Donnerstag, Februar 28, 2013

Bastard

Es hört auf, wie es begonnen hat - mit meinem vermutlich aussichtslosen Versuch, irgendetwas zu erreichen. Irgendwie diese watteweiche, aber dennoch unzerstörbare Wand aus Ignoranz, Arroganz und abgrundtiefer Verachtung für die Kunden zu durchdringen.

Kurz zur Vorgeschichte: Ich hatte ja der Telekom, diesem blasierten Drecksverein, endlich den Rücken kehren können und bin, zumindest zum aktuellen Zeitpunkt noch, zufriedener O2-Nutzer. Dummerweise musste ich der Telekom noch eine letzte Anschlussgebühr zahlen, nämlich die für den Februar. Der war aber, wie wir dem letzten Post entnehmen können, keineswegs mehr ein voller Monat, da ja der Telekom-Vertrag bereits zum 17.02. endete, die Grundgebühr aber für den vollständigen Monat Februar berechnet wurde. Um Rücküberweisung des zuviel gezahlten Betrages in Höhe von gut 13 Euro habe ich daher mit zu diesem Zeitpunkt noch höflichem Schreiben gebeten.

Die Antwort des Kundenservices (schon diese Bezeichnung spuckt ins Gesicht der Kunden) der Telekom lautete darauf hin wie folgt (wörtlich inkl. Schreibfehler):

"Sehr geehrter Herr ...,

vielen Dank für Ihre E-Mail.

Sie sind mit der Berechnung des Grundpreises nicht einverstanden.

Gern haben wir dies für Sie überprüft. Unsere Recherche hat ergeben, dass Sie sich an Ihren anderen Anbieter wenden müssen.
Dieser muss sich dann mir uns in Verbindung setzen.

Uns ist bewusst, dass Sie sich eine andere Antwort gewünscht haben. Umso mehr hoffen wir, dass Sie unsere Argumentation nachvollziehen können.

Herzliche Grüße

Kundenservice

Maria Kühnemann"

Da lass ich mich doch nicht lumpen. Meine Antwort war die Folgende:

"Sehr geehrte Damen und Herren,

diese Antwort ist doch wohl nicht Ihr Ernst?

Sie haben einen zu hohen Betrag in Rechnung gestellt und ich soll mich in dieser Angelegenheit an meinen neuen Telekommunikationsanbieter wenden?
Ich erkläre es aber gerne noch einmal:
Sie haben mir einen Grundpreis in Höhe von 34,95 Euro für den Zeitraum vom 01.02.2013 bis zum 28.02.1013 in Rechnung gestellt. Tatsächlich endete mein Vertragsverhältnis mit der Deutschen Telekom aber bereits zum 17.02.2013.
Es liegt somit eine Überzahlung in Höhe von 13,73 Euro vor.
Ich erwarte die umgehende Rückerstattung dieses Betrages auf mein Konto bei der XXX-Bank
BLZ XXX
KTO XXX

..."

Wie es weiter geht?

Ich bin selber gespannt, aber dankbar für das Ventil, dass der Blog mir bietet - ansonsten müsste ich in Anbetracht dieser dreckigen Idiotenbande vermutlich platzen.

- Subway to Sally -

Kleines Update:

"Sehr geehrter Herr ...,

vielen Dank für Ihre Information.

Da Sie mit Ihren Anschluss zu einen anderen Anbieter portiert sind, muss sich der andere Anbieter mit uns in Verbindung setzen um die Portierung durchzuführen.

Wir bitten Sie daher um Verständnis.

Wir danken Ihnen für Ihre Unterstützung.

Herzliche Grüße

Kundenservice

Maria Kühnemann"

Ja, sie wollen mich in den Wahnsinn treiben.
Nein, das werden sie nicht schaffen. 

Dienstag, Februar 19, 2013

Caught in a web

Eine kurze Bemerkung in eigener Sache (nicht, dass nicht alles hier irgendwie in eigener Sache wäre): Ich hatte ja bekanntlicherweise nach unserem Umzug in unser Häuschen die eine oder andere Differenz mit der Deutschen Telekom. Um es kurz zu machen: Ein unorganisierter Sauhaufen wäre eine arg freundliche Umschreibung für die Geschäftspraxis der Telekom, was sich ja zu guter Letzt noch darin äußerte, dass sie sich weigerte, uns aus einem Vertrag zu lassen, den zu erfüllen sie selber gute vier Monate nicht in der Lage war.

