Samstag, Juli 27, 2013

36 Grad

Samstag morgen, kurz vor sieben. Genau der richtige Zeitpunkt für die von der Stadt Berlin beauftragten Aushilfslandschaftsgärtnergesellenanwärter, das von irgendwem einmal in maßloser Überschätzung der tatsächlichen Gegebenheiten als Landschaftsschutzgebiet eingestufte Stück versteppter Grünfläche rasenkosmetisch zu behandeln.
Hierzu wird neben Mähtraktoren und benzinmotorbetriebenen Kantenschneider alles Gerät aufgefahren, das den Freund lärmintensiver Grünanlagenpflegemaßnahmen genießerisch mit der Zunge schnalzen lässt. Gegen neun ist man fertig und während das getane Tagwerk mit einem Feierabendbierchen in der Kabine des Transportfahrzeugs begossen wird, reicht man das Grasmähstaffelholz an unseren autistischen Nachbarn weiter.

Genau genommen ist er ja nicht wirklich autistisch, er scheint nur biologisch außerstande zu sein, einen ihm entbotenen Gruß mit angemessener Höflichkeit zu erwidern - statt dessen schaut er in so einem Fall immer betreten und stumm zur Seite. Sozial-Autist wäre wohl treffender.
Nachdem er seine Mäharbeiten zu seiner vollsten Zufriedenheit abgeschlossen hatte, hab ich meiner Frau angeboten, dass ja jetzt ich zumindest den Rasen vor dem Haus mähen könnte, damit das Beklopptheitslevel in unserer Gegend nicht allzu rapide absinkt.

Da mich meine Liebste aber schon für den Vorschlag als hinreichend verrückt eingestuft hat, bleibt der Mäher dann wohl doch in Warteposition, ich in meinem angenehm temperierten Kellerraum und der Rest von Berlin auch weiterhin irrsinnig hohen Temperaturen ausgesetzt, bei denen man froh sein kann, wenn die sonnenglutverschmorten Hirne nichts Schlimmeres als Rasenmähpläne und wirre Blogposts produzieren.

Wollen wir mal hoffen, dass es dabei bleibt.

- 2raumwohnung -