchenherden gesehen als in diesem Film.
Über den religiösen Subkontext ("Ich finde nach schwersten Prüfungen zu Gott") mag man streiten, man kann ihn angesichts der Bilderflut aber auch getrost ausblenden.
Einer der Filme des noch jungen Jahres, den man gesehen haben sollte - mit insgesamt 11 Oscar-Nominierungen (und einem gewonnenen Golden Globe, allerdings "nur" für die beste Filmmusik) auch da ganz oben mit dabei.

- Don McLean -

Donnerstag, Januar 03, 2013

Teeth

Na klasse - so muss ein Jahr losgehen: Nachdem ich mich für längere Zeit nicht zum Zahnarzt getraut habe, hab ich jetzt endlich auf Anraten meiner Frau (die von dem Zahnarzt hellauf begeistert ist) den Sprung ins kalte Wasser getan und einen Zahnarzttermin gemacht. Und zwar heute morgen, 07:45 Uhr.

Und was soll ich sagen "Mutti, Mutti - er hat gar nicht gebohrt!"
Zum einen natürlich deswegen, weil er eine sie ist - eine Zahnärztin, kein Zahnarzt.
Und die Dame irritierte mich die ganze Zeit, weil sie silberne untere Eckzähne hatte. Ich hoffe mal, dass das bloß Aufsteckkronen waren und quasi als Werbung dienten, so wie bei einer Friseuse die Strähnchen.
Aber das kann ich ja dann beim nächsten Mal fragen, denn leider bedeutet die Tatsache, dass sie heute nicht gebohrt hat nicht, dass sie es nicht noch tun wird.
Bei einer ersten Ortsbegehung hat sie nämlich Karies festgestellt, gleich an drei Zähnen. Und die werden dann in zwei Monaten saniert.
Ich ringe jetzt noch mit mir, ob ich drei Einzeltermine machen soll oder mich gleich in eine Vollnarkose versetzen lassen, damit alles auf einen Rutsch gemacht werden kann.
Tendieren tu ich ja zu Letzterem - dann hab ich es wenigstens hinter mir.

Oder ich lass doch erst mal nur einen Zahn reparieren, warte dann auf die Rechnung, die mir vermutlich so einen Schock versetzen wird, dass die restlichen Exemplare gleich auf einen Schlag ausfallen und bastel mir dann aus Knetgummi ein neues Gebiss.

Hach, ein Jahr voller Chancen!

- Lady Gaga -