Nun ja, gestern war dann der magische Moment - die Telekom ließ uns aus ihren ranzigen, schrumpeligen und stinkigen Klauen und Alice hätte uns in die Arme nehmen sollen.
Dumm nur, dass es Alice ja gar nicht mehr gibt - sie heißt jetzt O2 und wirbt statt mit hübschem Fotomodell mittlerweile mit einem seltsamen Kerl in der Badewanne und einem animatronischen Biber.

Aber machen wir es kurz: Der Wechsel scheint reibungslos geklappt zu haben - die einzigen zwei Kritikpunkte sind, dass unser Telefon derzeit je Minute Festnetztelefonat eine Gebühr von 50 Cent (oder Pfennig?) anzeigt, wobei ich hoffe, dass das tatsächlich nur eine Fehlanzeige des Telefons ist, denn eigentlich haben wir eine Festnetzflat und ich mich natürlich nicht mehr bei Alice einloggen kann, weil es Alice nicht mehr gibt - und O2 unser Login nicht kennt. Aber das sollten wir noch in den Griff bekommen.
Ansonsten flutscht zumindest das Internet jetzt mit einer dreimal so hohen Geschwindigkeit wie bisher durch die Leitung (den Herrn Womble, der beim gemeinsamen Spiel immer ewig warten musste, bis ich die erforderlichen Updates heruntergeladen hatte, wird es freuen) und wir zahlen 15 Euro weniger als bei den Telekom-Geiern.
Insgesamt eine erfreuliche Entwicklung; drückt die Daumen, dass uns dieser Zustand erhalten bleibt!

- Dream Theater -

Sonntag, Februar 17, 2013

New York, Rio, Tokyo


Jetlag ist schon was Fieses. Vor allem nach langen Flügen Richtung Osten schlägt er voll zu.
Tapfer, wie wir waren, hatten wir ja am ersten Abend vergleichsweise lange durchgehalten und damit halbwegs in den Rythmus gefunden, wie wir dachten, aber unsere Gastgeber wussten uns ohnehin zu beruhigen: "Keine Sorge, der Jetlag schlägt erst in der zweiten Nacht durch. Da werdet Ihr dann gegen drei wach und könnt nicht mehr einschlafen", munterten sie uns auf.

Die zweite Nacht lag aber noch lang genug entfernt von uns, dazwischen wartete nämlich erst einmal der Tokioter Sonntag auf uns.
Los ging es mit einer Tour zum Meiji-Schrein. Der dem gleichnamigen Kaiser gewidmete und in eine ausgedehnte Parkanlage gebettete Schrein sieht, wie so vieles in Tokio, recht alt aus, hat aber tatsächlich noch keine 60 Jahre auf dem Buckel.  Was natürlich wenig überraschend ist, wenn mansieht, was nach der Bombardierung Tokios im zweiten Weltkrieg zum Ende hin noch stand.
Der Meiji-Schrein ist dem Kaiser gleichen Namens gewidmet, der seinerzeit Japan auf mehr oder minder sanften Druck der USA (Stichwort Kanonenbootdiplomatie) gen Westen öffnete.

Aber was schreib ich hier eigentlich für 'nen Quatsch - wer sich dafür interessiert, kann das alles wunderbar auf Wikipedia nachlesen.
Deswegen folgen an dieser Stelle statt viel Text einfach Fotos mit ein paar Erklärungen. Das ist weniger anstrengend zu schauen und deutlich erbaulicher für Leib und Seele.
Naja, zumindest für die Seele, zum Leib kommen wir dann in einem späteren Post.

Lassen wir die Bilder sprechen!

Der Haupteingang zum Meije-Schrein. Wie man sieht, ist es für Tokioter Verhältnisse eher menschenleer. In den ersten zwei Tagen des neuen Jahres sieht es da schon deutlich anders aus.

Das zweite Tor zum Schrein. Obwohl eines DER japanischen Symbole, stammt das Holz für den Querbalken aus Korea - es gab in Japan zum Zeitpunkt der Errichtung keinen Baum, der groß genug gewesen wäre.

Der Schrein selber. Innen zu fotografieren ist nicht erwünscht.

Nicht ganz Tokio, aber fast. Etwa 50 Kilometer von Tokio entfernt liegt Kamakura. Und da sitzt der große Buddha. Immerhin 12 Meter hoch. Im Sitzen.

Wäre das Photo schärfer, wäre die Blüte noch beeindruckender. Aber auch so - immerhin befinden wir uns in der ersten Februarwoche. Da blüht in Deutschland gar nix.

Das kleine Eichhörnchen beim großen Buddha.

Auf dem Weg durch die japanische Wildnis zum Sasuke Inari Schrein - unsere Tochter hatte von dem Fuchsschrein gelesen und wollte ihn gerne sehen. Der "Elfen Lied"-Kenner wird von ihm gehört haben.
Noch etwas unwegige Wildnis

Im Schrein selber stehen Hunderte von kleinen Porzellanfüchsen.

Nachdem wir uns dem Schrein durchs Unterholz und über verschlungene Pfade genähert hatten, durften wir feststellen, dass auf der anderen Seite eine komfortable Treppe aus einem Wohngebiet heraufführte.

Das wusste dieser Fuchs natürlich, was auch sein Grinsen erklärt.
Und noch ein Schrein.
Zurück in Tokio. Was hier so putzig aussieht, hat einen tragischen Hintergrund: Jede der Steinstatuen am Zojo-Ji-Tempel steht für ein verstorbenes, getötetes (oder auch abgetriebenes) Kind. Erst wenn der rote Umhang oder Mantel verblichen ist, ist es in der Lage, den mythologischen Fluss Sanzu auf seinem Weg zur Unterwelt zu überschreiten.
Noch ein Eindruck desselben Tempels - an dieser gut 15 Tonnen schweren Glocke wird das neue Jahr mit 108 Schlägen eingeleitet. Eine hübsche Alternative zum hirnlosen Geballer, wie es alljährlich in Deutschland an Silvester zelebriert wird.
Kennt man auch aus dem Phantasialand - gruselig anzuschauende Geisterfiguren. Hier aber im Original. Bitte fragt nicht, wer genau das ist.



Kennt man auch aus japanischen Monsterfilmen - gleich biegt Godzilla um die Ecke, um sich mit Mothra am Turm zu balgen.

So, bevor jetzt jemand noch anfängt, zu schrein (für dieses Wortspiel habe ich eine halbe schlaflose Nacht benötigt), beende ich an dieser Stelle unsere kleine Schrein- und Tempel-Tour.
Beim nächsten Mal wird es darum gehen, dass Tokio gar nicht so klein ist, wie mancher glauben mag.

Bis dann dann.

- Trio Rio -

Dienstag, Februar 12, 2013

In the air tonight


Also denn – 13:35 Uhr, Boarding geht los.
Oder halt, nein. Es geht nicht los. Das ist natürlich etwas unschön in Anbetracht der Tatsache, dass der Flieger Richtung Moskau um 14:05 Uhr starten sollte. Und wir bei ursprünglicher Planung knappe anderthalb Stunden Zeit gehabt hätten, um aus dem einen Flugzeug aus- und in das andere einzusteigen, inklusive Pass- und Sicherheitskontrolle. In Russland, wohlgemerkt. Flughafen Scheremetjewo, Moskau.
Als um fünf nach zwei das Boarding immer noch nicht gestartet ist, werde ich doch ernsthaft nervös.
Eine Stunde zum Aussteigen, Terminal suchen und Einsteigen. Beim Russen! Und das Gepäck sollte ja möglichst auch noch umgeladen werden.

Meine Frau beruhigt mich per SMS und dann geht das Boarding doch noch los. Das Flugzeug überrascht mich – keine Antonov, wie bei Aeroflot befürchtet, sondern ein moderner Airbus, die Stewardessen sprechen neben russisch auch noch englisch, Bordprogramm gibt es leider keines.
Ist aber kein Problem, ich hab ja meine PS Vita mit diversen Spielen in der Tasche, das Kind den 3DS und ein Flug von knappen drei Stunden Dauer kriegt man schon rum.

In Moskau dann der Kulturschock – hier Marmor, Glas, Chrom und moderne Ausstattung, da ein muffiges Gebäude, veraltete Technik und marode Sanitäranlagen. Dumm nur, dass „hier“ der Moskauer Flughafen ist, gegen den Schönefeld schon ein ziemliches Loch ist. Macht aber kaum etwas, weil wir in nicht mal fünf Jahren ja einen schönen neuen Flughafen in Berlin haben werden.

Eventuell vielleicht. Oder später, oder so.

Machen wir es kurz – das Umsteigen hatte geklappt, der Flieger, ein weiterer Airbus modernster Bauart und Ausstattung flog uns und unser Gepäck in den nächsten 10 Stunden sicher nach Tokio.
Und ich muss jetzt mal echt eine Lanze für Aeroflot brechen – nicht nur, dass es die mit Abstand preiswerteste Fluglinie ist, der Service ist außerdem sehr gut und freundlich, das Onboard-Entertainment ganz hervorragend (nicht nur eine Serge-Eisenstein-Retrospektive, sondern fast 50 Filme bis hin zu aktuellen Blockbustern, inkl. „The Dark Knight rises“, „Ice Age 4“, „Prometheus“ und diversen anderen Kinohits des letzten Jahres und der Jahre davor standen zum Abruf bereit) und bei der technischen Ausstattung hat mich besonders begeistert, dass an jedem Sitz ein USB-Anschluss verbaut war, mit dem man seine während des Fluges leergespielten Geräte wieder aufladen konnte.
Genug der Schwärmerei.

In Tokio kamen wir dann trotzdem eine knappe Stunde später als geplant an, weil in Moskau noch die Tragflächen enteist werden mussten, dafür liefen Gepäckabfertigung und Passkontrolle mit typisch japanischer Höflichkeit und Effizienz ab, so dass wir letzten Endes zwar mit etwas Verspätung und ziemlich übermüdet, aber trotzdem recht zufrieden von unseren Gastgebern in Empfang genommen werden konnten.

Die brachten und dann erst mal zum Auspacken der Koffer in ihre Wohnung, danach ging es nochmal in die Stadt, und zwar nach Shibuya, wo unbedingt natürlich erst einmal das Denkmal des treuen Hachiko besichtigt wurde, bevor es dann in den Tokioter Trubel ging.

Hachiko, ein irre treuer Hund. Auf dem Bild ist leider nicht mehr der Echte zu sehen
Wer als Nichtjapaner eine Vorstellung von den über die Straßen flutenden Menschenmassen haben möchte, sollte sich einmal eine beliebige Einkaufsstraße in einer beliebigen deutschen Großstadt am 3. Adventssamstag vorstellen und die dort anwesende Besucherzahl verdoppeln – voilá!

Shibuya crossing, alle Ampeln auf grün - zumindest die für die Fußgänger

Für japanische Verhältnisse belebt, aber nicht überfüllt. Samstagabend halt. Kennt man ja.

Von diesen Shops gibt es in Tokio mehrere - niedliche Jungtiere zu extrem überhöhten Preisen. Sehr putzig anzuschauen zwar, aber es geht das Gerücht, dass die Tiere, wenn sie nicht mehr jung und niedlich und damit unverkäuflich geworden sind, eingeschläfert werden.
Nicht die Hohe Straße in Köln im Advent

Eine feine Sache für alle des Japanischen nicht mächtigen: Das Essen wird originalgetreu modelliert im Schaufenster ausgestellt, der hungrige Gast zeigt nur noch auf die Speise seiner Wahl. Was dann kommt, sieht auch genau so aus wie das Modell.
Nach ein paar ersten Tokioter Eindrücken ging es dann noch in ein original japanisches Teigtaschenrestaurant („Gyoza“ sagt der Kenner dazu – schmecken übrigens ganz hervorragend) und dann zurück in die Wohnung, wo nach ein bisschen Plauderei (und insgesamt gut 30 Stunden Wachsein am Stück) das Bett und damit die erste japanische Nacht auf uns wartete.

- Fortsetzung folgt –

- Phil Collins -